Ulms wundervolle Stadtsanierung (UWS)

Wie schon oft wird Ulm Vorreiter sein, dieses Mal auf dem Gebiet der Stadtsanierung. Große Köpfe entwickelten ein Modell, das bald vielen Städte Vorbild für eine zeitgemäße und rentable Modernsierung maroder Stadtteile sein könnte. Wie so oft bei Entdeckungen wirkten Zufall und Fantasie in einzigartiger Weise zusammen.

Die Geschichte spielt im Ulmer Stadtteil Türmle. Der Name stammt vom Turm eines Forts, das 1855/56 als Teil einer gigantischen Festungsanlage errichtet worden war. Schon 1946 bauten Bürger dort in Eigenarbeit kleine Häuschen. Zuvor gab es auf dem Gelände nur einen Steinbruch und Wiesen und Baracken für Zwangsarbeiter, die in den Kriegsjahren für Magirus arbeiten mussten. Von 1953-57 errichtete die Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft in diesem Stadtteil einige Wohnblöcke, in denen Vertriebene, Ausgebombte und finanziell Benachteiligte untergebracht wurden. Neben den Wohnblöcken gab und gibt es dort viele kleine Einfamilien- und Reihenhäuser. Das Türmle hat bis heute einen dörflichen Charakter, die etwa 1100 Bewohner kennen sich alle.

Nach Errichtung der Häuser und Vermietung der Wohnungen kümmerte sich die UWS wenig um ihr Eigentum. Nur die notwendigsten Renovierungen wurden vorgenommen; alle Mieter lebten zu niedrigen Mieten in einer schönen Umgebung, die mit zahlreichen Grünflächen Kindern herrliche Plätze zum Spielen bot; deshalb stellten die Mieter keine Forderungen. Vor kurzem erinnerte sich die UWS ihrer Wohnblocks, entsandte sachkundiges Personal zur Inspektion, das zu dem Ergebnis kam: Die meisten Hauser können nicht mehr saniert werden, neue sollen entstehen. 350 Mietern wurde gekündigt. Sie mussten alle ihr Viertel verlassen. Dorthin zurückkehren können sie nicht mehr. Die neuen Mieten werden viel zu hoch sein.

Nun machten sich Architekten Gedanken über den Städtebau der Zukunft und die Bebauung des Viertels Türmle. Wie die SWP erfuhr, waren die Vorgaben für ihre Überlegungen: plant energieeffiziente Häuser, macht Wohnungen mit variantenreichen Grundrissen. Wie der Stammtisch erfuhr, erhielten alle Architekten (die es noch nicht wussten) den Rat: die Quartiere müssen zweckmäßig, günstig im Unterhalt und sehr günstig bei der Errichtung sein. Ob sie sich in die vorhandene Bebauung einfügen, von den jetzigen Bewohnern akzeptiert werden und dem gültigen Bebauungsplan entsprechen, spielt keine Rolle.

Eine Jury unter dem Vorsitz unseres einzigartigen Ulmer Baubürgermeisters Alexander Wetzig wählte den Entwurf aus, der sich für die Bebauung des Türmle am besten eignet. Mit sicherem ästhetischem Urteilsvermögen fiel die Wahl einstimmig auf die „Ulmer Wohnschachtel“ (in Jurys, denen Herr Wetzig vorsitzt, wird immer einstimmig entschieden; das ist in Ulm Tradition).

Auf den drei folgenden Fotos sehen Sie, verehrte Leser, die Entwicklungsstufen der Wohnschachtel. Inspiriert durch einen Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs (Abbildung 1) kam dem Architekten eine einzigartige Idee (Abbildung 2). Die Ausarbeitung der Idee führte zum „Prototyp UWS“, also der „Ulmer Wohnschachtel“ (Abbildung.3).

UlmerSchuhschachtel

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UlmerWohnschachtel

***UlmerWohnschachtel

Nachdem der Abriss der alten Wohnblocks und eine verdichtete Bebauung beschlossen, der Prototyp der Wohnschachtel entworfen, der Gesamtplan fertiggestellt und nachträglich die schnelle Änderung des seit 1969 gültigen Bebauungsplanes in die Wege geleitet worden war, begann der Prozess der Bürgerbeteiligung: Im Rahmen dieses urdemokratischen Prozederes verkündete Dr. Pinsler die Neubaupläne und gab den Bürgerinnen und Bürgern unbegrenzt Gelegenheit, die wunderbare Sanierung und die hervorragende Vorarbeit von UWS, Baubürgermeister und Architekten zu loben.

Wir vom DF-Stammtisch sind der Meinung, dass die Ulmer Wohnschachtel über enormes Potenzial verfügt. Mit Hilfe dieses Systems, lassen sich schnell und preiswert alle sanierungsbedürftigen Stadtteile in Ulm und in jeder anderen Stadt in einen zeitgemäßen Zustand bringen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch eine exzellente Rendite werden Investitionen im Bereich der Stadtsanierung für jedes Wohnungsbauunternehmen attraktiv. Auch der Bürger hat seine Vorteile: Egal ob er sich in Ulm, Frankfurt, Stralsund oder Köln aufhält – die Wohngegend ist ihm vertraut, er fühlt sich überall zuhause.

Mit Herrn Baubürgermeister Wetzig, Herrn Dr. Pinsler und Herrn OB Gönner tritt der Stammtisch den Bestrebungen etlicher Querulanten vom Türmle energisch entgegen, mitten in einer modernen Stadt wie Ulm ein Dorf erhalten zu wollen!

Im Interesse unserer Ulmer Wohnungsbaugesellschaft (UWS), die durch großes Pech bei Zinswetten mit der Deutschen Bank voraussichtlich 3,5 Millionen Euro verlieren wird, und im Einklang mit Herrn Baubürgermeister Wetzig, Herrn Pinsler und Herrn Gönner sprechen wir uns mit Nachdruck gegen langweilige Satteldächer und für moderne Flachdächer, gegen duckmäuserische Anpassung an die Wohnumgebung und für provozierenden Kontrast aus!

Im Interesse aller Bürger Ulms fordert der Donaufisch: Verdichtet endlich die Bebauung in unseren Städten! In einer Welt, in der die Menschen oft eine vereinzelte und vereinsamte Existenz fristen, kann größere Nähe nur nützen.

Weitere Artikel über die UWS finden Sie unter:

UWS Spekulationsgeschäfte – Ulm verliert Millionen / 9.4.2008

UWS Spekulationsgeschäfte / 21.11.2009

UWS Spekulationsgeschäfte 2 / 5.8.2010

Spekulationsgeschäfte in Ulm

12.9.2011

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