EnerGen Süd – Quo vadis?

November 2011 berichtete die Südwest Presse über die EnerGen Süd. 3,67 Millionen Euro Defizit erwartete die Ulmer Energiegenossenschaft für das laufende Jahr. Eine ganze Reihe von Fehlern wurde in dem Artikel genannt, die zu der finanziellen Katastrophe geführt haben sollen: Zu starker und zu schneller Mitgliederzuwachs, falsche Preiskalkulationen, unzulängliches Controlling, schlechte Kooperationsverträge.

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Das Vorstandsmitglied Heinz Sihler hatte nach seinen eigenen Angaben im April 2011 fristlos gekündigt. Zwei andere führende Mitarbeiter der Genossenschaft, Jürgen Kübler und Harald Claus, blieben. Preiserhöhungen, eine andere Tarifstruktur, klare Vereinbarungen mit Kooperationspartnern sowie ein Kredit der Volksbank Ulm – Biberach sollten einen Ausweg aus der finanziellen Katastrophe weisen.

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Seit dem Pressebericht über das finanzielle Debakel herrscht Funkstille. Vorstand und Aufsichtsrat haben es bis heute versäumt, die Mitglieder der Genossenschaft zu informieren. Dabei gibt es drängende Fragen:

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Was ist seit Bekanntwerden der hohen Verschuldung der Genossenschaft passiert? Wird die EnerGen Süd aus dem Schlamassel herauskommen?

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Die Vorstandsmitglieder Jürgen Kübler und Armin Wetzel halten es offensichtlich nicht für nötig, die ca. 27.000 Mitglieder der Genossenschaft über die prekäre Situation angemessen aufzuklären. Sie betreiben Geheimniskrämerei, verpflichten Teilnehmer von Vertreterversammlungen zum Stillschweigen und geben an Herrn Jürgen Buchta von der Südwest Presse selektiv Informationen, die dieser dann in der Lokalpresse veröffentlicht. Auf die Idee, selbst zu recherchieren, kommt der Journalist nicht.

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Es ist eine Schande: 27.000 Mitglieder erhalten keine Gelegenheit, sich ein eigenes Urteil vom wirtschaftlichen Zustand der Genossenschaft zu bilden. Behandelt man so Menschen, die man ernst nimmt und respektiert? Wollen Vorstand und Aufsichtsrat Betriebsgeheimnisse wahren? Oder wollen sie durch Intransparenz für Ruhe unter Mitgliedern und Interessenten sorgen? Werden die Mitglieder in ein paar Monaten durch die Pressemeldung geschockt, dass die EnerGen Süd zahlungsunfähig ist und ab sofort weder Gas noch Strom liefern kann?

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Soweit wir in Erfahrung bringen konnten, sieht es Mitte Februar 2012 nicht besonders gut für die Genossenschaft aus:

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Offensichtlich sind die Schulden wesentlich höher als zunächst angegeben. War am 16.11.2011 noch davon die Rede, dass die EnerGen Süd Ende des Jahres 3,67 Millionen Euro Schulden haben werde, konnte jeder am 17.1.2012 in der SWP lesen, dass die Genossenschaft im Jahr 2011 einen Verlust von 6,7 Millionen Euro gemacht habe. Was stimmt nun? Was sagen Herr Kübler und Herr Wetzel, die beiden amtierenden Vorstände, zu diesen widersprüchlichen Zahlen?

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Es wird gemunkelt, dass die Genossenschaft bei ihren Sanierungsplänen nicht auf die Ulmer Volksbank zählen kann. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Verschuldung im November 2011 ließ die Volksbank, so erzählt man sich, die Konten der Genossenschaft sperren, und konnte erst nach Tagen überredet werden, diese Sperrung wieder aufzuheben. Die Volksbank Ulm – Biberach soll es abgelehnt haben, der EnerGen Süd einen Kredit zu gewähren. Grund: Die miserable Beurteilung der finanziellen Situation der Genossenschaft durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft AWADO (Deutsche Audit GmbH). Wäre mit Geno Equity nicht ein anderer Kreditgeber eingesprungen, wäre die Ulmer Energiegenossenschaft heute vielleicht schon pleite.

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Wenn man in dieser düsteren Lage nach einem Lichtblick sucht, findet man ihn vielleicht im personellen Wandel in den Führungsgremien. Mit Heinz Sihler und Harald Claus sind zwei von drei Männern aus der Führung ausgeschieden, die Verantwortung für die Misswirtschaft der Genossenschaft tragen. Auch im Aufsichtsrat sitzen jetzt neue Leute, so z.B. Karl-Martin Wöhner, Fraktionsvorsitzender der SPD im Neu-Ulmer Rathaus und potenzieller Landtagskandidat. Ob neue Gesichter allerdings ausreichen, um die Genossenschaft aus ihrer Finanzkrise zu führen, scheint zweifelhaft.

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Was neben einer kompetenten Führung und einem funktionierenden Aufsichtsrat vor allem gebraucht wird, ist das Vertrauen der Mitglieder. Nur wenn Vertrauen vorhanden ist, werden Mitglieder der Genossenschaft die Treue halten und Strom und Gas von dieser beziehen. Dieses Vertrauen wird die Führung nur erhalten oder zurückgewinnen können, wenn sie endlich Tacheles redet und die Mitglieder umfassend informiert. Mit einfältigen Ankündigungen auf der Internetseite, die EnerGen Süd strebe an, „auch die Energieerzeugung in die eigene Hand zu nehmen“, macht sich die Genossenschaftsführung eher lächerlich: Wer soll jemandem, der nicht einmal zu ordentlicher Geschäftsführung beim Verkauf von Strom und Gas in der Lage ist, abkaufen, dass er bald selbst Strom in einem eigenen Kraftwerk erzeugen kann?

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/ 15.2.2012

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