Der Alte Friedhof

oder: Das Konzept zur Neugestaltung

AlterFriedhofUlm

Im Ostteil Ulms liegt eingebettet zwischen katholischer Georgskirche und evangelischer Pauluskirche ein annähernd 40.000 Quadratmeter großer Park, „Alter Friedhof“ genannt. Seit 77 Jahren nutzen die Bürger ihn als Grünanlage. Immer noch findet man dort 172 Grabstätten, darunter im nördlichen Teil auch jüdische.

Als idyllischen Ort mitten in der Stadt sehen den Alten Friedhof nur sentimentale Alte. Menschen mit nüchterner Perspektive erblicken etwas anderes: einen wilden Park mit kranken alten Bäumen und einer zu üppig wuchernden Vegetation, schlechten Wegen mit uneinheitlichem Belag und miserabler Beleuchtung, schadhafte Parkbänke sowie Grabsteine und Mauern, die kaum noch saniert werden können. Im Auftrag der Stadt fertigte der Gartenarchitekt Edmund Spengler eine Bestandsaufnahme mit Sanierungskonzept, die er Mitte Juli 2011 der Öffentlichkeit vorgelegte. Fazit des 51 Seiten langen und sehr reich bebilderten Berichtes:

Viele alte Bäume sind krank und sollten entfernt werden; aber auch gesunde alte Bäume müssen zum Teil durch neue ersetzt werden, weil eine Verjüngung nottut. Überhaupt gefällt dem Gartenarchitekten nicht, dass der Park von außen schlecht eingesehen werden kann. Deshalb sei eine Auslichtung dringend erforderlich.

Recht hat Edmund Spengler. In einem Park sollten auf gar keinen Fall zu viele Bäume stehen. Schließlich handelt es sich um einen Park, nicht um einen Wald. Und über Spenglers zweiten Vorschlag sind sich nun wirklich alle einig: Nur ein sehr lichter Park ist ein guter Park. Grade im Hochsommer, wo jeder gern an einem heißen Plätzchen im Freien weilt, können viele Besucher des Alten Friedhofes die Sonne nicht richtig genießen, weil das Blätterdach der überdimensionalen Bäume viel zu dicht ist. Zudem wird dem eiligen Passanten der Einblick in den Park durch die wild sprießende Vegetation verwehrt. Eine nicht hinnehmbare Benachteiligung!

Unsere Stammtischschwester Lucie Lu ist in ihren Vorstellungen, was aus dem Ulmer Alten Friedhof werden soll, noch viel radikaler als der Gartenarchitekt. Für Lucie gehören langweilige alte Parks der Vergangenheit an. Der Alte Friedhof sollte ihrer Meinung nach der erste Park der Donaustadt sein, der nach einem zeitgemäßen Konzept gestaltet wird. Mit großem Engagement sagte Lucie (sie schreibt hauptberuflich für die Wiener Kunstzeitschrift „Ästhetische Kategorien“)neulich am Stammtisch:

„Der bürgerliche Park des 19. Jahrhunderts muss in eine postmoderne Regenerationszone umgewandelt werden, die dem Menschen ganz innovative Formen der Freizeitgestaltung bietet. Mit Baubürgermeister Alexander Wetzig verfügt Ulm über einen international anerkannten Stadtplaner und Sichtbetonspezialisten, der bereits mit der Gestaltung des Ulmer Münsterplatzes und des Hans-und-Sophie-Schollplatzes neue Maßstäbe setzte.“

MeierbauUlm

Auf unseren Fotos oben erhalten Sie, verehrter Leser, einen ersten Eindruck vom Alten Friedhof und von der postmodernen Platzgestaltung in Ulm durch Alexander Wetzig. Wie dem Betrachter sofort auffällt, wird auf den Ulmer Plätzen auf Elemente der Flora fast gänzlich verzichtet. Aus gutem Grund.

Pflanzen und Natur symbolisieren das Triebhafte, Geile, Unkontrollierbare, kurzum das Chaos. Wie sagt Walter Faber über die widerliche Natur in einem Roman Max Frischs: „Überall, wo man hinspuckt, keimt es.“ Die hässliche Natur ist der Feind von Geist und Kultur, von postmodernem Menschen und Zivilisation. Deshalb hat sie im innovativen Ulm der Gegenwart nichts zu suchen.

Neben diesem Aspekt sollte bei der Neugestaltung des Alten Friedhofes Berücksichtigung finden, dass auch postmoderne Parks über Multifunktionalität, optimale Aufenthaltsqualität für alle sozialen Gruppen sowie eine positive Kosten-Nutzen-Bilanz verfügen müssen. Eine plane Fläche, mit edlem Stein (aus China?) gepflastert und mit nur wenigen Pflanzkübeln (Palmen?) geschmückt, würde auch den Pflegeaufwand und somit die Kosten für die Stadt Ulm erheblich reduzieren.

