Wetzigs Infobude

Nicht kleckern, klotzen ist die Devise von Menschen, die wissen, dass bei Vorhaben von elementarer Bedeutung die Kosten keine Rolle spielen dürfen. Alexander Wetzig, Ulms Baubürgermeister, ist ein Mensch, der weiß, wann der Blick nur auf die Sache gerichtet werden darf und kleinkarierte Sparsamkeitsgedanken ausgeblendet werden müssen. Deshalb plant er jetzt einen Informationspavillon am Ulmer Hauptbahnhof, der in ganz Deutschland keinen Vergleich zu scheuen braucht.

In letzter Zeit hatte der Baubürgermeister wenig Fortüne. Die Stadtmauer wollte nicht aufhören zu zerbröseln, so dass nach langem Zuwarten und viel Hoffen nur noch der Ausweg einer Sanierung blieb (sozusagen gerade noch vor dem Einsturz des historischen Baudenkmals).

Auch der Bahnhofsteg, die zentrale Verbindung zwischen zwei Stadtteilen, geriet über Jahre genauester Beobachtung durch die Bauverwaltung in einen Zustand, in dem nur noch ein Abbruch möglich war. Unglücklicherweise hatte es Herr Wetzig versäumt, rechtzeitig Pläne für einen preisgünstigen Brückenneubau ausarbeiten zu lassen. Tausende Bürger danken nun täglich dem Baubürgermeister, dass sie durch sein bedächtiges Abwarten noch Monate, wenn nicht Jahre in den Genuss längerer Spaziergänge kommen, die ihrer Gesundheit sehr zuträglich sind.

Auch der entschlossen angepackte Plan, an der etwas verschmutzten Donau ein „Strandbad“ zu eröffnen, brachte dem Bürgermeister nicht die erhoffte Begeisterung. Sogar die gleichmütigsten Bürger der Stadt gerieten bei dem Gedanken an ein Donaustrandbad in einen Zustand ausgelassener Heiterkeit.

Doch nun soll alles anders werden. Herr Wetzig plant für die kommenden Jahre eine Sanierung und Neugestaltung des Ulmer Bahnhofviertels. Da dem Baubürgermeister der Gedanke demokratischer Teilnahme des Bürgers über alles geht, steht nun am Anfang der großen Veränderungen ein „Dialog der Stadtgesellschaft“.

In einem derartigen Dialog kann jeder Bürger sich ungehindert darüber informieren, was Baubürgermeister Wetzig plant und anschließend zum Ausdruck bringen, dass ihm die Pläne sehr gut gefallen und der Bürgermeister ein stilbewusster und tüchtiger Mann ist. Während andere Städte vielleicht auf die dumme Idee kämen, das Internet für den „Dialog mit dem Bürger“ zu nutzen, lässt sich Herr Wetzig hier nicht lumpen: Vor dem Ulmer Hauptbahnhof wird ein Info-Pavillon errichtet, dessen Bau und Unterhalt nur 380.000 € kosten wird.

Regelrecht kleinlich zeigten sich bei den Beratungen im Stadtentwicklungsausschuss die Gemeinderäte. Ein Grüner lehnte Wetzigs Infobude rundweg ab. Herr Bühler von der FWG sprach sich engagiert dafür aus, den Pavillon nachts nicht zu beleuchten und damit die Stromkosten einzusparen. Diesem Vorschlag folgte dann der Ausschuss.

Wir vom Stammtisch haben kein Verständnis für die Gemeinderäte. In einer so wichtigen Angelegenheit sollte nicht geknausert werden. Auch scheint uns die Finanzierung gesichert. Denn derselbe Ausschuss, der Herrn Wetzig den leicht abgespeckten Infopavillon genehmigte, beschloss ja gleichzeitig eine Erhöhung der Parkgebühren in Ulm um 25 Prozent, die zu etwa 80.000 € Mehreinnahmen der Stadt jährlich führen werden. Der Rest zur Finanzierung von Wetzigs Plänen wäre bei etwas gutem Willen sicher durch Einsparungen an anderer Stelle aufzubringen (z.B. bei der Ulmer Spielschachtel, beim Ulmer Theater).

Bleiben Sie bei Ihren Plänen, Herr Wetzig! Bestehen Sie auch weiterhin auf einer nächtlichen Beleuchtung! Gestatten Sie uns, einen weitergehenden Vorschlag zu unterbreiten: Illuminieren Sie den Info-Pavillon mit rotem Licht und lassen Sie auch in den Abend- und Nachtstunden einige Mitarbeiterinnen über die Sanierung des Bahnhofareals informieren. Viele Nachtschwärmer werden es Ihnen danken.

2.7.08

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