Utopia Ulm

Wir platzen vor Stolz. Von Ivo Gönner und diesem Gemeinderat regiert zu werden, das ist ein unbeschreibliches Gefühl. In Ulm herrschen Vernunft, Weisheit und Demokratie. Vor allem Demokratie.

Selbstverständlich kommt es auch hier wie überall in der Welt zu politischen Irrtümern, aber sie werden nicht geleugnet, nicht verborgen, nicht kleingeredet. Fehlentscheidungen werden nicht unwägbaren und unbeeinflussbaren Faktoren zugeschrieben, die Schuld wird nicht anderen in die Schuhe geschoben.

Hier stehen Oberbürgermeister und Räte mutig zu ihren Fehlern, einer schonungslosen Analyse folgt eine konzentrierte Diskussion aller Handlungsoptionen. Kein Ulmer Bürger wird vom Rathaus wie ein unmündiges Kind behandelt, die Politik lässt die Bürger teilhaben, auch an der beständig geübten Selbstkritik.

Der Bürger und die Bürgerin vergelten das ihnen entgegengebrachte Vertrauen und die Achtung, mit der sie behandelt werden, durch Loyalität und den festen Glauben an die Funktionsfähigkeit der repräsentative Demokratie. Der Verein der überzeugten Nichtwähler hat sich in Ulm aufgelöst.

Was? Sie glauben das alles nicht? Dann empfehlen wir Ihnen die Lektüre der Südwest Presse Ulm dieser Tage. Dort steht es schwarz auf weiß. Ivo Gönners Lokalchef Hans-Uli Thierer hat alles für Sie aufgeschrieben:

Matthias Berz verliert seinen Job als Chef der Stadtwerke Ulm.

Ivo Gönner sagte in der letzten Gemeinderatssitzung wörtlich: „Wir haben katastrophale Fehler gemacht in der Energiepolitik. Wir wollten zum großen Stromproduzenten aufsteigen, 20 Prozent eigene Stromproduktion genügte uns nicht. Wir wollten mit EON, RWE, ENBW und Vattenfall in einer Liga spielen, wollten Geld verdienen ohne Ende. Das hat sich gerächt. Berz und der Aufsichtsrat haben die Karre an die Wand gefahren. Wir litten unter Größenwahn“

Dem schloss sich auch Finanzbürgermeister Czisch (CDU) an, der nach eigenem Bekunden als zukünftiger Oberbürgermeister Ulms alles anders machen will.

Reinhold Eichhorn nannte die Energiepolitik seiner Freien Wähler im Ulmer Gemeinderat „unerträglich, unredlich und schädlich“.

Auswege aus der Misere zeigte Dr. Thomas Kienle (CDU) auf: eine rasche Privatisierung der Stadtwerke hielt er für ebenso nützlich wie die Anwendung von Fracking und die weitere Nutzung der Kernenergie.

Martin Rivoir, SPD-Landtagsabgeordneter und zukünftiger Ulmer OB-Kandidat, versprach in der Gemeinderatssitzung, sich über Peter Langer und Günther Oettinger in Brüssel um einen EU-Rettungsschirm für die Stadtwerke Ulm zu bemühen. „Bei der herausragenden Rolle, die Ulm als Hauptstadt der Donauregion in Europa spielt, und den Verdiensten, die sich OB Gönner in der EU erworben hat, wird Brüssel uns ohne jeden Zweifel einen Rettungsschirm für die SWU in angemessener Höhe gewähren“.

65 Millionen

… für die kranken Stadtwerke

Ein bisschen untergegangen ist dieser Tage eine äußerst wichtige Nachricht: die Stadtwerke Ulm brauchen erneut eine Finanzhilfe in Höhe von 20 Millionen Euro. Damit erhöht sich die Summe, die Ulm in fünf Jahren an ihre maroden Stadtwerke bezahlt hat, auf insgesamt 65 Millionen; das „städtische Sparbuch zum Schuldenabbau“ sei damit leer, schreibt die Lokalpresse.

