Wetzigs Infobude

Nicht kleckern, klotzen ist die Devise von Menschen, die wissen, dass bei Vorhaben von elementarer Bedeutung die Kosten keine Rolle spielen dürfen. Alexander Wetzig, Ulms Baubürgermeister, ist ein Mensch, der weiß, wann der Blick nur auf die Sache gerichtet werden darf und kleinkarierte Sparsamkeitsgedanken ausgeblendet werden müssen. Deshalb plant er jetzt einen Informationspavillon am Ulmer Hauptbahnhof, der in ganz Deutschland keinen Vergleich zu scheuen braucht.

In letzter Zeit hatte der Baubürgermeister wenig Fortüne. Die Stadtmauer wollte nicht aufhören zu zerbröseln, so dass nach langem Zuwarten und viel Hoffen nur noch der Ausweg einer Sanierung blieb (sozusagen gerade noch vor dem Einsturz des historischen Baudenkmals).

Auch der Bahnhofsteg, die zentrale Verbindung zwischen zwei Stadtteilen, geriet über Jahre genauester Beobachtung durch die Bauverwaltung in einen Zustand, in dem nur noch ein Abbruch möglich war. Unglücklicherweise hatte es Herr Wetzig versäumt, rechtzeitig Pläne für einen preisgünstigen Brückenneubau ausarbeiten zu lassen. Tausende Bürger danken nun täglich dem Baubürgermeister, dass sie durch sein bedächtiges Abwarten noch Monate, wenn nicht Jahre in den Genuss längerer Spaziergänge kommen, die ihrer Gesundheit sehr zuträglich sind.

Auch der entschlossen angepackte Plan, an der etwas verschmutzten Donau ein „Strandbad“ zu eröffnen, brachte dem Bürgermeister nicht die erhoffte Begeisterung. Sogar die gleichmütigsten Bürger der Stadt gerieten bei dem Gedanken an ein Donaustrandbad in einen Zustand ausgelassener Heiterkeit.

Doch nun soll alles anders werden. Herr Wetzig plant für die kommenden Jahre eine Sanierung und Neugestaltung des Ulmer Bahnhofviertels. Da dem Baubürgermeister der Gedanke demokratischer Teilnahme des Bürgers über alles geht, steht nun am Anfang der großen Veränderungen ein „Dialog der Stadtgesellschaft“.

In einem derartigen Dialog kann jeder Bürger sich ungehindert darüber informieren, was Baubürgermeister Wetzig plant und anschließend zum Ausdruck bringen, dass ihm die Pläne sehr gut gefallen und der Bürgermeister ein stilbewusster und tüchtiger Mann ist. Während andere Städte vielleicht auf die dumme Idee kämen, das Internet für den „Dialog mit dem Bürger“ zu nutzen, lässt sich Herr Wetzig hier nicht lumpen: Vor dem Ulmer Hauptbahnhof wird ein Info-Pavillon errichtet, dessen Bau und Unterhalt nur 380.000 € kosten wird.

Regelrecht kleinlich zeigten sich bei den Beratungen im Stadtentwicklungsausschuss die Gemeinderäte. Ein Grüner lehnte Wetzigs Infobude rundweg ab. Herr Bühler von der FWG sprach sich engagiert dafür aus, den Pavillon nachts nicht zu beleuchten und damit die Stromkosten einzusparen. Diesem Vorschlag folgte dann der Ausschuss.

Wir vom Stammtisch haben kein Verständnis für die Gemeinderäte. In einer so wichtigen Angelegenheit sollte nicht geknausert werden. Auch scheint uns die Finanzierung gesichert. Denn derselbe Ausschuss, der Herrn Wetzig den leicht abgespeckten Infopavillon genehmigte, beschloss ja gleichzeitig eine Erhöhung der Parkgebühren in Ulm um 25 Prozent, die zu etwa 80.000 € Mehreinnahmen der Stadt jährlich führen werden. Der Rest zur Finanzierung von Wetzigs Plänen wäre bei etwas gutem Willen sicher durch Einsparungen an anderer Stelle aufzubringen (z.B. bei der Ulmer Spielschachtel, beim Ulmer Theater).

Bleiben Sie bei Ihren Plänen, Herr Wetzig! Bestehen Sie auch weiterhin auf einer nächtlichen Beleuchtung! Gestatten Sie uns, einen weitergehenden Vorschlag zu unterbreiten: Illuminieren Sie den Info-Pavillon mit rotem Licht und lassen Sie auch in den Abend- und Nachtstunden einige Mitarbeiterinnen über die Sanierung des Bahnhofareals informieren. Viele Nachtschwärmer werden es Ihnen danken.

2.7.08

Geheime Chefsache oder Aufstand der Zwerge


Der Oberbefehlshaber (Ölgemälde von Ivo Gönner, Ulm 2013)

IvoUlmsOberbefehlshaber

Unser alter Fuchs Ivo Gönner ahnte wohl, in welche Schwierigkeiten ihn die Sedelhof-Shopping-Mall bringen wird. Deshalb schuf der leidenschaftliche Hobbymaler Gönner in den Sommerferien ein Ölgemälde, das Sie hier auf unserem Foto abgebildet sehen.

Es trägt den Titel „Der Oberbefehlshaber“. Gönners Werk entstand in Anlehnung an ein 450 Jahre alten Gemälde, das von einem unbekannten Maler geschaffen wurde.Die Inspirationsquelle Gönners zeigt den damaligen Bürgermeister Ulms Sebastian Besserer, der im April 1552 auszog, um gegen die Feinde Ulms zu kämpfen.

