Der Tag im Cafe Liquid

Ulmer Promis und Halbpromis erhalten jetzt ihre eigene Fernsehsendung: „Der Tag im Liquid“ heißt eine neue Serie auf Regio-TV.

Die Videoaufnahmen der Überwachungskameras im Cafe Liquid werden täglich zu einem zehnminütigen Film zusammengeschnitten und abends im Regionalsender ausgestrahlt. Dabei sollen dem Zuschauer die besten Szenen des Tages präsentiert werden. Auf diese Weise hat der Ulmer Bürger die Möglichkeit, wenigstens ein bisschen am Privatleben Ulmer Prominenter teilzunehmen.

Das neue TV-Format wurde in Anlehnung an das RTL-Dschungelcamp entwickelt. Die Ulmer SPD ließ die Bürger bereits in einer Pressemeldung wissen, dass sie sich entschieden für eine gerechte Verteilung der Sendezeit einsetze. Der nächste OB-Kandidat der SPD Martin Rivoir beanspruche entsprechend seinem Stimmanteil bei den letzten Kommunalwahlen mindestens ein Drittel der abendlichen ausgestrahlten Sendung.

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CafeLiquid1

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„Ich werde natürlich auf gar keinen Fall irgendwelche Bilder im Internet veröffentlichen, irgendwie privat Werbung damit machen oder die Leute irgendwie daraufhin ansprechen, also: „Sie waren betrunken“ oder irgendwas.“

(Ulrich Fischer, Inhaber des Ulmer Cafe Liquid gegenüber Landesschau Aktuell)

Ulm – Die gläserne Stadt

Das Cafe Liquid in Ulm filmt seine Gäste. Videokameras zeichnen während der Geschäftszeit alles auf, was sich im Gastraum abspielt. Der Betreiber des Cafes Ulrich Fischer hält diese Maßnahme für nötig und rechtfertigt sie heute ausführlich in der Lokalzeitung. Dank der Überwachung sei es sogar gelungen, einen Dieb im Gastraum zu identifizieren, sagt Herr Fischer.

Die Juristin Sabine Stollhof, die sich im Auftrag des Landesdatenschutzbeauftragten äußert, hält die Videokontrolle in Gasträumen während der normalen Öffnungszeiten zwar für einen „schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“, sieht aber keine Möglichkeit, das Abmontieren der Kameras zu veranlassen.

Nach der zweiten (geheimen) Personalakte an der Uniklinik Ulm, die 2010 für Schlagzeilen sorgte, und der Bespitzelung von Mitarbeitern bei Lidl nun also die Gastraumüberwachung im Ulmer Cafe Liquid. Bei der Bewertung dieser Überwachung sollten wir nicht voreilig sein. Sie bringt enorme Vorteile.

Wie jeder Ulmer weiß, verkehren im Cafe Liquid neben unserem verehrten Oberbürgermeister Gönner und engen Mitarbeitern auch etliche Schöne, Einflussreiche und Wichtige der Donaustadt. Könnte da die Erhebung von belastbaren Zahlen nicht in vielerlei Hinsicht von Vorteil sein?

Denken Sie an die Chance, Daten über die Anzahl und die Dauer der Cafehausbesuche wichtiger Persönlichkeiten zu erhalten, ihre Konsumgewohnheiten und Tischmanieren zu erfassen.

Oder an die Möglichkeit, Informationen über die Kleidung der Gäste zu sammeln. Wie oft wird der Anzug gewechselt? Welche Qualität hat er? Tragen die Damen echten Schmuck? Aus welchen Geschäften stammt ihre Garderobe?

Welcher Gast greift zu welchen Zeitungen und Zeitschriften? Welche Artikel werden gelesen? Zeigen wichtige Personen auffälliges oder gar absonderliches Verhalten? Können aus diesen Beobachtungen Rückschlüsse auf die politische Entwicklung der Stadt gezogen werden?

Je länger man darüber nachdenkt, umso klarer wird: eine Überwachung von Gasträumen in Wirtshäusern nach dem Vorbild des Cafes Liquid in Ulm ist uneingeschränkt zu befürworten.

Der Donaufisch geht noch einen Schritt weiter: zur Gewährleistung von Sicherheit und freiem Zugang zu allen Informationen für alle Bürger sollten die Möglichkeiten zur Kontrolle noch ausgeweitet werden. Zumindest Tischmikrofone und Toilettenkameras stellen in Cafes und Wirtshäusern eine überzeugende Ergänzung der Gastraumüberwachung per Video dar.

