Kinder und Alkohol in Ulm

 Der Fernsehsender Pro7 kam mit einem Team nach Ulm und machte Aufnahmen auf den Donauwiesen. Die Bilder und Interviews zeigen Kinder und Jugendliche, die sich an der Donau aufhalten, und dort – so der Eindruck des Zuschauers – reichlich Alkohol konsumieren, während die Polizei mit einem Dienstfahrzeug vorbei fährt und nicht einschreitet.

Tatsächlich treffen sich an der Donau in den Sommermonaten täglich viele Jugendliche und Kinder, um dort Alkohol zu trinken. Notarzt- oder Krankenwagen fahren ab und zu vor, um Alkoholopfer zu versorgen.

Vor dem Rathaus wollte die Stadtverwaltung ähnliche Zustände vor einigen Wochen nicht dulden. Die Polizei kam und führte täglich mehrmals Personenkontrollen durch, sprach Platzverweise aus, Videokameras wurden installiert. Die Störenfriede verschwanden.

Weder Oberbürgermeister, Volksvertreter und Stadtverwaltung noch die örtlichen Medien hielten es in den vergangenen Monaten für nötig, über den Alkoholkonsum auf den Donauwiesen eine öffentliche Diskussion zu führen. Anwohner berichten jetzt in Leserzuschriften, dass ihre Briefe an die Stadtverwaltung unbeantwortet blieben, in denen sie sich über die Zustände an der Donau beklagten.

Nun herrscht nach dem Pro7-Bericht helle Aufregung. Er sei eine unzulässige Manipulation. Die Akteure seien klar instruiert, was sie zu sagen und zu tun hätten. Überhaupt: So ginge es im schönen Ulm nicht zu.

Leider wurde der TV-Bericht , der eine Flut von Stellungsnahmen und Meinungsäußerungen ausgelöst hat, vom Netz genommen. Zur Begründung heißt es: „Taff Ulm D…“ Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Studio71 nicht mehr verfügbar.“

Für die Stadt Ulm gibt es wohl keine Möglichkeit zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche Alkohol konsumieren. Die Ursachen des Alkoholmissbrauchs sind von einer Stadt nicht zu beeinflussen, da sie psychischen, familiären und gesamtgesellschaftlichen Ursprungs sind.

Wenn die Stadt den Kids verbietet, Bier und Schnaps vor dem Rathaus zu saufen und an die Rathauswand zu urinieren, ziehen sie an die Donau. Verjagt man sie dort, tauchen sie wenig später auf anderen Plätzen oder in anderen Parks auf.
Es gäbe aber Wege, um die Probleme mit trinkenden Kindern und Jugendlichen auf der Ulmer Donauwiese zu entschärften und einen Anfang zu machen, sie dauerhaft unter Kontrolle zu bringen:

– Die Polizei muss dort öfter hin – zu Fuß! – und sie muss hinschauen und einschreiten.

– Städtische Sozialarbeiter wurden auf der Donauwiese bisher nicht entdeckt. Warum?

– Es gibt in der Donaustadt (die Leserbriefe in der Tageszeitung und im Jugendforum Team-Ulm beweisen es) viele Jugendliche, denen die Zustände an der Donau ebenfalls missfallen. Aufgabe der Bürgermeisterin Sabine Mayer- Dölle wäre es, einige dieser Jugendlichen zu gewinnen, damit sie nach angemessener Schulung in geeigneter Form an der Betreuung trinkender Jugendlicher mitwirken.

Dies alles kostet Geld. Das Rathaus braucht das Geld für anderes, z.B. für einen Flugwettbewerb in Friedrichshafen, für den Neubau und den Betrieb einer sog. Multifunktionshalle usw. Für die trinkenden Kids ist die Polizei zuständig (die wird nicht von der Stadt Ulm bezahlt).

Ansonsten breitet das Rathaus den Mantel des Schweigens über das Problem des öffentlichen Missbrauchs von Alkohol durch Kinder und Jugendliche. Wenn kein Artikel und Kommentar in der SWP steht und nichts von Medien ins öffentliche Bewusstsein transportiert wird, existiert ein Problem nicht.

Deshalb war es gut, dass ein Privatsender nach Ulm kam und einen TV- Bericht herstellte und ausstrahlte. Die Lokalredakteure der Südwestpresse sollten sich selbstkritisch fragen: Warum haben wir dieses Thema nicht selbst aufgegriffen? Momentan beschränkt sich der zuständige Redakteur Hans-Uli Mayer darauf, das Thema auszuschlachten und Pro7 mangelnde Seriosität vorzuwerfen.Wer selbst schläft oder (viel schlimmer) aus politischen Opportunitätsüberlegungen schweigt, sollte sich zurückhalten, wenn andere etwas unternehmen, auch wenn diese es aus zweifelhaften Motiven und mit fragwürdigen Mitteln tun.

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Hinweis für den Vorstand der Sparkasse Ulm: Dieser Textbeitrag enthält keine Ironie. Dagegen wird der in wenigen Tagen folgende Text „Saufen mit Gönner“ eine Satire.

Alkohol und Kids

21.5.2011

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