Rivoir organisiert Lachtherapie

 

Immer wieder wird uns vorgeworfen, wir verstünden uns nur aufs Tadeln. Durch diesen Beitrag über den SPD-Landtagsabgeordneten Martin Rivoir wollen wir die Haltlosigkeit solcher Vorwürfe demonstrieren. Der zukünftige SPD-Kreisvorsitzende hat in mancherlei Hinsicht unsere wohlwollendes Urteil verdient. Er bläst sich nicht auf wie ein Pfau. Trägt mit der Offenlegung seiner Einnahmen zur Transparenz bei. Leistet mit seinem Engagement gegen die Studiengebühren im Landtag einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit. In Ulm sorgte er durch einen Antrag ohne demagogische Absichten dafür, dass bald in einer Grundsatzdebatte über Jugendgewalt und Alkoholmissbrauch mit Fachleuten diskutiert werden wird.
Nun glänzt Rivoir mit einer in der Politik völlig neuen Idee : Nach seiner Wahl zum Kreisvorsitzenden will er für alle Ulmer SPD-Mitglieder die Möglichkeit schaffen, an einer Lachtherapie teilzunehmen. Bei einer Vorstandssitzung soll der SPD-Mann erklärt haben, dass der Sozialabbau unter Kanzler Schröders und Arbeitsminister Müntefering nicht nur zum Austritt vieler Parteimitglieder geführt habe, sondern auch zu schweren Identitätskrisen und Depressionen. Deshalb soll in enger Kooperation mit dem Theater Neu Ulm dafür gesorgt werden, dass die Parteimitglieder von ihren Traumata geheilt werden.
Theaterleiter Heinz Koch gilt in Deutschland als führender Experte auf dem Gebiet der Lachtherapie, die er in Anlehnung an die Grundlagenarbeiten des verstorbenen Ulmer Theatermannes Theodor Dentler entwickelt hat. Entspannung, Stärkung des Lebenswillens, Stimulierung der Abwehrkräfte und Befreiung von Ängsten sind die erklärten Ziele einer Lachtherapie.
Rivoir setzt große Hoffnungen in den Theatermann: „2009 sind mehrere Wahlen. Bis dahin muss es uns gelingen, unsere Mitglieder von Ängsten und Schuldgefühlen zu befreien und es ihnen zu ermöglichen, sich in der Öffentlichkeit wieder zur Sozialdemokratie zu bekennen.“

Das Geheimnis des Löwenmenschen

Im Hohlenstein im Lonetal wurden 1939 bei archäologischen Grabungen durch Robert Wetzel zahlreichen Splitter entdeckt, in eine Zigarrenkiste verpackt und nach Tübingen verbracht. Die Kiste lagerte dort fast drei Jahrzehnte unberührt. 1968 setzte Joachim Hahn die 200 Fragmente zusammen. Es entstand eine Statuette: 30 Zentimeter hoch, geschnitzt aus dem Stoßzahn eines Mammuts , sie stellt ein Wesen halb Mensch, halb Tier dar. Die Figur ist 35.000 und 40.000 Jahre alt. Sie erhielt den Namen „Löwenmensch“ und wurde im Ulmer Museum ausgestellt. Nachdem weitere Teile aufgetaucht waren, erfolgte 1982 eine Rekonstruktion durch Elisabeth Schmid, die sich nach getaner Arbeit sicher war: Die Statuette zeigt eine Löwenfrau. Bei jüngsten Grabungen wurden weitere 700 Spitter gefunden. In der Werkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege in Esslingen zerlegten Fachleute den Löwenmenschen erneut in seine 220 Bestandteile und fügten diese mit den 700 neu entdeckten Splittern zusammen. Das Ergebnis ist verblüffend: Die Statuette zeigt kein Mischwesen, sondern einen Menschen.