Auf diese Weise wird unsere Stadtgesellschaft transparenter und sicherer. Der Bürger kann mehr Informationen über die politische Elite erhalten, ortsansässige Geschäfte vermögen gezielter zu werben. Auch in den Gasthäusern für einfache Menschen zahlt sich bessere Überwachung aus: kein Gast isst mehr die Reste vom Teller seines Tischnachbar, wenn dieser bereits das Lokal verlassen hat; keiner stiehlt mehr Toilettenpapier; allen Wirten wird ihre Einkaufsplanung durch die Fülle der Daten über die Konsumgewohnheiten der Gäste erleichtert.

Wenn das keine Argumente für das gläserne Gasthaus sind! Wir sollten Herrn Fischer von Cafe Liquid für seine Vorreiterrolle dankbar sein. Vielleicht hat ihn unserer OB Gönner ja schon auf der Liste jener Bürger, die ein Bundesverdienstkreuz erhalten sollen.

Der Schwörmontag findet statt

oder:

EbbosSchiff2014

Ein Unglück auf der Donau hätte um ein Haar zu einer großen Katastrophe geführt. Im letzten Moment konnte sie abgewendet werden. Der Schwörmontag 2014 in Ulm findet statt.

Was ist geschehen?

Erst im April diesen Jahres wurde das Eventschiff des Ulmer Großgastronomen Ebbo Riedmüller in Betrieb genommen. 3,2 Millionen Euro hat es gekostet (geplant 2 Millionen). Ulms Oberbürgermeister erschien zur Eröffnung und versäumte nicht, das Bootshaus als architektonische Meisterleistung zu würdigen (inspiriert durch die Neue Mitte Ulms). Vor 600 geladenen Gästen versicherte OB Gönner, dass sich die schwimmende Vergnügungsstätte nicht wegbewegen und auch nicht absaufen werde.

Doch leider kam es anders. Die Donau führte – bedingt durch einen trockenen Sommer – wenig Wasser. Mit dem Wasserpegel sank überraschend das Gesamtkunstwerk des Ulmer Architekten Adrian Hochstrasser, insgesamt 31 Zentimeter unter das bisher gemessene Mindestlevel des Flusses. Das war zu viel.

Hochwasser hatte der Architekt Hochstrasser einkalkuliert, mit Tiefwasser rechnete er nicht. Das Unheil nahm seinen Lauf: ein Türrahmen zerbarst, Fensterscheiben splitterten, weitere Fenster wurden beschädigt.

Glücklicherweise können auf Deck des beschädigten Schiffes mit etwas gutem Willen doch noch Gäste bewirtet und Rundfunksendungen produziert werden. (Siehe unser Foto)Wäre dies unmöglich gewesen, hätte es heute kein „Schwörmontagsradio“ eines lokalen Radiosenders gegeben und auch die 200 erwarteten Gäste hätten auf dem Eventschiff keinen exklusiven Platz beim Wasserumzug auf der Donau (Nabada) gefunden. Solche Umstände hätten womöglich den ganze Schwörmontag in Frage gestellt: Keine Schwörrede des Oberbürgermeisters… keine Späße auf der Donau…keine wilde Ballermannparty in den Gassen der Altstadt. Nicht auszudenken!

Nach der Ulmer Schiffshavarie bleibt allerdings eine ernste juristische Frage, die uns Bürger und die Gerichte sicher noch einige Jahre beschäftigen wird:

Sind das Regierungspräsidium Tübingen, das Wasserwirtschaftsamt und die Stadtwerke Ulm zum Schadenersatz verpflichtet? Müssen sie Ebbo Riedmüller und seinem Architekten Adrian Hochstrasser den Schaden in Höhe von 20.000 Euro ersetzen, den der Wassertiefstand der Donau verursacht hat?

Der Architekt Hochstrasser ist davon überzeugt, dass andere für den Schaden bezahlen müssen. Schließlich habe er mit dem Regierungspräsidium, dem Wasserwirtschaftsamt und den SWU einen Vertrag geschlossen, in welchem ihm ein Mindestlevel der Donau (465,81 Meter über dem Meeresspiegel) zugesichert werde.

Neben dem Rechtsstreit in Abdera, in dem es darum ging, ob eine Kunde auch den Schatten eines Esels miete und benutzen dürfe, wenn er den Esel gegen Geld ausleihe, wird der Ulmer Streit um die garantierte Mindesthöhe des Wasserpegels der Donau zweifellos in die Rechtsgeschichte eingehen.

