Lohnsklaverei an der Universitätsklinik Ulm

Die Universitätsklinik in Ulm will Geld einsparen – mehr als 500 000 € – und greift zu einem außergewöhnlichen Mittel. Am 1.1.2008 sollen 174 Mitarbeiterinnen, die an der Klinik hauswirtschaftliche Arbeiten und Transportdienste erledigen, „ausgegliedert“ werden. Das bedeutet, sie werden Beschäftigte einer Tochtergesellschaft (Dienstleistungen Uniklinik Ulm) und sind fortan nicht mehr Angestellte der Klinik. Der Nutzen dieses Taschenspielertricks : Das durchschnittliche Bruttoverdienst sinkt von 2400.- € auf 2000.- €, weil die Tochtergesellschaft sich an keine Tarifverträge halten muss und somit für die gleiche Arbeit erheblich weniger bezahlt. Wer sich weigert, der Ausgliederung zuzustimmen, fliegt raus, sagt Rainer Schoppik, der als kaufmännischer Direktor diese Ausgliederung exekutiert, die vom Aufsichtsrat beschlossen worden ist.

Bei den Angestellten, die ausgegliedert werden sollen, handelt es sich zum größten Teil um Frauen, darunter viele Alleinerziehende mit Kindern. Etwa 1200.- € bleiben etlichen von ihnen, um ihre Familie im Monat durchzubringen.
Es wäre schön, wenn der ökonomisch geschulte Herr Schoppik diesen Frauen Tipps geben könnte, wie es möglich ist, von diesem Geld die Miete, die Kleidung und das Essen zu bezahlen. Vor kurzem berichtete die Presse, dass in Deutschland 2,6 Millionen Kinder in Armut leben. Das heißt, dass sie pro Monat 208 € zur Verfügung haben. Vermutlich findet Herr Schoppik die Kinderarmut ganz schrecklich, kann aber keinerlei Zusammenhang zwischen seinem Tun und der Kinderarmut erkennen.

Die von der Ausgliederung betroffenen Arbeitnehmerinnen führten am 29.8. an der Uniklinik eine Protestkundgebung durch. In einem Brief an die Ulmer Landtagsabgeordneten baten sie um Unterstützung im Landtag und bei der Landesregierung. Es ist nicht zu glauben, wie Mitarbeiter, die jahrelang gewissenhaft ihre Arbeit getan haben, von Bürokraten zu Lohnsklaven degradiert werden. Redliche Arbeitgeber – zumal in mittelständischen Betrieben mit persönlichen Beziehungen – empfänden dieses Verhalten Mitarbeitern gegenüber als unanständig und verwerflich.

Und was hört man in dieser Angelegenheit vom sozialdemokratischen Oberbürgermeister?
Sympathie für die Betroffenen?
Eine Solidaritätsadresse?
Ein mahnendes Wort an die Bürokraten der Uniklinik?

Ich habe bisher nichts gehört. Sie etwa? Auch das sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir im Dezember einen neuen Oberbürgermeister wählen.

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