KunsthalleWeishauptUlm

Auf dem Foto sehen Sie die Nordseite der Ulmer Kunsthalle Weishaupt. Auch sie ist ein wunderbares Beispiel für die mächtige Wirkung planer Flächen auf den menschlichen Geist, der nur so ein Optimum an analytischem Denkvermögen entfalten kann.

6.9.2011

Leo und der Siddibahnhof

Als das Internetforum der Stadt Ulm eröffnet wurde, auf dem interessierte Bürger über die Gestaltung eines neuen Hauptbahnhofes diskutieren können, war Quasselstrippe, der Wirt vom DF, begeistert. Endlich nahm die Stadtverwaltung die Bürger ernst, endlich sollten sie mitreden dürfen.

War das der Beginn einer neuen Ära der Demokratie? Hatte Ivo Gönner, SPD, (bei Stuttgart 21 rigoros gegen jede Bürgerbeteiligung) sich zufällig an Willy Brandts alte Forderung „Mehr Demokratie wagen“ erinnert?

Der Wirt registrierte sich umgehend beim Forum und schrieb einen Brief an den Stammtischbruder Leo.

Große Arbeitsbelastung hatte diesen, der im DF(wegen seiner Kompromisslosigkeit) den Spitznamen Trotzki trägt, einige Zeit vom Besuch am Stammtisch abgehalten. Quasselstrippe forderte ihn schriftlich auf, es als Schwabenpflicht zu sehen, am Diskussionsforum Siddibahnhof Ulm teilzunehmen (haben wir eigentlich keine treffenden deutschen Ausdrücke mehr, die auch unser nicht Englisch sprechender Oberbürgermeister versteht?)

Die Antwort Leos war deprimierend. Aber lesen Sie selbst:

Werter Herr Wirt,

Sie finden mich völlig unvorbereitet zum Thema. Eigentlich bin ich jeglicher Bahnhofsdiskussionen im engeren und weiteren Sinne überdrüssig, weil völlig übersättigt. Aber ich möchte Ihnen trotzdem – improvisiert und aus dem Bauch heraus – antworten.

Zuerst: Was ist schon ein Bahnhof? Da kommen Züge an und fahren ab, und Menschen steigen ein und aus. Damit hat sich’s. Und wenn das Zugfahren noch so teuer, umständlich und unangenehm ist wie mit der Bundesbahn, was braucht es da noch großartige Bahnhöfe?

Und wenn ich an einer pseudopartizipatorischen Diskussion teilnehmen soll, die nicht nur nach dem panischen Versuch riecht, sondern geradezu danach stinkt, alles was auch nur im Entferntesten mit den Ereignissen um Stuttgart 21 zu tun hat, zu verhindern, indem die Menschen sich in völlig nutzlosen Internetforen zu Tode quatschen sollen, während die „Entscheidungsträger“ und „Macher“ sich insgeheim ins Fäustchen lachen, dann, ja was dann?

Dann wird mir wieder einmal klar, dass es eigentlich nur noch darum geht, einigermaßen ungeschoren davonzukommen. Unbehelligt von allen Diskussionen, in denen die Worte vorkommen:

„city“,
„urban“,
„Erlebnisräume“,
„Platzräume“
„Vernetzung“,
„Identifikationspunkt“,
„Juwel“ (!),
„Jahrhundertchance“ (!),
„Impulsgeber“,
„Brückenschlag“,
„Stadtquartier“,
„Machbarkeitsstudie“,
„städtebauliche Herausforderung“,
„Freiraumnetz“ (besonders dämlich),
„solitäre Gesamtskulptur“ (King Kong?),
„zeichenhafter Solitär“ (noch um 1 Stufe blöder),
„Freiraumkorridore“ (Einer flog über das Kuckucksnest?),
„qualitätsvolle Stadträume“ (hä?)
„Wegebeziehungen mit Dominanten“
„Kiss & Ride-Stellplätze“ (ist das ein Druckfehler?),
„Landschaftstreppe“ (Au weia),
„kraftvolle Stadtkante“,
„Campus-Platz“,
„überformte Blockstrukturen“
usw.
usf.
oh je …

Und dann melden sich da Horst Kächele und Emma Scheiffele, die sich ja auch längst einen Computer gekauft haben und in „dem Inderned“ zugange sind, welche heute natürlich die Nicknames Cityhopper57″ oder „Urban Guerilla“ tragen, und äußern sich in den Ihnen gegeben „Freiräumen“ zum Thema (was immer das auch sein mag).

Und machen Vorschläge:

Bahnhofsuhr als rotierender Würfel, solarstrombetrieben
Bus oben oder unten,
Blau renaturiert oder als Aquädukt,
Fahrradbrücke,
Bushaltestelle ca. 20 cm weiter vorne oder hinten oder womöglich gar nicht,
Inlineskaterrampe im Bahnhofsshoppingbereich,
Cityökosupermarkt,
„Kinderlounge“ (kotz!).