Vielleicht geht aber auch Adrian Hochstrasser in die Geschichte der Architektur ein als einzigartiger Baumeister, der ein Eventschiff konstruierte, das nur bei Normalwasserstand seine Aufgabe erfüllen kann.

Besuche des Oberbürgermeisters

Ulms OB Ivo Gönner ist eines der fürsorglichsten Stadtoberhäupter Deutschlands. Fast täglich beehrt er Mitbürger aus besonderem Anlass. Ob 100. Geburtstag, eiserne Hochzeit oder die Geburt des 10. Kindes – unser Oberbürgermeister kommt zu Besuch, erfreut die Wähler und wirkt mit dieser kleinen Geste politisch: das Zusammengehörigkeitsgefühl der Ulmer wird gefestigt, die Menschen in der Stadt werden Teil einer großen Familie.

Nun hat sich Ivo Gönner etwas Neues ausgedacht, das es so bislang an keinem Ort Deutschlands gibt: der Oberbürgermeister besucht verstorbene Mitbürger, um ihnen eine letzte Ehre zu erweisen und den Angehörigen etwas Trost zu spenden.

Auf unserem Foto sehen Sie, verehrte Leser, Oberbürgermeister Gönner während seines Besuches bei Alois Hilmar Bunk. Nach amtsärztlichen Angaben wurde der Verstorbene vergangenen Donnerstag tot und bereits mumifiziert in seiner Wohnung in der Ulmer Weststadt aufgefunden.

OB-Besuche

Außergewöhnliche Maßnahmen

oder: Der Ulmer Biber

Seit jeher hält die Evolution Überraschungen für uns bereit. Über Generationen verändert sie die Merkmale von Lebewesen, lässt Arten aussterben und neue entstehen. Vorhandene Lebewesen einer Art verändern ihre Gestalt oder ihre Lebensgewohnheiten. Erst die Anpassung an eine andere Umwelt gewährleistet das Weiterleben.

Die Erkenntnisse der Evolutionstheorie nutzt nun auch die Ulmer Stadtverwaltung. Sie will damit Probleme lösen, die bisher als unlösbar galten.

Die derzeit gravierendsten Probleme der Donaustadt sind – nicht der abspringende Sedelhofinvestor MAB,  der nicht finanzierbare Citybahnhof,  die überschuldeten Stadtwerke, die kundenfeindliche Sparkasse, die neue Tramlinie zur Uni, die nicht rechtzeitig fertiggestellt wird, um Fördergelder zu erhalten – , sondern die Biber, die sich seit 2001 im Stadtgebiet angesiedelt haben. 100 Exemplare dieser prächtigen Art gibt es bereits und ihre Lust, sich zu mehren und neue Stadtgebiete in Besitz zu nehmen, scheint grenzenlos.

Der beliebteste städtische Park der Stadt, die Friedrichsau, wurde von zahlreichen Biberfamilien okkupiert. 100 geschützte Bäume fielen unbändigem Trieb zum Opfer, 1200 Bäume stehen  noch. Wie lange der eilends errichtete Drahtschutz die munteren Tiere abhalten kann, vermag niemand zu sagen.

Uferwege an Auseen mussten von der Stadtverwaltung gesperrt werden, da der Biber sie unterwühlt  und damit sogar Kinderspielplätze in unsicheres Terrain verwandelt hat. Umfangreiche Grabungsarbeiten wurden durch die Behörden eingeleitet, ein Stahlgitter vier Meter tief in den Boden eingelassen (auf einer Länge von drei Kilometern!), um den Nager am weiteren unterirdischen Vordringen zu hindern.

Ulms pensionierter Kreisjägermeister Siegfried Keppler von der CDU-Rathaus-Fraktion würde die Viecher am liebsten abknallen, traut sich aber nicht, das öffentlich zu sagen, weil er mit diesem Vorschlag zum Bruch geltenden Rechts aufforderte. Schließlich zählt das Bundesnaturschutzgesetz den Biber zu den besonders geschützten Arten und verbietet, ihm nachzustellen, ihn zu fangen oder zu töten.

Also, was tun?  In Ulm gilt wie überall in der Republik: Wenn du nicht mehr weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis. Während nun die Damen und Herren der Biberkommission des Ulmer Gemeinderates beraten, dass die Köpfe rauchen, Experten aus der ganzen Welt anhören und täglich den Fortgang sinnloser Grabungsarbeiten in der Friedrichsau in Augenschein nehmen, hat Ulms Oberbürgermeister  außergewöhnliche Maßnahmen ergriffen.