Warum wählte unser Oberbürgermeister Gönner ausgerechnet dieses Motiv? Wollte er daran erinnern, dass die Ulmer 1552 nur deshalb gegen die Feinde obsiegen konnten, weil sie loyal zu ihrem Bürgermeister Sebastian Besserer standen? Wollte er zeigen, dass auch er mutig und entschlossen für die wahren Interessen der Ulmer kämpft? Die Kunsthistoriker werden in den kommenden Jahrzehnten diese Fragen erörtern.

Was wir heute schon wissen: Alles, was Gönner tut, ist nur zu Ulms Bestem, das gilt auch für seine geheimen und streng geheimen Pläne und Taten.Wir sollten unserem Oberbürgermeister vertrauen und nicht ständig die Offenlegung der Sedelhofverträge mit MAB verlangen. Das hat unser OB nicht verdient.

Das Herrschaftssystem des Sonnenkönigs

Ulms Sonnenkönig Ivo Gönner ist gewohnt, dass er Schalten und Walten kann, wie es ihm beliebt. Widerspruch oder gar Widerstand kennt er nicht. Sieht Ulms Alleinherrscher eine Möglichkeit, einen Plan einzufädeln, um die Einnahmen der Stadtkasse zu erhöhen, tut er es, und zwar heimlich, ohne Gemeinderat, ohne Ausschüsse, ohne Bürger. Gönners Politik lässt sich im Kern in einem Satz zusammenfassen: Tu alles, was der Stadt mehr Geld bringt!

Nur die engsten, zur Verschwiegenheit verpflichteten Verwaltungsmitarbeiter sind in vollem Umfang eingeweiht und führen die Befehle des Monarchen aus. Damit in einer Zeit, da jedermann von Transparenz und Bürgerbeteiligung spricht, kein falscher Schatten auf das Werk des Sonnenkönigs fällt, ist dieser im Gegensatz zu Ludwig XIV. auch zu kleinen Zugeständnissen gezwungen:

Die Mitglieder des Küchenkabinetts (also die Fraktionsspitzen im Gemeinderat) werden hofiert und gebauchpinselt und mit wohldosierter Information versorgt, damit sie ihre Aufgabe erfüllen können, die darin besteht, den Gemeinderat ruhig zu stellen.

Ganz ähnlich werden andere Akteure wie die IHK unter Führung von Dr. Peter Kulitz oder die Südwest Presse unter dem Lokalchefs Hans-Uli Thierer behandelt: Information geben und Mitwirkung zulassen, soweit es nötig ist, um Loyalität zu erhalten und sich politisch nicht zu isolieren.

Ist dann alles „in trockenen Tüchern“ (also im Prinzip alles Wesentliche entschieden und nur noch Peripheres veränderbar), wird die Öffentlichkeit informiert, die Ausschüsse beraten und stimmen zu, unter Umständen, wenn es um ein wichtiges Thema geht (Citybahnhof), dürfen die Ulmer Bürger in einem Internetforum oder in öffentlichen Veranstaltungen ihr Recht auf Beteiligung ausüben und ihre Meinung äußern, die dann gelobt und nicht berücksichtigt wird.

Wie beschrieben verlief die „politische Willensbildung“ auch im Falle des Ulmer Sedelhof-Projektes, das der DF in einigen Beiträgen behandelt hat.

Doch nun wachsen Unzufriedenheit und Widerspruch. Der Sonnenkönig hat bei seiner Geheimpolitik Fehler gemacht, die sogar die devoten Stadträte, einige Handelsunternehmen, der Verein City Marketing, die IHK und die Architektenkammer nicht verzeihen können:

Ivo Gönner hat vor, öffentliche Flächen an den Investor MAB zu verkaufen. Darunter ein „Schlüsselgrundstück“, nämlich den kleinen Platz zwischen McDonald´s und Bahnhofstraße. Wie die Architektenkammer meint, gibt die Stadt damit sämtliche Gestaltungsspielräume für alle Zukunft aus der Hand. Rechtskonstrukte wie Wegerecht könnten das allgemeine Interessen auf Nutzung dieser Flächen nicht gewährleisten.

Offenbar hat der Investor auf Gönner bei den Verhandlungen derartigen Druck ausgeübt, dass er neben der Preisgabe öffentlicher Fläche ein weiteres Zugeständnis machte: Die Unterführung, die vom Bahnhofsvorplatz in die Innenstadt führt, wird zukünftig direkt zum Einkaufszentrum des Investors führen und nicht mehr in die Bahnhofstraße mit der Folge, dass einige Geschäfte vom Hauptbesucherstrom abgehängt werden.

Der größte Witz an dieser Geschichte ist, dass in Ulm weder gewählte Volksvertreter noch betroffene Geschäfte noch IHK und schon gar nicht die Bürger darüber informiert wurden, was denn nun genau in den Verträgen mit MAB steht.

Wir sind gespannt, wie Gönner den Zwergenaufstand von CDU, Freien Wählern, SPD, FDP und Grünen niederschlagen wird. Ganz sicher wortreich, mit viel Charme und Lob. Sie können sich gar nicht vorstellen, verehrte Leser, was für eine Waffe Lob in der Auseinandersetzung mit eitlen Menschen sein kann.

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Neben anderen öffentlichen Flächen will Gönner den Vorplatz vor McDonalds an den Sedelhof-Investor MAB verkaufen. Informiert hat er darüber niemanden, gefragt schon gleich gar nicht. Das muss Ulms Sonnenkönig nicht.

