Der Ministerpräsident und das Donaubüro Ulm

 

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum ausgerechnet der Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Oettinger so großes Interesse für das Ulmer Donaubüro bekundet und neulich sogar seinen Europaminister und designierten Finanzminister Willi Stächele (CDU) nach Ulm schickte, um dort ein paar komödienreife Sprüche loszulassen („Ulm ist Europastadt“)? Der Minister brachte für die Donauakademie sogar 150.000 € mit? Weshalb gibt die Landesregierung mühsam in der Schul- und Universitätspolitik eingespartes Geld Herrn Langer? Doch damit noch nicht genug: Bis zu 300.000 € soll das Donaubüro dieses Jahr aus Stuttgart noch erhalten Sind Sie wirklich so naiv und glauben, das hätten die beiden Ulmer Landtagsabgeordneten Oelmayer (Grüne) und Rivoir (SPD) gedeichselt? Die können Herrn Langer vielleicht ein Bundesverdienstkreuz verschaffen oder dafür sorgen, dass er die Ehrendoktorwürde der Universität Bukarest oder Neapel bekommt – aber Geld von der Landesregierung?
Durch glückliche Umstände gelangte unser Stuttgarter Korrespondent in den Besitz geheimer Protokolle, die der Ministerpräsident von seinen Gesprächen anfertigen lässt. Der folgende Dialog fand auf einem Flug von Stuttgart nach Budapest statt, an dem neben Oettinger und anderen Vertretern der Landesregierung auch der Ulmer Donaubüroministerialdirektor Peter Langer teilnahm. Üblicherweise werden die Gespräche vor ihrer Aktenablage in die Schriftsprache transkribiert. Bei dem uns zugespielte Dokument handelt es sich um einen unbearbeiteten Text, der noch die Originalsprache wiedergibt. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Oettinger (jovial):
Gell, Langer, des hättsch au net denkt, dass da mol mitm Minischderpräsident fliega derfsch.

Langer:
Nein, Herr Ministerpräsident, aber …

Oettinger
:
Dabei ham mr de frieher sogar mol durch da Verfassungsschutz ausschpioniera lassa, als da no Lehra warsch, gell! Kommunischda hand hald em Schuldenscht nix verlora! Des gild au heit no, gell Langer!

Langer:
Das sind doch alte …

Oettinger:
Ja, ja, I wois scho, jetzt bisch koi Maoischt me. Wär mr aber au egal… Wichtig isch bloss, dass du de do an dr Donau auskennsch, weil …

Langer:
… da kenn ich mich aus wie kein anderer , ich, ich, ich …

Oettinger (streng):
Also, ois muas e dr glei saga, Langer, da Minischderpräsidend underbriacht ma net, gell, mr send do net in Ulm oder in Nei-Ulm aufm Rodhaus!

Langer:
Jawohl, Herr Ministerpräsident …

Oettinger:
Also, I sag dr s ganz offa, Langer. I han Probleme. I brauch dringend an riesa Erfolg. D‘ Leit schwätza drieber, dass I da Erwin Deifel aus m Amd wegdruckd han ond mi en Berlin bei dr Merkl niemand ernschd nemmt; Eldra, Lehrer ond Schüler schempfad dauernd aufs G8, des mr dui neunmalgscheide Schavan eibrockt hot, mein Finanzminischder Stratthaus muas I hoimschicka, obwohl r guat gschafft hat, ond dann muas I Sempl au no am Grab von dem alda Nazi Filbinger saga, dass er a Widerstandskämpfer war – mei, des isch scho alles bleed glaufa. Verstoasch, Langer?

Langer:
Aber klar, Herr Ministerpräsident …

Oettinger:
I brauch jetzt guate Schlagzeila ond an Erfolg.Ond damit des au klabbt , ond I saga ka, I hand dia Ländr an dr Donau zsammabrocht und fir d Wirtschaft neie Märkt an dr Donau erschlossa, kriagsch du von ons a Geld, Langer, aber dofür muasch au was zweg brenga fr d Wirtschaft. Für d’Kultur hammer D’Heimattage, verstoasch Langer?

