Citybahnhof Ulm – ein Partizipationsmodell?

Die Ulmer Bauverwaltung möchte den Bürgern einen neuen Hauptbahnhof schenken. Pardon. Einen C i t y b a h n h o f. Aber damit nicht genug: Ein ganzes Areal – so groß wie ein Dutzend Fußballfelder – soll neu gestaltet und bebaut werden. Die gewählten Volksvertreter haben sich Gedanken gemacht Die Bauverwaltung hat sich Gedanken gemacht. Und natürlich hat sich auch der Chef der Bauverwaltung Alexander Wetzig Gedanken gemacht.

Danach fand ein Architektenwettbewerb statt, 27 Architektenbüros nahmen daran teil, neun Entwürfe wurden von einer Jury ausgewählt.

Die vorgegebene Aufgabenstellung an die Architekten war bereits so restriktiv, dass wesentliche Fragen, z.B. das Weiterbestehen einer von täglich 30.000 Autos befahrenen Straße direkt vor dem neuen Hauptbahnhof, schon beantwortet waren noch ehe die Architekten sich überhaupt an die Arbeit machten.

Dabei wäre die Verlegung dieser stark befahrenen Straße in einen unterirdischen Tunnel etwas, was allen Reisenden, Spaziergängern, Einkaufsbummlern, Radfahrern am meisten nutzen würde, da sie problemlos ebenerdig und zügig von Bussen und Bahnen zum neuen Hauptbahnhof oder zum Stadtzentrum gehen könnten.

Daneben ist es mehr als fraglich, ob eine Stadt, die so hoch verschuldet ist wie Ulm (2009 betrug die Schuldenlast 127.876.000 Euro) überhaupt in absehbarer Zeit in der Lage sein wird, ein so teures Großprojekt zu finanzieren.

Wenn die Gemeinderäte nicht nur leeres und unverantwortliches Gerede pflegen, sondern es ernst meinen mit dem Abbau der Verschuldung öffentlicher Kassen und der Verantwortung vor kommenden Generationen, ist an ein Projekt von der Größenordnung des neuen Ulmer Hauptbahnhofes nicht zu denken.

Nach Auswahl und Platzierung von neun Entwürfen hat nun der Bürger das Wort.

100 Bürger trafen sich vergangenen Donnerstag im Stadthaus und wurden dort von unserem Baubürgermeister persönlich informiert. 121.987 Bürger hatten offenbar kein Interesse oder keine Zeit, diese Veranstaltung zu besuchen.

In einem von der Stadt Ulm in Auftrag gegebenen und von einem Münchener Kommunikationsbüro organisierten und betreuten Internetforum können nun Vorschläge, Kommentare und Meinungen ins Netz gestellt werden.

40.000 Euro lässt sich das die Bauverwaltung kosten. Nützlich angelegtes Geld, um die demokratische Partizipation zu stärken, oder Alibiveranstaltung, um sich zusätzlich Legitimation zu kaufen?

Zum Ulmer Diskussionsforum: http://www.citybahnhof.ulm.de/

Der DF wird Sie weiter auf dem Laufenden halten. Schon bald werden Sie erfahren, was unser Stammtischbruder Leo in einem Brief an Quasselstrippe zu diesem städtischen Forum zu sagen hat.

10.7.2011

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