Ulm und die EU

Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister Gönner,

ich schreibe Ihnen aus Mitleid. Es war kaum zu ertragen mit ansehen zu müssen, wie am Mittwoch vergangener Woche ein sogenannter Staatsgipfel in Ulm stattfand, der sich am Ende bei nüchterner Betrachtung als flaches und einfallsloses Kasperletheater entpuppte, das nicht einmal eine kurze Meldung in der Lokalzeitung wert gewesen wäre. Zwei Tage hatten die Redakteure H.U. Mayer und J. Resch seitenweise Berichte und Ankündigungen in der SWP geschrieben, hatte mit ganz großen Worten nicht gespart und das Treffen von Ulm in eine historische Dimension gerückt. Und was kam am Ende heraus? Der Ihnen, Herr Oberbürgermeister, bekannte römischen Dichters Horaz hätte gesagt: Der Berg kreißte und gebar eine Maus.

Ein paar Politiker aus der Slowakei, aus Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien waren angereist, hörten eine missglückte Rede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, trugen sich ins Goldene Buch der Stadt ein und verabschiedeten eine Erklärung, in der sie alle Welt wissen ließen: „Wir wollen Geld aus den Kassen der EU. Das brauchen wir, um unsere maroden Haushalte zu sanieren. Um besser an die Fördertöpfe ranzukommen, schließen wir uns zusammen.“ Anschließend speisten die Staatsgäste Sauerkraut mit Knödel, reisten wieder ab und Ihnen, Herr Oberbürgermeister, bleibt der Spott der Bürger.

Als loyaler und besorgter Citoyen sehe ich es als meine Pflicht, Ihnen ein paar Ratschläge vorzutragen, um zukünftigem Schaden vorzubeugen und den Nutzen unserer Stadt auf einfachem Weg zu mehren.

1. Halten Sie sich vom Ministerpräsidenten Oettinger fern und lassen Sie sich von dessen plumpten Schmeicheleien, in denen er das Donaubüro in den höchsten Tönen lobt, nicht umgarnen. Der erfolglose Ministerpräsident lenkt mit seinem Engagement für die Donauländer nur von seinen Misserfolgen in der Landespolitik ab. Hinzu kommt, dass Herr Oettingers Reden oft mit unfreiwilliger Komik und schiefen Bildern gespickt sind. So bleibt es nicht aus, dass jemand, der häufig in seiner Gesellschaft gesehen wird, selbst an Ansehen einbüßt.

2. Sorgen Sie, verehrter Herr Gönner, doch bitte dafür, dass der alberne Greis Erhard Busek, zukünftig nicht mehr im Dienste der Bildungsarbeit der Donauakademie aktiv wird. Schiffchenfahren auf der Donau, das Erzählen belangloser Geschichtchen und das Zitieren von Sprichwörtern, die wirklich alle kennen, sind nicht geeignet, Jugendliche im Sinne einer Völkerverständigung zu erziehen. Sie bewirken nur eines: Gähnende Langeweile.

3. Mein dritter und letzter Vorschlag ist zweifellos der radikalste und einer, der Ihnen persönlich, Herr Oberbürgermeister Gönner, die meisten Opfer abverlangt. Ulm soll in der Welt bekannter werden und die Stadtkasse soll aus den großen Geldtöpfen der EU in Brüssel optimal gefüllt werden. Der einfachste Weg hierzu ist folgender: Lassen Sie, Herr Oberbürgermeister, Ihre Ehe durch den Papst annullieren. Heiraten Sie die EU-Regional- Kommissarin Danuta Hübner. Die früher von europäischen Herrscherhäusern praktizierte Heiratspolitik zum Zwecke der Vergrößerung von Ansehen und Macht taugt für die aufstrebende Stadt Ulm durchaus als Vorbild. Wenn Ihre Gemahlin Danuta am Wochenende von Brüssel nach Ulm kommt, könnte sie die neuesten Antragsformulare auf EU-Zuschüsse für kommunale Projekte mitbringen.

Sie dürfen sich durch kleinkarierte Einwände nicht beirren lassen. Die Stadträson geht über alles. Gut ist, was Ulm nützt. Und stellen Sie sich, Herr Oberbürgermeister, doch bitte einmal vor: Durch Ihre Ehe mit der Frau Kommissarin kämen bald anstelle des rumänischen Premierministers Emil Boc und der stellvertretenden Ministerpräsidentin Bulgariens Meglena Plugtchieva regelmäßig Silvio Berlusconi und Nikolas Sarkozy nach Ulm. Das würde Ulm die volle Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit verschaffen!
Ich verbleibe für heute mit lieben Grüßen
Ihr
Quasselstrippe
(Wirt von Gasthaus Donaufisch)

/10.5.2009

Donaufest 2008

Ulm spendiert 73000 Euro für Bratwürste und Bier

*

Das ist doch mal eine gute Nachricht in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise: Das Donaufest im vergangenen Jahr hat unter seinem Leiter Peter Langer lediglich mit einem Defizit von 73000.- Euro abgeschlossen.