Einträchtig erklären Rathaus und SWP den Bürgern stets, wenn sich das Thema nicht vermeiden lässt, dass der Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie und die Energiewende Ursache der Lage der Ulmer Stadtwerke sei.

Die andere Sichtweise, die gravierende Fehler des SWU-Chefs Berz bei Entscheidungen über große Investition sieht, wird in der Lokalzeitung – ganz im Sinne des Oberbürgermeisters – kaum thematisiert, allenfalls angedeutet.

OB Gönner selbst gibt die Parole aus: möglichst wenig über die Misere reden und schreiben.

Für sein Abwiegeln und Vertuschen findet er – wie immer – passende Worte: „Bitte alles tiefer hängen…die SWU (haben) über Jahre unseren Haushalt gestützt…Es geht um 1000 Mitarbeiter.“
Wer könnte da widersprechen? Jeder, der jetzt noch öffentlich über die Probleme der SWU spricht oder gar sagt, die Stadtwerke stünden vor dem Ruin, ist verantwortlich, wenn das städtische Unternehmen wirklich in Konkurs geht. Wer möchte schon 1000 Arbeitsplätze vernichten?

Also bleibt nur schweigen?

Nein! Machen Sie sich keine Sorgen, verehrte Leser! Sie sind nicht verantwortlich für die Fehler des SWU-Chefs Matthias Berz und des Aufsichtsratsvorsitzenden Ivo Gönner. Sie dürfen über die Katastrophe der Stadtwerke Ulm offen sprechen.

Manchmal soll rechtzeitiges Reden über Probleme ja sogar verhindern, dass diese noch größer werden.

Das Sedelhofspiel

Die Sedelhöfe – ein Spiel für die ganze Familie

Die Sedelhöfe sollten eine einzigartige Shopping-Mall werden, die Ulm einen Haufen Geld einbringt. So planten es Oberbürgermeister Gönner, BM Wetzig und BM Czisch.

Alle Grundstücke auf dem Gelände waren in Rekordzeit von der Stadt aufgekauft, sämtliche Gebäude ruck, zuck abgerissen, in Windeseile die holländische Rabo-Bank als Investor gefunden, schnell noch eine öffentliche Straße in den Kaufvertrag aufgenommen und die Zusage gemacht, dass die Besucherströme durch städtische Planung in die Sedelhöfe geleitet werden, eben noch kurz der Gemeinderat informiert und dann – ja, dann hätte eigentlich der Vertrag unterzeichnet und mit dem Bau begonnen werden sollen. Denn bereits in gut einem Jahr, 2016, sollte die Eröffnung sein.

Und jetzt? Stillstand. Der Investor ist abgesprungen. Kein neuer in Sicht. Wer will heute auch noch in Shoppingmalls investieren? Zu wenig Rendite, keine Zukunft. Was tun, wenn sie mitten in der Stadt eine große plane Fläche fabriziert haben und diese nicht sinnvoll nutzen können? Wenn sie 35 Millionen in eine Luftnummer investiert haben? Alles abschreiben? Nein, Sie müssen sich vergegenwärtigen, dass auch aus Niederlagen, Fehlplanungen und Irrtümern Kapital geschlagen werden kann!

Ein kleiner Artikel, der bereits 2013 in „Der Postillon“ erschienen ist, weist den Weg

Lego startet neue Serie „Gescheiterte deutsche Großprojekte“

„ Billund/Dänemark (dpo) – Der Spielzeughersteller Lego beweist wieder einmal, dass er auf der Höhe der Zeit ist. Heute stellte das dänische Unternehmen eine speziell auf den deutschen Markt zugeschnittene neue Serie vor. Unter dem Titel „Gescheiterte deutsche Großprojekte“ können bald auch Kinder vergeblich versuchen, den Berliner Großflughafen BER, den unterirdischen Bahnhof Stuttgart21 sowie die Hamburger Elbphilharmonie zu bauen.