 

Die Sedelhofhymne

 

SedelhofhymneWir waren mitten in den Proben, als uns die schreckliche Nachricht erreichte. Der Chor vom Gasthaus Donaufisch wollte mit einer musikalischen Darbietung die großen Verdienste unseres Oberbürgermeisters Gönner und des Baubürgermeisters Wetzig um die wirtschaftliche Prosperität Ulms würdigen. Eine vom Wirt selbst verfasste Hymne sollte eingeübt und am Tag der Eröffnung der Sedelhof-Galerie von hunderten Ulmer Bürgern zu Gehör gebracht werden.

Und dann das:

Der Investor, die MAB Development Deutschland, mit dem Ivo Gönner einen Vertrag über die Errichtung eines Einkaufszentrums am Sedelhof geschlossen hat, wird abgewickelt. Das beschloss die „Rabo Real Estate Group“, hinter der die niederländische Rabo-Bank steht.

Ivo Gönner hat für 30 Millionen Euro Grundstücke und Gebäude am Sedelhof gekauft, zur Hälfte sind sie bereits abgerissen, McDonald s muss demnächst umziehen und erhält dafür zwei Millionen Entschädigung.

Gönners Vertragspartner MAB, der 150 Millionen in das Projekt investieren wollte, wird liquidiert. Mit anderen Worten: Ulm hat bald in Bahnhofsnähe eine 9.000 qm große freie Fläche, da der Eigentumsübergang an den Investor noch nicht vollzogen ist.

Ein Ausstieg aus diesem Projekt, ist möglich. MAB wird Herrn Gönner eine Entschädigung zahlen, oder, wenn er nicht akzeptiert, möglichst billig bauen und an andere Investoren verkaufen, die nur an einer hohen Rendite und an gewinnbringendem Weiterverkauf interessiert sind.

Also wird Herr Gönner einen anderen Investor suchen. Wir vom DF haben zur Unterstützung der Stadtspitze, die nach Zeitungsberichten „demonstrativ zuversichtlich“ ist, bereits ein Brainstorming gestartet:

Ein neuer Rummelplatz? Ein kleiner naturnaher Park? Die größte (und rentabelste) Kindertagesstätte der Welt, zumindest des Donauraumes (natürlich durch private Investoren betrieben)? Zweckmäßige Neubauten aus Sichtbeton, in denen verschiedene Geschäfte billige Waren anbieten? Ein neues Rathaus? Ein weltweit einzigartiger gastronomischer Großbetrieb von Ebbo Speedmüller?

Oder: Wie wäre es mit einem Ideenwettbewerb, an dem sich alle Bürger Ulms per Internet beteiligen können: City-Sedelhof sozusagen.

Wir vom DF haben beschlossen, die Chorproben fortzusetzen. Wir vertrauen unserem Oberbürgermeister. Ivo Gönner ist der klügste und lustigste aller Bürgermeister und wir haben nicht den geringsten Zweifel, dass er auch diesmal eine Lösung findet, die Ulm eine optimale Rendite garantiert.

Nächste Chorprobe Mittwoch, 29.5.2013 um 20.30 im Gasthaus DF

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Sie reißen ein Gebäude ab, das 1983 für 16,5 Millionen Mark erbaut worden ist und 500 Autofahrern Platz bot, um während eines Einkaufs in der Innenstadt den Pkw abzustellen.

Sie kaufen für 30 Millionen Euro Gebäude und Grundstücke auf und lassen Sie abbrechen, damit ein holländischer Investor ein Einkaufszentrum errichten kann.

Sie zahlen McDonalds zwei Millionen Euro, damit die Junkfootkette aus einem Gebäude auszieht, das sie abrechen wollen.

Als bekannt wird, dass der Investor MAB Development Deutschland liquidiert werden soll, stellt sich der Wichtigste der drei Superschlauen vor die laufende Kamera und gibt sich zuversichtlich, dass mit dem Projekt Sedelhof- Einkaufszentrum alles klappen wird.

Die drei weitsichtigen Männer mit Geschäftssinn, die den Bürgern immer reinen Wein einschenken, heißen:

Ivo Gönner, Oberbürgermeister der Stadt Ulm

Gunter Czisch, Finanzbürgermeister der Stadt Ulm

Alexander Wetzig, Baubürgermeister der Stadt Ulm

Noch ein paar Wochen und der Wichtigste der drei Schlauen wird (wie vor Jahren beim Ulmer Cross-Border-Leasing-Geschäft) vor die Medien treten und erklären: „Dass es am Sedelhof so ein Debakel geben wird, konnte kein Mensch vorhersehen“. Dem kann dann entgegen gehalten werden: Wer mit viel zu wenig Kochkunstverstand in viel zu vielen Töpfen rührt, dem muss früher oder später einiges anbrennen, wenn nicht gar alles missraten.

/25.5.2013

Subway to Shopping Hell


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Die Ulmer Bauverwaltung unter Führung des großen Baubürgermeisters Alexander Wetzig will ihre Untertanen beschenken. Noch nie – seit der Stauferzeit – hat eine Stadtregierung ihren Bürgern ein Geschenk gemacht, das von so viel Einfallsreichtum und Schönheit zeugt. Die Wetzig’sche Sanierung des gesamte Bahnhofviertels in Ulm gilt heute schon lange vor ihrer Vollendung als Meisterwerk. Nicht lange und das neu gestaltete Areal wird in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen werden.

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Wie Sie auf unseren Fotos oben erkennen können, ist die gegenwärtige Situation unerträglich. Der Blick des Reisenden, der den Ulmer Hauptbahnhof verlässt, fällt auf die stark befahrene Friedrich-Ebert-Straße. Jenseits der Straße erheben sich – einer Mauer gleich – hässliche Nachkriegsbauten, die dem Gast den Zugang zur Stadt verwehren.