Unter Berufung auf eine EU-Richtlinie veranlasste Gönner in Ulm, dass für Wasservögel, also Enten, Gänse, Möwen und Schwäne, ein Fütterungsverbot erlassen wird. Schlau wie unser OB nun einmal ist, verbarg er – zur Vermeidung unnötiger Konflikte – seine Absichten hinter Begründungen, die nur für die Öffentlichkeit bestimmt sind: es gelte, städtisches Recht mit EU-Recht zu harmonisieren; Wasservögel müssten vor falscher Ernährung, die Donau vor bakterieller Verseuchung durch Nahrungsreste geschützt werden.

In Wirklichkeit setzt der Oberbürgermeister auf die biologische Theorie der Evolution, die in unserem konkreten Fall besagt: Finden Enten, Gänse, Möwen und Schwäne keine ausreichende pflanzliche Nahrung an der Donau, werden sie auch tierische Nahrung fressen. Sie verstehen nun, wie in Ulm mit einer langfristigen Strategie das Problem einer Biberüberpopulation gelöst werden soll. Wieder einmal zeigt sich: Unser Oberbürgermeister – einfach genial.

Das Vetterntor

Sind sie nicht wunderbar – die beiden eben fertig gestellten Gebäude auf den Fotos? Von unverwechselbarer Form? Aus bezauberndem Material? Mit betörend schön gestalteten Fassaden? Kurzum von unwiderstehlichem Charme?

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Die konsequente architektonische Fortsetzung der Neuen Mitte, wie sie von Stefan Braunfels und Wolfram Wöhr unter Mitwirkung des Ulmer Baubürgermeisters Alexander Wetzig erschaffen wurde. Das eine Gebäude steht schräg gegenüber vom Ulmer Theater und trägt den klangvollen Namen Wengentor. Das andere befindet sich an der Kreuzung von Neuer Straße und Frauenstraße und ist leider noch ohne Namen.

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Napoleontor würde sich anbieten, da der französische Kaiser 1805, wie es heißt, hier mit seiner Kutsche vorbei gekommen sein soll. Auch Einsteintor wäre eine Option, da Albert Einstein nachweislich als Säugling im Kinderwagen hier von seiner Mutter spazieren gefahren wurde.

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Die Geschichte, wie es zum Bau des Wengentores kam

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2009 veranstaltete die Stadt Ulm eine Ausschreibung. Potenzielle Bauherrn und Architekten ihrer Wahl sollten Entwürfe vorlegen, wie sie sich die Bebauung eines Grundstückes vorstellten, das der Stadt gehörte.

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Acht Investoren nahmen am Ausschreibungsverfahren teil (sog. Gutachterverfahren), drei kamen zunächst in die engere Wahl. Baubürgermeister Wetzig und ein paar Mitglieder des Gemeinderates, die im zuständigen Ausschuss saßen, trafen einstimmig die Entscheidung: Bauen dürfen Christoph und Markus Botzenhart und deren Architekt Dr. Max Stemshorn.

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Die beiden Brüder waren in der Vergangenheit Gemeinderäte. Ihr Vater, Udo Botzenhart, wirkte über viele Jahre mit großem Einfluss und besten Beziehungen an der Ulmer Kommunalpolitik mit. Die meisten, die in der Bauverwaltung an entscheidender Stelle sitzen oder im Ausschuss über die Vergabe zu entscheiden hatten, sind persönlich mit der Söflinger Familie Botzenhart bekannt. Der Architekt Dr. Max Stemshorn war früher Referent des Ulmer Baubürgermeisters.

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Wetzig und die Ausschussmitglieder entschieden sich also beim Zuschlag für ihre Vettern Botzenhart und Stemshorn. Im November 2010 stimmte der Gemeinderat dem Satzungsbeschluss zu.

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Empört waren aber die Grünen. Sie kritisierten, dass der Gemeinderat an den Entscheidungen nicht angemessen beteiligt gewesen sei. Außerdem habe die endgültige Planung in „Grundriss, Form und Höhe“ nichts mehr mit dem ursprünglich bei der Ausschreibung eingereichten Entwurf zu tun.