Danach durfte sich der Donaubürodirektor wieder auf seinen Platz setzen. Mit dieser Zusage war er seiner größten Sorge ledig : werde ich vor meinem Altersruhestand noch ein neues Projekt anpacken müssen oder ernährt mich die Donauidee bis an mein Lebensende. So und nun wissen Sie, verehrter Leser, warum die Landesregierung dem Ulmer Donaubüro etwas von dem Geld zukommen lässt, das sie Schülern und Studenten weggenommen hat oder vorenthält. Wie lange wird Herr Oettinger brauchen, bis er erkennt, dass er mit seiner Investition in Ulm genau so klug gehandelt hat wie die Deutsche Bank bei ihrem Engagement auf dem amerikanischen Immobilienmarkt?

21.5.08

Ernst Rohleder – Mut und Engagement

 

Zum 100. Geburtstag eines Antifaschisten

 Geboren und aufgewachsen ist Ernst Rohleder in Mannheim. Wenige Monate nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er 1933 erstmals verhaftet, die Faschisten warfen ihm Hochverrat vor.

1935 steckten sie ihn ins badische KZ Kislau. Als Georg Elser aus Königsbronn (Heidenheim) am 8.11.1939 in München erfolglos versuchte, Hitler durch ein Sprengstoffattentat zu töten, wurde Ernst Rohleder wenig später erneut verhaftet und einige Wochen in Memmingen inhaftiert. 1940 musste Rohleder in den Krieg; er kehrte erst 1949 aus der Gefangenschaft zurück.

In Ulm lebte Rohleder seit 1936. Hier schloss er sich nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft der Vereinigung Verfolgter des Naziregimes (VVN) an. Er ist einer der Gründer des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg. Anfang der 80er Jahre engagierte er sich im Alter von 75 Jahren in der Friedensbewegung gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Neu Ulm. Rohleder starb 1992. Anlässlich seines 100. Geburtstages finden in Ulm verschiedene Veranstaltungen statt.

Feierstunde mit Vortrag und politischen Liedern. Sonntag, 27.1.2008 um 14.30 Uhr in der KZ-Gedenkstätte auf dem Kuhberg

Ausstellung „Mannheimer Arbeiter – KZ-Häftling – Mitbegründer der Ulmer KZ-Gedenkstätte“. Dienstag, 29.1. um 19.00 Uhr in der Büchsengasse 13

Ausstellung verschiedener Bilder des Künstlers Ernst Rohleder in der vh Ulm bis 8.2.2008

Der Vortrag in der KZ-Gedenkstätte über Rohleder trägt den Titel „Niemals habe ich meine politische Flagge gewechselt“.  Wir vom DF verstehen nicht, wie jemand wie Peter Langer vom Ulmer Donaubüro, der seine politische Flagge etliche Male in seinem Leben gewechselt hat, sich auf Rohleder berufen kann.

Rohleder war ein mutiger und engagierter Mann, kein Opportunist. Merke : Ist man erst mal tot, kann man sich nicht mehr dagegen wehren, von falschen Freunden vereinnahmt zu werden.

Rohleder. Unter der Metzig

/ 27.1.08

Lied vom Ulmer Donaubüro

Das Städtchen Ulm, Ihr glaubt es kaum,
Hat einen wunderschönen Traum.
Es möchte gern ein Adler sein,
Kein Spatz , so unscheinbar und klein.

Wer über Wolken hoch will schweben,
Der darf nicht knausrig sein im Leben.
Ein Traum wird wahr in dieser Welt
Für den, der investiert viel Geld.

Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da
Das Donaubüro ist wunderbar
Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum
Diese Idee haut jeden um.

Ein Mann, sehr sparsam und bescheiden,
Soll fortan ein Büro hier leiten.
Zur Tarnung pflegt er die Kultur
Real beschafft er Geld uns nur.

Direktor ist Herr Langer Peter,
Im Umfang misst sein Leib zwei Meter.
Den Bürger freut s und er ist froh,
Ist stolz auf das Ulmer Donaubüro.

Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da
Das Donaubüro ist wunderbar
Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum
Der Langer ist ein Unikum

Gebt Herrn Langer die Millionen!
Er wird weit mehr aus Brüssel holen.
Füllt unsre Kasse mit ganz viel Kohle
Macht Ulm zur Eurometropole.

Verehrte Leser!
Hier endet das Lied vom Ulmer Donaubüro in der Version für den Optimisten. Für reife Erwachsene folgt nun der zweite Teil des Liedes: kurz, bündig und realistisch.

Die Krise herrscht, es fehlt das Moos,
Dann ist in Brüssel auch nix los.
In solchen Zeiten schließt die EU
Selbst ihre Subventionskasse zu.