Dem Vernehmen nach sind die Gemeinderäte der Städte Ulm und Neu-Ulm, die Herrn Langers Tätigkeit kontrollierend begleiten, hoch zufrieden mit diesem Ergebnis. Im Anschluss an eine Ratssitzung, die am 17.3. stattfand und in der Herr Langer den Gemeinderäten seinen abschließenden Bericht vortrug, sagte ein Gemeinderat: „Herr Langer produziert bei jeder organisatorischen Arbeit, die er leistet oder geleistet hat, Defizite. Deshalb haben wir Gemeinderäte gelernt, an die Arbeit des Donaubürodirektors besondere Maßstäbe anzulegen.“

In der Tat sind die Verluste beim Donaufest 2008 vernachlässigbar gering. Für 2010, dem Jahr des nächsten Donaufestes, sind bereits jetzt im Haushalt der Städte 150.000 Euro für erwartete Verluste eingeplant. Und seien Sie doch mal ehrlich, verehrte Leser: Was sind solche Verluste schon angesichts der Milliardenbeträge, die der deutsche Staat jetzt für die Banken und die Wirtschaft ausgeben muss?

Außerdem hat die Stadt Ulm umsichtig und vorausschauend gehandelt. Indem sie die Zuschüsse für das Ulmer Kinder- und Familientheater „Luftikuss“ und „Ulmer Spielschachtel“ ordentlich gekürzt hat, stehen jetzt die Mittel bereit, um Langers Verluste auszugleichen.

Übrigens: Ein Ulmer Statistiker hat errechnet, in welchem Umfang die 73.000 Euro Verlustausgleich den Ulmer Bürgern zugute kommen. Jede verkaufte Bockwurst wird mit einem, jedes verkaufte Bierchen mit einem Euro fünfzig subventioniert.

Also, wenn das keine bürgerfreundliche Kulturpolitik ist…

5.3.09

Donaubüro Buenos Aires

 

Es kommt schon einer Sensation gleich, was die Nachrichtenagenturen heute melden: diese Woche wird in Buenos Aires das erste Donaubüro außerhalb Europas eröffnet. Dem Vernehmen nach werden der Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Oettinger und der Direktor des Ulmer Donaubüros Peter Langer in die Welthauptstadt des Tangos reisen, um den Feierlichkeiten beizuwohnen.

Gegenüber internationalen Medien äußerte sich Jorge Luis Mazola, der künftige Leiter des Donaubüros Buenos Aires: „Wir sind glücklich, dass unsere Stadt als Sitz der ersten außereuropäischen Repräsentanz Ulms ausgewählt wurde. Zunächst gab es hier viele Bedenken und Einwände. Aber schließlich erkannten alle, dass es falsch war zu glauben, ein Donaubüro könne nur an der Donau stehen. Eine solche Institution ist eine Zierde für alle Städte dieser Welt, ganz egal ob sie am Rio de la Plata, an der Wolga, am Mississippi oder am Jangtse liegen. Denn das Donaubüro ist ein beglückendes Symbol für Völkerverständigung und Weltfrieden, das wir in Zeiten der Krisen und Kriege überall dringend benötigen, genauso dringend wie Luft und Wasser.“

Damit scheint die Idee des Ulmers Peter Langer kurz vor ihrer Realisierung zu stehen, die geniale Idee nämlich, das Donaubüro, das Donaufest und die Donauakademie zu einem Exportschlager zu machen. Doch während ein großer Mann an großen Plänen schmiedet, gibt sich die lokale Presse kleinkariert provinziell, äußert Zweifel, verweist auf die ganz gewiss zu erwartende Verweigerung der örtlichen Volksvertretung usw. usw. Der große Ulmer Peter Langer aber tritt diesem Kleinmut gelassen und beherzt entgegen: „Gut ist, was den Ruhm, die Bedeutung und die wirtschaftliche Kraft Ulms mehrt. Dem werden sich die Gemeinderäte nicht verschließen; spätestens dann, wenn sie alle kostenlos in die Hauptstadt Argentiniens gereist sein werden, rechne ich mit 100prozentiger Unterstützung“. In der Tat spricht bei sachlicher Betrachtung und Überlegung einiges dafür. So das jüngste Beispiel: Die Ulmer Gemeinderäte durften auf Kosten des Steuerzahlers nach Brüssel reisen, wurde fürstlich verköstigt und durch Kontakte zu EU-Bürokraten in einen wahren Taumel ob der Bedeutung der Donauidee und Ulms versetzt. Hernach noch ein paar Gläschen Schampus und nach ihrer Rückkehr vergaßen diese Volksvertreter doch glatt, dass wir auf eine Rezession zusteuern mit nicht absehbaren Folgen für die Stadtkasse Ulms, vergaßen s und genehmigten Herrn Langer gleich mal ordentlich mehr Geld…Ein Ulmer Handwerker sagte mir, gemessen an diesem Gemeinderat, sei die DDR-Volkskammer eine äußert kritische Instanz gewesen…

Jorge Luis Mazola hält große Stücke auf Direktor Langer:“ Mister Langer ist der Philosoph der Donauidee. Deshalb wird ihm bei der Eröffnung in Buenos Aires eine besondere Ehre zuteil werden. Wir werden eine Gedenktafel aus Marmor im Saal der Eröffnungsfeier enthüllen. In der Sprache unserer Ahnen wird Direktor Langer mit Worten gefeiert, die ich Ihnen heute zwar verrate, deren Bedeutung Ihnen aber erst bei der Eröffnungsfeier mitgeteilt werden wird“. Und so geheimnisvoll wie Mazolas Ankündigung, sind auch die Schriftzeichen, die er uns zeigte:

Donaubüro Ulm

16.12.2008

Stuttgart 21 und das Donaubüro



1.Oettingers Milliardengrab „Stuttgart 21“

Fast allen Lesern dürfte bekannt sein, dass die Bundesbahn, das Bundesverkehrsministerium, das Land Baden-Württemberg und Stuttgart ein Projekt planen, das sie „Stuttgart 21“ nennen. Es sieht eine Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes unter die Erde und eine Neuordnung des gesamten Schienenverkehrs von Stuttgart zum Flughafen und nach Wendlingen vor, wo eine neue Bahnstrecke nach Ulm entstehen soll. Die ursprünglichen Planungen gingen von 2,8 Milliarden Euro Kosten für das Projekt „Stuttgart 21“ aus. Lange Zeit verteidigte die Landesregierung ihre Kalkulationen und warf allen Kritikern, die wesentlich höhere Kosten befürchteten, Panikmache vor.

Am 14.8.2008 gab der Innenmister Baden-Württembergs Heribert Rech einen kleinen Flüchtigkeitsfehler zu: In der Kalkulation war versäumt worden, die Preissteigerungen bis zum Jahr der Fertigstellung des Projektes (im Jahr 2020) einzuberechnen. „Stuttgart 21“ koste, so Heribert Rech vor drei Monaten gut 3,1 Milliarden – aber keinen Cent mehr!

Nun fertigte der Bundesrechnungshof für den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages einen Bericht über „Stuttgart 21“, in dem von mindestens 5,3 Milliarden Euro Kosten ausgegangen wird. Da das Bundesverkehrsministerium nicht mehr bezahlen will, als in einem Vorvertrag im Juli 2007 festgelegt wurde (500 Millionen Euro), könnte das Projekt „Stuttgart 21“ nur fortgeführt werden, wenn die anderen Vertragspartner einen wesentlich höheren Anteil an den Gesamtkosten übernähmen. Das scheint unmöglich. Deshalb ist das Projekt „Stuttgart 21“, das neben der CDU auch von der SPD im Stuttgarter Landtag nachdrücklich unterstützt wird, mit großer Sicherheit gescheitert.

Bis die Landesregierung dieses Scheitern öffentlich eingestehen wird, werden noch Monate vergehen und zahlreiche Versuche unternommen werden, das Planungsversagen herunterzuspielen und durch hilflosen Aktionismus die Öffentlichkeit zu täuschen. Die folgende Geschichte erzählt von diesem Aktionismus und dessen Auswirkung auf Ulm, die kommende Kulturhauptstadt Europas.

*

2.Der Ministerpräsident schreibt einen Brief

Hoch verehrter Oberbürgermeister Ivo Gönner!
Wie Sie wissen, kommt der Bundesrechnungshof bei seiner völlig abwegigen Rechnerei zu einer unverantwortlichen und fehlerhaften Kalkulation der Kosten unseres Jahrtausendprojektes „Stuttgart 21“. Dabei hat sich mein Innenminister Heribert Rech bei seiner Kostenschätzung so viel Mühe gegeben und so viel Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit walten lassen. Zwar ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Richtigkeit unserer Berechnungen erweisen wird. Aber bis dahin wird die vom Bundesrechnungshof irregeführte Öffentlichkeit von der Landesregierung einen Nachweis verlangen, dass Baden-Württemberg willens und in der Lage ist, einen höheren Anteil an den Gesamtkosten zu übernehmen. Dies ist nur möglich, wenn wir an anderer Stelle unserer Ausgaben Kürzungen vornehmen, da wir es entschieden ablehnen, neue Schulden zu machen. Deshalb muss ich Ihnen, verehrter Oberbürgermeister Gönner, leider mitteilen, dass bis auf Weiteres aus Landesmitteln keine Zuschüsse mehr an das Donaubüro, das Donaufest und die Donauakademie geleistet werden können. Dennoch bin ich zuversichtlich, was den Erfolg Ihrer Donauaktivitäten anbelangt. Sollte es Ihnen gelingen, sich noch stärker als bisher an großen Vorbildern wie dem Oktoberfest in München oder dem Cannstatter Wasen zu orientieren, könnten Sie einerseits einen unschätzbaren Beitrag zur Völkerverständigung leisten; andererseits würde die massenhafte Teilnahme von trinkfreudigen Menschen aus allen Kontinenten (wie das in München und Stuttgart ja der Fall ist) zu einem so guten betriebswirtschaftlichen Ergebnis führen, dass zukünftig öffentliche Zuwendungen überflüssig werden. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr Ministerpräsident und Freund Günther Oettinger

3.Ein Stadtoberhaupt macht sich Sorgen

Der Brief des Landesvaters bereitete Oberbürgermeister Gönner großen Kummer. Könnten die ausbleibenden Landesmittel durch Geld aus der städtischen Kasse ersetzt werden? Bestand Aussicht, dass der Direktor des Donaubüros einmal in seinem Leben ein Projekt auf die Beine stellen würde, das auch ohne finanzielle Zuschüsse lebensfähig wäre? Nein, letzteres war undenkbar. Einem Genie auf dem Gebiet des Kulturmanagements durften auch keine finanziellen Beschränkungen auferlegt werden, das gebot das Selbstverständnis einer Stadt, die bald in der kulturellen Champions League spielen würde. Den Stadträten mehr Geld abzutrotzen schien unmöglich, wo doch im kommenden Jahr die Kommunalwahl anstand und jeder Stadtrat darauf achten musste, vor den Wählern nicht als Geldverschwender und leichtgläubiger Anhänger absonderlicher Donauvisionen dazustehen. Da half auch das bewährte Mittel nicht, die Stadträte kostenlos kreuz und quer durch Europa reisen zu lassen – alles im Dienste der völkerverbindenden Donauidee, versteht sich. Sollte der Bau einer schon beschlossenen Multifunktionshalle gestoppt werden, um mit dem eingesparten Geld der grandiosen Donauidee zum Erfolg verhelfen zu können? Was soll bloß mit dem Donaubüro und seinem verdienten Direktor und meinem Freund Peter Langer geschehen? fragte sich Oberbürgermeister Gönner gramgebeugt.

