Von Löwenmenschen und Gipsköpfen

In Ulm ist eine Auseinandersetzung über Kunst entbrannt. Im Mittelpunkt steht eine 30 Zentimeter große Figur, die vor über 30.000 Jahren aus Elfenbein gefertigt und 1939 in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb entdeckt wurde. Bei der rekonstruierten Skulptur handelt es sich um ein aufrecht stehendes Wesen mit den Armen, den Beinen, dem Leib eines Menschen und dem Kopf eines Löwen. Der Mensch mit seiner Tiernatur ist die älteste von Archäologen jemals entdeckte Skulptur, sie steht von der Öffentlichkeit wenig beachtet im Ulmer Museum.

Ein geschäftstüchtiger Kulturmanager hatte nun die Idee, 100 Glasfaserkopien des Löwenmenschen von 2,25 Metern Größe fertigen und von Künstlern bemalen zu lassen, sie auf Plätzen und in Straßen der Stadt auszustellen, danach zu versteigern und mit dem Gewinn das Ulmer Museum zu unterstützen. Ein Künstler, der selbst Skulpturen herstellt, meldete sich zu Wort, nannte die großen Brüder des Löwenmenschen „Monster“ und die ganze Aktion ein „Kitschspektakel“, Herstellung und Bemalung der Kopien muten ihn wie eine „gestalterische Vergewaltigung“ an und zeigten mangelnden Respekt vor dem unbekannten Schöpfer aus der Altsteinzeit. Dies erzürnte wiederum den Manager, der dem Kritiker die Beschimpfung „Kulturfundamentalist“ entgegenschleuderte und auf seine Absichten hinwies, dem Museum zu helfen.

Unglücklicherweise blieb es nicht beim Streit zwischen Manager und Künstler. Die Diskussion wurde von der Lokalpresse weitergetragen. In Kultureinrichtungen, Schulen und Familien, an Arbeitsplätzen, auf dem Wochenmarkt und vor dem Sonntagsgottesdienst diskutiert die Bürgerschaft nur noch das Thema : Darf der Löwenmensch in einer überdimensionalen, stark vereinfachten und bemalten Glasfaserkopie abgebildet werden? Welche Grundschulempfehlung das Kind erhält, ob der eigene Arbeitsplatz in ein Billiglohnland verlagert wird und die Demontage des Gesundheits- und Rentensystems weitergeht, ob ein Beschäftigter zwei oder drei Jobs braucht, um sich und seine Familie ernähren zu können – diese Fragen traten alle in den Hintergrund, und die Stadtgesellschaft spaltete sich angesichts einer Frage der Ästhetik in zwei Lager.

Aus Verantwortungsgefühl und tiefer Abneigung gegen unversöhnlichen Streit erlaubt sich unser Stammtisch ein paar Vorschläge zu unterbreiten, die geeignet erscheinen, die Gräben in der städtischen Gesellschaft zuzuschütten und die beiden Parteien im Ulmer Kunststreit wieder zu versöhnen.

Kunst, Kunstvermarktung und wohltätiger Zweck werden zu einer Einheit verschmolzen. Die Kontrahenten des Ulmer Kunststreits tun sich zu einem Team zusammen. Manager und Künstler führen gemeinsam mehrere Projekte durch.

Projekt1 „Gipsköpfe“: Von den Köpfen aller vierzig Räte im Ulmer Stadtparlament werden Gipskopien angefertigt und sodann von ausgewählten Künstlern bunt bemalt. Die Popularität der Damen und Herren wird zweifellos sicherstellen, dass der Verkauf oder die Versteigerung der Gipsköpfe zu einem einträglichen Geschäft wird.

Projekt2 „Bronzene Statue“: Der populärste Oberbürgermeister, den Ulm je hatte, wird in fünffacher Lebensgröße in Bronze gegossen. Wir denken dabei an eine Statue wie jene auf dem Kapitol in Rom, die Marc Aurel, einen der großen römischen Kaiser, als Herrscher und ersten Diener von Land und Volk zeigt. Diese Statue könnte von der Kunsthalle Weishaupt aufgekauft und im Foyer des gleichnamigen Museums aufgestellt werden.