So ist der Spatz am End der Esel
Und heute weiß ein jeder Schnösel
Ein Spatz bleibt unscheinbar und klein
Wird nie ein stolzer Adler sein.

Schubi-dubi-di, Schubi-dubi-da
Eine Schnapsidee die wurde wahr
Schubi-dubi-do, Schubi-dubi-dum
Ganz Ulm liegt im Delirium.

/ 23.6.2009

Text, Musik & Performance by DONAUFISCH ULM

Bundesverdienstkreuz

oder: Ehre wem Ehre gebührt

Dem Leiter des Ulmer Donaubüros soll das Bundesverdienstkreuz verliehen werden, so meldete die Lokalpresse. Der Donaufisch lässt Sie teilhaben an den großen Gefühlen Peter Langers, der von der bevorstehenden Ehrung erfahren hat. Und wir erzählen von der ganz unerwarteten Wende dieser Geschichte.

Es waren noch keine zehn Minuten seit dem Anruf vergangen. Die Mitteilung des Lokalreporters, dass er geehrt werde, wirkte berauschend wie ein Glas Champagner und beflügelte die Fantasie …

Peter Langer stand vor dem Spiegel und betrachtete das rote Kreuz auf seinem Jackett, in dessen goldener Mitte ein schwarzer Adler prangte.
Der Ministerpräsident hatte es ihm persönlich an die linke Brust geheftet. Der Oberbürgermeister und die Honoratioren hatten applaudiert. Am Ende der Feierstunde im Rathaus hatten ihm die Stadträte von CDU und Freien Wählern die Hand gedrückt und ihre herzlichen Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Ein menschlich anrührender Moment! „Für besondere Leistungen auf kulturellem Gebiet…“ hatte der Herr Ministerpräsident in seiner Ansprache gesagt. Ja, er hatte wirklich Hervorragendes geleistet beim Aufbau eines alternativen Kulturlebens in dieser vom Geist des Verzichtes geprägten Stadt. Er war – in aller Bescheidenheit – der Prometheus Ulms.
Beim Blick auf die hohe Auszeichnung kamen dem Direktor die Namen großer Männer in den Sinn, denen diese Ehrung zuteil geworden war : Nicolae Ceausescu, Josip Broz Tito, Hans Filbinger und Heinrich Lübke; aber auch Ernst Jünger und Otto von Habsburg – und erst vor wenigen Jahren ein ganz Großer im deutsche Bankgeschäft : Klaus Zumwinkel.
Der Geehrte genoss das erhebende Gefühl. Im Geiste sah er zukünftige öffentliche Veranstaltungen: Kurz nach seinem Erscheinen würde ein Verantwortlicher ans Mikrofon treten und die Worte sprechen: „ Wir begrüßen in unserer Mitte den Direktor des Donaubüros und Träger des Bundesverdienstkreuzes, Peter Langer…“ Fortan würde er seine Auszeichnung immer tragen, bei Tag und auch bei Nacht, ja auch bei gelegentlichen Treffen mit den Freunden und Kampfgefährten von damals, als es galt im Geiste Maos und Stalins für die Revolution in Deutschland zu kämpfen. Er war froh, dass sein Herz immer noch links schlug – genau unter der Stelle, wo nun die Auszeichnung prangte. Entschlossen blickte der Träger des Bundesverdienstkreuzes in den Spiegel und sagte: „Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist der wichtigste Linke im Land?“ Lange herrschte Stille im Raum. Verlegenes Räuspern. Dann antwortete der Spiegel: „Ihr, Herr Langer, seid der wichtigste Linke im Land. Aber Bütikofer und Trittin, bei den grünen Zwergen in Berlin, Sind noch tausendmal wichtiger als Ihr.“
Einen Augenblick lang drohten Hochgefühl und Stolz zu schwinden. Doch als sich der Geehrte an die Brust griff und das edle Kreuz zwischen den Fingern spürte, verflog aller Ärger im Nu. Was scherten ihn die alten Genossen vom KBW? „Links sein“ – bedeutete das überhaupt noch etwas?
Er, Peter Langer, war der Erfinder des genialen Donaufestes. Er war der Stadtkommissar für Völkerverständigung. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes. Das allein zählte. Ehre, wem Ehre gebührt.
Das Klingeln des Telefons riss Direktor Langer aus seinen schweren Gedanken. Wer konnte das sein zu so später Stunde? Jemand aus Stuttgart? Aus Berlin? Am anderen Ende der Leitung war der Chef der Lokalredaktion, er klang sehr aufgeregt. „Leider ist uns in der Redaktion ein Irrtum unterlaufen. Auf dem Fax aus Stuttgart war die Druckertinte verwischt. Jetzt haben wir Gewissheit. Das Verdienstkreuz erhält Lothar Langer aus Blaustein, Sie wissen doch, der Ökometzger, der immer die Bratwürste fürs Donaufest liefert. Herr Langer, sind Sie noch dran? Herr Langer? Herr Langer?“

