Martin Rivoir – unser Lieblingsabgeordneter in Stuttgart

Auch wenn wir immer über Politiker schimpfen, so hat doch jeder einen, den er besonders verehrt. Nach den Gründen befragt, müssen viele passen. Was imponiert uns Bürgern bloß an den Mächtigen unseres Staates? Die Würde, mit der ein Politiker sein Amt ausübt? Die Gelassenheit im Umgang mit der Macht? Rhetorisches Talent? Weitsicht und Klugheit? Analytische Begabung? Beharrlichkeit? Schlauheit und Durchsetzungsvermögen? Charisma?

martinrivoir

Unser Landtagsabgeordneter verfügt über keine dieser Fähigkeiten. Er ist nett, unscheinbar und harmlos, ist sich nie zu schade, auch an kleinen Problemen zu arbeiten. Und eben diese menschliche Art ist der Grund, warum ich ihn so schätze. Im Donaufisch ist meine Verehrung für den SPD-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Martin Rivoir längst bekannt. An der Wand neben unserem Stammtisch hängt während unserer Zusammenkünfte immer ein 50 auf 50 Zentimeter großes gerahmtes Foto Martins. Und ich kann Ihnen versichern, es gab am Anfang erhebliche Widerstände und unzählige Einwände.

Er habe 2006 bei der Landtagswahl die SPD im Wahlkreis Ulm auf 24 Prozent runter gewirtschaftet und gegenüber der Wahl 2001 10 Prozent verloren, wetterten die Stammtischfreunde. In Stuttgart sitze er im Landtag hinter den Hinterbänklern und sei bei der Besetzung der Ausschüsse mit einflusslosen Pöstchen abgespeist worden. Wenn er alle zwei Jahre einmal fünf Minuten im Landesparlament reden dürfe, schliefen selbst die quirligsten Schüler auf der Zuschauertribüne ein. Bei der Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs stimme er im Landtag für die Verschwendung von Unsummen, um in Ulm gegen den Bau einer Veranstaltungshalle zu votieren und sich als Politiker zu inszenieren, der verantwortlich mit Steuergeldern umgehe. Kurzum: Rivoir sei der Prototyp des sozialdemokratischen Chamäleons – ohne Ideen, ohne Konzept, eine blasse Gestalt, überangepasst und stets (oft allerdings ohne Erfolg) dem eigenen Vorteil verpflichtet.

Es war schwer, gegen diese Vorurteile anzukommen. Mein Hinweis, dass Martin uns vor 30 Jahren im Wirtshaus Zum Wilden Mann als Aushilfskellner immer aufmerksam und liebenswürdig behandelt und stets umgehend unsere Bierbestellungen erledigt habe, bewirkte nichts. Auch mein Argument, dass der SPD-Mann dem Ulmer Kulturleben einen unbeschreiblichen Dienst erwiesen habe, indem er dem Kultur- und Eventgenie Peter Langer (SPD)zu einem Bundesverdienstkreuz verhalf, stieß auf taube Ohren. Ein Meinungsumschwung zeichnete sich erst ab, als mein Lieblingsabgeordneter mit dem baden-württembergischen Wissenschaftsminister Frankenstein im Januar 2007 nach Indien reisen durfte. Die Verehrung, die Martin Rivoir auf dieser Reise durch die Gastgeber zuteil wurde (siehe Foto), verunsicherte meine skeptischen Stammtischbrüder. Von da an hatte ich leichtes Spiel.
Heute schauen wir alle respektvoll auf Martin Rivoir; einigen ist es peinlich, diesen Politiker so ganz und gar falsch eingeschätzt zu haben. Wir freuen uns auf Martins neuestes Projekt – eine Gesundheitskonferenz in Ulm im Februar 2009. Wir drücken die Daumen, dass es mit dieser Veranstaltung erstmals einer Stadt in Deutschland gelingt, die Kompetenz von Eltern auf dem Gebiet der Ernährung ihrer Kinder zurückzugewinnen, der Werbung für dickmachende Lebensmittel einen Riegel vorzuschieben und allen Kindern der Stadt wieder zu Normalgewicht zu verhelfen.

Es könnte alles so wunderbar sein, gäbe es nicht diesen Ulmer Landtagsabgeordneten Thomas Oelmayer (Grüne). Um seinen Parteifreunden zu imponieren und eine gute Ausgangsposition für seine weitere Karriere zu schaffen, zieht dieser vor den Staatsgerichtshof Baden-Württemberg. Er klagt dort gegen die Zahlung von Sonderzulagen, die aus Steuermitteln neben den Diäten von den Fraktionen an bestimmte Abgeordnete bezahlt werden. Es ist so kleinkariert, Martin diese läppischen 600 Euro monatlich streitig machen zu wollen, die er von der SPD-Fraktion zusätzlich zu seiner knappen Diät erhält! Da können wir nur mit Martins Worten dem Karrieristen Oelmayer entgegen schleudern: Alter Wichtigtuer!

Martin ist ein Mann aus dem Volk und für das Volk. Wir vom Stammtisch würden es nicht zulassen, dass einer wie er sich aus der politischen Arbeit zurückzieht, nur weil die Bezahlung zu schlecht ist. Deshalb erklären wir hier und heute: Sollten Martins Sonderzulagen vom Staatsgerichtshof gestrichen werden, kann er auf uns zählen: Eine kleine Nebentätigkeit im Donaufisch haben wir für einen so talentierten Mann wie Martin immer zu vergeben.

16.10.08

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