Und dann kommen noch die reaktionären Stinker, die endlich mal keine Punks mehr auf dem Bahnhofsvorplatz haben wollen, sondern wieder „Normale“.

Und alle halten sich für Sachverständige,
Oder Bürger,
Oder womöglich beides (noch schlimmer, weil komplett falsch).

Und reden natürlich mit (nur: mit wem?).
Als ob sie an ihrer Modelleisenbahn arbeiten würden.
Als ob jemand anders als ihresgleichen zuhören würde.

Sie sehen also, lieber Wirt, dass ich wohl nicht der Richtige bin. Ich will eigentlich eher nur mehr unbehelligt bleiben.

Von all denen.
Und all dem.
Hätte mich früher natürlich empört, eine solche Haltung.
Ist aber schon lange her.
Kann mich kaum mehr erinnern.

Herzlichst Ihr Leo

11.7.2011

Citybahnhof Ulm – ein Partizipationsmodell?

Die Ulmer Bauverwaltung möchte den Bürgern einen neuen Hauptbahnhof schenken. Pardon. Einen C i t y b a h n h o f. Aber damit nicht genug: Ein ganzes Areal – so groß wie ein Dutzend Fußballfelder – soll neu gestaltet und bebaut werden. Die gewählten Volksvertreter haben sich Gedanken gemacht Die Bauverwaltung hat sich Gedanken gemacht. Und natürlich hat sich auch der Chef der Bauverwaltung Alexander Wetzig Gedanken gemacht.

Danach fand ein Architektenwettbewerb statt, 27 Architektenbüros nahmen daran teil, neun Entwürfe wurden von einer Jury ausgewählt.

Die vorgegebene Aufgabenstellung an die Architekten war bereits so restriktiv, dass wesentliche Fragen, z.B. das Weiterbestehen einer von täglich 30.000 Autos befahrenen Straße direkt vor dem neuen Hauptbahnhof, schon beantwortet waren noch ehe die Architekten sich überhaupt an die Arbeit machten.

Dabei wäre die Verlegung dieser stark befahrenen Straße in einen unterirdischen Tunnel etwas, was allen Reisenden, Spaziergängern, Einkaufsbummlern, Radfahrern am meisten nutzen würde, da sie problemlos ebenerdig und zügig von Bussen und Bahnen zum neuen Hauptbahnhof oder zum Stadtzentrum gehen könnten.

Daneben ist es mehr als fraglich, ob eine Stadt, die so hoch verschuldet ist wie Ulm (2009 betrug die Schuldenlast 127.876.000 Euro) überhaupt in absehbarer Zeit in der Lage sein wird, ein so teures Großprojekt zu finanzieren.

Wenn die Gemeinderäte nicht nur leeres und unverantwortliches Gerede pflegen, sondern es ernst meinen mit dem Abbau der Verschuldung öffentlicher Kassen und der Verantwortung vor kommenden Generationen, ist an ein Projekt von der Größenordnung des neuen Ulmer Hauptbahnhofes nicht zu denken.

Nach Auswahl und Platzierung von neun Entwürfen hat nun der Bürger das Wort.

100 Bürger trafen sich vergangenen Donnerstag im Stadthaus und wurden dort von unserem Baubürgermeister persönlich informiert. 121.987 Bürger hatten offenbar kein Interesse oder keine Zeit, diese Veranstaltung zu besuchen.

In einem von der Stadt Ulm in Auftrag gegebenen und von einem Münchener Kommunikationsbüro organisierten und betreuten Internetforum können nun Vorschläge, Kommentare und Meinungen ins Netz gestellt werden.

40.000 Euro lässt sich das die Bauverwaltung kosten. Nützlich angelegtes Geld, um die demokratische Partizipation zu stärken, oder Alibiveranstaltung, um sich zusätzlich Legitimation zu kaufen?

Zum Ulmer Diskussionsforum: http://www.citybahnhof.ulm.de/

Der DF wird Sie weiter auf dem Laufenden halten. Schon bald werden Sie erfahren, was unser Stammtischbruder Leo in einem Brief an Quasselstrippe zu diesem städtischen Forum zu sagen hat.

10.7.2011

Die Brücke

Adenauerbrücke1

Sie stellen sich das sicher ganz einfach vor, verehrte Leser: eine Brücke, die Adenauerbrücke in Ulm, 1954 erbaut und täglich von 96.000 Fahrzeuge frequentiert, ist nach sechzig Jahren heruntergekommen. Sie weist nicht nur gravierende Schäden auf, auch an der Zuverlässigkeit der Statik bestehen gutachterlich geäußerte Zweifel.

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Da gibt es nicht viel zu überlegen, denken Sie: Sofort Pläne für den Abriss und den Bau einer neuen Brücke ausarbeiten und sich dann rasch an die Ausführung eines Neubaus machen. Tja, das mag anderswo so ablaufen, in Ulm nicht. Hier gehen die Uhren anders und vor allem tickt unser Baubürgermeister Alexander Wetzig anders.

