Subway to Shopping Hell


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Die Ulmer Bauverwaltung unter Führung des großen Baubürgermeisters Alexander Wetzig will ihre Untertanen beschenken. Noch nie – seit der Stauferzeit – hat eine Stadtregierung ihren Bürgern ein Geschenk gemacht, das von so viel Einfallsreichtum und Schönheit zeugt. Die Wetzig’sche Sanierung des gesamte Bahnhofviertels in Ulm gilt heute schon lange vor ihrer Vollendung als Meisterwerk. Nicht lange und das neu gestaltete Areal wird in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen werden.

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Wie Sie auf unseren Fotos oben erkennen können, ist die gegenwärtige Situation unerträglich. Der Blick des Reisenden, der den Ulmer Hauptbahnhof verlässt, fällt auf die stark befahrene Friedrich-Ebert-Straße. Jenseits der Straße erheben sich – einer Mauer gleich – hässliche Nachkriegsbauten, die dem Gast den Zugang zur Stadt verwehren.

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Das nächste Foto (Quelle: Deutsches Architekturforum) zeigt die Situation vor dem Ulmer Hauptbahnhof nach der Sanierung.

Anstelle der abgerissenen Gebäude sind wundervolle Neubauten entstanden, quaderförmig, mit begrüntem Fachdach, bis zu 30 Meter hoch.

Die MAB Development Deutschland (Tochter der holländische Bank Rabo) hat sie in Absprache mit dem großen Baubürgermeister Alexander Wetzig errichtet, um Ulmer Bürgern hinter kunstvollen Fassaden ein einzigartiges Einkaufszentrum zu präsentieren („Die Sedelhoefe“).

Auch die einst stark befahrene Friedrich-Ebert-Straße hat sich unversehens in eine ruhige Straße verwandelt. Nur ein Bus ist zu sehen. Alle Menschen haben ihre Autos zu Hause gelassen, um in Ruhe in der Sedelhof-Galerie einzukaufen.

Der ankommende Reisende fühlt sich – betört von der architektonischen Schönheit – sofort willkommen geheißen und herzlich aufgenommen.

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Vor der Sanierung des Areals mussten die Besucher, die vom Hauptbahnhof in die Innenstadt gelangen wollten, auf die Ebene Minus Eins (wie der Fachmann sagt) oder den „Subway“ (wie im Ulmer Rathaus und bei der SWP eine Unterführung genannt wird) wechseln. Gelegentlich waren dabei Ekel und Angst zu überwinden. Für Behinderte standen die Chancen, über die Unterführung in die Innenstadt vorzudringen, schlecht, da die Rolltreppen, die in die Tiefe führen, häufig defekt sind und ein Aufzug leider nicht zur Verfügung steht.

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Wie Sie im direkten Vergleich feststellen werden,verehrter Leser, ist die Unterführung vor der Sanierung (1.Foto oben) mit dem Subway nach der Sanierung (2.Foto oben) nicht zu vergleichen. Weiter, heller, freundlicher ist der Subway. Die Menschen werden ihn lieben und rege nutzen.

Im Rahmen der Partizipation von Bürgern durften vor kurzem Vorschläge zur Neugestaltung des Bahnhofareals in Ulm gemacht werden („citybahnhof“).

Einige Bürger beteiligten sich daran in dem Glauben, die Stadtverwaltung wolle ihre Meinung hören und berücksichtigen. Ein von vielen unterstützter Vorschlag war, den gesamten Verkehr vor dem Bahnhof in den Untergrund zu verlegen und Fussgängern und Radfahrern die begrünten Flächen vor dem Bahnhof zu überlassen.

Die Stadtverwaltung unter Führung des großen Baubürgermeisters Alexander Wetzig prüfte den Vorschlag gewissenhaft mit dem Ergebnis, er sei zu teuer und angesichts der geplanten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung unnötig. Entfallen war der Bauverwaltung bei der Diskussion mit dem Bürger, dass der Raum unter der Straße für das Parken benötigt wird.

Jetzt kommt eine neue Tiefgarage vor dem Bahnhof mit 800 Parkplätzen und die Menschen freuen sich darüber , dass sie eine schöne neue Unterführung erhalten. Die Alternativen (auf unseren Fotos unten), die in der Bauverwaltung zur Diskussion standen, hätten den Bürgern nicht so gut gefallen.

Leider hat die neue Unterführung auch einen Nachteil. Sie führt in das neue Einkaufsparadies Sedelhof des Investors MAB Development. Die an Besucherströme bisher direkt angebundenen Geschäfte Peek & Cloppenburg, Schuhhaus Werdich, Sport Sohn, Galeria Kaufhof und Reischmann liegen in Zukunft etwas abseits.

Das ließ sich leider nicht vermeiden, denn schließlich weiß die Ulmer Bauverwaltung erst seit einigen Jahren, dass ein störrischer Hausbesitzer sein Haus nicht an die Stadt verkaufen will und somit eine andere Führung des Ulmer Subway selbst beim besten Willen absolut ausgeschlossen ist.

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/17.5.13

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