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Produktivkraft Vetternwirtschaft

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Wir vom DF-Stammtisch finden überhaupt nichts Untadeliges an der Ulmer Vetternwirtschaft. Verdiente Ulmer müssen eine bevorzugte Behandlung genießen. Was sind schon der Verkauf eines städtischen Grundstückes und die großzügige Beurteilung eines Bauplanes in Anbetracht der Dienste, die die Familie Botzenhart der Stadt Ulm geleistet hat?

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Außerdem sollten wir nie vergessen, wie segensreich sich der Botzenhart-Neubau auf die lokale und regionale Wirtschaft auswirkt. Arbeitsplätze entstehen. Umsätze werden generiert. Gewerbesteuer fließt der Stadt zu. Sie sehen, verehrte Leser, es gibt unzählige Gründe, das Bauprojekt der Familie Botzenhart durch die Stadt Ulm zu fördern.

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Gehen wir mutig einen Schritt weiter. Setzen wir ein Zeichen. Bekennen wir uns zur Vetternwirtschaft. Vetternwirtschaft muss vom schlechten Beigeschmack befreit werden. Als erfahrene Praktizierende einer produktiven Vetternwirtschaft sollten Ulmer vorangehen.

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Nennen wir das neue Gebäude doch einfach „Vetterntor“.

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 /18.12.2013

Folklore & Inquisition in Ulm

Der Schwörmontag wurde jüngst durch ein Lästermaul als Folkloreveranstaltung geschmäht. In Ulm kommt das einer Gotteslästerung oder Majestätsbeleidigung gleich. Denn der Schwörmontag ist heilig.

Vor ausgewähltem Publikum legt der Oberbürgermeister an diesem Tag auf dem Weinhof (!) die großartigen Erfolge seiner Politik dar, „Rückkoppelung der Regierenden mit den Regierten“ nennt das Reinhold Eichhorn (Freie Wähler); danach gibt der OB einen Ausblick, was er im folgenden Jahr für segensreiche Taten plant.

Am Nachmittag darf das Volk, das vormittags der Schwörrede nicht beiwohnen konnte (Platzmangel), einen vergnüglichen und ausgelassenen Wasserumzug auf der Donau veranstalten und sich hinterher ordentlich einen hinter die Binde gießen.
Sie sehen, verehrte Leser, beim Ulmer Schwörmontag handelt es sich um eine religiös-kultische Handlung. Kritik, dumme Scherze oder gar Spott verbieten sich von selbst.

Deshalb muss jeder, der das Fest der Ulmer als Folklore verunglimpft mit harten Konsequenzen rechnen. Unbarmherzig gehen dabei Oberinquisitor Reinhold Eichhorn und der Assistenzinquisitor Martin Rivoir zu Werke. Gnadenlos ist ihr Vorschlag zur Unterbindung jeglichen Spotts in, um und um Ulm herum.

In einem Strategiepapier schlagen die beiden Recken Eichhorn und Rivoir Oberbürgermeister Gönner folgende Vorbeuge- und Strafmaßnahmen vor. Wir zitieren wörtlich:

„Jeder Ulmer Bürger, jede Ulmer Partei, jeder Verein und auch alle Besucher Ulms haben eine Erklärung zu unterschreiben, dass sie das alljährliche Schwörritual achten und bedingungslos anerkennen, keinerlei Kritik daran üben und es gegenüber jedermann, wenn es sein muss auch mit Gewalt, verteidigen.“

„Wer gegen das Ulmer Spottverbot verstößt, muss mit Sanktionen rechnen. Diese reichen vom zeitweiligen Entzug der Aufenthaltserlaubnis im Stadtgebiet über die öffentliche Ächtung von Spöttern durch Veröffentlichung ihrer Namen und Anschriften in der SWP bis hin zur Streichung städtischer Zuschüsse und dem Entzug jeglicher Unterstützung durch städtische Ämter.“

„Die Durchführung der Maßnahmen wird dem Ordnungsamt übertragen. Ein Gremium bestehend aus fünf Gemeinderäten überwacht diese. Den Vorsitz hat ein SPD-Gemeinderat, da diese Fraktion sich im Krampf um die Erhaltung des Schwörrituals besondere Verdienste erworben hat.“

Ivo Gönner äußerte sich ebenfalls sehr besorgt wegen der hinterhältigen Anschläge auf ein Ulmer Heiligtum. Die Schwörrede hält er für einen zentralen Bestandteil der freizeitlich-demoskopischen Grundordnung Ulms, die es zu achten und zu schützen gelte. Um der jährlichen Schwörrede einen noch würdigeren Rahmen zu geben, so Gönner, sei eben im Gemeinderat fast einstimmig die Umbenennung des Weinhofes in „Platz der Freiheit und der Demokratie“ beschlossen worden.