Jørgen Vig Knudstorp, der Geschäftsführer des Traditionsunternehmens, erklärte bei der Präsentation: „Wir haben uns alle Mühe gegeben, das Erlebnis so realistisch und damit so frustrierend wie möglich zu gestalten. Unser Ziel ist es, dass sich Kinder keine Illusionen machen, was Großbauprojekte in Deutschland angeht.“
Mit je 69,99 Euro Grundpreis sind die Basissets BER, S21 und die Elbphilharmonie zwar kostspielig, aber erschwinglich. Beim Aufbau stellt sich allerdings schnell heraus, dass die sonst bei Lego sehr übersichtlich gehaltenen Baupläne völlig unbrauchbar sind. Viele Arbeitsschritte sind vollkommen undurchführbar, immer wieder muss von vorne begonnen werden und nicht zuletzt fehlen wichtige Bauteile.

Zusätzlich zu den drei Grundboxen will Lego vierteljährlich Erweiterungsboxen (je 29,99 Euro) herausbringen, die Eltern ihrem Nachwuchs schon allein deswegen kaufen werden, damit die Anfangsinvestition nicht vergeblich war. Doch obwohl die Erweiterungssets vielversprechend aussehen, lassen sie das Chaos durch zahlreiche Bauplanänderungen und weitere unpassende Teile nur noch größer werden.

Dabei hat der Spielwarenhersteller selbst auf kleinste Details geachtet: So sind sämtliche Lego-Bauarbeiter mit zwei linken Händen ausgestattet, beim Flughafen BER sind allein vier Erweiterungsboxen für den Brandschutz nötig und Stuttgart21 wird mit zahlreichen Demonstranten geliefert, die den Bau immer wieder empfindlich stören.
Kurz nach Bekanntwerden der neuen Serie schnellten die Aktienkurse von Lego in die Höhe. Börsenexperten vermuten, dass sie dem Spielwarenhersteller bis mindestens 2063 satte Gewinne einbringen wird.“

So weit also „Der Postillon“. Aber was hat das Ulmer Projekt Sedelhöfe mit den beliebten Legospielsteinen zu tun?

Das Sedelhofspiel

Der Ulmer Finanzbürgermeister sollte schnellstens damit beauftragt werden, zu Lego, Legoland bei Günzburg und zu Ravensburger Spiele einen Kontakt herzustellen, um diesen Firmen einen attraktiven Vorschlag zu unterbreiten:

Ihr Unternehmen erhält vom Ulmer Rathaus alle Rechte und Informationen, um aus dem gescheiterten Sedelhofprojekt ein Spiel für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu machen. Für die Älteren denken wir an ein Strategiespiel: „Bürgermeister und Investor“ oder: „Wie stelle ich den Gemeinderat kalt“; für die Kleineren käme ein Spiel in Frage, das in kindgerechter Weise auf die Bürgerbeteiligung vorbereitet, die in Ulm heute bereits eine zentrale Rolle spielt. Wir denken beispielsweise daran, dass auf einem Areal im Legoland Kinder mit vorgefertigten Bausteinen gemeinsam mit Ihren Eltern gestalten lernen: „Wir bauen uns einen Sedelhof“.

Gewiss werden die kreativen Geister der Spielwarenindustrie ganz formidable Ideen hervorbringen. Die Stadt Ulm könnte mit etwas Glück durch eine vertraglich garantierte Umsatzbeteiligung aus einer kommunalpolitischen Katastrophe eine sprudelnden Geldquelle machen.

Komiker ohne Publikum

Wenn 2015 Ivo Gönners dritte Amtszeit in Ulm endet, liegen 24 Jahre als Stadtoberhaupt hinter dem gebürtigen Laupheimer, Nach eigenem Bekunden strebte Gönner vor allem aus zwei Gründen ins Amt des Oberbürgermeisters: er folgte dem Wunsch der Mutter und dem Vorbild des Großvaters Franz Konrad, der vor 90 Jahren Bürgermeister von Laupheim und ab 1934 OB von Schwäbisch Gmünd gewesen ist.

