SWU und ENBW austricksen

… Mitglied bei einer Energiegenossenschaft werden!

Regelmäßig präsentieren uns die SWU und die ENBW Gaspreiserhöhungen. Nach eigenem Bekunden wollen die beiden Energieversorger damit nicht mehr Geld verdienen. Die Gründe seien nicht von ihnen zu verantworten. Gestiegene Einkaufspreise und die Ölpreisbindung sorgten für teureres Gas, sagen sie. Der Verbraucher weiß natürlich, dass dies nur Vernebelungsstrategie ist und SWU und EnBW ständig steigende Profite einfahren, aber er steht dem relativ hilflos gegenüber. Ihm bleibt oft nichts anderes übrig, als sich willig Geld aus der Tasche ziehen zu lassen.

Zwar besteht heute die Möglichkeit, den Gasversorger zu wechseln. Über verschiedene Internetprotale erhält der Verbraucher rasch einen Überblick über das Angebot. Wer sich allerdings über den Gasmarkt informiert, wird bald feststellen, dass mit einem Wechsel des Versorgers oft nur ein lächerlich geringer Betrag eingespart werden kann und sich der bürokratische Aufwand eines Wechsels gar nicht lohnt.

Außerdem ist es keine Seltenheit, dass der Gasverbraucher schon bald nach dem Versorgerwechsel eine böse Überraschung erlebt: Weil die Energieunternehmen den Kunden oft keine Preisgarantie geben, erhöht der neue Gaslieferant schon nach wenigen Monaten seinen Preis.

Zieht der Verbraucher in Betracht, dass auch staatliche Aufsichtsbehörden wie Wirtschaftsministerien und Bundeskartellamt oft recht erfolglos gegen die halsabschneiderische Preispolitik der Energieversorger agieren, liegt eine resignative Schlussfolgerung nahe: Ein freier Gasmarkt existiert nach wie vor nicht. Die Kunden sind den Gasversorgern und deren Preispolitik ziemlich schutzlos ausgeliefert.

Umso erfreulicher ist eine Nachricht, die uns dieser Tage erreichte. In einem Schreiben der Energiegenossenschaft Süd e.G., einer kleinen Genossenschaft in Ulm/Neu-Ulm, die seit Monaten mit Engagement und Beharrlichkeit an ihrem Ziel arbeitet, ihren Mitgliedern günstiges Gas zu liefern, heißt es: „EnerGen Süd kann in Kürze ihren Mitgliedern Gas liefern. Vorstand und Aufsichtsrat haben beschlossen, sich an einem Einkaufspool eines süddeutschen Anbieters zu beteiligen.“

Da eine Genossenschaft Gewinne nicht ansammelt, sondern an die Mitglieder wieder ausschüttet und auch die Verwaltungskosten und Vergütungen an Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates gering sind, besteht tatsächlich eine Chance, dass die Ankündigung der EnerGen Realität wird: 10 Prozent und mehr soll das von ihr gelieferte Gas billiger sein als jenes örtlicher Versorger. Führt sich der Gasverbraucher dann noch den weiteren Vorteil vor Augen, dass in einer Genossenschaft Transparenz herrscht, weil jedes Mitglied Einblick in die Geschäftszahlen (Umsätze, Kosten, Überschüsse usw.) erhält, gibt es mehr als genug Gründe, über die Mitgliedschaft in der Genossenschaft nachzudenken.

22.3.2009

4 Antworten auf “SWU und ENBW austricksen”

    1. Ja, der Traum war von kurzer Dauer.
      Einem furiosen Aufstieg (Beginn 2009) mit bis zu 27.000 Mitgliedern folgte ein schneller Absturz der Genossenschaft 2012.

      1. Frage und warum heute dieser Beitrag, wie soll man das verstehen? Als Beweis für das wie es heute ist, nämlich dass jegliche ernstzunehmende Preiskonkurrenz des Kartells ausgeschaltet wird? In der Energie herrscht seit der Privatisierung derer noch nie ein Wettbewerb und das wird auch so bleiben, weil es nicht interessiert. Den damaligen Bericht des Bundeskartellamts hat auch niemanden interessiert, vor allem die Politiker nicht. Und jede Maßnahme ist bestenfalls Augenwischerei, oder wie erklärt sich z.B. die 4 Cent Preisdifferenz der Super-Sprits zum E10? Sie ist genauso legitmiert (durch Wegschauen) wie die Gaspreis-Angleichung zum ÖL. Gas ist aber derzeit der umweltfreundlichste fossile Brennstoff den es gibt. Allein die damalige Vorgehensweise bei der Einführung dieses Volksbetrugs per Spritverordnung hätte eigentlich einen Sturm der Entrüstung auslösen müssen. Doch es war wie immer ein Sturm im Wasserglas. Bezahlen! Bezahlen und am Ende verhungern, das ist das was heute von unseren Bürgerrechten übriggeblieben ist. Die Strompreisentwicklung hat sich seit diesem denkwürdigen Tag schon verdoppelt und sie wird weiter steigen. Und wenn das Wasser per Hintertüre privatisiert wird, dann dreht sich das Karussell noch viel schneller. Dann wird sogar das Donauwasser einen Preis bekommen, denn das Regenwasser ist ja schon bepreist dank unserer segensreichen EU. Fehlt eigentlich die Luftsteuer – jedoch … halt .. da gibt es doch schon die CO2-Steuer, also ist praktisch alles besteuert. Bleibt nur noch die Daseinssteuer. (Derzeit subventioniert mit 184 € wird auch bald kippen, da je bereits eine Überbevölkerung vorliegt – angeblich)

      2. Warum kommt ein Beitrag von 2009 jetzt?
        Wir dokumentieren in diesem Blog einige politische und gesellschaftliche Ereignisse in Ulm von 2007 bis in die Gegenwart. Die Gründung der Energiegenossenschaft Süd war ein solches Ereignis. Folgende Beiträge über die Genossenschaft werden zeigen, dass unsere Hoffnungen unberechtigt waren. Es wird in diesen Beiträgen auch darum gehen, warum die EnerGen Süd gescheitert ist.

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