28.8.11

Scham

oder: Wehre den Anfängen!

Ein alter Freund aus der Schulzeit kam nach Ulm. Seinen Bemerkungen über den Zustand der Donaustadt und ihre politische Kultur konnte der Wirt vom Gasthaus Donaufisch (leider) nicht widersprechen. Er schämte sich, dass Ulm im Land allmählich einen so schlechten Ruf genießt.

Der Besucher sagte:

„Seitdem ich gesehen habe, wie in Ulm durch die lokale politische Elite von SPD, CDU, Freie Wähler und FDP in bester Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer mit Gegnern des Projektes Stuttgart 21 umgegangen wird, wie sie ausgegrenzt und zu Verfassungsfeinden und Schädlingen erklärt werden, seitdem ich gelesen habe, wie Gegner von Stuttgart 21 durch Ulmer Politiker wie Rivoir, Dr. Kienle, Dr. Waidmann und Eichhorn mit der Androhung von finanziellen Nachteilen drangsaliert werden, seitdem weiß ich, wie das mit der Machtergreifung des Faschismus am Ende der Weimarer Republik abgelaufen sein muss.

Intoleranz und die Tendenz zur Gleichschaltung sieht man schon auf Ulms politischer Bühne. Da fehlt nur noch die öffentlich erhobene Forderung, politische Gegner von Stuttgart 21 in Internierungslager zum sperren.“

Lichtblicke: Immer mehr Ulmer äußern sich besorgt über die Beschädigung der Demokratie in der Donaustadt. Zunehmend werden prüfende Blicke von außen auf Ulm geworfen, nicht nur aus Stuttgart. Auf autokratisches Verhalten muss früh aufmerksam gemacht werden. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt. Es gilt, den Anfängen zu wehren.

12.8.11

Ulms innovative Problemlösungskompetenz

3Affen

Hinter dem etwas hölzernen Begriff „Problemlösungskompetenz“ verbirgt sich die außerordentliche Fähigkeit, ein Problem rechtzeitig zu erkennen, es umfassend zu analysieren und geeignete Mittel zu seiner Lösung zu ergreifen. Die Fähigkeit zur Problemlösung ist in der Wirtschaft ebenso wichtig wie in der Gesellschaft oder in der Politik, von ihr hängt die zukünftige Entwicklung ab.

Um Probleme zu lösen brauchen Sie kompetentes Personal und Geld. Nehmen wir ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit Ulms.

Auf dem Hans-und-Sophie-Scholl-Platz direkt vor dem Rathaus trafen sich vor wenigen Wochen immer mehr Jugendliche, um sich dort lärmend volllaufen zu lassen. Betrunken gerieten sie untereinander und wohl gelegentlich mit Passanten in Streit. Die vollen Blasen mussten entleert werden. Das geschah an einer Seitenfront des Rathauses. In der Folge verloren einige Bürger und Touristen die Lust, über den Platz zu spazieren.

Was aber viel schwerer wog: Der Oberbürgermeister, durch den Lärm und den Gestank in seinem Dienstzimmer sehr gestört, konnte sein Amt nicht mehr richtig ausüben. Die Stadträte verloren bei ihren Beratungen schnell die Konzentration und konnten keine Beschlüsse mehr fassen. Auch die im Rathaus tätigen Staatsdiener waren in ihren Leistungen außerordentlich beeinträchtigt. Kurzum: Die Arbeitsproduktivität des gesamten Stadtlenkungspersonals fiel auf weniger als fünfzig Prozent.

Die Problemanalyse war schnell erstellt: Diese saufende Bande stört die öffentliche Ruhe und Ordnung. Auch die Problemlösung war nicht kompliziert: Denen heizen wir so ein, dass sie sich freiwillig aus dem Staub machen. Nur die Umsetzung war aufwändig: Ständige Präsenz von Polizeibeamten, Überprüfung von Personalien, Installation einer Videoüberwachung usw.….Die Polizei war an der Grenze ihrer personellen Möglichkeiten, die Überstundenkonten der Polizeibeamten füllten sich. Am Ende aber war das Problem gelöst, die Neue Mitte wieder frei von pöbelnden Säufern.