Zum Abschluss erlauben wir uns noch eine weitere Anregung. Da der finanzielle Spielraum der Stadt durch mehrere Großprojekte (Theatersanierung, Bau einer Mulifunktionshalle) in den kommenden Jahren sehr eingeengt sein wird, sollten die Erträge der Kunstprojekte dem Ulmer Donaubüro zufließen, dessen Mietkosten durch einen Umzug von bisher 18.000 € im Jahr auf 48.000 € steigen werden. Vielleicht könnte das Donaubüro als Gegenleistung dann die Aufgabe übernehmen, für den Ankauf von Reproduktionen der Bronzenen Statue und der Gipsköpfe in den Partnerstädten entlang der Donau zu werben.

/ 17.3.08

Handwerkskammer Ulm sucht Präsidenten

Kammerpräsident gesucht

 Die Handwerkskammer Ulm sucht einen neuen Präsidenten. Der Amtsinhaber wird 2009 mit Ablauf seiner zweiten Amtsperiode altershalber ausscheiden.

Unsere Handwerkskammer

ist ein moderndes Dienstleistungsunternehmen. 17000 Handwerksbetriebe sind bei uns nicht freiwillig, aber gerne Mitglied. Unser Leitsatz lautet : Das Wohl des Handwerks ist unser oberstes Gebot. Wir wirtschaften verantwortlich durch Kostendisziplin.

Ihre Aufgaben

als Präsident bestehen darin, die Handwerkskammer zu repräsentieren und die Gesamtinteressen des Handwerks gegenüber Städten und Gemeinden, Landes- und Bundesregierung zu vertreten.

Ihre Qualifikationen,

die Sie zur Erledigung Ihrer Amtsgeschäfte benötigen, sind sehr begrenzt. Die Führung eines eigenen Handwerksbetriebes ist nicht erwünscht, ebensowenig die Ausübung einer handwerklichen Tätigkeit ( häusliche handwerkliche Arbeiten sind davon ausgenommen). Sollten Sie nachweislich eine Insolvenz oder einen Konkurs zu verantworten haben, würde dieser Umstand bei Ihrer Einstellung positiv berücksichtigt werden. Da es sich bei den Vorstandskollegen in der Hauptsache um ältere Herren handelt, die zu Recht ein gewisses Ruhebedürfnis für sich beanspruchen, ist Einfühlungsvermögen in die Eigenarten älterer Kollegen bei ihrer präsidialen Tätigkeit unerlässliche Voraussetzung. Im Rahmen Ihrer repräsentativen Pflichten gehört die reichliche Einnahme von Mahlzeiten und der Konsum alkoholischer Getränke zum Tagesgeschäft; deshalb sollten sie über ein exzellentes Verdauungssystem verfügen. Der Präsident einer Handwerkskammer ist wie alle öffentlichen Personen oftmals den Anfeindungen denunziatorischer Medien ausgesetzt und benötigt deshalb vorzügliche Nerven und die ausgeprägte Fähigkeit, Provokationen grundsätzlich zu überhören und zu übersehen. Sinn für geschmackvolle Kleidung und unauffälliges Auftreten in der Öffentlichkeit sind erwünscht. Da bei öffentlichen Veranstaltungen hauptsächlich politische Mandatsträger das Wort ergreifen, sind die rednerischen Fähigkeiten eines Bewerbers nicht von Belang.

