OB Gönner empfiehlt Cross border leasing (1)

Oder: Der Anlagetipp

Die weltweite Finanzkrise verunsichert rund um den Globus die Anleger. Wir wollen in dieser Krisenzeit einige Modelle vorstellen, die Ihnen zeigen, wie Sie Ihr Geld gewinnbringend und doch sicher anlegen können. Ulm hat diese Modelle erprobt. Aus den Erfolgen und kleinen Misserfolgen dieser Stadt können wir alle lernen. Wir beginnen mit der vom Oberbürgermeister favorisierten Anlagemöglichkeit des CBL (Cross border leasing); und setzen unsere Serie in Kürze mit einem Bericht über Zinsspekulationsgeschäfte (Spread-ladder-swaps) fort, wie sie seit vielen Jahren von der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft mit stabilen Gewinnen praktiziert werden. Damit der Leser die doch sehr abstrakte Materie besser verstehen kann, berichtet jeweils ein Ulmer Bürger über seine Erfahrungen mit der Kapitalanlagemöglichkeit.

Vor ein paar Jahren erwarb ich als Wirt vom Donaufisch einige hochwertige Maschinen, um die Grünanlagen rund um unser virtuelles Gasthaus besser pflegen zu können. Der Rasenmäher, die komfortable Heckenschere und der gigantische Laubbläser kosteten die stolze Summe von 1500.- Euro. Da die Gäste des Gasthauses meist viel reden und wenig verzehren, werde ich immer sehr hellhörig, wenn andere davon berichten, wie sich auf legale, aber raffinierte Art Geld verdienen lässt. Zur selben Zeit diskutierten Gemeinderäte und der Oberbürgermeister die Finanznöte Ulms. Das Stadtoberhaupt überraschte alle mit einem pfiffigen Plan: Ulm solle seine Kläranlagen mitsamt einem Müllheizkraftwerk und das gesamte Kanalnetz an einen amerikanischen Investor verkaufen (Kaufpreis 209 Mio US $ allein für das Kanalnetz) und die Anlagen hinterher wieder von diesem Investor mieten. Da die USA Auslandsinvestitionen ihrer Unternehmer fördere, erhalte der Investor den ganzen Kaufpreis vom amerikanischen Staat über einen Steuernachlass zurück. Davon zahle dieser Investor Ulm einen satten Batzen aus (Ulm erhält allein für das Kanalnetz 8,2 Mio US $), der Rest komme auf eine amerikanische Bank und diene dazu, dem Investor Zinsen zu bringen, Ulm die Miete zu finanzieren und nach einigen Jahren den Rückkauf der Anlagen durch Ulm zu ermöglichen.

Ich war begeistert und stolz auf meinen ausgekochten Oberbürgermeister. Dessen genialer Plan sollte auch mir eine außergewöhnliche Geldquelle verschaffen. Mit Hilfe einiger Verwandter in den USA war es ein Leichtes, mein kleines Cross-Border-Leasing einzufädeln. Der mit mir verschwägerte Alfred, er betreibt in Manhattan einen gutgehenden Wurstimbiss, wurde zum Investor, wir schlossen einen 1000 Seiten umfassenden Vertrag in englischer Sprache, Nimrod fertigte ein Gefälligkeitsgutachten, in dem der Wert meiner Gartengeräte mit 10.000 US $ beziffert wurde, und das Geschäft war perfekt: Alfred überwies 500 US $ auf mein Konto, wurde Eigentümer der Maschinen und legte 9.500 US $ – bei Lehmanns Brothers an. Letzteres war unser einziger Fehler. Auch Ulm muss ein kleiner Fehler unterlaufen sein. Die Konsequenz ist, dass sie das Kanalnetz, die Kläranlagen und das Müllheizkraftwerk los sind. Aber man muss, um dem Oberbürgermeister Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sagen: es war nicht seine Schuld! Wer konnte ahnen, dass eine so geniale Idee durch die unersättlich Gier nach Rendite im amerikanischen Finanzsektor kaputt gemacht wird?

Alfred besteht – wie nicht anders zu erwarten – darauf, dass ich die Miete für die Gartengeräte zukünftig selbst bezahle. Das werde ich nicht tun. Rasenmäher, Gartenschere und gigantischer Laubbläser stehen seit gestern im Schuppen, ich werde sie nicht mehr anrühren, soll Alfred sein Eigentum doch abholen. Der Garten sieht etwas verwildert viel schöner aus, finde ich. Da hat es Ivo Gönner schon schwerer. Soll er einfach darauf verzichten, Müll zu verbrennen und den Ulmern Energie zu liefern? Soll er sie verdrecktes Wasser saufen lassen? Müssen die Ulmer ihre Abwässer wieder in Blau und Donau einleiten? Doch, wie man hört, hat die intelligente Stadtverwaltung bereits einen Plan ausgearbeitet, wie das Geld beschafft werden kann, das für die Mietzahlungen in die USA benötigt wird: Die Preise für Müllentsorgung und Wassergebühren werden maßvoll um 300 Prozent angehoben. So mancher Ulmer wird sich dann wohl genau durchrechnen, ob es nicht billiger kommt, anstelle des städtischen Wassers den Wein der Gebrüder Aldi zu verwenden. Ich persönlich würde einen anderen Weg vorschlagen, um die Finanzierungsprobleme zu lösen: Die Stadt soll doch bei der Deutschen Bank einen Kredit aufnehmen und dabei einen sogenannten Zinsswap vereinbaren. Damit lässt sich eine Menge Geld verdienen. Wie das funktioniert, erfahren Sie in unsrer nächsten Folge. Die Stadt Ulm hat mit dieser Anlageform bereits viele gute Erfahrungen gemacht.

18.10.08

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