Man sieht, es braucht Personal und Geld, um Probleme zu lösen. Deshalb hat die Ulmer Stadtspitze unter Führung ihres Vordenkers Ivo Gönners in Zusammenarbeit mit der Polizei eine Strategie entwickelt, die es ermöglicht, Probleme mit minimalem personellen Aufwand und fast kostenneutral zu lösen (= innovative Problemlösungskompetenz).

Beispiel 1
In einer Mainacht 2011 überschlägt sich auf einer Straße in der Ulmer Oststadt ein Fahrzeug. Anwohner geben zu Protokoll, dass der Unfall Folge eines Autorennens war, das zwei junge Männer veranstalteten. Andere Bürger sagen, dass es auf dem Altstadtring praktisch jedes Wochenende solche Rennen gebe. Das Problem wird durch den Polizeisprecher Reiner Durst in weniger als einer Minute gelöst: „Es gibt Rennen, aber das sind Einzelfälle, insbesondere von jungen Autofahrern …Nach unseren Beobachtungen gibt es eine solche (Raser-)Szene, wie wir sie aus anderen Städten kennen, nicht“

Beispiel 2
Durch einen TV-Bericht wird im Mai 2011 publik, dass Kinder in Ulm an der Donau Alkohol trinken und vorbeifahrende Polizisten dies ignorieren. Fraktionen im Gemeinderat verlangen von OB Gönner einen Bericht und Vorschläge für geeignete Maßnahmen.
Am 31. Mai wird das Problem trinkender Kids und Gewalttätigkeit Jugendlicher am Donauufer im Jugendhilfeausschuss in wenigen Stunden tadellos gelöst:

Der Polizist Wolfgang Müller erklärt, dass nur wenige Straftaten auf der Donauwiese begangen werden. (Nur sieben Körperverletzungen und fünf gefährliche Körperverletzungen seien von Januar bis Mai 2011 registriert und nur viermal sei gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen worden)

Der Polizist Volker Stier sagt, dass die Donauwiese „kein polizeilicher Brennpunkt“ sei.

Der Leiter der Ulmer Bürgerdienste Roland Häußler meint, die Donauwiese sei der „bestkontrollierte Platz“ in Ulm.

Und der städtische Abteilungsleiter Helmut Hartmann-Schmid weiß zu berichten, dass nur 15 Prozent der Jugendlichen auf der Donauwiese nicht dem „bürgerlichen Milieu“ entstammten und sich dort weniger als fünf auffällige Jugendliche aufhielten.

Für „unschön“, aber nicht „besorgniserregend“ hält die Sozialbürgermeisterin Mayer-Dölle das Treiben an der Donau. Ulms Monarch Gönner hatte sich schon Tage vor der Anhörung seine Meinung gebildet: Brennpunkte in Ulm? „Das ist ja Quatsch“. Damit war das Problem erledigt.

Können Sie sich eine schnellere und billigere Problemlösung vorstellen? Ulms innovative Problemlösungsstrategie wird sicher in anderen Städten bald Nachahmer finden. Wer sich eingehender mit dieser innovativen Politikform beschäftigen möchte, dem sei das im Verlag Klemm & Oelschläger erschienene Buch empfohlen: Ivo Gönner. Launige Reden, Rotwein und Kommunalpolitik. Ulm 2011. 734 Seiten.
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Hinweis für den Ulmer Sparkassenchef Manfred Oster und seinen Pressesprecher:

Der vorliegende Text „Innovative Problemlösungskompetenz“ enthält an einigen Stellen Ironie. Sollte der Pressesprecher dem Stammtisch vom DF innerhalb von zwei Wochen fünf textimmanente Merkmale nennen können, die ironische Bedeutungen signalisieren, erhält er am Weltspartag ein pinkfarbenes Sparschwein.

3.6.2011

Kinder und Alkohol in Ulm

 Der Fernsehsender Pro7 kam mit einem Team nach Ulm und machte Aufnahmen auf den Donauwiesen. Die Bilder und Interviews zeigen Kinder und Jugendliche, die sich an der Donau aufhalten, und dort – so der Eindruck des Zuschauers – reichlich Alkohol konsumieren, während die Polizei mit einem Dienstfahrzeug vorbei fährt und nicht einschreitet.

Tatsächlich treffen sich an der Donau in den Sommermonaten täglich viele Jugendliche und Kinder, um dort Alkohol zu trinken. Notarzt- oder Krankenwagen fahren ab und zu vor, um Alkoholopfer zu versorgen.