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Herr Wetzig ist nämlich Feingeist. Er befasst sich ungern mit Trivialem. Die Erneuerung von Brücken, die Sanierung von Straßen und Baudenkmälern interessiert ihn nicht. Herr Wetzig ist Fachmann für Ästhetik, Spezialist für moderne Architektur, weltweit anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Errichtung schachtelartiger Stahlbetonbauten, wie sie die Ulmer Mitte zieren.

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Deshalb kann es in Ulm schon einmal passieren, dass es zu Problemen kommt, von denen nur unser Baubürgermeister Wetzig überrascht wird, sonst keiner:

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Jahrelang zerbröselte der Ulmer Bahnhofsteg, die Hauptverbindung für Fußgänger über die Bahngleise zwischen Innenstadt und Dichterviertel. Unser Baubürgermeister bemerkte nichts und unternahm nichts. Es kam so, wie es kommen musste: der Steg wurde baufällig, von einem Tag auf den anderen musste er gesperrt werden. Bis ein neuer gebaut war, vergingen Jahre. Die Fußgänger nahmen den Umweg, den sie nun täglich (oft mehrmals) gehen mussten, ihrem stets ohne jeden Selbstzweifel auftretenden Baubürgermeister zuliebe gerne in Kauf.

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Die durchs Ulmer Stadtgebiet führende B 10 führt durch zwei 1963 errichtete Tunnel. Bauschäden und mangelnde Verkehrssicherheit machten 2006 eine Sanierung der 385 Meter langen Oströhre dringend erforderlich; die 501 Meter lange Weströhre sollte später folgen.

Bald schon wurde deutlich, dass Baubürgermeister Wetzig mit dieser Aufgabe überfordert war: der Zeitplan konnte nicht eingehalten werden, Staus nahmen beständig zu, die Kostenplanung geriet aus den Fugen und die IHK machte Wetzig für Umsatzeinbußen des Handels verantwortlich.

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Schließlich beendeten der Präsident der IHK Peter Kulitz und der Geschäftsführer Otto Sälzle das hilflose Agieren Alexander Wetzigs auf ungewöhnliche Weise: mit einem Scheck von 200.000 Euro erschienen sie auf dem Ulmer Rathaus und verlangten, ein externes Planungsbüro mit der Projektsteuerung der B 10-Röhren-Sanierung zu beauftragen.

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Manchmal ist man sprachlos, wie Demokratie in Ulm praktiziert wird. Der IHK-Coup funktionierte: ein Hauptabteilungsleiter in der Ulmer Bauverwaltung verlor seinen Führungsposten, ein Abteilungsleiter quittierte frustriert den Dienst, ein externes Planungsbüro erledigte die Aufgaben der Ulmer Bauverwaltung. Im November 2013 wurde die Sanierung abgeschlossen; 25 Millionen Euro hat sie gekostet; Herr Wetzig hatte 2010 noch mit Kosten unter 10 Millionen gerechnet.

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Als vor wenigen Tagen nach siebenjähriger Sanierung ein nächtliches Tunnelfest gefeiert wurde, steckte sich der Ulmer Baubürgermeister eine kubanische Zigarre an (hat er die von Herrn Sälze bekommen?), blies den Rauch in die Luft und sagte, dass es Ärger ohne Ende gegeben, die Zusammenarbeit mit der IHK aber bestens geklappt habe.

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Doch Herr Wetzig lernt aus Erfahrungen.

Die jetzt zum Sanierungsfall gewordene Adenauerbrücke überspannt die Donau und gehört somit zur Hälfte zu Neu-Ulm (Bayern), zur anderen Hälfte zu Ulm (Baden-Württemberg). Eingedenk seiner schlechten Erfahrungen mit dem Bahnhofsteg übertrug Ulms Baubürgermeister die Planung für die Sanierung der Adenauerbrücke dem Staatlichen Planungsamt in Krumbach.

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Dort untersuchte man die Sachlage und kam zu folgendem Resultat: eine dringend nötige Sanierung der Brücke lohnt sich nicht mehr. Es kommt nur ein Neubau in Frage. Da das Verkehrsaufkommen seit der letzten Zählung 2010 zugenommen hat, ist eine Vergrößerung der Brücke von sechs auf acht Spuren nötig. Die Kosten für eine neue Brücke betragen 15-16 Millionen Euro. Wenn die Planungen jetzt anlaufen, kann 2018 mit dem Neubau begonnen werden. Wer die Verbreiterung der Adenauerbrücke nicht will, muss angesichts des erhöhten Verkehrsaufkommens eine weitere Donaubrücke am Ostrand der Stadt Ulm in Betracht ziehen.

