Ulm – vergönnert, verkulitzt und verwetzigt.

Wir brauchen in Ulm keinen Markenberater. Die Stadt hat ihre eigenen Marken: Ivo Gönner, den Oberbürgermeister, Peter Kulitz, den IHK-Vorsitzenden, Alexander Wetzig, den Baubürgermeister, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Ist es nicht der uns anhaftende kleine Makel, der uns Menschen sympathisch macht? Die Schwäche? Der liebenswürdige Fehler? Wer liebt schon ein Genie, einen großen Feldherrn oder Politiker? Auch die Helden im kleinen gallischen Dorf Aremorica, das heute die ganze Welt kennt, hatten Fehler.

Ein Bürgermeister einer kleinen schwäbischen Stadt, der immer einen Scherz parat hat und nie den Geburtstag eines älteren Mitbürgers auslässt, der immer davon redet, dass seine Taschen leer seien und dabei seit seinem Amtsantritt einen Schuldenberg aufgehäuft hat wie kein Ulmer OB jemals zuvor, der sich für Paradekonzerte engagiert als ginge es darum, das wichtigste Kulturgut zu bewahren, und tags darauf, in die Rolle des kosmopolitischen Europapolitiker schlüpft, um in der Operette „Das Bündnis der Donaustädte“ mitzuwirken…

Ein IHK-Chef, der als Aufsichtsratsvorsitzender eine Bank beinahe in den Abgrund manövriert, häufig fordert, Politik müsse moralisch sein, es aber nicht als unmoralisch empfindet, wieder für den Aufsichtsrat der Bank zu kandidieren, der sich sofort ins Bild drängt, wenn ein Pressefotograf Aufnahmen macht und keine Chance verstreichen lässt, sich an prominente Politiker ranzuwanzen, um an deren Publizität teilzuhaben, der 200.000 Euro, Geld – das nicht ihm gehört – großspurig der Ulmer Bauverwaltung für personelle Verbesserungen anbietet, der Jugendlichen aus armen Familien Auslandsaufenthalte empfiehlt, damit sie ihre Chancen im Berufsleben verbessern …

Ein Baubürgermeister, der seine Städtebauvisionen pflegt und dabei ganz vergisst, dass vorhandene Bauwerke instand gehalten werden müssen…

Sind das nicht originelle Bestandteile einer originellen Marke? Ulm ist eine vergönnerte, verkulitzte und verwetzigte Stadt geworden – das macht sie ganz unverwechselbar und verschafft ihr in der Welt einen einzigartigen Ruf.

Vielleicht sollte das Rathaus Felix Huby beauftragen, eine kleine Serie fürs Fernsehen zu schreiben. Der Stoff? Ist doch klar: Ulms Helden – umgänglich und sympathisch, aber völlig unfähig in Sachen Sparsamkeit; christlich tugendhaft, aber prahlerisch mit übersteigertem Geltungsbedürfnis; einen ausgeprägten Sinn für das Schöne, aber ohne Blick für das Notwendige. Und wie heißt der Titel der neuen Serie? „Ulm – vergönnert, verkulitzt und verwetzigt.“

11.11.2009

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