Bei unparteiischer und nüchterner Betrachtung fällt das Urteil über Gönners kommunalpolitisches Wirken nicht gut aus. Ulm wird Jahre nach Gönners Abschied in den Ruhestand noch einige Rechnungen serviert bekommen, an die heute keiner denkt. Warum aber konnte sich ein erfolgloser Kommunalpolitiker so lange an der Macht halten? Das hat mehrere Gründe.

Gönner hat seine positiven Seiten. Er ist umgänglich, patent, jovial, tolerant, letzteres aber nur in gewisser Hinsicht, im Gegensatz zu zwei seiner Vorgänger nicht arrogant und immer zu einem Späßchen aufgelegt, ein humorvoller Zeitgenosse, der in jeder Situation einen passenden Scherz, eine flapsige Bemerkung oder einen guten Witz parat hat.

Veröffentlicht die Lokalzeitung ein Foto des Oberbürgermeisters bei einer Ausstellungseröffnung, dem Besuch eines Unternehmens, dem Jubiläum eines Vereins sieht man Herrn Gönner meist mit verschmitztem Lächeln, die Umstehenden mit einem Lachen im Gesicht; wieder einmal hat er es geschafft, ausgelassene Heiterkeit zu verbreiten.

Diese Eigenschaft macht Herrn Gönner bei vielen Ulmern beliebt und lässt seine Erfolglosigkeit vergessen. Wenn man so will, sind Gönners Sinn für Humor und Witz die Grundlage seiner Macht.

Neuerdings gibt es beängstigende Anzeichen, dass Gönners Potenz als Ulmer Chefkomiker im Schwinden begriffen ist. Bei einem Gespräch mit Bürgern in Mähringen ging die „Ein-Mann-Show“ mit „slapstickartig(en)“ Versuchen, die Atmosphäre aufzulockern (Lokalzeitung vom 18.10.2014), voll in die Hose. Stirnrunzelnd saßen die Bürger vor ihrem Possen reißenden OB, kein Lächeln vermochte der Spaßvogel Gönner ihnen zu entlocken.

Ist das der Anfang vom Ende?

Wir vom DF finden, dass es Ivo Gönner erspart bleiben sollte, am Ende seiner 24jährigen Amtszeit als verbitterter Komiker zu enden. Eisiges Schweigen oder verständnisloses Glotzen des Publikums hat unser OB nicht verdient.

Deshalb schlagen wir Folgendes vor:

Alle städtischen Mitarbeiter sowie Mitglieder des Ulmer Gemeinderates werden diskret angewiesen, jede in humorvoller Absicht geäußerte Bemerkung des OB Gönner mit einem herzhaften Lachen zu beantworten.

Zu allen Bürgerversammlungen werden zukünftig Gemeinderäte und Verwaltungsangestellte entsandt, die durch ihre Reaktionen den anwesenden Bürgern signalisieren, dass OB Gönner einen Scherz gemacht hat und dieser dementsprechend honoriert zu werden verdient.

Die Anzahl der Besuche des Oberbürgermeisters in Seniorenstiften werden erhöht. Die hier lebenden Menschen stellen aufgrund ihrer Wohlerzogenheit und Vergesslichkeit ein Publikum dar, das einen ganz besonderen Beitrag zur Stärkung des Selbstwertgefühls unseres Oberbürgermeisters zu leisten vermag. Hier ist der Ort, wo selbst Witze mit einem langen Bart immer wieder mit großem Erfolg erzählt werden können.

Auch alle 28.457 Ulmer, die bei der letzten OB-Wahl 2007 Ivo Gönner gewählt haben, und alle 54.645, die ihn nicht gewählt haben, fordert der Stammtisch vom DF auf:

Unterstützen Sie unseren OB, dass er den Glauben an seine humoristische Kraft nicht verliert, vielleicht durch eine Einladungen an Herrn Gönner in Ihr Viertel, verbunden mit der Bitte, dort durch seine außergewöhnlich humoristische Ader zu Frohsinn und Hochstimmung der Bevölkerung beizutragen. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt!