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Wie jeder Ulmer erfuhr unser Baubürgermeister Wetzig von diesen Plänen und Vorschlägen des Bauamtes Krumbach aus der Presse. Und jetzt stellen Sie sich vor, verehrter Leser: Herr Wetzig war empört! Außer sich. „Das ist ein Affront!“ rief er laut aus. „Respektlos“ verfahre das Amt in Krumbach mit ihm. Er werde sich das nicht bieten lassen.

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Ja, sehen Sie Herr Wetzig, so geht es den Ulmern seit Jahr und Tag. Sie hätten gerne rechtzeitig und umfassend erfahren, was die Bauverwaltung plant, zum Beispiel bei der Einkaufsgalerie am Sedelhof. Doch die Bauverwaltung unter Ihrer Führung treibt meist das gleiche Spielchen: in der Verwaltung werden heimlich Pläne ausgearbeitet, sodann das Projekt auf den Weg gebracht. Wenn alles unabänderlich ist, werden die Bürger informiert, dürfen ihre Meinung sagen und Sie, Herr Wetzig, sorgen dann noch für eine gehörige Portion Zynismus, indem sie davon sprechen, dass in Ulm die Bürger auf vorbildliche Weise an politischen Entscheidungen beteiligt würden.

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Die Krumbacher Bauverwaltung hat einen Fehler gemacht. Sie hat keine schlechte Analysen und Pläne vorgelegt oder Unmögliches zur Diskussion gestellt. Nein. Sie hat unseren Herrn Baubürgermeister Wetzig in seiner Eitelkeit verletzt. Das war ein folgenreicher Fauxpas. Jetzt wird es vermutlich soweit kommen, dass die Adenauerbrücke irgendwann in den kommenden Jahren wegen mangelhafter Verkehrssicherheit ganz oder teilweise gesperrt werden wird, da kein Neubau beschlossen werden kann. Denn mit restriktivem Verhalten der Ulmer Bauverwaltung und der ebenfalls in ihrer Eitelkeit verletzten Ulmer Gemeinderäte sollten die Krumbacher Planer nun auf alle Fälle rechnen.

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Adenauerbrücke2

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Adenauerbrücke3

Sedelhof in Ulm

Sedelhof in Ulm

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(1) Wer zum Zwecke von Großtuerei und Blenderei den seit jeher in Ulm gebräuchlichen Namen Sedelhof durch Sedelhöfe ersetzt, wird mit regelmäßig wiederkehrendem höhnischem Gelächter nicht unter zwei Minuten bestraft.

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(2) In distinguierter Abendgesellschaft kann das höhnische Gelächter auch durch ein deutlich wahrnehmbares breites Grinsen ersetzt werden, wenn sich einer der Verursacher der sprachlichen Prahlerei aus der Ulmer Stadtverwaltung zeigt.

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(3) Wer Ulmer Straßen oder Plätze verkauft oder an windige Investoren verschacherte Plätze zum Investitionsprojekt des Jahrhunderts erklärt, wird mit Verlusten für die Stadtkasse nicht unter 10 Millionen Euro bestraft.

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(Zitat aus einem Schreiben der Präventiv-Aktiven-Staatsanwaltschaft an OB Ivo Gönner und Baubürgermeister Alexander Wetzig.)

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Friede & Freude & Eierkuchen
Gibt s nur im Ivo-Gönner-Land
Ulmer müssen nicht lang suchen
Ihr Glück, es stammt von Ivos Hand.
Doch wenn s dem Tor hier nicht gefällt
Und er sein Mundwerk nicht mehr hält
Zickt & meckert & räsoniert
Keck König Ivo kritisiert
Der die Geduld mit ihm verliert –
Wird ein Prozess mit ihm geführt
Am Ende wird er ausquartiert

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Kein Wengenturm

Missverständnis und Rechenfehler

Nun kann er leider nicht gebaut werden, der von Gottfried Böhm entworfene futuristische Turm der Ulmer Wengenkirche, der genau so ausgesehen hätte wie das neueste Raumschiff von Darth Vader. Warum nicht? fragen sich die Ulmer, die sich nichts sehnlicher wünschten als die Realisierung dieses Projektes. Die Erklärung ist verblüffend einfach: Ein kleines Missverständnis und ein kleiner Flüchtigkeitsfehler.

Am vergangenen Freitag lud Oberbürgermeister Gönner Vertreter der katholischen Kirche, des Landes Baden-Württemberg und Baubürgermeister Wetzig zu sich ins Rathaus. Zusammen rechneten sie nochmals die Baukosten durch. Prompt bemerken die Herren, dass doch tatsächlich bisher vergessen worden war, Mehrwertsteuer zu den veranschlagten Baukosten zu addieren, somit der Wengen-Turm nicht 1,2 Millionen, sondern 1,5 Millionen Euro kosten wird. (Ergibt 1,2 Millionen plus 19 Prozent tatsächlich 1,5 Millionen?)

Uns vom DF-Stammtisch machte diese Nachricht richtig stolz, da sie doch zeigt, dass die Ulmer Intelligenz im Rathaus auch schwierige mathematische Aufgaben zuverlässig zu lösen imstande ist. Aber dies hätte noch nicht zur Verschiebung des Bauprojektes geführt.