Hohlensteinhöhle im Lonetal 1

Die Fotos zeigen die Hohlensteinhöhle im Lonetal in der Nähe von Asselfingen

Hohlensteinhöhle im Lonetal

Nun ist die Aufregung in Ulm groß. Am 15. November 2013 soll der „neue Löwenmensch“ von Esslingen wieder nach Ulm kommen. Eine große PR-Aktion ist geplant. 150.000 € Sonderetat hat der stellvertretende Chef des Ulmer Musums Kurt Weinberger zur Verfügung, um etwas ganz Großes auf die Beine zu stellen: Vorträge, Elfenbeinschnitzkurse, Exkursionen zum Hohlenstein. Jill Cook vom British Museum in London wird erwartet. An der Spitze der Bewegung zur Mobilisierung „einer breiten Öffentlichkeit“ steht die Ulmer SPD mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Martin Rivoir. Einen Antrag an Oberbürgermeister Gönner hat er gestellt. Die Rückkehr des Löwenmenschen soll ganz groß inszeniert werden. Wie – das weiss Martin Rivoir noch nicht. Aber eines weiss er: „Nach dieser Veranstaltung muss aller Welt klar sein, dass das älteste Kunstwerk der Welt in Ulm steht.“

Wir vom DF-Stammtisch haben uns auch Gedanken gemacht, wie die Rückkehr unseres Löwenmenschen zu einem von der ganzen Welt beachteten Ereignis gestaltet werden könnte. Im Mittelpunkt der Kampagne – denn nur eine solche kommt in Frage – muss das Geheimnis des Löwenmenschen stehen: Vom Löwenmensch über die Löwenfrau zum Prototyp des Lonetal-Menschen, wie er vor 40.000 Jahren dem Mammut nachstellte. In Esslingen konnten wir heimlich bereits einen Blick auf den „neuen Löwenmenschen“ werfen. Ein befreundeter Künstler fertigte nach unserer Beschreibung ein Kunstwerk, das in der Tradition Andy Warhols steht. Der DF stellt es gerne kostenlos der Stadt Ulm zur Verfügung. Vielleicht wäre dieses Popartwerk das geeignete Medium, um für den 15. November 2013, den großen Tag der Rückkehr des Löwenmenschen zu werben. Irgendwie kommt einem die 40.000 Jahre alte Statuette doch vertraut vor. Finden Sie nicht auch?

Ulmer Löwenmensch

Löwenmenschen – News

1. Das Landesdenkmalamt beschwert sich in einer Presseerklärung, dass auf den Werkstattleiter, der den Löwenmenschen aus 920 Fragmenten rekonstruierte, massiv politischer Druck ausgeübt worden sei. Unter Androhung finanzieller Nachteile für das Denkmalamt habe das Ulmer Rathaus und die SPD-Zentrale in Stuttgart vom Werkstattleiter verlangt, den Kopf des Löwenmenschen so zu gestalten, dass er dem Kopf des Ulmer Oberbürgermeisters Ivo Gönner (SPD) ähnlich sehe.

2. Hans-Uli Thierer, der Lokalchef der SWP, erfuhr von Martin Rivoir (MdL), worum es bei der Rückkehr des Löwenmenschen im November 2013 gehe: „Es geht nicht um ein Spektakel – aber darum, die Rückkehr spektakulär zu präsentieren“. Ob Martin Rivoir wohl zwischen einer seriösen Präsentation und einer niveaulosen Kommerzkampagne unterscheiden kann? / 23.8.13

3. Heute war Martin Rivoir zusammen mit Kultusminister Andreas Storch mit dem Fahrrad im Lonetal unterwegs. Vor dem Hohlenstein (hohl!) gab er eine seiner berühmten Sentenzen von sich: „Authentisch kann man die Kunstobjekte nur dort erleben, wo sie herkommen“. Was heißt das? Kommt der Löwenmensch jetzt wieder dorthin, wo er herkommt – nach Asselfingen? Wird das Ulmer Museum damit einverstanden sein? Vor der Höhle kamen Martin Rivoir noch mehr gute Ideen: ein „nachhaltiges Tourismuskonzept“ mit einer gemeinsamen „Dachmarke“findet er gut. „Dachmarke“ – dieser Terminus technicus war uns bisher gänzlich unbekannt. Der Begriff hat aber nichts mit „Dachschaden“ zu tun – oder? /24.8.13