/ 25.2.08

Das Donaubüro braucht ein neues Image

Das Donaubüro ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Es verfolgt das Ziel, von Ulm aus Kontakte in andere Donaustädte zu knüpfen. Der Leiter, Peter Langer, erkundet auf zahlreichen Dienstreisen Investitionsmöglichkeiten für die Ulmer Wirtschaft und organisiert das weithin bekannte Donaufest, ein kulturelles Ereignis ganz eigener Klasse. Durch seine Tätigkeit erwarb sich Langer den Ruf, ein profunder Kenner politischer und sozialer Verhältnisse in den Donauländern zu sein. Zeitweilig wurde er als „Ulmer Außenminister“ bezeichnet. Doch nun trübte ein Ereignis die Erfolgsgeschichte. Sofortiges Handeln war angezeigt.
Im November 2007 veröffentlichte der Chefredakteur der Lokalpresse einen Kommentar, der den Leiter des Donaubüros ganz unvorbereitet traf. Darin wird Direktor Langer vorgeworfen, dass er sich bei Kontakten mit Medien häufig „vergaloppiert“, „überzogenes Großreden“ pflege und durch „verbale Vermessenheit“ auffalle. Durch diese Angriffe und die dadurch bewirkten Beschädigungen aufgeschreckt traf Direktor Langer Vorkehrungen. Zukünftig sollte es keinen Anlass für hinterhältige Attacken der Presse mehr geben.
Eine Ulmer Werbeagentur wurde beauftragt, für eine professionelle Außendarstellung des Donaubüros und seines Direktors zu sorgen. Der Inhaber der Agentur, Dr. Peter Zwey, ist freier Werbetexter, Journalist, Kulturberater, Eventmanager, Coach und Redenschreiber. Zwey widmet sich schon einige Zeit seiner neuen Aufgabe. In einem Weblog korrespondiert er mit einer Dame in Belgrad; im lockeren Dialog über gesellschaftliche und politische Sujets will der Eventmanager das Interesse des Publikums für die Donauländer wecken. Wenn Zwey gerade nicht im Blog mit der „lieben Daniela“ plaudert, investiert er seine Talente, um Peter Langer z.B. in gut inszenierten Interviews die Aura von Sachkompetenz und Autorität zu verleihen. Man merkt sofort, der Berater verfügt auch über Erfahrung als Theaterregisseur.
Kaum hatte Zwey mit seiner Arbeit angefangen, meldeten sich schon die ersten Kritiker aus der subversiven Szene Ulms. Das böse Wort von „Langers Jubelperser“ macht die Runde, Lästerzungen sprechen von einem neuen „Absahner“, der am reich gedeckten Tisch des Donaubüros Platz genommen habe. Auch politische Kritik ist zu hören. Herr Dr. Zwey hat sich in einigen öffentlichen Bemerkungen zu Personen wie Bischof Mixa, Erzbischof Meisner, Ernst Jünger und Erzherzog Otto von Habsburg bekannt und in Blogbeiträgen die Studentenrevolte von 1968 verteufelt. Das alles ficht Herrn Langer, SPD, nicht an. Ob jemand reaktionäre politische Positionen vertritt, ist irrelevant; was zählt ist der Erfolg.
So darf der staunende Ulmer Bürger wohl in absehbarer Zeit damit rechnen, dass Herr Dr. Zwey mit einer Dozentenstelle an der Donau-Akademie belohnt werden wird. Wir vom Donaufisch sind schon gespannt auf das Thema der ersten Ulmer Poetikvorlesung. Wird uns Herr Dr. Zwey darlegen, welches Verhältnis Ernst Jünger zum Nationalismus hatte?
Apropos Nationalismus. Die ersten Erfolge des Coachs Zwey sind bereits zu verzeichnen. Ein Interview, das er mit Langer über serbischen Nationalismus führte, zeigte umgehend Wirkung: Außenminister Frank Walter Steinmeier bot Langer die Stelle eines Referatsleiters im Bundesaußenministerium an.
Als wir am Stammtisch über das Donaubüro sprachen, tauchte auch die Frage auf, was denn eigentlich „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ bedeute. Nimrod meinte, das heiße im Falle des Donaubüros, dass für die Einhaltung bestimmter moralischer Werte nur beschränkt Haftung übernommen werde.

