Ein herber Verlust

oder: Peter Langer wird Donaukoordinator

Sie haben unserem Peter Langer arg zugesetzt in den vergangenen zwei Jahren. Gunter Czisch (CDU) und Sabine Meigel ließen nicht locker, bis sie ihn aus dem Donaubüro geboxt hatten.

Nur Ivo Gönner hatte Erbarmen und nahm Langer zu sich ins Rathaus, wo für den Freund kurzerhand eine neue Stelle geschaffen wurde.

Doch auch dem Amt des „Donaubeauftragten“ kehrt der begabte Politiker mit kurpfälzischen Wurzeln nun den Rücken. Peter Langer verlässt Ulm und wird in Brüssel „Donaukoordinator“.

Nein, er ist nicht baden gegangen mit seinen einzigartigen Ideen zur Völkerverständigung in Europa. Er wird tauchen gehen, und zwar in offiziellem Auftrag der EU. Zahllose Schiffswracks liegen auf dem Grund der Donau, 400 davon auf serbischem Gebiet. Sie behindern die Schifffahrt und sollen deshalb mit finanziellen Mitteln der Europäischen Union geborgen werden. Daneben plant Brüssel den Bau neuer Donaubrücken, die Errichtung und den Ausbau von Kläranlagen sowie andere Maßnahmen zur Reinhaltung des Wassers.

Um Entwicklungsprojekte dieser Art anzuregen und aufeinander abzustimmen, bedarf es eines „Generalkoordinators“. Ernannt wurde vom Rat der Donaustädte und Regionen Anfang Juni 2011 Peter Langer, ein Freund des Präsidenten des Rates Ivo Gönner. Als ehemaliger Lehrer und Fachmann für die Organisation von Stadtfesten sowie Spezialist für kulturelle Angelegenheiten ist Langer wie geschaffen für diese schwierige Aufgabe.

In der Donaustadt Ulm konnte der geniale Organisator Langer seine Talente und omnipotenten Fähigkeiten nie richtig entfalten. Dazu hätten die Verantwortlichen ihm wesentlich mehr Geld zur Verfügung stellen müssen. Nun hat der zermürbende Kampf eines ausgezeichneten Mannes um pekuniäre Freiheit im Amt ein Ende: Finanzielle Restriktionen wird es für Peter Langer nicht mehr geben. Wie der DF erfuhr, wurde in Brüssel für Langers Aktivitäten ein eigener Rettungsschirm aufgespannt, der dem Vernehmen nach Ausgaben in Höhe von 50 Milliarden Euro absichert.

Langers Abschied ist ein schmerzlicher Verlust für Ulm. Ist dieser Vorgang gar ein Fanal? Wird noch mehr qualifiziertes Fachpersonal die Donaustadt und das Schwabenland verlassen?

Wir erinnern uns: Vor einigen Monaten verlor Baden-Württemberg mit Günther Oettinger durch dessen Wechsel auf den Posten des Energiekommissars in Brüssel einen großartigen politischen Generalisten. Nun also Peter Langer, eines der größten politischen Talente der Donaustadt seit der Stauferzeit. Man mag gar nicht daran denken, was passieren wird, sollte sich der Trend zur Abwanderung bei Ulms politischer Elite fortsetzen.

Was wäre, wenn Ulms Baubürgermeister Wetzig nach Dessau ginge, um dort an die Spitze der Bauhausstiftung zu treten, oder gleich nach Magdeburg zöge, um dort Kultusminister zu werden? Ulm würde auf das städtebauliche Niveau der 50er und 60er Jahre absinken.

Oder stellen Sie sich, verehrter Leser, nur für einen kurzen Augenblick das ganz und gar Unvorstellbare vor: Ivo Gönner, Ulms ungekrönter König, verließe die Kommandobrücke des Reichsstadtschiffes, um als Generalpräsident des Rates der Donaustädte in Belgrad ein Schloss zu beziehen und von dort aus mit Macht, Einfallsreichtum und unvergleichbaren finanziellen Fähigkeiten für das Wohl aller Menschen im Donauraum zu sorgen.

Nein. Soweit darf es nicht kommen. Die Ulmer sollten, ja müssen ihren politischen Spitzenkräften umgehend die Verdreifachung der Bezüge sowie die bedingungslose Unterstützung aller Ideen und Pläne anbieten. Nur so kann vielleicht noch allergrößter Schaden von Ulm abgewendet werden.

Langer.Donaukoordinator

Unser Schnappschuss zeigt den Direktor der EU-Tauch-Akademie Peter Langer unmittelbar vor seinem ersten Tauchgang in der Donau bei Belgrad. 400 Schiffswracks gilt es in den kommenden Jahren zu bergen. Eine Menge Arbeit wartet auf den Koordinationsspezialisten Langer. Deshalb gab’s zum Auftakt ein Gläschen Sekt.

22.6.2011

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