Wir bieten

Ihnen für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit ein Dienstfahrzeug mit Fahrer, eine großzügige finanzielle Entschädigung sowie ein repräsentatives Dienstzimmer in einem repräsentativen Dienstgebäude. Da wir durch unsere leistungsfähigen Handwerksbetriebe und deren Mitgliedsbeiträge konjunkturunabhängig sind, ist Ihr Präsidentenamt garantiert krisensicher. Ihren Dienstpflichten kommen Sie nach, ohne ständig Rechenschaft geben zu müssen. Spesenabrechnungen werden durch den Präsidenten selbst kontrolliert.
Sollten Sie mit ihrem Dienstfahrzeug (Mercedes Turbo Diesel) oder Ihrem Amtssitz unzufrieden sein, sind wir gerne bereit, durch Neuanschaffungen , Neu- oder Umbauten Ihren Wünschen entgegenzukommen. Auch Bestimmungen aus der gültigen Satzung der Handwerkskammer, die Ihr Missfallen erregen, sollten kein Hinderungsgrund für eine Bewerbung sein. Eine Satzung kann schnell und unbürokratisch geändert werden.
Ihre Bewerbung richten Sie bitte an die HwKammer Ulm / Stichwort : „Ehrenamt“.  Auskünfte erteilt der bisherige Amtsinhaber Horst Schurr.

 / 10.3.08

Loriot als Ghostwriter

Seit einigen Monaten kursiert in Ulm das Gerücht, dass der bekannte Komödiant, Schauspieler und Regisseur Vicco von Bülow, der vielen unter seinem Künstlernamen Loriot bekannt sein dürfte, für einige prominente Ulmer Texte schreibt. Der berühmte und beliebte Schöpfer von Frau Hoppenstedt und den Herren Dr. Klöbner und Müller Lüdenscheid soll u.a. für den Oberbürgermeister Gönner Rede- und Brieftexte verfasst haben. Für derartige Behauptungen fehlte jedoch bislang jeder Beweis. Jetzt tauchte ein Brief Gönners aus dem vergangenen Jahr auf, dessen stilistische Merkmale eine Autorschaft Loriots belegen.

Anlass für besagten Brief war eine Anfrage der SPD-Fraktion an den Oberbürgermeister. Die SPD wies darauf hin, dass ein Ulmer Platz und das benachbarte Rathaus schlecht beleuchtet sind, und begehrte Auskunft, wann mit Abhilfe zu rechnen sei. Der Oberbürgermeister antwortete folgendermaßen :
„… der angesprochene Sachverhalt, dass der Platz sowie das Rathaus eine der Gesamtsituation entsprechende Beleuchtung benötigt, wird auch von mir ausdrücklich unterstützt. Der Bauverwaltung ist die Aufgabenstellung bekannt. Im ersten Bearbeitungsabschnitt ist beabsichtigt, dass ein Handlungskonzept erarbeitet wird. Bestandteil dieses sind Aufgabenbeschreibungen und Zielformulierungen, die als Basis für eine Mehrfachbeauftragung mit dem Arbeitstitel Lichtkonzept Ulm dient. Nach der Zustimmung des Fachbereichsausschusses zum Handlungskonzept werden mehrere renommierte Planungsbüros zur Erarbeitung eines Lichtkonzeptes aufgefordert. Im Frühjahr 2008 kann die Realisierung in Angriff genommen werden…“

Loriotfans kann man nichts vormachen : diese Wortwahl, dieser Satzbau kann nur aus der Feder des Meisters stammen. Wer käme auf die Idee, einen „Sachverhalt unterstützen“ zu wollen? Wer wäre zu der Feststellung in der Lage, dass ein „Handlungskonzept“ aus „Aufgabenbeschreibungen“ und „Zielformulierungen“ besteht? Wer könnte den Begriff „Lichtkonzept“ erfinden?

Die SPD war vermutlich nicht in der Lage, die ironischen Feinheiten des Brieftextes zu erkennen. Vermutlich hatte sie damit gerechnet, dass der OB einfach mitteilt, wann und wo wieviele neue Lampen installiert werden.