Wie die Ulmer Stadtverwaltung vor wenigen Tagen bekannt gab, wollten sich die Katholische Kirche, das Land Baden-Württemberg (das Eigentümer des Wengenturmes ist) und die Stadt Ulm die Kosten teilen: 400.000 sollte jeder bezahlen. Nun fiel Herrn Wetzig und den Vertretern des Landes in der Freitagssitzung ein, dass Baden-Württemberg eigentlich nie vorhatte, 400.000- Euro für den Turm auszugeben.

Wir vom Stammtisch vermuten, dass sich unser Baubürgermeister Wetzig in dem entscheidenden Telefonat mit der Stuttgarter Regierung verhört hat. Während die Regierungsvertreter sagten: „Wir übernehmen die Kosten für die Stabilisierung des Turmes in Höhe von 100.000 Euro“ verstand Herr Wetzig: „Wir zahlen ein Drittel der Bausumme“. Ein einfaches Missverständnis also, das kann schon mal vorkommen.

Nun hätte sich aber durch die Entdeckung des Rechenfehlers und die Aufdeckung des Missverständnisses der Finanzbeitrag Ulms zum Wengenturm von 400.000 auf eine volle Million erhöht. Deshalb beschlossen die versammelten Herren, das Projekt sofort zu stoppen. Die Ulmer Gemeinderäte wurden, wie sich das gehört, Tags darauf auf direktem Wege durch die Lokalpresse informiert.

Wir vom Stammtisch sind froh, dass wir mit unserem Oberbürgermeister und Herr Baubürgermeister Wetzig verantwortungsvolle Politiker im Rathaus haben, die nicht nur von den klammen öffentlichen Kassen reden, sondern mit dem Sparen richtig ernst machen.

Dennoch geben wir die Hoffnung nicht auf: Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen. Sollte die Stadtkasse dann gefüllt sein und der Bau eines neuen Wengenturmes in Angriff genommen werden, hätten wir ein paar alternative Vorschläge zu dem Turmentwurf Gottfried Böhms.

Einer der bedeutendsten Stadträte Ulms und ein ausgewiesener Fachmann für moderne Kunst, Herr Gerhard Bühler von den Freien Wählern, bescheinigte unseren Entwürfen bereits außerordentliche ästhetische Qualität: „Das Stadtbild verträgt diese Türme“, sagte Herr Bühler zum Wirt Quasselstrippe als dieser ihm die Turmentwürfe für die Wengenkirche präsentierte.
Nachstehende Fotos zeigen die innovativen Entwürfe.

4.7.2010

1.Erlösung 2.Fegefeuer 3. Hiob 4.Sieben Plagen 5.Unbefleckte Empfängnis 6. Wasser zu Wein

Erlösung

Fegefeuer

Hiob

Plagen

Empfängnis

WasserzuWein

Turmbau zu Ulm

 

Ulm hat viele Türme, kirchliche und weltliche, und alle sind in einem nicht zeitgemäßen Zustand. Entweder passen sie nicht zur Neuen Mitte oder repräsentieren nicht angemessen ihre Eigentümer oder – der schlimmste Fall- beides zusammen. Reden wir nicht drum herum: Alle müssten abgerissen werden, und die Architekten Gottfried Böhm, Stephan Braunfels und Wolfram Wöhr müssten ganz neue konstruieren, Türme mit klaren Linien und rechten Winkeln aus Beton (aus was sonst?) mit einer wunderschönen Farbenvielfalt von aschgrau und taubengrau bis mausgrau über rauchgrau, schiefergrau, silbergrau bis anthrazit.

Nun möchte die katholische Wengengemeinde ihren Kirchturm modernisieren. Aus nordwestlicher Perspektive sehen Sie auf dem Foto den Turm in seiner beklagenswerten Schlichtheit. Von 35 auf 50 Meter soll er nach dem Entwurf Gottfried Böhms, dem Erbauer der Ulmer Glaspyramide, wachsen und 1,2 Millionen Euro kosten. Viel Geld in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise. Aber wenn die katholische Kirche sich das leisten kann und will – ihre Sache.

wengenkirche ulm

Gönner und Wetzig sehen das nicht so. Sie wollen aus der Stadtkasse ohne weiteres 400.000 Euro hergeben, ohne Bedingungen und ungeachtet der Geldsorgen Ulms. Die Grünen lehnen finanzielle Unterstützung ab, die SPD laviert, will Geld geben und mitreden, Frau Malischewski von den Freien Wählern gefällt Herrn Böhms Turm nicht, gegen Ausgaben hat sie nichts einzuwenden. Wann wird wohl die lange bekannte Vorhersage, dass Ulm 2013 Schulden in Höhe von 210 Millionen Euro haben wird, bis zu den Freien Wählern durchdringen?

