Zwei Millionen für McDonald´s

 

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Als der Leiter der Abteilung Liegenschaften und Wirtschaftsförderung bei der Stadt Ulm im Auftrag seines Chefs Ivo Gönner alle Grundstücke und Gebäude am Sedelhof aufkaufte, die zu bekommen waren, unterlief eine kleine Unachtsamkeit: Beim Erwerb des Hauses Bahnhofplatz 6 wurde übersehen, dass der Mieter dieses Gebäudes über einen Vertrag verfügte, der ihm zusicherte, bis 2026 dort bleiben zu können.

Da Ulm plante, alle erworbenen Gebäude abzureißen und das gesamte Areal an einen Investor zu verkaufen, damit dieser dort die Shopping-Mall „Sedelhöfe“ errichtet, gab es nun ein Problem: Was wird aus dem Mieter des Hauses Bahnhofplatz 6, was wird aus dem dort befindlichen Restaurant der Fastfoodkette McDonald’s?

Der in Ulm regierende Sozialdemokrat Ivo Gönner ist bekanntlich einer der klügsten und lustigsten aller deutschen Oberbürgermeister. Deshalb wurde hinter den Kulissen zwischen Stadt und McDonald’s verhandelt und bald eine wundervolle Lösung für das Problems gefunden:

1. McDonald’s verlässt das Haus vorzeitig, um dessen Abriss zu ermöglichen, und zieht für drei Jahre in einen eigens in der Ulmer Fußgängerzone aufgestellten zweistöckigen Container.

2. 2016 erhält das Junkfoodlokal geeignete Räume in der Sedelhof-Galerie, die sich als Einkaufszentrum für den anspruchsvollen Konsumenten bestens für dieses Restaurant eignet.

3. Da die Miete für McDonalds in den Sedelhöfen höher sein wird als im alten Gebäude, übernimmt die Stadt Ulm die Mietpreisdifferenz für die Jahre 2016 bis 2026.

4. Weiterhin erhält McDonalds die Zusage, ein neues Restaurant eröffnen zu können, wenn im Gewerbegebiet Ulm-Nord eine neue Autobahnanschlussstelle geschaffen wird, womit demnächst zu rechnen ist.

Ist das nicht eine großartige Lösung? Und preiswert!

Wie der Lokalchef vor kurzem in seiner Zeitung meldete, soll Ulm diese Einigung mit McDonalds für nur zwei Millionen Euro bekommen. Da kann der Bürger nicht meckern. Das ist vernünftig angelegtes Geld. Wenn alles gut geht, sind die investierten zwei Millionen plus satter Rendite dank der Gewerbesteuereinnahmen aus der neuen Sedelhof-Galerie bald wieder in der städtischen Kasse. Unser Oberbürgermeister ist einfach ein Teufelskerl.

Natürlich gibt es wieder Meckerer, die den Deal madig machen und die Verschwendung von Steuergeld beklagen.

Zwei Millionen Euro für McDonald’s!“, spottete erst gestern einer am Stammtisch, „so blöd ist außer Ulm in ganz Deutschland keine Stadt! Bekommt der siebengscheite Gönner vielleicht als Gegenleistung 530.000 BigMacs, garantiert durch ein geheimes Zusatzprotokoll?

Auf notorische Nörgler hört hier niemand, am wenigsten die Ulmer Gemeinderäte, die selbst erst aus der Zeitung von Gönners Supercoup erfahren haben. Sie halten die McDonald’s Subvention für eine spezielle Spielart der Ulmer Kulturpolitik, die durch vielfältige Kürzungen der städtischen Kulturförderung in den letzten Jahren erst ermöglicht wurde.

Auf Anfrage sagte uns ein Gemeinderat, der namentlich nicht genannt werden will:

Wer geht denn heute noch ins Theater? Wer besucht schon klassische Konzerte? Die weltbekannte Küche von McDonalds schätzen dagegen Milliarden Menschen weltweit und auch in Ulm sind es nach statistischen Erhebungen 72.537 Mitbürger und Mitbürgerinnen, zu deren Lieblingsbeschäftigung neben Shopping der Besuch des kulinarischen Burgerparadieses zählt. Deshalb ist jede Unterstützung von McDonalds durch die Stadt Ulm Kulturpolitik.“

Ja, dem schließt sich der DF an und erlaubt sich, Oberbürgermeister Ivo Gönner noch einen weiteren Vorschlag zur Förderung der Kultur zu unterbreiten:

Sorgen Sie, verehrter Herr Gönner, dafür, dass McDonalds an allen Schulen eine Ernährungsberatung durchführen kann. Das würde der Ulmer Kulturpolitik den Charakter der Nachhaltigkeit verleihen und wäre beispielgebend für alle Städte Deutschlands.

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/ 29.3.13

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