Der Ministerpräsident und das Donaubüro Ulm

 

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum ausgerechnet der Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Oettinger so großes Interesse für das Ulmer Donaubüro bekundet und neulich sogar seinen Europaminister und designierten Finanzminister Willi Stächele (CDU) nach Ulm schickte, um dort ein paar komödienreife Sprüche loszulassen („Ulm ist Europastadt“)? Der Minister brachte für die Donauakademie sogar 150.000 € mit? Weshalb gibt die Landesregierung mühsam in der Schul- und Universitätspolitik eingespartes Geld Herrn Langer? Doch damit noch nicht genug: Bis zu 300.000 € soll das Donaubüro dieses Jahr aus Stuttgart noch erhalten Sind Sie wirklich so naiv und glauben, das hätten die beiden Ulmer Landtagsabgeordneten Oelmayer (Grüne) und Rivoir (SPD) gedeichselt? Die können Herrn Langer vielleicht ein Bundesverdienstkreuz verschaffen oder dafür sorgen, dass er die Ehrendoktorwürde der Universität Bukarest oder Neapel bekommt – aber Geld von der Landesregierung?
Durch glückliche Umstände gelangte unser Stuttgarter Korrespondent in den Besitz geheimer Protokolle, die der Ministerpräsident von seinen Gesprächen anfertigen lässt. Der folgende Dialog fand auf einem Flug von Stuttgart nach Budapest statt, an dem neben Oettinger und anderen Vertretern der Landesregierung auch der Ulmer Donaubüroministerialdirektor Peter Langer teilnahm. Üblicherweise werden die Gespräche vor ihrer Aktenablage in die Schriftsprache transkribiert. Bei dem uns zugespielte Dokument handelt es sich um einen unbearbeiteten Text, der noch die Originalsprache wiedergibt. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Oettinger (jovial):
Gell, Langer, des hättsch au net denkt, dass da mol mitm Minischderpräsident fliega derfsch.

Langer:
Nein, Herr Ministerpräsident, aber …

Oettinger
:
Dabei ham mr de frieher sogar mol durch da Verfassungsschutz ausschpioniera lassa, als da no Lehra warsch, gell! Kommunischda hand hald em Schuldenscht nix verlora! Des gild au heit no, gell Langer!

Langer:
Das sind doch alte …

Oettinger:
Ja, ja, I wois scho, jetzt bisch koi Maoischt me. Wär mr aber au egal… Wichtig isch bloss, dass du de do an dr Donau auskennsch, weil …

Langer:
… da kenn ich mich aus wie kein anderer , ich, ich, ich …

Oettinger (streng):
Also, ois muas e dr glei saga, Langer, da Minischderpräsidend underbriacht ma net, gell, mr send do net in Ulm oder in Nei-Ulm aufm Rodhaus!

Langer:
Jawohl, Herr Ministerpräsident …

Oettinger:
Also, I sag dr s ganz offa, Langer. I han Probleme. I brauch dringend an riesa Erfolg. D‘ Leit schwätza drieber, dass I da Erwin Deifel aus m Amd wegdruckd han ond mi en Berlin bei dr Merkl niemand ernschd nemmt; Eldra, Lehrer ond Schüler schempfad dauernd aufs G8, des mr dui neunmalgscheide Schavan eibrockt hot, mein Finanzminischder Stratthaus muas I hoimschicka, obwohl r guat gschafft hat, ond dann muas I Sempl au no am Grab von dem alda Nazi Filbinger saga, dass er a Widerstandskämpfer war – mei, des isch scho alles bleed glaufa. Verstoasch, Langer?

Langer:
Aber klar, Herr Ministerpräsident …

Oettinger:
I brauch jetzt guate Schlagzeila ond an Erfolg.Ond damit des au klabbt , ond I saga ka, I hand dia Ländr an dr Donau zsammabrocht und fir d Wirtschaft neie Märkt an dr Donau erschlossa, kriagsch du von ons a Geld, Langer, aber dofür muasch au was zweg brenga fr d Wirtschaft. Für d’Kultur hammer D’Heimattage, verstoasch Langer?

Danach durfte sich der Donaubürodirektor wieder auf seinen Platz setzen. Mit dieser Zusage war er seiner größten Sorge ledig : werde ich vor meinem Altersruhestand noch ein neues Projekt anpacken müssen oder ernährt mich die Donauidee bis an mein Lebensende. So und nun wissen Sie, verehrter Leser, warum die Landesregierung dem Ulmer Donaubüro etwas von dem Geld zukommen lässt, das sie Schülern und Studenten weggenommen hat oder vorenthält. Wie lange wird Herr Oettinger brauchen, bis er erkennt, dass er mit seiner Investition in Ulm genau so klug gehandelt hat wie die Deutsche Bank bei ihrem Engagement auf dem amerikanischen Immobilienmarkt?

21.5.08