4.Die Lösung des Problems

Doch wie immer in schwierigen Situationen fand der Oberbürgermeister einen Weg. Die Leitung von Donaubüro, Donauakademie und Donaufest sollte der überaus erfolgreichen Ulmer Bürgermeisterin für Kultur und Soziales übertragen werden. Gönner war sich sicher, dass diese Frau der Aufgabe gewachsen war, mit einem stark gekürzten Budget die Arbeit fortzusetzen, bis wieder besser Zeiten kämen. Und was sollte aus dem Direktor des Donaubüros werden? Aus dem Träger des Bundesverdienstkreuzes? Aus dem Leuchtturm Ulmer Kulturpolitik? Aus dem Mann, der die Friedensbewegung erfunden und durch die von ihm 1983 organisierte Menschenkette den Zusammenbruch der Sowjetunion und des Warschauer Paktes wenige Jahre später herbeigeführt hatte? Aus dem zurückhaltenden, stets taktvollen, mit Besonnenheit und Bescheidenheit auftretenden Balkanminister der Stadt Ulm? Ja, wo passte so ein Mann besser hin als in ein Museum? Generaldirektor des Donauschwäbischen Zentralmuseums Ulm – das war ein adäquate Position. Und vielleicht wäre es dann sogar möglich, in diesem Hause unter der neuen Leitung eine kleine Abteilung einzurichten, die das gesamte Wirken des Kulturmanagers Peter Langer in Ulm dokumentiert.

5.11.2008

Der Ministerpräsident und das Donaubüro Ulm

 

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum ausgerechnet der Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Oettinger so großes Interesse für das Ulmer Donaubüro bekundet und neulich sogar seinen Europaminister und designierten Finanzminister Willi Stächele (CDU) nach Ulm schickte, um dort ein paar komödienreife Sprüche loszulassen („Ulm ist Europastadt“)? Der Minister brachte für die Donauakademie sogar 150.000 € mit? Weshalb gibt die Landesregierung mühsam in der Schul- und Universitätspolitik eingespartes Geld Herrn Langer? Doch damit noch nicht genug: Bis zu 300.000 € soll das Donaubüro dieses Jahr aus Stuttgart noch erhalten Sind Sie wirklich so naiv und glauben, das hätten die beiden Ulmer Landtagsabgeordneten Oelmayer (Grüne) und Rivoir (SPD) gedeichselt? Die können Herrn Langer vielleicht ein Bundesverdienstkreuz verschaffen oder dafür sorgen, dass er die Ehrendoktorwürde der Universität Bukarest oder Neapel bekommt – aber Geld von der Landesregierung?
Durch glückliche Umstände gelangte unser Stuttgarter Korrespondent in den Besitz geheimer Protokolle, die der Ministerpräsident von seinen Gesprächen anfertigen lässt. Der folgende Dialog fand auf einem Flug von Stuttgart nach Budapest statt, an dem neben Oettinger und anderen Vertretern der Landesregierung auch der Ulmer Donaubüroministerialdirektor Peter Langer teilnahm. Üblicherweise werden die Gespräche vor ihrer Aktenablage in die Schriftsprache transkribiert. Bei dem uns zugespielte Dokument handelt es sich um einen unbearbeiteten Text, der noch die Originalsprache wiedergibt. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Oettinger (jovial):
Gell, Langer, des hättsch au net denkt, dass da mol mitm Minischderpräsident fliega derfsch.

Langer:
Nein, Herr Ministerpräsident, aber …

Oettinger
:
Dabei ham mr de frieher sogar mol durch da Verfassungsschutz ausschpioniera lassa, als da no Lehra warsch, gell! Kommunischda hand hald em Schuldenscht nix verlora! Des gild au heit no, gell Langer!

Langer:
Das sind doch alte …

Oettinger:
Ja, ja, I wois scho, jetzt bisch koi Maoischt me. Wär mr aber au egal… Wichtig isch bloss, dass du de do an dr Donau auskennsch, weil …

Langer:
… da kenn ich mich aus wie kein anderer , ich, ich, ich …

Oettinger (streng):
Also, ois muas e dr glei saga, Langer, da Minischderpräsidend underbriacht ma net, gell, mr send do net in Ulm oder in Nei-Ulm aufm Rodhaus!

Langer:
Jawohl, Herr Ministerpräsident …

Oettinger:
Also, I sag dr s ganz offa, Langer. I han Probleme. I brauch dringend an riesa Erfolg. D‘ Leit schwätza drieber, dass I da Erwin Deifel aus m Amd wegdruckd han ond mi en Berlin bei dr Merkl niemand ernschd nemmt; Eldra, Lehrer ond Schüler schempfad dauernd aufs G8, des mr dui neunmalgscheide Schavan eibrockt hot, mein Finanzminischder Stratthaus muas I hoimschicka, obwohl r guat gschafft hat, ond dann muas I Sempl au no am Grab von dem alda Nazi Filbinger saga, dass er a Widerstandskämpfer war – mei, des isch scho alles bleed glaufa. Verstoasch, Langer?