Vor dem Rathaus wollte die Stadtverwaltung ähnliche Zustände vor einigen Wochen nicht dulden. Die Polizei kam und führte täglich mehrmals Personenkontrollen durch, sprach Platzverweise aus, Videokameras wurden installiert. Die Störenfriede verschwanden.

Weder Oberbürgermeister, Volksvertreter und Stadtverwaltung noch die örtlichen Medien hielten es in den vergangenen Monaten für nötig, über den Alkoholkonsum auf den Donauwiesen eine öffentliche Diskussion zu führen. Anwohner berichten jetzt in Leserzuschriften, dass ihre Briefe an die Stadtverwaltung unbeantwortet blieben, in denen sie sich über die Zustände an der Donau beklagten.

Nun herrscht nach dem Pro7-Bericht helle Aufregung. Er sei eine unzulässige Manipulation. Die Akteure seien klar instruiert, was sie zu sagen und zu tun hätten. Überhaupt: So ginge es im schönen Ulm nicht zu.

Leider wurde der TV-Bericht , der eine Flut von Stellungsnahmen und Meinungsäußerungen ausgelöst hat, vom Netz genommen. Zur Begründung heißt es: „Taff Ulm D…“ Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Studio71 nicht mehr verfügbar.“

Für die Stadt Ulm gibt es wohl keine Möglichkeit zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche Alkohol konsumieren. Die Ursachen des Alkoholmissbrauchs sind von einer Stadt nicht zu beeinflussen, da sie psychischen, familiären und gesamtgesellschaftlichen Ursprungs sind.

Wenn die Stadt den Kids verbietet, Bier und Schnaps vor dem Rathaus zu saufen und an die Rathauswand zu urinieren, ziehen sie an die Donau. Verjagt man sie dort, tauchen sie wenig später auf anderen Plätzen oder in anderen Parks auf.
Es gäbe aber Wege, um die Probleme mit trinkenden Kindern und Jugendlichen auf der Ulmer Donauwiese zu entschärften und einen Anfang zu machen, sie dauerhaft unter Kontrolle zu bringen:

– Die Polizei muss dort öfter hin – zu Fuß! – und sie muss hinschauen und einschreiten.

– Städtische Sozialarbeiter wurden auf der Donauwiese bisher nicht entdeckt. Warum?

– Es gibt in der Donaustadt (die Leserbriefe in der Tageszeitung und im Jugendforum Team-Ulm beweisen es) viele Jugendliche, denen die Zustände an der Donau ebenfalls missfallen. Aufgabe der Bürgermeisterin Sabine Mayer- Dölle wäre es, einige dieser Jugendlichen zu gewinnen, damit sie nach angemessener Schulung in geeigneter Form an der Betreuung trinkender Jugendlicher mitwirken.

Dies alles kostet Geld. Das Rathaus braucht das Geld für anderes, z.B. für einen Flugwettbewerb in Friedrichshafen, für den Neubau und den Betrieb einer sog. Multifunktionshalle usw. Für die trinkenden Kids ist die Polizei zuständig (die wird nicht von der Stadt Ulm bezahlt).

Ansonsten breitet das Rathaus den Mantel des Schweigens über das Problem des öffentlichen Missbrauchs von Alkohol durch Kinder und Jugendliche. Wenn kein Artikel und Kommentar in der SWP steht und nichts von Medien ins öffentliche Bewusstsein transportiert wird, existiert ein Problem nicht.

Deshalb war es gut, dass ein Privatsender nach Ulm kam und einen TV- Bericht herstellte und ausstrahlte. Die Lokalredakteure der Südwestpresse sollten sich selbstkritisch fragen: Warum haben wir dieses Thema nicht selbst aufgegriffen? Momentan beschränkt sich der zuständige Redakteur Hans-Uli Mayer darauf, das Thema auszuschlachten und Pro7 mangelnde Seriosität vorzuwerfen.Wer selbst schläft oder (viel schlimmer) aus politischen Opportunitätsüberlegungen schweigt, sollte sich zurückhalten, wenn andere etwas unternehmen, auch wenn diese es aus zweifelhaften Motiven und mit fragwürdigen Mitteln tun.

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Hinweis für den Vorstand der Sparkasse Ulm: Dieser Textbeitrag enthält keine Ironie. Dagegen wird der in wenigen Tagen folgende Text „Saufen mit Gönner“ eine Satire.

Alkohol und Kids

21.5.2011