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Das nächste Foto (Quelle: Deutsches Architekturforum) zeigt die Situation vor dem Ulmer Hauptbahnhof nach der Sanierung.

Anstelle der abgerissenen Gebäude sind wundervolle Neubauten entstanden, quaderförmig, mit begrüntem Fachdach, bis zu 30 Meter hoch.

Die MAB Development Deutschland (Tochter der holländische Bank Rabo) hat sie in Absprache mit dem großen Baubürgermeister Alexander Wetzig errichtet, um Ulmer Bürgern hinter kunstvollen Fassaden ein einzigartiges Einkaufszentrum zu präsentieren („Die Sedelhoefe“).

Auch die einst stark befahrene Friedrich-Ebert-Straße hat sich unversehens in eine ruhige Straße verwandelt. Nur ein Bus ist zu sehen. Alle Menschen haben ihre Autos zu Hause gelassen, um in Ruhe in der Sedelhof-Galerie einzukaufen.

Der ankommende Reisende fühlt sich – betört von der architektonischen Schönheit – sofort willkommen geheißen und herzlich aufgenommen.

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Vor der Sanierung des Areals mussten die Besucher, die vom Hauptbahnhof in die Innenstadt gelangen wollten, auf die Ebene Minus Eins (wie der Fachmann sagt) oder den „Subway“ (wie im Ulmer Rathaus und bei der SWP eine Unterführung genannt wird) wechseln. Gelegentlich waren dabei Ekel und Angst zu überwinden. Für Behinderte standen die Chancen, über die Unterführung in die Innenstadt vorzudringen, schlecht, da die Rolltreppen, die in die Tiefe führen, häufig defekt sind und ein Aufzug leider nicht zur Verfügung steht.

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Wie Sie im direkten Vergleich feststellen werden,verehrter Leser, ist die Unterführung vor der Sanierung (1.Foto oben) mit dem Subway nach der Sanierung (2.Foto oben) nicht zu vergleichen. Weiter, heller, freundlicher ist der Subway. Die Menschen werden ihn lieben und rege nutzen.

Im Rahmen der Partizipation von Bürgern durften vor kurzem Vorschläge zur Neugestaltung des Bahnhofareals in Ulm gemacht werden („citybahnhof“).

Einige Bürger beteiligten sich daran in dem Glauben, die Stadtverwaltung wolle ihre Meinung hören und berücksichtigen. Ein von vielen unterstützter Vorschlag war, den gesamten Verkehr vor dem Bahnhof in den Untergrund zu verlegen und Fussgängern und Radfahrern die begrünten Flächen vor dem Bahnhof zu überlassen.

Die Stadtverwaltung unter Führung des großen Baubürgermeisters Alexander Wetzig prüfte den Vorschlag gewissenhaft mit dem Ergebnis, er sei zu teuer und angesichts der geplanten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung unnötig. Entfallen war der Bauverwaltung bei der Diskussion mit dem Bürger, dass der Raum unter der Straße für das Parken benötigt wird.

Jetzt kommt eine neue Tiefgarage vor dem Bahnhof mit 800 Parkplätzen und die Menschen freuen sich darüber , dass sie eine schöne neue Unterführung erhalten. Die Alternativen (auf unseren Fotos unten), die in der Bauverwaltung zur Diskussion standen, hätten den Bürgern nicht so gut gefallen.

Leider hat die neue Unterführung auch einen Nachteil. Sie führt in das neue Einkaufsparadies Sedelhof des Investors MAB Development. Die an Besucherströme bisher direkt angebundenen Geschäfte Peek & Cloppenburg, Schuhhaus Werdich, Sport Sohn, Galeria Kaufhof und Reischmann liegen in Zukunft etwas abseits.

Das ließ sich leider nicht vermeiden, denn schließlich weiß die Ulmer Bauverwaltung erst seit einigen Jahren, dass ein störrischer Hausbesitzer sein Haus nicht an die Stadt verkaufen will und somit eine andere Führung des Ulmer Subway selbst beim besten Willen absolut ausgeschlossen ist.

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/17.5.13

Zwei Millionen für McDonald´s

 

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Als der Leiter der Abteilung Liegenschaften und Wirtschaftsförderung bei der Stadt Ulm im Auftrag seines Chefs Ivo Gönner alle Grundstücke und Gebäude am Sedelhof aufkaufte, die zu bekommen waren, unterlief eine kleine Unachtsamkeit: Beim Erwerb des Hauses Bahnhofplatz 6 wurde übersehen, dass der Mieter dieses Gebäudes über einen Vertrag verfügte, der ihm zusicherte, bis 2026 dort bleiben zu können.

Da Ulm plante, alle erworbenen Gebäude abzureißen und das gesamte Areal an einen Investor zu verkaufen, damit dieser dort die Shopping-Mall „Sedelhöfe“ errichtet, gab es nun ein Problem: Was wird aus dem Mieter des Hauses Bahnhofplatz 6, was wird aus dem dort befindlichen Restaurant der Fastfoodkette McDonald’s?

Der in Ulm regierende Sozialdemokrat Ivo Gönner ist bekanntlich einer der klügsten und lustigsten aller deutschen Oberbürgermeister. Deshalb wurde hinter den Kulissen zwischen Stadt und McDonald’s verhandelt und bald eine wundervolle Lösung für das Problems gefunden:

1. McDonald’s verlässt das Haus vorzeitig, um dessen Abriss zu ermöglichen, und zieht für drei Jahre in einen eigens in der Ulmer Fußgängerzone aufgestellten zweistöckigen Container.