Der Ulmer Geldtransferspezialist Alexander Wetzig trägt am 29. Juni dem zuständigen Ratsausschuss seine schlagenden Argumente vor, warum die Stadt 400.000 Euro zahlen sollte, ohne auf die Turmgestaltung Einfluss zu nehmen. Wetzigs Argumente lauten:
1. Der Böhm-Entwurf gefällt mir, deshalb ist er gut

2. Eine Rekonstruktion des alten Turms, wie er vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bestand, verursacht mir Magendrehungen und ist deshalb schlecht.

3. Ich bin dafür, dass Ulm seine Verbundenheit mit den Katholiken durch finanzielle Zuwendungen beim Turmbau demonstriert. Alle Welt schaut in dieser Frage auf die Donaumetropole.

Wir vom Stammtisch teilen und unterstützen selbstverständlich die Haltung des Baubürgermeisters, halten aber zwei kleine Ergänzungen für notwendig: Ulm sollte nicht nur die Neugestaltung des Wengenturmes mit finanziellen Zuwendungen unterstützen. In unserer Stadt gibt es (wenn unsere Statistikabteilung richtig gezählt hat) 47 Türme, die dringend dem neuen Ulmer Stadtbild angepasst werden müssen (siehe die kleine Auswahl auf den Fotos unten).

Wahrscheinlich erhielte die Stadt Ulm und die anderen Bauherren auch einen Preisnachlass, wenn auf einmal mehrere Dutzend Türme samt modernsten Turmhauben errichtet würden; stellte dann Herr Wetzig noch dem Architekten Braunfels sein Privatkonto für eine weitere Finanztransaktion zur Verfügung, käme das Großprojekt „Ulmer Turmbau“ sicher noch günstiger.

Unsere nächste Ergänzung wäre: In Zeiten knapper öffentlicher Kassen sollte das Turmbauprojekt mit einem „Gegenfinanzierungsvorschlag“ verknüpft werden. Die Stadt Ulm investierte in den vergangenen zehn Jahren 2,1 Millionen Euro in die Sanierung des Ulmer Münsters. Fast 95.000 Euro erhält die Münsterbauhütte pro Jahr zusätzlich als städtischen Zuschuss. Angesichts des Mitgliederschwundes in der evangelischen Kirche und ihres absehbaren Endes sollte OB Gönner darauf hinwirken, dass das Münster von der Evangelischen Kirche an einen finanziell potenten Staat wie beispielsweise Saudi-Arabien verkauft wird.

In einem Vertrag ließe sich mit dem neuen Eigentümer regeln, dass neben Moslems auch Protestanten das sakrale Gebäude für ihre Zwecke nutzen dürfen. Ulm würde durch diese Politik nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Stabilisierung des Weltfriedens und zur Versorgungssicherheit Deutschlands leisten, sondern auch große Finanzmittel einsparen, da alle Unterhalts- und Instandhaltungskosten von den Saudis zu tragen wären.

Durch diesen überaus geschickten Schachzug stünden quasi über Nacht alle Gelder bereit, um in Ulm ein gigantisches Turmbauprogramm in die Wege zu leiten.

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Pauluskirche Ulm

Gänsturm Ulm

27.6.2010

Alexander-Wetzig-Blues

 

*

Wetzig-Blues

*
Der Steg am Bahnhof bröckelt vor sich hin
Während ich mit Großem so beschäftigt bin
Er wird gesperrt und endlich abgerissen
Ich hätte längst einen neuen bauen müssen.

Am Donauufer wird ein Strandbad stehen
Familien können dort baden gehen
Ich liebe diese giftig-grüne Brühe
Und alle Bürger schätzen meine große Mühe.

Wetzig, unsern Bürgermeister,
Verlassen alle guten Geister
Wetzig macht nur noch Mist
Glück, dass Ulm schnell vergisst

Am Aupark, wo ihr gern flaniert
Da wird bald alles zuplaniert
Ein Hochhaus, wo die Alten wohnen
Soll sich für den Investor lohnen.

Ein paar Millionen — es ist gar nicht schwer
Schieben ich und Stephan hin und her.
Wir waschen Geld und sorgen fürs Geschäft
Wenn uns der Staatsanwalt in Ruhe lässt.

Wetzig, unsern Bürgermeister,
Verlassen alle guten Geister
Wetzig macht nur noch Mist
Glück, dass Ulm schnell vergisst

Der „Wetzig-Blues“ erzählt vom Ulmer Baubürgermeister Alexander Wetzig. Er half seinem Freund Stephan Braunfels, dem berühmten Architekten aus München, eine halbe Million Euro vor dem Finanzamt München zu verstecken. Deswegen erhielt Wetzig im November 2010 einen Strafbefehl über 90 Tagessätze vom Amtsgericht.
Das Verblüffende ist: Trotz seiner Tat wird der  Alexander Wetzig nicht aus seinem Amt gejagt. Ulms Oberbürgermeister und die Mehrzahl der Ulmer Gemeinderäte decken ihren Baubürgermeister. Moral zählt in der Donaustadt im Jahr 2011 unter dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Gönner nichts mehr.