Es wäre mit Sicherheit nicht gut, wenn ein frustrierter Zyniker auf dem Chefsessel im Rathaus säße. Eine heikle Situation erfordert besondere Maßnahmen. Mit unseren Vorschlägen hoffen wir, zum Wohl der Stadt Ulm beigetragen zu haben.

Sigi, wir danken Dir!

oder: Irren ist menschlich
Endlich spricht es einer aus. Das Sedelhofkonzept einer Shoppingmall von Ivo Gönner, Alexander Wetzig und Gunter Czisch ist tot.

Der Investor MAB ist abgesprungen Die Planungen des zeitlichen Ablaufs einer Neubebauung liegen im Papierkorb. Die Einsicht reift, dass ein neues Einkaufsviertel am Hauptbahnhof nicht genügend Erträge erwirtschaften und ortsansässigem Handel einen ruinösen Wettbewerb bescheren wird.

Da sagt Siegfried Keppler, CDU-Gemeinderat in Ulm: „Dieses Konzept ist tot“. Und er macht Vorschläge, die aufhorchen lassen: einen Park wie am Karlsplatz, kann er sich vorstellen, Wohnungen, kleine Läden, Grünflächen.

Bravo, Sigi! Ein Alter, der so vorprescht; da könnten sich die anderen Trantüten im Gemeinderat eine Scheibe davon abschneiden.

Gewiss, Siegfried Kepplers Einsicht kommt spät, und während der Beratungen im Rathaus über den Sedelhof hat er sich nicht durch eine kritische Haltung hervorgetan. Aber besser man erkennt Fehler spät als nie. Ganz mies: man erkennt sie zwar (Gönner, Wetzig, Czisch), würde aber niemals zugeben, dass man einen schlimmen Fehler gemacht hat.

Ja, wir sollten Sigi Dank sagen, weil er furchtlos eingesteht, dass die politisch Verantwortlichen Ulms geirrt haben. Vielleicht bringt solchen Mut erst einer auf, der jenseits des 80. Lebensjahres nichts mehr zu verlieren hat. Wir sollten Keppler auch dafür danken, dass er einen Plan ins Gespräch bringt, der keine Rendite erwarten lässt, dafür aber den Menschen mehr Lebensqualität verspricht.

Unserem Lokalchef Thierer von der Südwest Presse fällt zu Kepplers Vorstoß nur ein, dass er sein Handeln nicht mit anderen Fraktionsmitgliedern („Solotänzer“) abgestimmt habe und das Bemühen von MAB und Ulm um einen neuen Investor konterkariert werde. Erbärmliche Argumente!

Am Ulmer Ratstisch sitzen in der Regel neben unseren drei Alleskönnern 40 Mutlose und Angsthasen. Die widersprechen nicht, die kritisieren nicht, die sind immer höflich zueinander und wollen nicht auffallen. Sie wollen nur in der Zeitung stehen, gelungene und beachtete Reden im Rat halten und wichtig sein. In einem Klima, in dem kritische Geister per se als arrogante Nestbeschmutzer gelten und Gemeinderäte unfähig sind, Bürgerinteressen zu artikulieren und zu vertreten, können wir noch viele Kepplers brauchen, auch wenn diese bisweilen andere Dinge tun, die uns befremden.

Ein Vorschlag zum Abschluss: das Flüsschen Blau wurde aus seinem ursprünglichen Flussbett am Sedelhof mit viel Geld verlegt. Jetzt könnten die Verantwortlichen diese Verlegung doch wieder rückgängig machen. Ein kleiner Sedelhofpark mit Fluss, erlebbarem Ufer, Sitzstufen aus Holz – das wäre doch was! Die Sanierung des Ulmer Hauptbahnhofes wäre dadurch nicht beeinträchtigt, denn die wurde ja von der Deutschen Bahn auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben.

Naiver Schöngeist

Vor dem Eröffnungskonzert vom Musikfest Stuttgart am 30.8.2014 (Haydns „Schöpfung“) hielt Günther Oettinger eine Eröffnungsrede, die missglückte und das Publikum provozierte. (Wer erwartet von Herrn Oettinger anderes?) Dieser Vorfall ist heute Gegenstand der Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung und der Südwest Presse.

