Kulturoffensive 2008

Ulm ist in aller Munde : der weithin bekannte Programmdirektor Limbert von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit bescheinigte der Stadt auf einer Pressekonferenz in Berlin, dass sie durch ihre Donauaktivitäten „Weltpolitik“ betreibe (kein Scherz!). Peter Langer, der zukünftige Präsident der Donauakademie, nannte Ulm das „Genf des Donauraumes“ (kein Scherz!). Der Journalist und Heimatdichter Willi Freiherr von Böhmen (Name von der Redaktion geändert) kreierte in seiner lyrischer Prosa „Tagträumen über die Heimatstadt“ die atemberaubende Metapher von Ulm als dem „Nabel des Flusses“ (kein Scherz).

Nun, wenn eine Stadt sozusagen über Nacht vom Steiß der Welt zum Nabel des Flusses wird, kann dies nicht ohne Wirkung auf das kulturelle Leben dieser Stadt beiben. Ganz exklusiv informiert Sie der Donaufisch über Pläne, die bislang nur von hochkarätigen Insidern des Ulmer Kulturlebens diskutiert werden und unter dem Titel „Kulturoffensive 2008“ (sprich: 20 – 08) firmieren. Dabei handelt es sich um kulturelle Aktivitäten, die auf zwei Säulen ruhen : der privaten Initiative zweier Mäzene und einer städtischen Kulturpolitik mit fundamental neuen Ansätzen.

Die Stadt sieht es als ihre vordringlichste Aufgabe auf dem Gebiete der Kulturpolitik an, einen institutionellen Rahmen zu schaffen. Diesen werden in Zukunft die sogenannten Schwendier Kamingespräche bilden, wo sich Repräsentanten der Kulturverwaltung, Vertreter der Fraktionen und Mitglieder des Kuturausschusses mehrmals im Jahr treffen wollen. Im Hotel Oberschwäbischer Hof reflektieren und erörtern Teilnehmer der Kamingespräche Grundsatzfragen (Was ist Europa? Wo steht Ulm?) und philosophische Thesen (Kunst, Kultur und Wissenschaft sind in der Lage, neue Ideen hervorzubringen). Außerdem bieten diese Zusammenkünfte die Möglichkeit, städtische Initiativen auf kulturellem Gebiet den Plänen und Aktivitäten der Mäzene anzupassen.

Ein Großprojekt nimmt die Stadt mit dem Neubau eines Museums in Angriff, das in den östlichen Donauauen direkt neben dem Affenhaus gebaut werden wird. Dieses wird nach Fertigstellung alle Ehrungen präsentieren, die der Stadt durch namhafte Institutionen zuteil geworden sind. So stehen bisher z.B. die Auszeichnungen „gesündeste Stadt“ (healthy living), „energiebewußteste Stadt“ (energy award), und „toleranteste Stadt“ (Mudschaheddin und Jihad) auf der Liste, die später
Grundlage eines Museumskonzepts sein soll.

Neben Siegfried Weishaupt betätigt sich zukünftig ein zweiter Ulmer Unternehmer als Förderer großer Kunst: Der seriöse, aber herzliche Walter Feucht plant den Kauf des Ulmer Theaters und eine völlige Neugestaltung dieser Einrichtung. Bekannt ist bislang nur, dass sich der neustrukturierte Musentempel ähnlich den Theatern am Broadway mit populären Musicalproduktionen besser am internationalen Kulturmarkt positionieren soll. Der erste Auftrag zur Herstellung eines Musicals wurde bereits vergeben. „Fussballwunder von Ulm“ wird es heißen und wie der Name schon sagt, handelt es vom unglaublichen Aufstieg eines Fussballzwerges in die erste Bundesliga, der erst durch das überragende Management des Vereins möglich geworden war.

Andreas von Studnitz plant im Rahmen der Veränderungen eine Reihe „short classics“, die das Ziel verfolgt, klassisches Theater in zeitgemäßer Weise zu präsentieren. Bereits in der nächsten Saison möchte der Intendant Schillers „Wallenstein“ aufführen – und das in der Rekordzeit von nur 27 Minuten für alle drei Teile des Dramas. Diese von unnötigem Ballast befreite Inszenierung soll dem Theater neue Besucherkreise mit modernen Konsumgewohnheiten erschließen und somit ebenfalls dazu beitragen, das Theater zu einem sich selbst tragenden Wirtschaftunternehmen zu machen.

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