Im SS 2008 finden an der Donau-Akademie Ulm folgende Vorlesungen statt:

Wie Bischof Mixa die Rolle der Frau und die Familie sieht
Erzbischof Meisner – Fachmann für „entartete Kunst“
Ist Otto von Habsburgs Herrschaftsanspruch als Kaiser von Österreich berechtigt?
Ernst Jüngers grandioser Roman „In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers“
Die 68er – eine Heimsuchung für unser Vaterland

Gaststudenten melden sich bitte im Donaubüro an.

Donaufest – Ohne Bier und fette Bratwurst

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Gönner!

Auf ihrer Homepage laden Sie Ulms Bürger zum Dialog ein. Davon fühlt sich unser Stammtisch vom Virtuellen Gasthaus Ulm angesprochen. Bitte verstehen Sie unsere Vorschläge als einen Versuch, aktiv an der Weiterentwicklung der Stadt mitzuwirken.
Vor wenigen Tagen stellte Bundesverbraucherschutzminister Seehofer eine Studie vor, die Gewohnheiten der Deutschen beim Essen und Trinken, bei körperlicher Betätigung, beim Einkaufen und bei der Lebensführung unter die Lupe nimmt. Das Ergebnis dieser „Nationalen Verzehrstudie“ ist erschütternd : Zwei Drittel aller Männer sind übergewichtig, über 50 Prozent der Frauen gleichfalls; 20 Prozent aller Befragten leiden unter Fettleibigkeit. Da Übergewicht und Fettleibigkeit zu Erkrankungen der Gefäße, des Herzens, des Kreislaufs und der Gelenke führen, will die Bundesregierung in Kürze mit einem „Aktionsplan Ernährung“ auf gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung der Bevölkerung hinwirken.
Wir vom Stammtisch meinen, dass Ulm auf diesem wichtigen Gebiet ebenfalls tätig werden sollte. Eine Stadt, die sich der Avantgarde zurechnet, häufig schon als Genf des Donauraumes bezeichnet wird und als gesündeste Stadt Deutschlands gilt, ist beim Thema Ernährung in einer ganz besonderen Pflicht. Das vom 4. bis 13.7. in Ulm stattfindende Donaufest bietet dazu eine günstige Gelegenheit. In dieser Zeit werden renommierte Künstler und prominente Gäste in Ulm weilen, die Stadt steht sozusagen im Fokus der Weltöffentlichkeit. Diese Chance sollte nicht zuletzt im Interesse des Wirtschaftsraumes Ulm und dessen Stärkung genutzt werden.
Wir schlagen deshalb folgende Maßnahmen vor :

1.In erster Linie sollte allen Besuchern Obst und Gemüse zum Verzehr angeboten werden. Wurst, Kuchen und Eis vermisst man auf einem kurzweiligen Fest nicht, zumal wenn es ein anspruchsvolles Kulturprogramm gibt.
2.Spaß kann der Gast auch ohne Alkohol haben. Deshalb sollte erfrischende Mineralwässer und Obstsäfte ausgeschenkt werden. Im Interesse der Volksgesundheit verzichtet die ortsansässige Brauerei gerne auf den Bierausschank.
3.Die städtische Verwaltung wird prüfen, ob es rechtlich möglich ist, den Fast-Food-Gaststätten oder Imbissbuden den Verkauf ungesunder Nahrung im Innenstadtbereich zu verbieten.
4.Analog zu Raucherecken werden an Ulmer Schulen „Fettesser-Ecken“ eingerichtet, um Schüler, die sich gesund ernähren, vor Mitschülern, die das nicht tun, zu schützen.
5.Jeder Besucher erhält nur Zutritt zu den verschiedenen Feststätten des Donaufestes, wenn er sich aktiv an einer der Bootsfahrten beteiligt hat, die vom Ruderclub oder Paddlerverein organisiert werden.
6.Die Festivalleitung trägt dafür Sorge, dass an der Vorbereitung und Durchführung des Donaufestes nur Personen beteiligt werden, die nicht übergewichtig oder fettleibig sind. Das gilt vor allem für leitende Persönlichkeiten. Diese Personen haben Vorbildfunktion und repräsentieren gegenüber den berichterstattenden Medien aus aller Welt die gesündeste Stadt und deren Glaubwürdigkeit.