Wir fragen uns: Muss ein kultivierter und wohlerzogener Mensch schweigen, wenn ein Politiker wie Günther Oettinger in einer Rede bei einem Musikfest Unsinn redet und provoziert?

Herr Jürgen Kanold, Kulturchef der Südwest Presse Ulm, hält schweigen für richtig. Ganz anders und differenzierter Susanne Benda von der Stuttgarter Zeitung.

Wir meinen: Naive Schöngeister richten durch„vornehme“ Zurückhaltung oft größeren Schaden an als Menschen, die rechtzeitig aufbegehren. Das lehrt uns die Geschichte an zahllosen Beispielen.

Stuttgarter Zeitung 1.9.2014

Noch bevor beim großen Eröffnungskonzert des Musikfests am Abend der erste Ton erklingt, erhebt sich im Beethovensaal lauter Protest. „Aufhören!“, hört man,und„Schluss jetzt!“. Günther Oettinger, vom unerwarteten Gegenwind des Publikums aus der Bahn geworfen, bringt seine Festrede zu einem raschen Ende, sitzt den ersten Teil des Konzertes ab und wird im zweiten von niemandem mehr gesehen.
Tatsächlich hat der EU-Energiekommissar dem Publikum am Samstagabend nicht etwa die angekündigten Gedanken zum Festivalmotto „Herkunft“ vorgetragen, sondern zum aktuellen politischen Geschehen Stellung bezogen.Manches von dem, was er etwa zum Ukraine-Konflikt sagt, ist richtig, aber wer hier Parallelen zum Hitler-Stalin-Pakt zieht, wer pauschal von „dem Polen“, „dem Russen“ und „dem Litauer“ spricht und wer in der Heimat von Mercedes verkündet, man müsse ja nicht immer nur daran denken, die S-Klasse nach Moskau zu exportieren, der darf sich nicht wundern,wenn anderen das nicht gefällt.
Autorin: Susanne Benda

Südwest Presse 1.9.2014

Günther Oettinger war eingeladen, zur Eröffnung des Musikfests Stuttgart seine „Gedanken“ über das Festival-Motto „Herkunft“ vorzutragen. Aber dann wurde der 60-Jährige am Samstagabend in der Liederhalle mit „Aufhören!“-Rufen und anhaltend lautem Klatschen regelrecht zum Schweigen gebracht. Peinlich. Ein Eklat. Aber warum nur?
Oettingers lokalpatriotischen Superlativ „Stuttgart ist die deutsche Musikstadt“ nahm das Publikum gerne an. Auch dessen Seitenhieb auf die Sparpläne der grün-roten Landesregierung, die bei den Musikhochschulen Studienplätze für Ausländer abbauen will: „Wer Autos baut, tut gut daran, auch Kultur zu exportieren.“

Doch dann holte Oettinger unpassend zum außenpolitisch-moralischen Rundumschlag aus: für mehr deutsches Engagement in den Krisenherden dieser Welt. Als er indirekt brandmarkte, die „S-Klasse nach Moskau zu exportieren“, ertönten „Aufhören!“-Rufe. Oettinger aber redete und redete, und ein Teil des Publikums machte seinem zunehmenden Unmut dadurch Luft, dass es den CDU-Politiker durch anhaltendes Applaudieren störte. Oettinger ging darauf nicht ein, kam aber zum Schluss, hörte sich den ersten Teil der „Schöpfung“ an und war nach der Pause weg. Er musste irgendwie die Veranstaltung verwechselt haben. Erschreckend aber auch, wie unhöflich bis intolerant viele Zuhörer reagierten.
Autor: Jürgen Kanold

Dr. Pinsler wohnt bescheiden

Vor kurzem konnte Dr. Frank Pinsler ein neues Reiheneckhaus im Türmle beziehen.

