Turmbau zu Ulm

 

Ulm hat viele Türme, kirchliche und weltliche, und alle sind in einem nicht zeitgemäßen Zustand. Entweder passen sie nicht zur Neuen Mitte oder repräsentieren nicht angemessen ihre Eigentümer oder – der schlimmste Fall- beides zusammen. Reden wir nicht drum herum: Alle müssten abgerissen werden, und die Architekten Gottfried Böhm, Stephan Braunfels und Wolfram Wöhr müssten ganz neue konstruieren, Türme mit klaren Linien und rechten Winkeln aus Beton (aus was sonst?) mit einer wunderschönen Farbenvielfalt von aschgrau und taubengrau bis mausgrau über rauchgrau, schiefergrau, silbergrau bis anthrazit.

Nun möchte die katholische Wengengemeinde ihren Kirchturm modernisieren. Aus nordwestlicher Perspektive sehen Sie auf dem Foto den Turm in seiner beklagenswerten Schlichtheit. Von 35 auf 50 Meter soll er nach dem Entwurf Gottfried Böhms, dem Erbauer der Ulmer Glaspyramide, wachsen und 1,2 Millionen Euro kosten. Viel Geld in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise. Aber wenn die katholische Kirche sich das leisten kann und will – ihre Sache.

wengenkirche ulm

Gönner und Wetzig sehen das nicht so. Sie wollen aus der Stadtkasse ohne weiteres 400.000 Euro hergeben, ohne Bedingungen und ungeachtet der Geldsorgen Ulms. Die Grünen lehnen finanzielle Unterstützung ab, die SPD laviert, will Geld geben und mitreden, Frau Malischewski von den Freien Wählern gefällt Herrn Böhms Turm nicht, gegen Ausgaben hat sie nichts einzuwenden. Wann wird wohl die lange bekannte Vorhersage, dass Ulm 2013 Schulden in Höhe von 210 Millionen Euro haben wird, bis zu den Freien Wählern durchdringen?

Der Ulmer Geldtransferspezialist Alexander Wetzig trägt am 29. Juni dem zuständigen Ratsausschuss seine schlagenden Argumente vor, warum die Stadt 400.000 Euro zahlen sollte, ohne auf die Turmgestaltung Einfluss zu nehmen. Wetzigs Argumente lauten:
1. Der Böhm-Entwurf gefällt mir, deshalb ist er gut

2. Eine Rekonstruktion des alten Turms, wie er vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bestand, verursacht mir Magendrehungen und ist deshalb schlecht.

3. Ich bin dafür, dass Ulm seine Verbundenheit mit den Katholiken durch finanzielle Zuwendungen beim Turmbau demonstriert. Alle Welt schaut in dieser Frage auf die Donaumetropole.

Wir vom Stammtisch teilen und unterstützen selbstverständlich die Haltung des Baubürgermeisters, halten aber zwei kleine Ergänzungen für notwendig: Ulm sollte nicht nur die Neugestaltung des Wengenturmes mit finanziellen Zuwendungen unterstützen. In unserer Stadt gibt es (wenn unsere Statistikabteilung richtig gezählt hat) 47 Türme, die dringend dem neuen Ulmer Stadtbild angepasst werden müssen (siehe die kleine Auswahl auf den Fotos unten).

Wahrscheinlich erhielte die Stadt Ulm und die anderen Bauherren auch einen Preisnachlass, wenn auf einmal mehrere Dutzend Türme samt modernsten Turmhauben errichtet würden; stellte dann Herr Wetzig noch dem Architekten Braunfels sein Privatkonto für eine weitere Finanztransaktion zur Verfügung, käme das Großprojekt „Ulmer Turmbau“ sicher noch günstiger.

Unsere nächste Ergänzung wäre: In Zeiten knapper öffentlicher Kassen sollte das Turmbauprojekt mit einem „Gegenfinanzierungsvorschlag“ verknüpft werden. Die Stadt Ulm investierte in den vergangenen zehn Jahren 2,1 Millionen Euro in die Sanierung des Ulmer Münsters. Fast 95.000 Euro erhält die Münsterbauhütte pro Jahr zusätzlich als städtischen Zuschuss. Angesichts des Mitgliederschwundes in der evangelischen Kirche und ihres absehbaren Endes sollte OB Gönner darauf hinwirken, dass das Münster von der Evangelischen Kirche an einen finanziell potenten Staat wie beispielsweise Saudi-Arabien verkauft wird.

In einem Vertrag ließe sich mit dem neuen Eigentümer regeln, dass neben Moslems auch Protestanten das sakrale Gebäude für ihre Zwecke nutzen dürfen. Ulm würde durch diese Politik nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Stabilisierung des Weltfriedens und zur Versorgungssicherheit Deutschlands leisten, sondern auch große Finanzmittel einsparen, da alle Unterhalts- und Instandhaltungskosten von den Saudis zu tragen wären.

Durch diesen überaus geschickten Schachzug stünden quasi über Nacht alle Gelder bereit, um in Ulm ein gigantisches Turmbauprogramm in die Wege zu leiten.

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Pauluskirche Ulm

Gänsturm Ulm

27.6.2010

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