Langer:
Aber klar, Herr Ministerpräsident …

Oettinger:
I brauch jetzt guate Schlagzeila ond an Erfolg.Ond damit des au klabbt , ond I saga ka, I hand dia Ländr an dr Donau zsammabrocht und fir d Wirtschaft neie Märkt an dr Donau erschlossa, kriagsch du von ons a Geld, Langer, aber dofür muasch au was zweg brenga fr d Wirtschaft. Für d’Kultur hammer D’Heimattage, verstoasch Langer?

Danach durfte sich der Donaubürodirektor wieder auf seinen Platz setzen. Mit dieser Zusage war er seiner größten Sorge ledig : werde ich vor meinem Altersruhestand noch ein neues Projekt anpacken müssen oder ernährt mich die Donauidee bis an mein Lebensende. So und nun wissen Sie, verehrter Leser, warum die Landesregierung dem Ulmer Donaubüro etwas von dem Geld zukommen lässt, das sie Schülern und Studenten weggenommen hat oder vorenthält. Wie lange wird Herr Oettinger brauchen, bis er erkennt, dass er mit seiner Investition in Ulm genau so klug gehandelt hat wie die Deutsche Bank bei ihrem Engagement auf dem amerikanischen Immobilienmarkt?

21.5.08

Lied vom Ulmer Donaubüro

Das Städtchen Ulm, Ihr glaubt es kaum,
Hat einen wunderschönen Traum.
Es möchte gern ein Adler sein,
Kein Spatz , so unscheinbar und klein.

Wer über Wolken hoch will schweben,
Der darf nicht knausrig sein im Leben.
Ein Traum wird wahr in dieser Welt
Für den, der investiert viel Geld.

Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da
Das Donaubüro ist wunderbar
Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum
Diese Idee haut jeden um.

Ein Mann, sehr sparsam und bescheiden,
Soll fortan ein Büro hier leiten.
Zur Tarnung pflegt er die Kultur
Real beschafft er Geld uns nur.

Direktor ist Herr Langer Peter,
Im Umfang misst sein Leib zwei Meter.
Den Bürger freut s und er ist froh,
Ist stolz auf das Ulmer Donaubüro.

Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da
Das Donaubüro ist wunderbar
Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum
Der Langer ist ein Unikum

Gebt Herrn Langer die Millionen!
Er wird weit mehr aus Brüssel holen.
Füllt unsre Kasse mit ganz viel Kohle
Macht Ulm zur Eurometropole.

Verehrte Leser!
Hier endet das Lied vom Ulmer Donaubüro in der Version für den Optimisten. Für reife Erwachsene folgt nun der zweite Teil des Liedes: kurz, bündig und realistisch.

Die Krise herrscht, es fehlt das Moos,
Dann ist in Brüssel auch nix los.
In solchen Zeiten schließt die EU
Selbst ihre Subventionskasse zu.

So ist der Spatz am End der Esel
Und heute weiß ein jeder Schnösel
Ein Spatz bleibt unscheinbar und klein
Wird nie ein stolzer Adler sein.

Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da
Eine Schnapsidee die wurde wahr
Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum
Ganz Ulm liegt im Delirium.

/ 23.6.2009

Text, Musik & Performance by DONAUFISCH ULM

Bundesverdienstkreuz

oder: Ehre wem Ehre gebührt

Dem Leiter des Ulmer Donaubüros soll das Bundesverdienstkreuz verliehen werden, so meldete die Lokalpresse. Der Donaufisch lässt Sie teilhaben an den großen Gefühlen Peter Langers, der von der bevorstehenden Ehrung erfahren hat. Und wir erzählen von der ganz unerwarteten Wende dieser Geschichte.

Es waren noch keine zehn Minuten seit dem Anruf vergangen. Die Mitteilung des Lokalreporters, dass er geehrt werde, wirkte berauschend wie ein Glas Champagner und beflügelte die Fantasie …