Frau Dr. Schavan und das BAFöG

Als Vorsitzender des Vereins wohlhabender Studenteneltern möchte ich es ganz deutlich sagen: Um die Ausbildung an unseren Hochschulen ist es schlecht bestellt. Unsere Kinder sitzen in überfüllten Seminarräumen und Hörsälen, werden in Labors von zu wenig Personal ungenügend angeleitet und vermissen eine persönliche Betreuung durch Dozenten und Professoren.
Die Massenuniversität führte zu einer Entqualifizierung des Studiums. Die Universitätsabschlüsse unserer Kinder sind nichts mehr Wert und können einem internationalen Vergleich nicht standhalten, allenfalls einen Vergleich mit dem Abschluss in der Ukraine oder in Weissrussland. Die Schuld für die Misere tragen sozialistische Gleichmacher. Sie geben jedem Schnorrer von unseren Steuergeldern und nennen das Bundesausbildungsförderung.

Auf diese Weise werden alle, die es durch ihre Leistung zu etwas gebracht haben, in mehrfacher Hinsicht bestraft: sie zahlen mehr Steuer als die Habenichtse und müssen ihre Kinder auf Universitäten schicken, die nichts mehr taugen, weil sich die Habenichtse ihrer bemächtigt haben. Jedermann mit Verstand erkennt sofort : auf diese Weise wird durch staatliche Umverteilung die Grundlage unserer freiheitlichen Gesellschaft zerstört.

Angesichts dieser Lage blicken wir vom Verein wohlhabender Studenteneltern mit großer Dankbarkeit auf die wenigen Politiker, die es noch wagen, sich dieser Entwicklung entgegenzustemmen und die universitäre Ausbildung wieder zu dem machen wollen, was sie sein muss: Auszeichnung und Chance für jene, deren Eltern etwas geleistet haben.
Und seien wir doch einmal ganz ehrlich : kann man von jemandem sagen, er habe etwas geleistet, der nicht einmal in der Lage ist, seinem Sohn oder seiner Tochter aus eigenen Mitteln ein Studium zu bezahlen?

Unsere Bundesbildungsministerin, Frau Dr. Schavan, zählt zu jenen mutigen Politikern, die sich mit uns zum Ziel gesetzt haben, der Massenuniversität ein Ende zu bereiten. Da die Ministerin in den Jahren von 1974 bis 1980 studierte, weiss sie aus eigener Erfahrung, was Massenuniversität bedeutet. Als kultivierte Frau aus gläubigem Hause, die katholische Theologie und Erziehungswissenschaften studiert und sich in ihrer Doktorarbeit mit der Gewissensbildung beschäftigt hat, ist sie außerdem über jeden Verdacht erhaben, gewissen- und herzlos zu handeln.
Das macht sie für uns zu einer geschätzten Mitstreiterin.
Über Jahre hinweg konnte Frau Dr. Schavan verhindern, dass durch eine Erhöhung der Ausbildungsförderung für Studenten und des Elternfreibetrages noch mehr unfähige Müßiggänger aus den Unterschichten an die Universitäten drängten. Ihrer tatkräftigen Unterstützung bei der Einführung von Studiengebühren ist es zu danken, dass viele Abiturienten vom Studium abgeschreckt wurden.
Für diese Verdienste wollen wir Frau Dr. Schavan ganz herzlich danken. Als Ausdruck unseres Dankes erlauben wir uns heute, die Frau Ministerin zum Ehrenmitglied unseres Vereins wohlhabender Studenteneltern zu ernennen, wohlwissend, dass Frau Dr. Schavan weder verheiratet noch Mutter ist. Das spielt keine Rolle. Allein die Gesinnung zählt.

Wir sind sicher, dass Frau Dr. Schavan auch zukünftig für unsere Sache streiten wird. Rückschläge wie die jetzt bevorstehende Erhöhung des BAFöG bringen uns und die Ministerin nicht vom Kurs ab. Mit großer Freude sehen wir Frau Dr. Schavans Vorschläge, das Studium über Kredite zu finanzieren oder durch einen Job das nötige Geld zu verdienen. Sie zeugen von der Weitsicht und strategischen Begabung der Ministerin und geben uns vom Verein wohlhabender Studenteneltern Anlass, voller Zuversicht auf die Zukunft der Universitäten zu blicken.