2. 2016 erhält das Junkfoodlokal geeignete Räume in der Sedelhof-Galerie, die sich als Einkaufszentrum für den anspruchsvollen Konsumenten bestens für dieses Restaurant eignet.

3. Da die Miete für McDonalds in den Sedelhöfen höher sein wird als im alten Gebäude, übernimmt die Stadt Ulm die Mietpreisdifferenz für die Jahre 2016 bis 2026.

4. Weiterhin erhält McDonalds die Zusage, ein neues Restaurant eröffnen zu können, wenn im Gewerbegebiet Ulm-Nord eine neue Autobahnanschlussstelle geschaffen wird, womit demnächst zu rechnen ist.

Ist das nicht eine großartige Lösung? Und preiswert!

Wie der Lokalchef vor kurzem in seiner Zeitung meldete, soll Ulm diese Einigung mit McDonalds für nur zwei Millionen Euro bekommen. Da kann der Bürger nicht meckern. Das ist vernünftig angelegtes Geld. Wenn alles gut geht, sind die investierten zwei Millionen plus satter Rendite dank der Gewerbesteuereinnahmen aus der neuen Sedelhof-Galerie bald wieder in der städtischen Kasse. Unser Oberbürgermeister ist einfach ein Teufelskerl.

Natürlich gibt es wieder Meckerer, die den Deal madig machen und die Verschwendung von Steuergeld beklagen.

Zwei Millionen Euro für McDonald’s!“, spottete erst gestern einer am Stammtisch, „so blöd ist außer Ulm in ganz Deutschland keine Stadt! Bekommt der siebengscheite Gönner vielleicht als Gegenleistung 530.000 BigMacs, garantiert durch ein geheimes Zusatzprotokoll?

Auf notorische Nörgler hört hier niemand, am wenigsten die Ulmer Gemeinderäte, die selbst erst aus der Zeitung von Gönners Supercoup erfahren haben. Sie halten die McDonald’s Subvention für eine spezielle Spielart der Ulmer Kulturpolitik, die durch vielfältige Kürzungen der städtischen Kulturförderung in den letzten Jahren erst ermöglicht wurde.

Auf Anfrage sagte uns ein Gemeinderat, der namentlich nicht genannt werden will:

Wer geht denn heute noch ins Theater? Wer besucht schon klassische Konzerte? Die weltbekannte Küche von McDonalds schätzen dagegen Milliarden Menschen weltweit und auch in Ulm sind es nach statistischen Erhebungen 72.537 Mitbürger und Mitbürgerinnen, zu deren Lieblingsbeschäftigung neben Shopping der Besuch des kulinarischen Burgerparadieses zählt. Deshalb ist jede Unterstützung von McDonalds durch die Stadt Ulm Kulturpolitik.“

Ja, dem schließt sich der DF an und erlaubt sich, Oberbürgermeister Ivo Gönner noch einen weiteren Vorschlag zur Förderung der Kultur zu unterbreiten:

Sorgen Sie, verehrter Herr Gönner, dafür, dass McDonalds an allen Schulen eine Ernährungsberatung durchführen kann. Das würde der Ulmer Kulturpolitik den Charakter der Nachhaltigkeit verleihen und wäre beispielgebend für alle Städte Deutschlands.

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/ 29.3.13

Shopping-Mall-City

 

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Wieder einmal durften die Bürger Ulms erfahren, dass das Rathaus von einem einzigartigen Oberbürgermeister geleitet wird. Stets gilt das ganze Bemühen Ivo Gönners dem größtmöglichen Glück der Ulmer.

Während seiner Regentschaft beschenkte er die Menschen beider Donaustädte mit einer Multifunktionshalle (Ratiopharm-Arena) und einem Freizeitbad (Wonnemar) und übergab die beiden mit öffentlichen Mitteln finanzierten Einrichtungen privaten Betreibern. Nun wird Gönner den Ulmern eine Shoppingmall schenken. Das haben sich alle Bürger schon immer gewünscht. Der Jubel in der Stadt ist groß.

Der Fuchs Gönner bereitete das Großprojekt Sedelhöfe von langer Hand vor. Eingeweiht waren nur wenige Helfer und die politisch wichtigsten Personen der Stadt. Viele Mitwisser verderben alles . Wer politisch wirklich Großes schaffen will, muss im Stillen arbeiten. Bürgerbeteiligung gefährdet erfolgreiche politische Arbeit.

Von 2007 bis 2010 kaufte der städtische Bedienstete Ulrich Soldner am Sedelhof alle Grundstücke und Gebäude für insgesamt 30 Mio. Euro. 2011 fand europaweit ein Ausschreibungsverfahren statt (streng geheim, da „heikle Wettbewerbsvorschriften“ dies erforderten). Zehn Investoren bekundeten daraufhin Interesse, drei kamen in die engere Wahl.

Ende April 2012 gab die Lokalpresse schließlich bekannt, dass der Ulmer Gemeinderat (nichtöffentlich und einstimmig) beschlossen habe, Planung, Bau und Vermarktung des Sedelhofes der MAB Development Deutschland (dahinter steht die holländische Bank Rabo) zu übertragen. Eine 18.000 Quadratmeter große Einkaufsgalerie wolle das Immobilienunternehmen am Sedelhof errichten, erfuhr der ahnungslose, aber hoch erfreute Ulmer Bürger, nachdem alle wesentlichen Entscheidungen getroffen worden waren.