Es würde uns freuen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wenn Sie unsere Vorschläge aufgreifen könnten. In der Hoffnung, dass Ulm einen Beitrag zur Volksgesundheit leisten wird, verbleibe ich im Namen des Donaufisch-Stammtisches

mit freundlich Grüßen

Quasselstrippe

/ 13.2.08

Donauakademie – ein Lehrstück aus dem Provinztheater Ulm

Nun ist es also bald soweit : Im Juli 2008 öffnet die Donauakademie. Trotz vieler wortreicher Erklärungsversuche kann niemand genau sagen, welche konkreten Aufgaben diese Einrichtung erfüllen wird. Viele Gedanken hat sich das Donaubüro indessen darüber gemacht, wer in welchen Gremien an der Akademie beteiligt sein soll. Mit anderen Worten : Während die inhaltlichen Vorstellungen noch recht mangelhaft sind, ist der bürokratische Apparat schon fast fertig. Der Inhalt eines Theaterstückes aus der Provinz? Nein, leider Realität.

In einer Broschüre wird den Bürgern erklärt, dass „der Strom gleichsam ein Symbol für die Völkerverständigung“ sei und es um nichts weniger als die „Wiedergewinnung des modernen europäischen Geistes der Aufklärung“ ginge , um „Toleranz und Humanismus“ und um einen „Beitrag zum europäischen Integrationsprozess“. Donnerwetter! Da wurden gleich mehrere geistesgeschichtliche Strömungen aus verschiedenen Jahrhunderten zu Paten einer Akademie ernannt, die nur auf dem Papier und in Feiertagsreden existiert. Welche Kritiker könnte angesichts der Berufung auf anspruchsvolle Ideen von Renaissance und Aufklärung noch Einwände erheben?

Um einem Missverständnis vorzubeugen : Ich wende mich nicht dagegen, dass die Kontakte zwischen Menschen und gesellschaftlichen Einrichtungen in verschiedenen Donaustädte ausgebaut und verbessert werden.
Es ist gut und verdient Unterstützung, wenn Sportvereine, Theater, Museen, bildende Künstler, Musiker, Schulen und Jugendgruppen sich um Kontakte in anderen Donaustädten bemühen, wenn sie dorthin reisen und Gäste von dort empfangen. Es ist gut, wenn Ulmer Mediziner Kollegen aus anderen Donaustädten einladen, um mit ihnen zu arbeiten und ihnen Weiterbildung zu ermöglichen. Es ist gut, wenn der Tübinger Kulturwissenschaftler Reinhard Johler Forschungen zu ethischen Konflikten im Donauraum, zu Migration und zu Fragen einer europäischen Identität anstellt.
Aber müssen wir jeder gesellschaftlichen Aktivität gleich eine bürokratische Organisation überstülpen, müssen wir immer gleich einen bürokratischen Wasserkopf installieren? Für wie unfähig halten wir Menschen in unserer Gesellschaft?

Nicht zuletzt durch die Entstehung und das beständige Anwachsen einer kostspieligen EU-Bürokratie sind die Bürger in vielen Ländern gegenüber der fantastischen europäischen Idee mißtrauisch geworden (Ergebnis der Volksabstimmung zur EU-Verfassung z.B. in Frankreich). Haben unsere Bürokraten in Ulm davon nichts gelernt? Ulm braucht keine Donauakademie und keinen Stadtkommissar für kulturellen Austausch und Völkerverständigung. Die Organisation kultureller und wissenschaftlicher Zusammenarbeit entlang der Donau sollten wir besser gesellschaftlichen Kräften überlassen, staatliche und städtische Einmischung oder Bevormundung schadet und verbraucht Steuergelder, die besser investiert werden können. Wieviele Schulklassen, Jugend- und Studentengruppen können mit den Geldern, die im Donaubüro und der Donauakademie versickern, nach Bratislava, Vukovar, Novi Sad oder Tulcea reisen als Botschafter der Stadt Ulm? Wieviele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus diesen Städten können mit diesem Geld nach Ulm kommen und hier bewirtet werden oder eine Ausbildung absolvieren? Es gibt sicher viele Beispiele für sinnvolle und unterstützenswerte Kontakte.