Erdgeschoss, Obergeschoss, Flachdach, weiße Fassade.große Fenster und Balkontüren. Drum herum den größten Garten aller benachbarten Häuser, an der Grundstücksgrenze ein Baum, der in wenigen Jahren Schatten spendet, wenn der Bewohner und seine Gefährtin an einem heißen Sommernachmittag auf der Terrasse sitzen. Von den Häusern, die hier stehen , liegt das Reiheneckhaus Dr. Pinslers am ruhigsten. Kein Durchgangsverkehr, in akzeptablem Abstand Familien mit Kindern.

Dr. Pinsler wohnt zur Miete.

Eigentümer aller neuen Häuser hier im Türmle ist die Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS). Sie ließ in diesem Wohnviertel Häuser abreißen. Die Sanierung sei zu teuer, hieß es. Ehemalige Mieter, die z.T. Jahrzehnte hier gelebt hatten, mussten das Viertel verlassen. Die neuen Mieten sind für sie unbezahlbar.

Dr. Pinsler arbeitet bei der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS). Er ist dort Geschäftsführer.

Das ist auch der Grund dafür, dass bei uns im DF die letzten Wochen Beschwerden eingingen. Vetterleswirtschaft, hieß es in verärgerten Äußerungen. Korruption, ein Angestellter eines städtischen Unternehmens (auch noch dessen Chef) verschaffe sich Vorteile mit Hilfe dieses Unternehmens .

Wir verstehen die ganze Aufregung nicht.

Sicher ließ sich Dr. Pinsler auf eine Liste aller Mietinteressenten setzen und kam ganz ordnungsgemäß als sechster von sechs Bewerbern zum Zug. Dass die Häuser für Familien mit Kindern gedacht sind und Herr Dr. Pinsler einen Mietvertrag erhielt, kann ihm niemand vorwerfen. Es haben sich eben zu wenige Familien mit Kindern beworben.

Außerdem sollten wir endlich aufhören mit diesem krankhaften Streben, alle Menschen gleich behandeln zu wollen. Tüchtige Mitarbeiter unseres Oberbürgermeisters Gönner haben es verdient, in den Genuss gewisser Vorteile zu kommen.( es wäre auch recht und billig, wenn Herr Dr. Pinsler sich nun seinerseits bei jenen Personen erkenntlich zeigen würde, die daran mitgewirkt haben, dass er im Sommer 2014 ein Haus der UWS beziehen konnte).

Wie heißt es so schön auf der Internetseite der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft?

„Hier finde ich mein Zuhause…Soziale Verantwortung – das ist uns nicht nur eine angemessene und bezahlbare Miete“.

Herr Dr. Pinsler hat zu einer angemessenen und bezahlbaren Miete ein Zuhause gefunden – ein bescheidenes Zuhauses, wie wir vom DF meinen. Da sollten wir mit unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft doch zufrieden sein und nicht gleich wieder neidvoll die kameradschaftliche Ulmer Atmosphäre vergiften.

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Das Foto zeigt Herrn Dr. Pinsler, die Stadträtin Malischewski und OB Gönner beim Spatenstich am Türmle. Gemeinsam arbeiten sie daran, dass für Herrn Dr. Frank Pinsler ein preiswertes Reiheneckhaus entstehen kann.

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Ein „Kommando Ulmer Vetterleswirtschaft“ will jetzt überall im Türmle böswillig verunstaltete Plakate der Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (UWS) aufhängen. Wir vom DF missbilligen dies und verlangen vom Ordnungsamt der Stadt Ulm, dass unverzüglich gegen die Provokateure eingeschritten wird.

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Beiträge zur UWS

Ulms wundervolle Stadtsanierung (UWS) / 11.9.2011

UWS – Spekulationsgeschäfte – Ulm verliert Millionen /9.4.2008

UWS – Spekulationsgeschäfte / 21.11.09

UWS – Spekulationsgeschäfte 2 / 5.8.2010

Streng geheim oder: Wie Ivo Gönner die Deutsche Bank besiegte / 24.5.2012