Quasselstrippe, 1.Vorsitzender des Vereins wohlhabender Studenteneltern

Doping erwünscht – nicht nur im Sport

Wir sind eine Leistungsgesellschaft, da darf man nicht zimperlich sein. Das Wohlergehen unseres Landes hängt schließlich davon ab, wie es im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Unsere Kindergärten, unsere Schulen und Hochschulen, unsere Sportvereine und Unternehmen müssen besser sein als ihre Konkurrenten in Italien, Australien und China. Nur wer an der Weltspitze steht, kann den Wohlstand dauerhaft sichern – und nur auf Wohlstand kommt es an, dem Volk wie dem Einzelnen. Wer im Konkurrenzkampf als Sieger vom Platz gehen will, kann auf Doping nicht verzichten.
Für den Kampf um die beste Leistung müssen sich alle präparieren, der Grundschüler ebenso wie der Vorstandsvorsitzende, dazu sind wir Bürger eines modernen Staates moralisch verpflichtet. Um die besten physischen und psychischen Voraussetzungen herzustellen, sind alle Mittel erlaubt, und selbstverständlich wissen das auch viele und halten sich bereits daran.

Oder glauben Sie etwa, Bundesumweltminister Sigmar Gabriel könnte so erfolgreich gegen die Betreiber alter, gefährlicher Atomkraftwerke streiten, wenn er seinen Körper nicht täglich über die Nahrungsaufnahme mit zusätzlichen Fettrationen stärken würde?
Oder sind Sie ernsthaft der Ansicht, der VW-Konzern könnte so gigantische Umsätze erzielen ohne das exzellente Betriebsklima, das hauptsächlich dem Wirken von Betriebsräten zu verdanken ist, die durch aktives Testosteron-Doping in Brasilien Körper und Geist für ihre Aufgaben vorbereiten?

Millionen von Mitbürgern und Mitbürgerinnen machen sich täglich mit Alkohol, Nikotin und Medikamenten fit für den Leistungswettbewerb und tragen durch diese Form des Dopings in verantwortungsvoller Weise zur Steigerung unseres Wirtschaftswachstums bei. Auch in der Familie hat das Doping Einzug gehalten: Ohne die regelmäßige Verabreichung hochwertiger Präparate unserer pharmazeutischen Industrie könnten viele Schülerinnen und Schüler im täglichen Wettkampf auf dem Pausenhof und in den Klassenräumen nicht so erfolgreich bestehen.

Sie sehen also, verehrte Leser, es wäre geradezu kontraproduktiv für unsere Gesellschaft, Doping nicht zuzulassen. Forderungen wie sie in der programmtischen Diskussion der SPD um ein neues Grundsatzprogramm erhoben werden, z.B nach einem strikten Rauchverbot auch auf dem häuslichen WC, gehen völlig in die falsche Richtung.
Wir brauchen kein Dopingverbot, sondern die systematische Ausdehnung des Dopings auf alle Lebensbereiche, auch auf die privaten (Viagra), nur so schaffen wir den Wohlstand der Nation und somit das Glück des Einzelnen.

Ulm braucht den Blockwart

Jahr um Jahr wird die Situation schlimmer : Zigarettenkippen und Flaschen türmen sich auf Straßen und Gehwegen, die Parks sind vor lauter Hundehaufen unpassierbar, Pappe-, Papier- und Plastikberge treiben viele Bürger in den Wahnsinn oder den Suizid – Ulm hält vor der Bronx und Kalkutta einen traurigen Rekord : Ulm ist die verdreckteste Stadt der Welt.

Deshalb beschlossen die Fraktionen im Ulmer Gemeinderat, dass dem Übel Einhalt geboten werden muss. Zukünftig droht allen Müllsäuen Strafe : 10.- € für die achtlos weggeschnippte Zigarettenkippe, 15.- € für den ausgespuckten Kaugummi, 30.- € der illegal abgesetzte Hundehaufen. Und weil allein die Androhung einer Strafe nicht ausreicht, um die Stadtvermüller zu disziplinieren, braucht s Kontrolleure. Zwei will die Stadt vorerst fünf Jahre lang einsetzen, kostet natürlich eine Kleinigkeit.