Insgesamt 150 Mio. Euro will MAB investieren, davon 31 Mio. für Grundstücke. Die Stadt reißt vor dem Deal alle Gebäude auf eigene Kosten ab. Das Bebauungsmodell stammt vom Büro Grüntuch Ernst Architekten aus Berlin. Der Ulmer Baubürgermeister brach im Gemeinderat in Begeisterung aus: „…erste Bundesliga des Städtebaus…“. Auch unser DF-Stammtisch konnte seine überschwängliche Freude über die geplanten Gebäude nicht verbergen: Quaderförmig, mit begrüntem Fachdach, bis zu 30 Meter hoch – was begehrt das Herz mehr?

Das Projekt wird ohne Frage großen Erfolg haben, wie ein Blick in die Mainmetropole zeigt. In Frankfurt plante, baute und betreibt MAB „MyZeil“. Auf 52.000 Quadratmetern bieten so einzigartige Geschäfte wie Rewe und Saturn Lebensmittel und TV-Geräte an. Der Fitnessclub verfügt sogar über ein Schwimmbad. In einem „Gastro-Boulevard“ werden die Gaumen der Gäste mit Pizza und Currywurst verwöhnt. Ist das nicht umwerfend?

Die richtigen Worte für die neue Sedelhof–Multi-Shopping-Mall fand wie immer ein Wortakrobat der Südwest Presse: die City erhalte einen neuen „Verweil- und Erlebnischarakter“ stand im Januar 2013 in der Zeitung.

Bisher können die Bürger Ulms und Neu-Ulms nur in einem Einkaufsparadies verweilen und erleben: Im 37.500 Quadratmeter großen Blautal-Center, das 1997 eröffnet worden ist und heute, sechzehn Jahre später, in einer Krise steckt: Realmarkt und Promarkt zogen aus, 13.000 qm Verkaufsflächen bleiben monatelang ungenutzt.

Das Neu-Ulmer Mutschler-Center ist schon seit Jahren geschlossen und wurde jetzt von einem Möbelgeschäft übernommen. Auf 70.000 Quadratmetern ist die Neueröffnung eines Einkaufzentrums geplant (Schwerpunkt Möbel).

Bald wird sich das Angebot an innerstädtischen Malls noch weiter erhöhen: Neben dem Neu-Ulmer Bahnhof entsteht die 25.000 Quadratmeter große Glacis-Galerie. Damit nicht genug: Südlich davon, wenige Schritte entfernt, plant der Investor Ulrich Nickel aus Illertissen auf einem 30.000 qm großen Gelände eine gemischte Bebauung mit Gewerbe-, Einzelhandels- und Dienstleistungsbetrieben.

Sie sehen, der Tag ist nicht mehr fern, an dem die beiden Donaustädte einen neuen Namen erhalten werden: Shopping-Mall-City.

Wenn Sie ökonomisch denkend – wie unser OB – ein Großprojekt wie die Sedelhöfe verwirklichen, dürfen Sie natürlich nicht zögern, mit verstaubten Ansichten von gestern zu brechen. Sparsamkeit und verantwortlicher Umgangs mit Besitz sind schön und recht. Aber für den Fall, dass höhere Gewerbesteuereinnahmen und das Glück der Bürger auf dem Spiel stehen, nur hinderliche Prinzipien.

Den Abbruch einer 1983 für 16,5 Millionen DM errichteten Tiefgarage, die 500 Fahrzeugen Platz bietet, und darüber liegender Gewerberäume (siehe Fotos) sollten Sie ohne Bedenken in Kauf nehmen. Dass die neuen Gebäude nicht ganz so ansehnlich sein werden wie das alte Parkhaus, scheint angesichts des insgesamt positiven Kosten-Nutzen-Kalküls zweitrangig.

Direkt neben den Sedelhöfen liegen Galeria Kaufhof, Peek & Cloppenburg, Reischmann und Sport Sohn. Dort ist die Freude über die neue Mall nicht so groß. Aber die Chefs dieser Unternehmen sollten sich keine Sorgen machen.

Für Investmentgesellschaften tut sich bereits eine bessere Anlagemöglichkeit als Shopping-Malls auf: Die Frankfurter Habona Invest GmbH investiert neuerdings in den Bau und die Vermietung von Kindertagesstätten, da der Staat nicht in der Lage ist, die benötige Anzahl an Kitas selbst zu bauen. Sechs Prozent Rendite ist zwar nicht viel, aber in wirtschaftlich unsicheren Zeiten könnten sie auch OB Gönner davon überzeugen, dass ein heimeliger Betreuungsort für Kleinkinder noch besser für das größtmögliche Glück des Bürgers sorgt als eine wunderbare Shoppingmall mit nur fünf Prozent Rendite.

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1983 wurde es für 16,5 Millionen Deutsche Mark errichtet. Jetzt wird das Sedelhof-Parkhaus im Februar 2013 abgerissen. Ivo Gönner, der Ulmer CBL-Spezialist, hat eine rentablere Nutzung des innerstädtischen Geländes unweit des Ulmer Hauptbahnhofes entdeckt.

/ 16.1.2013

Das Geheimnis der Ulmer Pyramide

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In Ulm steht eine Glaspyramide, die, nach den Plänen des bekannten Architekten Gottfried Böhm erbaut, von den Bürgern als Stadtbibliothek genutzt wird.

Diesen Sommer geriet das moderne Gebäude in die öffentliche Kritik, nachdem alle technischen Anlagen versagt hatten, die es Menschen ermöglichen sollten, sich bei starker Sonneneinstrahlung und hohen Aussentemperaturen in dem Glasgebäude aufzuhalten. Die Krankentransportdienste musste etliche ältere Besucher der Bibliothek zur ärztlichen Behandlung in die Universitätsklinik bringen, im benachbarten Rathaus wurde zeitweilig ein Notlazarett eingerichtet, in dem Bibliotheksbenutzer versorgt werden konnten, die unter diversen Unpässlichkeiten litten.