Peter Langer stand vor dem Spiegel und betrachtete das rote Kreuz auf seinem Jackett, in dessen goldener Mitte ein schwarzer Adler prangte.
Der Ministerpräsident hatte es ihm persönlich an die linke Brust geheftet. Der Oberbürgermeister und die Honoratioren hatten applaudiert. Am Ende der Feierstunde im Rathaus hatten ihm die Stadträte von CDU und Freien Wählern die Hand gedrückt und ihre herzlichen Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Ein menschlich anrührender Moment! „Für besondere Leistungen auf kulturellem Gebiet…“ hatte der Herr Ministerpräsident in seiner Ansprache gesagt. Ja, er hatte wirklich Hervorragendes geleistet beim Aufbau eines alternativen Kulturlebens in dieser vom Geist des Verzichtes geprägten Stadt. Er war – in aller Bescheidenheit – der Prometheus Ulms.
Beim Blick auf die hohe Auszeichnung kamen dem Direktor die Namen großer Männer in den Sinn, denen diese Ehrung zuteil geworden war : Nicolae Ceausescu, Josip Broz Tito, Hans Filbinger und Heinrich Lübke; aber auch Ernst Jünger und Otto von Habsburg – und erst vor wenigen Jahren ein ganz Großer im deutsche Bankgeschäft : Klaus Zumwinkel.
Der Geehrte genoss das erhebende Gefühl. Im Geiste sah er zukünftige öffentliche Veranstaltungen: Kurz nach seinem Erscheinen würde ein Verantwortlicher ans Mikrofon treten und die Worte sprechen: „ Wir begrüßen in unserer Mitte den Direktor des Donaubüros und Träger des Bundesverdienstkreuzes, Peter Langer…“ Fortan würde er seine Auszeichnung immer tragen, bei Tag und auch bei Nacht, ja auch bei gelegentlichen Treffen mit den Freunden und Kampfgefährten von damals, als es galt im Geiste Maos und Stalins für die Revolution in Deutschland zu kämpfen. Er war froh, dass sein Herz immer noch links schlug – genau unter der Stelle, wo nun die Auszeichnung prangte. Entschlossen blickte der Träger des Bundesverdienstkreuzes in den Spiegel und sagte: „Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist der wichtigste Linke im Land?“ Lange herrschte Stille im Raum. Verlegenes Räuspern. Dann antwortete der Spiegel: „Ihr, Herr Langer, seid der wichtigste Linke im Land. Aber Bütikofer und Trittin, bei den grünen Zwergen in Berlin, Sind noch tausendmal wichtiger als Ihr.“
Einen Augenblick lang drohten Hochgefühl und Stolz zu schwinden. Doch als sich der Geehrte an die Brust griff und das edle Kreuz zwischen den Fingern spürte, verflog aller Ärger im Nu. Was scherten ihn die alten Genossen vom KBW? „Links sein“ – bedeutete das überhaupt noch etwas?
Er, Peter Langer, war der Erfinder des genialen Donaufestes. Er war der Stadtkommissar für Völkerverständigung. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes. Das allein zählte. Ehre, wem Ehre gebührt.
Das Klingeln des Telefons riss Direktor Langer aus seinen schweren Gedanken. Wer konnte das sein zu so später Stunde? Jemand aus Stuttgart? Aus Berlin? Am anderen Ende der Leitung war der Chef der Lokalredaktion, er klang sehr aufgeregt. „Leider ist uns in der Redaktion ein Irrtum unterlaufen. Auf dem Fax aus Stuttgart war die Druckertinte verwischt. Jetzt haben wir Gewissheit. Das Verdienstkreuz erhält Lothar Langer aus Blaustein, Sie wissen doch, der Ökometzger, der immer die Bratwürste fürs Donaufest liefert. Herr Langer, sind Sie noch dran? Herr Langer? Herr Langer?“

/ 25.2.08

Das Donaubüro braucht ein neues Image

Das Donaubüro ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Es verfolgt das Ziel, von Ulm aus Kontakte in andere Donaustädte zu knüpfen. Der Leiter, Peter Langer, erkundet auf zahlreichen Dienstreisen Investitionsmöglichkeiten für die Ulmer Wirtschaft und organisiert das weithin bekannte Donaufest, ein kulturelles Ereignis ganz eigener Klasse. Durch seine Tätigkeit erwarb sich Langer den Ruf, ein profunder Kenner politischer und sozialer Verhältnisse in den Donauländern zu sein. Zeitweilig wurde er als „Ulmer Außenminister“ bezeichnet. Doch nun trübte ein Ereignis die Erfolgsgeschichte. Sofortiges Handeln war angezeigt.
Im November 2007 veröffentlichte der Chefredakteur der Lokalpresse einen Kommentar, der den Leiter des Donaubüros ganz unvorbereitet traf. Darin wird Direktor Langer vorgeworfen, dass er sich bei Kontakten mit Medien häufig „vergaloppiert“, „überzogenes Großreden“ pflege und durch „verbale Vermessenheit“ auffalle. Durch diese Angriffe und die dadurch bewirkten Beschädigungen aufgeschreckt traf Direktor Langer Vorkehrungen. Zukünftig sollte es keinen Anlass für hinterhältige Attacken der Presse mehr geben.
Eine Ulmer Werbeagentur wurde beauftragt, für eine professionelle Außendarstellung des Donaubüros und seines Direktors zu sorgen. Der Inhaber der Agentur, Dr. Peter Zwey, ist freier Werbetexter, Journalist, Kulturberater, Eventmanager, Coach und Redenschreiber. Zwey widmet sich schon einige Zeit seiner neuen Aufgabe. In einem Weblog korrespondiert er mit einer Dame in Belgrad; im lockeren Dialog über gesellschaftliche und politische Sujets will der Eventmanager das Interesse des Publikums für die Donauländer wecken. Wenn Zwey gerade nicht im Blog mit der „lieben Daniela“ plaudert, investiert er seine Talente, um Peter Langer z.B. in gut inszenierten Interviews die Aura von Sachkompetenz und Autorität zu verleihen. Man merkt sofort, der Berater verfügt auch über Erfahrung als Theaterregisseur.
Kaum hatte Zwey mit seiner Arbeit angefangen, meldeten sich schon die ersten Kritiker aus der subversiven Szene Ulms. Das böse Wort von „Langers Jubelperser“ macht die Runde, Lästerzungen sprechen von einem neuen „Absahner“, der am reich gedeckten Tisch des Donaubüros Platz genommen habe. Auch politische Kritik ist zu hören. Herr Dr. Zwey hat sich in einigen öffentlichen Bemerkungen zu Personen wie Bischof Mixa, Erzbischof Meisner, Ernst Jünger und Erzherzog Otto von Habsburg bekannt und in Blogbeiträgen die Studentenrevolte von 1968 verteufelt. Das alles ficht Herrn Langer, SPD, nicht an. Ob jemand reaktionäre politische Positionen vertritt, ist irrelevant; was zählt ist der Erfolg.
So darf der staunende Ulmer Bürger wohl in absehbarer Zeit damit rechnen, dass Herr Dr. Zwey mit einer Dozentenstelle an der Donau-Akademie belohnt werden wird. Wir vom Donaufisch sind schon gespannt auf das Thema der ersten Ulmer Poetikvorlesung. Wird uns Herr Dr. Zwey darlegen, welches Verhältnis Ernst Jünger zum Nationalismus hatte?
Apropos Nationalismus. Die ersten Erfolge des Coachs Zwey sind bereits zu verzeichnen. Ein Interview, das er mit Langer über serbischen Nationalismus führte, zeigte umgehend Wirkung: Außenminister Frank Walter Steinmeier bot Langer die Stelle eines Referatsleiters im Bundesaußenministerium an.
Als wir am Stammtisch über das Donaubüro sprachen, tauchte auch die Frage auf, was denn eigentlich „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ bedeute. Nimrod meinte, das heiße im Falle des Donaubüros, dass für die Einhaltung bestimmter moralischer Werte nur beschränkt Haftung übernommen werde.