Dem Vernehmen nach hält das Amt für Öffentliche Ordnung bereits geheime Listen bereit, auf denen Hunderte von Ulmern stehen, die ihrer Kehrpflicht im Sommer oder ihrer Räum- und Streupflicht im Winter nicht regelmäßig nachkommen. Auch sie müssen künftig mit konsequenter Strafverfolgung rechnen. „Ordnung muss sein“ (altes deutsches Sprichwort).

Wie wir aus der städtischen Verwaltung erfahren konnten, sind diese Maßnahmen der erste Schritt in einem dreistufigen Plan.
2009 folge die Einführung einer „regelmäßigen und flächendeckenden Hausmüll – Inspektion“, bei der städtische Müllinspekteure durch gründliche Untersuchung aller Mülleimer überprüften, ob die Bestimmungen zur Mülltrennung eingehalten würden. 2010 schließlich werde die Aktion „Das saubere Zuhause“ realisiert, die alle Haus- und Wohnungseigentümer verpflichte, die Wohnungen und Häuser ihrer Mieter regelmäßig in Augenschein zu nehmen, um die Einhaltung von „Sauberkeits-Mindest-Standards“ zu prüfen und Verstöße gegebenenfalls der Stadtverwaltung zu melden.

Aus Berlin schaltete sich Bundesinnenmister Schräuble in die Ulmer Ordnungsdiskussion mit verschiedenen Vorschlägen ein. Er empfahl, den Einsatz der Bundeswehr bei der Kontrolle aller Müll-, Kehr- und Gehsteigräumbestimmungen zu prüfen (vor allem auch den Einsatz von Nachtsichtgeräten durch das Militär). Der Bundesminister stellte finanzielle Unterstützung des Bundes in Aussicht, falls die Stadt plane, Überwachungskameras anzuschaffen und bei der Kontrolle von Müllsündern einzusetzen.

Weitergehende Maßnahmen, wie sie von einigen Stadträten gefordert wurden, lehnte der Oberbürgermeister mit Hinweis auf das Grundgesetz ab. Dazu zählen unter anderem die Wiedereinführung eines Prangers auf dem Ulmer Marktplatz sowie die Anwendung der Prügelstrafe für zahlungsunfähige Vermüller.
Die Einführung des aus der deutschen Vergangenheit bekannten Blockwartes zur Kontrolle der Mülldisziplin wird von der Stadtverwaltung noch geprüft. Auf Antrag der Grünen im Gemeinderat erhielt der Präsident der Donau-Akademie Peter Langer den Auftrag zur Ausarbeitung eines pädagogischen Konzepts, das die beschlossenen ordnungspolitischen Maßnahmen unterstützen soll.
Das Konzept trägt den Projektnamen „Sauberkeit und Ordnung in Ulm und anderen Donaustädten.“

Donaustrand in Ulm

An der schönen blauen Donau

Seit mehreren Wochen ist es ein Thema in Ulm : Baubürgermeister Wetzig und seine Bauverwaltung wollen in der Höhe des SSV Bades einen „Kiesstrand“ an der schönen blauen Donau anlegen lassen, einen „Badestrand“ für Familien und ihre Kinder, der die Stadtkasse schlappe 250000.- € kosten wird. Und alles ist schon auf gutem Wege : im zuständigen Ausschuss des Gemeinderates schlossen sich die weisen Räte der Verwaltungsvorlage einstimmig an, keine Gegenstimme, kein Widerstand aus keiner Fraktion! Ein Experte in Sachen Naturschutz war ebenfalls der Ansicht, dass es sich bei diesem Projekt um etwas überaus Unterstützenswertes handele. Einzig der Chef der Lokalzeitung bewies unter den öffentlichen Personen Ulms Verstand und nahm den Kampf auf, schrieb Artikel, Kommentare und Glossen gegen die neuerliche Zumutung des Stadtexperten für Stahlbeton Wetzig, ließ unzählige Leserbriefe entrüsteter Bürger abdrucken und führte eine Telefon-Voting-Aktion unter den Zeitungslesern durch, deren Ergebnis über die Meinung der Steuerzahler keinen Zweifel zuläßt : Es gibt in Ulm kaum jemand, der diesem schwachsinnigen Kiesstrand-Projekt zustimmen würde, wenn er abstimmen könnte.