Nun steht der Winter vor der Tür und es droht neues Ungemach: Muss, so fragt sich die Bibliotheksverwaltung, im Falle eines extrem kalten Winters die Institution für einige Wochen geschlossen werden, weil die Kosten für die Beheizung zu hoch wären? Eine interne Studie der SWU schätzt die Kosten für die Beheizung der Glaspyramide auf annähernd so hoch wie die gesamten Heizkosten aller städtischen Gebäude.

Dem Vernehmen nach soll der städtische Finanzbürgermeister gesagt haben, dass Ulm angesichts der enorm steigenden Energiepreise nicht in der Lage sei, die Kosten für die Beheizung der Stadtbilbliothek zu tragen. Die Bibliotheksverwaltung prüft derzeit, ob eine Umlage der Heizkosten auf die Benutzergebühr möglich ist. Bibliotheksdirektor Jürgen Lange schätzt, dass sich durch eine Umlage ein Bibliotheksausweis von bisher jährlich 20.- € auf etwa 350.- € erhöhen würde.

Das eher nebensächliche Problem der mangelhaften Schallisolierung von Teilen des Baukörpers konnte durch die Eigeninitiative der Bibliotheksbesucher gelöst werden : Wer beim Lesen Lärm nicht vertragen kann benutzt einfach Ohropax.

Neueste Ereignisse lassen gar befürchten, dass die Ulmer Glaspyramide in ihrer Existenz bedroht sein könnte. Am 31.10.2007 erreichte die Stadt Ulm ein Schreiben aus Paris. Darin kündigt der Bürgermeister der französischen Metropole eine Klage seiner Stadt an. In dem Brief heißt es wörtlich:

“… da es sich bei dem von Herrn Böhm geplanten Gebäude um eine einfallslose Kopie der Pyramide im Innenhof des Louvre handelt, die in den Jahren 1985 bis 1989 von Ieoh Ming Pei erbaut wurde, sehen wir uns gezwungen, den Europäischen Gerichtshof anzurufen, um zu erreichen, dass die rechtswidrige Kopie eines Kunstwerkes umgehend beseitigt wird.“

Den Oberbürgermeister Ulms erreichte diese Nachricht mitten in einer extrem gut besuchten Wahlkampfveranstaltung, auf der die Bürgermeisterkandidaten über die neuesten Vorschriften zur farblich abgestimmten Präsentation von Obst und Gemüse auf dem Ulmer Wochenmarkt diskutierten.

Gönner sagte, die Klage des Pariser Bürgermeisters habe gewiss keine Aussicht auf Erfolg. Böhm habe in Absprache mit ihm die Pyramide gewählt, weil diese schon im alten Ägypten Grabstätte der Pharaonen gewesen sei.

Auch hier in Ulm sei langfristig geplant, die Glaspyramide als Begräbnisstätte verdienstvoller Würdenträger zu nutzen. Er selbst hoffe, in ferner Zukunft in der Pyramide eine letzte Ruhestätte zu finden, ganz nahe dem Ort, an dem er dann ein halbes Menschenleben lang zum Wohle der Bürger gewirkt habe. Kein Gericht der Welt werde den Abriss einer Grabstätte verlangen.

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1.11.07

Kontrolle ist Bürgerpflicht

– Bürger helfen ihrem Gemeinderat

Der Ulmer Gemeinderat sieht sich derzeit wegen Arbeitsüberlastung außerstande, seine Aufgabe wahrzunehmen, die Verwaltung, den Oberbürgermeister und die Bürgermeister zu kontrollieren. Deshalb erging ein Aufruf an die Bürger der Stadt, den Gemeinderat vorübergehend zu unterstützen.

Der Donaufisch greift dieses Ersuchen um Hilfe gerne auf. Helfen wir den überlasteten Gemeinderäten! Tun wir unsere Pflicht als Bürger und Steuerzahler!
Beginnen wollen wir unsere Aktion „Kontrolle ist Bürgerpflicht“ mit einer Abmahnung, so wie sie uns aus der Arbeitswelt vertraut ist, wenn der Mitarbeiter eines Unternehmens bei seiner Arbeit gravierendes Fehlverhalten zeigte.
Wenn Sie Ihre Kontrollfunktion als Stadtbürger ausüben wollen, drucken sie den unten stehenden Brief aus und unterschreiben Sie ihn. Fertig ist die Abmahnung, die Sie jetzt nur noch zur Post bringen müssen.
Wir machen alle Bürger/innen, die sich an der Abmahnaktion beteiligen wollen, darauf aufmerksam, dass es sich bei der Ausübung der Kontrollfunktion, um eine rein ehrenamtliche Tätigkeit handelt und deshalb mit keinerlei Vergütung gerechnet werden kann.

