Ulmer Ablasshandel

Der Begriff „Ablass“ ist vielen gewiss noch aus dem Geschichtsunterricht bekannt. Armen Tröpfen wurde von der katholischen Kirche ihre Strafe für sündiges Tun erlassen, wenn sie reuig ein frommes Werk vollbrachten. Im 15. und 16.Jahrhundert blühte der Handel mit Almosenablässen. Der Sünder bezahlte Geld, dafür wurde ihm die Strafe für begangene oder zukünftige Sünden erlassen.

Sie denken jetzt, das sei Vergangenheit, finsteres Mittelalter. Eine postindustrielle Gesellschaft habe keinen Platz für Aberglauben. Irrtum. Die Jahrhunderte alte Geschäftsidee der katholischen Kirche findet auch heute noch Nachahmer. In Ulm betreibt die Südwest Presse zeitgemäßen Ablasshandel.

Nach Sündern müssen Sie nicht lange suchen. Da finden Sie beispielsweise den Geschäftsführer der SWU GmbH Matthias Berz. Er ist auf dem besten Weg, die Ulmer Stadtwerke durch überteuerte Neubauten, falsche Energiepolitik und Fehlinvestitionen von einem rentablen in ein defizitäres Unternehmen zu verwandeln. In einer aufgeklärten Gesellschaft würde auf diese Sünden eine heftige und andauernde Kritik der Medien folgen. Zur Strafe müsste der Geschäftsführer vermutlich den Hut nehmen. Nicht so in Ulm.

Die Südwestpresse verzichtet auf Kritik, lässt es bei wenigen Meldungen bewenden. Dafür muss Herr Berz bei der SWP Ablassbriefe erwerben: Er bezahlt ein Jahr lang 42 Abonnements der Provinzzeitung. Diese werden an Schulen geliefert, damit Schüler die Möglichkeit haben „die neuesten Nachrichten aus ihrer nächsten Umgebung, aber auch das Wichtigste aus aller Welt selbst nachzulesen“.

Sie können also die Schwere der Sünden des Geschäftsführers Berz quantifizieren. Einmal Stadtwerke an den Rand eines Bankrotts bringen kostet 360.- € (Jahresabo) mal 42 ist gleich 15.120 € (minus Mengenrabatt).

Selbstverständlich braucht das Kind auch einen wohlklingenden Namen. Sie können diesen Vorgang nicht einfach „Südwest-Presse-Ablass-Handel“ nennen. Deshalb bezeichnen Sie das Ganze als Beitrag zur politischen Bildung von Schülern (Bildung sticht heutzutage immer!) und benennen den Deal mit: „Wir lesen“.

Auf diese Weise sammeln sie 92 Sünder, die ihre Sünden schon begangen haben oder noch begehen werden, nennen diese Sünder „Paten“ und verkaufen an sie 293 Ablassbriefe ( Abonnements) macht 293 mal 360.-, also 105.480 €. Eine Super Geschäftsidee. Nicht wahr?

Als Sonderleistung neben wohlwollender Berichterstattung werden alle Paten mit Foto in der SWP veröffentlicht, darunter die Anzahl der Abonnements. Das macht es dem kundigen Leser möglich, sich einen Überblick über die Schwere der Schuld der Sünder zu verschaffen: Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ulm Manfred Oster, 42 Abos. IHK-Präsident Dr. Peter Kulitz, 13 Abos. Leiter der Polizeidirektion Ulm Karl-Heinz Keller, 1 Abo.

Während die Zerstörung der Ulmer Mitte durch einen ästhetisch misslungenen Neubau (neue Sparkasse) mit 15.120 € relativ teuer ist, sind die Schädigung der Ulmer Volksbank durch falsche Personalpolitik mit 4.680 € oder die rechtswidrige Einkesselung von Demonstranten bei einer Kundgebung mit 360.- € eigentlich recht günstig. Vielleicht ist der hohe Ablasspreis für Herrn Oster von der Sparkasse Ulm auch dem Umstand geschuldet, dass er quasi zum Zwecke der Werbung für seine Bank ungehindert Zugang zu Schulen erhält, was Unternehmen normalerweise nicht möglich ist.

Allerdings überrascht in einigen Fällen der Betrag, den der Sünder an die Südwest Presse bezahlen durfte. Wenn Sie z.B. wie Katja Adler von der SPD daran mitwirkten , den größten Ulmer Verein SSV in die Insolvenz zu bringen, kostet das nur einen Ablass, sprich 360.- €. Ein günstiger Preis für ein so einmaliges Erlebnis!

Zu gut weggekommen ist auch unser verehrter Oberbürgermeister. Dass er das Kanalnetz der Ulmer nach Amerika verkaufte und die Ulmer nun jeden Tag fürchten, ihre Abwässer selbst entsorgen zu müssen, hat unseren schlauen Fuchs Ivo Gönner lediglich zwei Abonnements gekostet. 720.- € Bußgeld für 30 Millionen Schaden. Unser OB ist einfach eine Nummer für sich.

Andere sucht man dagegen vergeblich auf der Liste der Ablasskäufer der SWP, z.B. Alexander Wetzig und Annette Schavan. Woran das wohl liegen mag?

Im Falle des Baubürgermeisters vermuten wir vom DF, dass er frei von jeder Sünde ist und auch zukünftig sein wird. Bei Annette Schavan scheint naheliegend, dass sie durch den Verlust des Ministeramtes und der damit verbundenen Gehaltseinbuße einfach bei ihren Ausgaben etwas kürzer treten muss und sich teure SWP-Ablässe nicht leisten kann.

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Jede Kampagne braucht ihren Slogan. Der SWP für ihren Ablasshandel empfehlen wir vom DF:

1
Wenn das Presse-Abo gesponsert ist
Schreibt das Blatt über Dich keinen Mist.

2
Du wirst nicht gescholten, wirst empfohlen
Für höchste Ämter in Ulm und Polen
Täglich preisen wir Deine Meriten
Niemand liest Dir mehr die Leviten
Schnell den Schulen Abos geschenkt
Sonst wirst Du von der Zeitung gehängt

8.3.2013

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