Wie heißt ein altes Sprichwort? Der Fisch fängt vom Kopf her zu stinken an.

20.3.2011

Verfahren gegen Wetzig vor der Einstellung

Wie die Nachrichtenagentur dpa meldet, wird das Strafverfahren gegen Stephan Braunfels, der vor dem Ulmer Amtsgericht wegen Vereitlung einer Zwangsvollstreckung angeklagt wurde, wahrscheinlich eingestellt.

Staatsanwalt und Verteidigung waren sich heute einig, dass der Vorwurf gegen Braunfels nicht haltbar sei.

Damit würde auch das Verfahren gegen den Ulmer Baubürgermeister Wetzig eingestellt.

Ihm war vorgeworfen worden, seinem Freund Braunfels im Februar 2009 dabei geholfen zu haben, 500.000 Euro vor dem Finanzamt München zu verstecken, also Beihilfe zur Vereitlung einer Zwangsvollstreckung geleistet zu haben.

Merke: In Deutschland ist es seit der Einstellung des Prozesses gegen Braunfels und Wetzig völlig normal und weder juristisch noch moralisch zu beanstanden, dass ein Architekt einem Baubürgermeister einfach so 500.000 Euro aufs Konto überweist.

Das ist selbst dann für die Justiz und die öffentliche Moral uninteressant, wenn der Architekt durch Vermittlung des Baubürgermeisters Aufträge in der Stadt erhalten hat, in der der Baubürgermeister seinen Dienst tut.

WetzigDerPate

7.2.2012

Die Entzerrung des Stadtgebildes

Wissen Sie, verehrter Leser, was das wesentliche Verdienst unseres Ulmer Baubürgermeisters Alexander Wetzig ist? Nein?

Der Lokalredaktionschef Hans- Uli Thierer hat diese Frage in der Samstagsausgabe der SWP für Sie beantwortet. Wörtlich heißt es dort: Wetzig hat die „bemerkenswerte Leistung vollbracht, das komplexe und heterogene Gebilde Stadt … zu entzerren“.

Da sind Sie sprachlos, nicht wahr? Dass eine Stadt ein „komplexes und heterogenes Gebilde“ ist, können alle nachvollziehen. Dass es aber eines hoch spezialisierten Baudezernenten bedarf, um das „Gebilde Stadt“ zu „entzerren“, ahnte sicher keiner der 120.000 Einwohner Ulms.

Diese Aufgabe der „Entzerrung des Stadtgebildes“ ist nach Meinung des Lokalchefs deshalb nötig, weil durch die vielen „sich widersprechenden Nutzungserfordernisse und Ansprüche … nicht mehr ganzheitlich geplant werden kann“.

Alles kapiert? Nein? Ist auch nicht so wichtig. Wesentlich ist, dass Herr Thierer durch seine philosophische Einleitung (inspiriert durch den Besuch Peter Sloterdijk in Ulm?) allen nochmals verdeutlichen möchte, wie wichtig Alexander Wetzig für Ulm war und hoffentlich auch bis 2015 sein wird.

Unter einer Voraussetzung allerdings: Thierer verlangt, dass Wetzig seinen Widerspruch gegen den Strafbefehl des Amtsgerichtes zurückzieht, seine Geldstrafe von 11000 Euro zahlt und damit „Einsicht, Reue und Demut“ zu erkennen gibt. Nur so könne Alexander Wetzig die Schuld tilgen, die er durch die Beihilfe zum Betrug des Finanzamtes München auf sich geladen habe.

Es ist sehr zweifelhaft, ob die Rücknahme des Widerspruchs die Voraussetzung schafft, um Wetzig weiterhin als Baudezernent in Ulm beschäftigen zu können. Schließlich ist der Mann Behördenchef. Von wem können wir die Einlösung moralischer Maßstäbe denn noch verlangen, wenn wir selbst unserer sog. politischen Eilte zubilligen, den einen oder anderen Rechtsbruch zu begehen? Oder wollen wir uns ganz davon verabschieden, von Politikern moralische Unbescholtenheit zu fordern?

Nein, Herr Thierer, so wie es richtig war, dass Guttenberg als Verteidigungsminister gehen musste, weil er bei seiner Dissertation betrogen hat, so muss Wetzig gehen, weil er bei der Vereitelung einer Zwangsvollstreckung mitgewirkt hat.

Besonders schlimm ist dabei auch der Umstand, dass Wetzig durch seinen Widerspruch gegen den Strafbefehl unmissverständlich zu erkennen gegeben hat, dass er nicht einsichtig ist und auch keine Reue empfindet. Seine Entschuldigung vor dem Ulmer Gemeinderat war nur Schmierentheater, um die Gemüter zu besänftigen.

20.3.2011