hier abtrennen ——————————————————————-

An den
Baubürgermeister Alexander Wetzig
Rathaus
Marktplatz 1
89073 Ulm

Betrifft: Abmahung wegen Verletzung der Amtspflichten

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wetzig,

als Bürger/in dieser Stadt und Steuerzahler/in bin ich sozusagen Ihr Arbeitgeber. In dieser Eigenschaft wende ich mich heute an Sie.
Unter Vernachlässigung Ihrer Amtspflichten haben Sie die vergangenen Jahre untätig zugesehen, wie der Bahnhofsteg von Ulm in einen immer maroderen Zustand geriet. Die Bundesbahn hat jetzt festgestellt, dass die Brücke baufällig ist und ihre Schließung angeordnet. Hätten Sie pflichtgemäß gehandelt, wäre die Brücke längst saniert oder eine neue erbaut. Ihrer Untätigkeit im Amt wegen müssen mehrere Monate lang täglich Tausende von Menschen einen Umweg nehmen, der ca. fünfzehn Minuten Zeit kostet.
Sollten durch Schadensersatzforderungen betroffener Bürger Kosten auf die Stadt zukommen, werden wir diese Forderungen an Sie weiterleiten. Auch möchte ich Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich als Ihr Arbeitgeber solches Fehlverhalten in Zukunft nicht mehr dulden werde.
Sollte es zu einer weiteren Pflichtverletzung bei der Erhaltung und Erneuerung städtischer Bausubstanz kommen, sähe ich mich gezwungen, Ihren Arbeitsvertrag vorzeitig zu kündigen.

Mit freundlichen Grüßen

…………………………………………………………………………………..
(Unterschrift)

Bahnhofsteg in Ulm

Bahnhofsteg gesperrt – Räte ratlos – Bürger sprachlos

Wollen Sie ein Beispiel dafür, wie glanzvoll die Ulmer Stadtverwaltung und die gewählten Volksvertreter gelegentlich ihre Arbeit tun? Dann blicken Sie auf den Bahnhofssteg – jetzt und vor allem ab Januar 2008 – sie werden sprachlos sein.

Die bedeutendste Stadt an der Ost-West-Magistrale, die kommende Kulturhauptstadt Europas, die Stadt mit dem filigransten und bekanntesten Bauwerk zeitgenössischer Architektur in ihrer Mitte, dem Weishaupt – Museum, und dem berühmten Donaubüro ließ über Jahre untätig eine zentrale Brücke verkommen. Von Zeit zu Zeit diskutierten die Räte über den fortschreitenden Verfall, eine vernünftige Sanierung beschlossen sie hingegen nicht.
Der Bahnhofssteg ist jetzt zur Überraschung aller vom Einsturz bedroht, ein Neubau unvermeidlich. Die Fussgänger werden voraussichtlich ein halbes Jahr lang einen Umweg nehmen müssen, der etwa 10 – 15 Minuten mehr Zeit kosten wird.

Gibt es eine bessere Formulierung für das Versagen als den Satz aus der örtlichen Presse vom 19.7. : „Ziemlich ratlos zeigten sich die Ausschussmitglieder ob der Frage, wie die vielen tausend Fußgänger und Radler, die den Steg täglich benutzen, dann vom Bahnhofsvorplatz in die Schillerstraße und zurück kommen sollen.“ Wie mir berichtet wurde, haben sich viele Ratsmitglieder geschämt.

Neue Mitte Ulm – UNESCO verfügt Teilabriss

Das Rathaus Ulms steht Kopf : kurz nach dem Osterfest erreichte die Stadt ein offizielles Schreiben aus Paris von der Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, in dem es heißt, dass die Internationale Organisation von den Verantwortlichen der Stadt den Abriss mehrerer Gebäude verlangt, die zur Neuen Mitte Ulms gehören. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um das Weishaupt-Museum und die Pyramide, die die Stadtbibliothek beherbergt. In ihrer ausführlichen auf einem Gutachten basierenden Begründung erläutern die Sachverständigen der UNESCO die Abrissverfügung mit den Worten: „Der Museumsbau unterscheidet sich kaum von der funktionsorientierten Architektur der fünfziger Jahre, wie sie z.B. gegenüber dem Ulmer Hauptbahnhof anzutreffen ist; das Weishaupt-Museum ist groß und ungegliedert und wirkt wie ein massiger Klotz. Von der Kramgasse kommend, fühlt man sich gar an die Verhältnisse in Berlin-Kreuzberg vor dem Mauerfall erinnert: eine hohe öde Grenzmauer blockiert den Strassenausgang. Wolfram Wöhrs Bau ist aus ästhetischer Sicht völlig inakzeptabel.“
Grundlage der Pariser Entscheidung ist ein Gutachten, das die Architektin und Autorin Ingeborg Flagge der UNESCO nach ihrem Besuch in Ulm vorgelegt hatte.
Auch die nach Plänen des Architekten Gottfried Böhm direkt neben dem Rathaus errichtete Pyramide soll nach dem Willen der Organisation möglichst bald verschwinden. Dieser Bau wirke wie ein Fremdkörper in der Altstadt und stehe in unerträglichem Kontrast zu allen umliegenden Gebäuden, und das gelte sowohl für die Form des Baukörpers und dessen Proportionen als auch für die gewählten Baumaterialien.Von keinem Bürger könne erwartet werden, dass er sich an diesen „Pfahl im Fleisch des Stadtkörpers“ jemals gewöhne. Da die UNESCO mit der Konsequenz gedroht hat, Ulm weder 2008 noch in naher und ferner Zukunft zur Weltkulturhauptstadt zu machen, wenn die Abrissverfügung ignoriert werde, bleibt der Stadt wohl keine andere Möglickeit, als der Anordnung Folge zu leisten. Gönner reagierte in einer ersten Stellungnahme entsetzt und ratlos: „Wir können die Entscheidung der UNESCO nicht verstehen. Ausserdem stellt sie uns nach vollzogenem Abriss vor ungelöste Probleme. Die Pyramide sollte langfristig, wenn durch die zunehmende Macht des Internets eine Stadtbibliothek überflüssig geworden sein wird, als meine letzte Ruhestätte dienen. Diese Pläne sind nun zunichte gemacht. Wir stehen wieder ganz am Anfang.“

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