Reicht es nicht, dass Herr Wetzig mit seinen Radwegeplänen vor vielen Jahren das westliche Donauufer zubetonieren und eine unnötige Brücke errichten ließ, muss er jetzt auch noch die östlich gelegenen Ufer in eine Steinwüste verwandeln?
Warum hat keiner der Stadträte oder die Bauverwaltung den Rat des Gesundheitsamtes zu diesem „Projekt“ eingeholt? Das Gesundheitsamt führt regelmäßig Kontrollen aller Gewässer durch, würde dort angefragt werden, würde schnell eine eindeutige Auskuft erteilt: Vom Baden in der Donau wird dringend abgeraten!

Wie sollen die Bürger das Verhalten eines Bürgermeisters bewerten, der die maßgebliche Meinung einer Einrichtung, die für Gesundheitsfragen zuständig ist, in den Wind schlägt oder gar nicht erst einholt?

Die Donau ist schon lange nicht mehr blau; wollen wir hoffen, dass auch die Mitglieder des Ulmer Gemeinderates nicht blauäugig oder blau sind, wenn sie über die Schnappsidee Donaustrand abstimmen werden.

Politisches Mandat und Fettleibigkeit

Wir Deutschen sind zu dick. 40 Millionen unserer Landsleute gelten als übergewichtig. In ganz Europa steht Deutschland an der Spitze der Länder mit den meisten Dicken. Die Folgen für unsere Sozialsysteme sind gravierend (70 Milliarden Kosten im Jahr). Deshalb beschlossen der Verbraucherschutzminister und die Bundesgesundheitsministerin, dass bis zum Frühjahr 2008 ein Nationaler Aktionsplan ausgearbeitet werden muss, der Wege aus der Krise aufzeigen soll.

Unmittelbar nach der Ankündigung Seehofers und Schmidts meldete sich die Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Soziales in Ulm mit einem beachtlichen Vorschlag zu Wort. In Anlehnung an die Gepflogenheiten am Eingang vieler Diskotheken, wo Gesichtskontrollen stattfinden, sollen zukünftig vor Sitzungen des Ulmer Gemeinderates Gewichtskontrollen durchgeführt werden.

Jeder Stadtrat soll den Plänen Mayer-Dölles zufolge vor Betreten des Sitzungssaales gewogen werden. Das hierbei ermittelte Ergebnis habe Konsequenzen: „ Je nachdem, ob der Volksvertreter Normalgewicht oder Übergewicht hat, wird er zur Sitzung zugelassen oder nicht, erhält er volles Stimmrecht oder nur eingeschränktes.“

In ihrer Begründung führte die Bürgermeisterin aus, dass nur derjenige in Angelegenheiten der Allgemeinheit vernünftig entscheiden könne, der sich auch in seinem Privatleben von der Vernunft leiten lasse. Mayer-Dölle wörtlich: „Jeder Mensch mit Übergewicht zeigt, dass er vom Affekt und vom Trieb beherrscht wird. Von unseren Volksvertretern erwarten wir aber, dass sie vernünftig sind, und wir erwarten von Ihnen Glaubwürdigkeit, damit sie den Menschen als Vorbild dienen können.“

Der in Heidelberg lebende emeritierte Politologe Professor Dr. Klaus von Beyme schlug vor, das von Mayer – Dölle formulierte Prinzip auch auf die Kandidatenauslese bei Wahlen anzuwenden. Fettleibige dürften nicht zu Wahlen zugelassen werden, meinte der ehemalige Professor. Wer sich selbst nicht unter Kontrolle habe, könne auch keinen Oberbürgermeister, keine Landesregierung und keine Bundesregierung kontrollieren.

/ 23.5.07