Im SS 2008 finden an der Donau-Akademie Ulm folgende Vorlesungen statt:

Wie Bischof Mixa die Rolle der Frau und die Familie sieht
Erzbischof Meisner – Fachmann für „entartete Kunst“
Ist Otto von Habsburgs Herrschaftsanspruch als Kaiser von Österreich berechtigt?
Ernst Jüngers grandioser Roman „In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers“
Die 68er – eine Heimsuchung für unser Vaterland

Gaststudenten melden sich bitte im Donaubüro an.

Donaufest – Ohne Bier und fette Bratwurst

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Gönner!

Auf ihrer Homepage laden Sie Ulms Bürger zum Dialog ein. Davon fühlt sich unser Stammtisch vom Virtuellen Gasthaus Ulm angesprochen. Bitte verstehen Sie unsere Vorschläge als einen Versuch, aktiv an der Weiterentwicklung der Stadt mitzuwirken.
Vor wenigen Tagen stellte Bundesverbraucherschutzminister Seehofer eine Studie vor, die Gewohnheiten der Deutschen beim Essen und Trinken, bei körperlicher Betätigung, beim Einkaufen und bei der Lebensführung unter die Lupe nimmt. Das Ergebnis dieser „Nationalen Verzehrstudie“ ist erschütternd : Zwei Drittel aller Männer sind übergewichtig, über 50 Prozent der Frauen gleichfalls; 20 Prozent aller Befragten leiden unter Fettleibigkeit. Da Übergewicht und Fettleibigkeit zu Erkrankungen der Gefäße, des Herzens, des Kreislaufs und der Gelenke führen, will die Bundesregierung in Kürze mit einem „Aktionsplan Ernährung“ auf gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung der Bevölkerung hinwirken.
Wir vom Stammtisch meinen, dass Ulm auf diesem wichtigen Gebiet ebenfalls tätig werden sollte. Eine Stadt, die sich der Avantgarde zurechnet, häufig schon als Genf des Donauraumes bezeichnet wird und als gesündeste Stadt Deutschlands gilt, ist beim Thema Ernährung in einer ganz besonderen Pflicht. Das vom 4. bis 13.7. in Ulm stattfindende Donaufest bietet dazu eine günstige Gelegenheit. In dieser Zeit werden renommierte Künstler und prominente Gäste in Ulm weilen, die Stadt steht sozusagen im Fokus der Weltöffentlichkeit. Diese Chance sollte nicht zuletzt im Interesse des Wirtschaftsraumes Ulm und dessen Stärkung genutzt werden.
Wir schlagen deshalb folgende Maßnahmen vor :

1.In erster Linie sollte allen Besuchern Obst und Gemüse zum Verzehr angeboten werden. Wurst, Kuchen und Eis vermisst man auf einem kurzweiligen Fest nicht, zumal wenn es ein anspruchsvolles Kulturprogramm gibt.
2.Spaß kann der Gast auch ohne Alkohol haben. Deshalb sollte erfrischende Mineralwässer und Obstsäfte ausgeschenkt werden. Im Interesse der Volksgesundheit verzichtet die ortsansässige Brauerei gerne auf den Bierausschank.
3.Die städtische Verwaltung wird prüfen, ob es rechtlich möglich ist, den Fast-Food-Gaststätten oder Imbissbuden den Verkauf ungesunder Nahrung im Innenstadtbereich zu verbieten.
4.Analog zu Raucherecken werden an Ulmer Schulen „Fettesser-Ecken“ eingerichtet, um Schüler, die sich gesund ernähren, vor Mitschülern, die das nicht tun, zu schützen.
5.Jeder Besucher erhält nur Zutritt zu den verschiedenen Feststätten des Donaufestes, wenn er sich aktiv an einer der Bootsfahrten beteiligt hat, die vom Ruderclub oder Paddlerverein organisiert werden.
6.Die Festivalleitung trägt dafür Sorge, dass an der Vorbereitung und Durchführung des Donaufestes nur Personen beteiligt werden, die nicht übergewichtig oder fettleibig sind. Das gilt vor allem für leitende Persönlichkeiten. Diese Personen haben Vorbildfunktion und repräsentieren gegenüber den berichterstattenden Medien aus aller Welt die gesündeste Stadt und deren Glaubwürdigkeit.

