Ein Lob der Vetternwirtschaft

Dieser Tage wurde allen Zweiflern in der Stadt vom Chef der Lokalzeitung ausführlich erklärt, warum wir Ulmer Bürger den besten OB haben, den wir uns nur vorstellen können. Andere Städte wünschten sich so einen, die Landesregierung gar höre auf ihn und schließlich vereinige er in seiner Person eine große Anzahl bürgerlicher Tugenden, die alle nur zu unserem Nutzen seien : Anstand, Fleiss, Tatkraft und Bodenhaftung.Die Lobpreisung gipfelt in einem Gedanken, der absonderlicher gar nicht mehr sein könnte: Dieser Oberbürgermeister betreibe auch eine Vetternwirtschaft, wie man sie sich besser und gerechter nicht vorstellen könne. Die mit Gönners Amtsführung verbundene Vetternwirtschaft – sie wird mit keinem Wort bestritten – sei weder juristisch zu beanstanden noch moralisch verwerflich, sie sei gleichsam naturgegeben. Unter allen Vorgängern des Oberbürgermeisters habe es „Netzwerke“ gegeben, nur keiner habe sie so ausgewogen und gerecht gestaltet, denn : schließlich gebe es über alle Fraktionsgrenzen hinweg in allen Fraktionen Nutznießer. Seit Jahren führen wir eine gesellschaftliche Diskussion über zunehmende Politikverdrossenheit: die Zahl der Nichtwähler steigt und eine Radikalisierung von Teilen der Bevölkerung ist feststellbar. Zweifellos sind die Ursachen dieser Entwicklungen vielfältig. Sicher aber ist, dass die Politikverdrossenheit durch das Verhalten politischer Akteure gefördert oder gehemmt werden kann (nicht durch ihre Reden) . Wer es für legal und moralisch tolerierbar hält, dass Bürgermeister und Gemeinderäte sich gegenseitig durch ihre Ämter Vorteile verschaffen, fördert Politikverdrossenheit.
Es wird in demokratischen Systemen immer darum gehen, Vetternwirtschaft einzudämmen, zurückzudrängen. Versagen die Institutionen und ihre Kontrollgremien (z.B. die Presse), verliert das System zunehmend an Glaubwürdigkeit und an Stabilität. Deshalb ist es äußerst befremdlich von einem Ulmer Journalisten ein Lob auf die lokale Vetternwirtschaft zu hören.
Sind da Kritikfähigkeit und Distanz durch allzu große Nähe zum Oberbürgermeister auf der Strecke geblieben? Außer dem Verlust an Glaubwürdigkeit hat die Vetternwirtschaft noch eine weitere negative Konsequenz: finanziellen Schaden, der der Allgemeinheit zugefügt wird.
Wieviel tausend Euro kostet die Stelle des Donaubüroleiters den Stadthaushalt Monat für Monat? Ein Mann wie Peter Langer ohne spezifische Qualifikation wird dafür bezahlt, dass er einen Job macht, der gar nicht gebraucht wird. Das ist die hohe Kunst der Geldverschwendung. Ich verstehe, dass so etwas Verdruss schafft.

/ 14.4.07

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