Der CDU-Kandidat heißt Uli Hoeneß

Die Bombe platzte gestern am späten Nachmittag, als das Triumvirat Herbert Dörfler, Dr. Hans-Walter Roth und Gerd Dusolt gemeinsam vor die Presse trat und mit sichtlichem Stolz verkündete:: „Die Auswahlkommission der CDU ist zu einem einstimmigen Ergebnis gekommen. Bei der OB-Wahl im Dezember werden wir mit einem eigenen Bewerber gegen Gönner antreten. Unser Kandidat ist Uli Hoeneß.“ Der Ulmer Metzgersohn habe keinen Augenblick gezögert, und der Bitte der Ulmer CDU um eine Kandidatur sofort entsprochen. Damit hat das tagelange Tauziehen um die Auswahl eines geeigneten Bewerbers für das Oberbürgermeisteramt ein Ende, in dessen Verlauf viele hochkarätige Namen gehandelt wurden, darunter auch die immer noch rüstigen Ulmer Urgesteine Udo Botzenhardt und Ernst Ludwig. Neben der Tatsache, dass er ein Sohn dieser Stadt ist, qualifiziere Hoeneß sich vor allem durch seinen gewinnenden Charme sowie die oft unter Beweis gestellte Fähigkeit zur parteiübergreifenden Konsensbildung. Hoeneß empfehle sich aber vor allem durch seine überzeugenden Erfolge als Sportler, Unternehmer und Topmanager des deutschen Fussballs.
Mit dieser Entscheidung leite die Ulmer CDU auch einen Generationswechsel ein. Dörfler wörtlich: „Wir geben den Stab an die junge Generation weiter.“ Am frühen Abend hatten die Medienvertreter dann Gelegenheit, ein kurzes Statement des Überraschungskandidaten per Konferenzschaltung aus München zu erleben. Hoeneß verlas eine vorbereitete Erklärung, in der es hieß: “Ich habe mich der Pflicht zum Dienst für das Vaterland nie entzogen, weder als Wehrpflichtiger noch als Fußballnationalspieler. Meine vielfältigen Erfahrungen, die ich als Verantwortlicher des FC Bayern München sammeln konnte, werden mir von unschätzbarem Wert im politischen Amt sein.“ Den Schwerpunkt seiner politischen Arbeit als Stadtoberhaupt sieht Hoeneß in den ersten acht Amtsjahren in einer „konsequenten Kommerzialisierung der Kommunalpolitik“ und der rigorosen Anwendung des Sponsoring-Gedankens. Auf Rückfragen der Journalisten erläuterte er: „Warum soll ein Rathaus nicht den Namen eines fähigen ortsansässigen Unternehmers tragen? Was ist dagegen einzuwenden, dass ein Sozialamt nach dem IHK-Präsidenten benannt wird? Solche Maßnahmen drücken einerseits aus, wieviel Wertschätzung die Stadtgesellschaft ihren Unternehmerpersönlichkeiten entgegenbringt. Andererseits bringt das Geld in die Stadtkasse.“ Der amtierende OB reagierte mit großer Gelassenheit auf die Präsentation des CDU-Kandidaten. Gönner sagte: „Ich habe in sechzehn Jahren politischer Tätigkeit so viel Kubikmeter Wohn- und Geschaftsräume im Ulmer Zentrum bauen lassen, wie kein Oberbürgermeister dieser Stadt vor mir. Diese Positivbilanz wird beim Bürger Anerkennung finden. Egal, wer gegen mich kandidiert.“ Dem Vernehmen nach hat nun auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FWV Helga Malischewski ihren Widerstand gegen einen eigenen Kandidaten bei die Dezemberwahl aufgegeben. Allerdings favorisiert sie ebenfalls einen Sportler; man sei mit Dieter Baumann im Gespräch, hieß es.

/ 10.4.07