Da die Ulmer Stadtverwaltung seit 2001 über eine Koordinierungsstelle für Europaangelegenheiten verfügt, ist auch dafür Sorge getragen, dass sämtliche Möglichkeiten ausgeschöpft werden, EU- Zuschüsse für die kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Donaustädten zu erhalten. Frau Dorothea Hemminger, die Europakoordinatorin Ulms, ist dieser Aufgabe gewiss gewachsen, ohne dabei auf die Hilfe von Donaubüro oder Donauakademie angewiesen zu sein.

Bleibt am Ende nur eine Frage: Welcher Gemeinderat, OB-Kandidat oder Lokaljournalist hat als erster den Verstand und den Mut, öffentlich Kritik an Donaubüro und Donauakademie zu äußern?

Das Donaubüro

Heute muss ich mal brechen, und zwar eine Lanze für den so oft und zu Unrecht geschmähten Peter Langer, und das von ihm geleitete Donaubüro. Immer wieder die gleichen Vorwürfe, sogar von der Lokalpresse, ich mag es nicht mehr hören. Vergessen denn alle, was dieser Mann sich für Verdienste erworben hat? Wer sorgte dafür, dass das Roxy auf sicherem finanziellem Fundament steht? Wer organisierte das beste Miltärmusikfestival, das es weit und breit jemals gegeben hat? Was ist schon dabei, wenn einer im Verlauf seines Lebens Mitglied fast aller Parteien war, von denen der Normalbürger gar nicht alle kennt? Es schadet nicht, im Gegenteil, es kann nur nützen zu wissen, wie die Ulmer Welt aus maoistischer, aus grün-alternativer oder sozialdemokratischer Sicht aussieht. Es ist auch keineswegs despektierlich, am Ende eines langen Weges der vernünftigen Anpassung aus dem Munde einer CSU-Lokalpolitikerin zu hören: „ Toll, mit welch persönlichem Engagement Sie für das Projekt werben“. Mich würde es nicht wundern, wenn in Kürze in diesem politisch sehr bunten Leben ein weiterer Einschnitt passierte: ein Beitritt zur CSU. Zeugt nicht gerade ein Leben mit so vielen Wendepunkten von Lernvermögen und Lebenserfahrung? Wir wissen es aus der Biologie: auf unserem Planeten überleben langfristig nur Lebewesen, die es verstehen sich ihrer Umwelt anzupassen; der Säbelzahntiger ist ausgestorben.
Und wie es anpassungsfähige Tiere tun (tun müssen! das ist ja biologisches Programm), kämpft Herr Langer um seine Jagdgründe und Nahrungsgrundlagen, wenn er nach Neu Ulm reist, um dafür zu werben, dass neben der IHK und Ulm auch die Nachbarstadt in das Kässlein einzahlt, aus dem er bezahlt wird.
Jetzt mal ehrlich, werter Leser: Würden Sie unter diesen Umständen bei der Werbeaktion nicht auch einen „tollen und engagierten“ Auftritt hinlegen? Wir sollten auch nicht vergessen,dass es um die Sache geht, um das Donaubüro und dessen Aufgaben. Neulich erklärte mir ein erfolgreicher Ulmer Unternehmer, was es damit auf sich hat. Er sagte: Sie müssen sich das so vorstellen. Das Donaubüro ist eine Art Reisebüro, das Reisen, Übernachtungen und Verpflegungen organisiert, dafür aber überhaupt nichts berechnet.Die Reisen dienen der Völkerverständigung und dürfen von bestimmten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gebucht werden. In ein paar Jahren, sagte der Unternehmer, wird sich diese Anschubfinanzierung auszahlen.
Ich war sprachlos angesichts dieses so einfachen und erfolgversprechenden Konzeptes. Deshalb drücke ich in den kommenden Wochen die Daumen für Herrn Langer und das Donaubüro. Ich hoffe und wünsche sehr, dass sich auch unsere bayrische Nachbarstadt an diesem genialen Donaubürokonzept beteiligt.

/16.4.07