Ivo Gönner besiegt die Deutsche Bank

oder : Streng geheim

Wir vom Stammtisch sind mächtig stolz auf unseren Oberbürgermeister. Fast im Alleingang besiegte er die Deutsche Bank. Ivo Gönner nahm die Unterhändler dieser Bande von Spekulanten derartig in die Mangel, dass sie sich freiwillig bereit erklärten, 4,1 Millionen Euro nach Ulm zu überweisen. Das muss unserem Oberbürgermeister erst einmal einer nachmachen! Aber der Reihe nach…

Vor sieben Jahre schloss der bis dahin untadelig handelnde Geschäftsführer der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) Helmut Schmidt ein Zins-Wettgeschäft (Spread-Ladder-Swap) mit der Deutschen Bank ab.

In einem Vertrag wurde 2005 vereinbart, dass die UWS Rückzahlungen von Kreditzinsen von der Deutschen Bank erhält, wenn die Kreditmarktzinsen fallen. Umgekehrt sah der Vertrag vor, dass die UWS an die Deutsche Bank Nachzahlungen leistet, wenn die Zinsen steigen. Warum Herr Schmidt diese riskante Wette einging, ist unbekannt. Da Spekulationsgeschäfte kommunalen Unternehmen verboten sind, ließ sich der schlaue Herr Schmidt von der Deutschen Bank eine Bestätigung geben, dass diese Zinswette kein Spekulationsgeschäft sei. Auf diese Idee kommt nicht jeder!

Der Aufsichtsrat der UWS, dessen Hauptaufgabe bekanntlich in der Kontrolle des Vorstandes besteht, hatte 2005 gegen das Geschäft von Herrn Schmidt keine Einwendungen. Zunächst profitierte die Ulmer Wohnungsbaugesellschaft. 2007 flossen 700.000 Euro aus dem Wettgeschäft in ihre Kasse. Auch jetzt hatte der Aufsichtsrat keine Einwendungen.

Die folgenden Jahre wurden die Zinswetten aber zu einem Verlustgeschäft: Die UWS musste über vier Millionen Euro Wettschulden an die Deutsche Bank bezahlen. Herr Schmidt juckte das nicht mehr, er ging 2008 in den Ruhestand. Sein Nachfolger Dr. Frank Pinsler saß nun auf dem Schuldenberg.

Hier betrat nun unser einzigartiger Oberbürgermeister die Bühne: Zusammen mit dem neuen UWS-Geschäftsführer reichte er in Frankfurt Klage gegen die Deutsche Bank ein, in der eine fehlerhafte Beratung zum Nachteil Ulms gerügt wurde.

In den folgenden Jahren wurden etliche solcher Klagen vor Gerichten verhandelt. Entschieden wurde mal zugunsten, mal zum Nachteil der Bank. Die größte deutsche Bank kam nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus. Die Spekulationsgeschäfte und der Schaden, der Städten und städtischen Betrieben entstanden war, trugen zu einem großen Imageverlust der Deutschen Bank bei.

Die Chancen, die in dieser Situation lagen, erkannte Ulms OB vermutlich schnell. Was sind für einen Global Player schon 4,1 Millionen Euro, wenn der Ruf des Unternehmens auf dem Spiel steht? Die Zeit war reif, die Bank zu einer Rückzahlung zu zwingen. Ein Vertrag wurde Anfang 2012 geschlossen; Stillschweigen wurde vereinbart; die Deutsche Bank überwies die Moneten an die UWS. Dann berichtete unser Ulmer Uli ganz diskret in der Lokalzeitung über den geheimen Vertrag, schimpfte über die „Kapitalismus-Logik“,lobte das „Verhandlungsgeschick der Stadtspitze“ und beklagte den „Lockruf des schnellen Geldes“ und die Einfältigkeit der „vielen ehrenwerten Schmidts“ „landauf, landab“.

Wir im DF ließen die Sektkorken knallen, sangen Loblieder auf unseren OB Gönner, den alten Fuchs, und schworen uns, über den geheimen Vertrag zu schweigen wie ein Grab, um den Erfolg des Oberbürgermeisters nicht nachträglich zu gefährden. Auch jetzt gilt noch das Schweigegebot: Erzählen Sie, verehrte Leser, niemandem von dem Geheimvertrag! Sagen Sie niemandem, dass unser OB Ivo Gönner die Deutschen Bank besiegt hat! Und sagen Sie auch niemandem, dass der Vorsitzende des Aufsichtsrates, der 2005 die idiotischen Wettgeschäfte des UWS-Chefs Helmut Schmidt durch Unwissenheit, Untätigkeit oder Berechnung erst möglich gemacht hatte, Ivo Gönner hieß.

24.5.2012

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