Es würde uns freuen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wenn Sie unsere Vorschläge aufgreifen könnten. In der Hoffnung, dass Ulm einen Beitrag zur Volksgesundheit leisten wird, verbleibe ich im Namen des Donaufisch-Stammtisches

mit freundlich Grüßen

Quasselstrippe

/ 13.2.08

Donauakademie – ein Lehrstück aus dem Provinztheater Ulm

Nun ist es also bald soweit : Im Juli 2008 öffnet die Donauakademie. Trotz vieler wortreicher Erklärungsversuche kann niemand genau sagen, welche konkreten Aufgaben diese Einrichtung erfüllen wird. Viele Gedanken hat sich das Donaubüro indessen darüber gemacht, wer in welchen Gremien an der Akademie beteiligt sein soll. Mit anderen Worten : Während die inhaltlichen Vorstellungen noch recht mangelhaft sind, ist der bürokratische Apparat schon fast fertig. Der Inhalt eines Theaterstückes aus der Provinz? Nein, leider Realität.

In einer Broschüre wird den Bürgern erklärt, dass „der Strom gleichsam ein Symbol für die Völkerverständigung“ sei und es um nichts weniger als die „Wiedergewinnung des modernen europäischen Geistes der Aufklärung“ ginge , um „Toleranz und Humanismus“ und um einen „Beitrag zum europäischen Integrationsprozess“. Donnerwetter! Da wurden gleich mehrere geistesgeschichtliche Strömungen aus verschiedenen Jahrhunderten zu Paten einer Akademie ernannt, die nur auf dem Papier und in Feiertagsreden existiert. Welche Kritiker könnte angesichts der Berufung auf anspruchsvolle Ideen von Renaissance und Aufklärung noch Einwände erheben?

Um einem Missverständnis vorzubeugen : Ich wende mich nicht dagegen, dass die Kontakte zwischen Menschen und gesellschaftlichen Einrichtungen in verschiedenen Donaustädte ausgebaut und verbessert werden.
Es ist gut und verdient Unterstützung, wenn Sportvereine, Theater, Museen, bildende Künstler, Musiker, Schulen und Jugendgruppen sich um Kontakte in anderen Donaustädten bemühen, wenn sie dorthin reisen und Gäste von dort empfangen. Es ist gut, wenn Ulmer Mediziner Kollegen aus anderen Donaustädten einladen, um mit ihnen zu arbeiten und ihnen Weiterbildung zu ermöglichen. Es ist gut, wenn der Tübinger Kulturwissenschaftler Reinhard Johler Forschungen zu ethischen Konflikten im Donauraum, zu Migration und zu Fragen einer europäischen Identität anstellt.
Aber müssen wir jeder gesellschaftlichen Aktivität gleich eine bürokratische Organisation überstülpen, müssen wir immer gleich einen bürokratischen Wasserkopf installieren? Für wie unfähig halten wir Menschen in unserer Gesellschaft?

Nicht zuletzt durch die Entstehung und das beständige Anwachsen einer kostspieligen EU-Bürokratie sind die Bürger in vielen Ländern gegenüber der fantastischen europäischen Idee mißtrauisch geworden (Ergebnis der Volksabstimmung zur EU-Verfassung z.B. in Frankreich). Haben unsere Bürokraten in Ulm davon nichts gelernt? Ulm braucht keine Donauakademie und keinen Stadtkommissar für kulturellen Austausch und Völkerverständigung. Die Organisation kultureller und wissenschaftlicher Zusammenarbeit entlang der Donau sollten wir besser gesellschaftlichen Kräften überlassen, staatliche und städtische Einmischung oder Bevormundung schadet und verbraucht Steuergelder, die besser investiert werden können. Wieviele Schulklassen, Jugend- und Studentengruppen können mit den Geldern, die im Donaubüro und der Donauakademie versickern, nach Bratislava, Vukovar, Novi Sad oder Tulcea reisen als Botschafter der Stadt Ulm? Wieviele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus diesen Städten können mit diesem Geld nach Ulm kommen und hier bewirtet werden oder eine Ausbildung absolvieren? Es gibt sicher viele Beispiele für sinnvolle und unterstützenswerte Kontakte.

Da die Ulmer Stadtverwaltung seit 2001 über eine Koordinierungsstelle für Europaangelegenheiten verfügt, ist auch dafür Sorge getragen, dass sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft werden, EU- Zuschüsse für die kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Donaustädten zu erhalten. Frau Dorothea Hemminger, die Europakoordinatorin Ulms, ist dieser Aufgabe gewiss gewachsen, ohne dabei auf die Hilfe von Donaubüro oder Donauakademie angewiesen zu sein.

Bleibt am Ende nur eine Frage: Welcher Gemeinderat, OB-Kandidat oder Lokaljournalist hat als erster den Verstand und den Mut, öffentlich Kritik an Donaubüro und Donauakademie zu äußern?