Armer Ivo

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mit den gewählten Gemeinderäten hatte Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner leichtes Spiel:

eine Drohung mit möglichen Kosten eines Ausstiegs aus dem Projekt Sedelhöfe (8 Mio €);

ein Hinweis, dass die Stadt durch ein Scheitern der Einkaufsgalerie einen Gesichtsverlust erleide;

eine kurze Erinnerung an bereits verschwendetes städtisches Geld (5 Mio € für McDonalds, 0,6 Mio € für Sport Sohn ), an die Kosten für den Aufkauf etlicher Immobilien (30 Mio €) und deren Abriss (mehrere Millionen Euro) und an die Einebnung eines einträglichen städtischen Parkhauses in noch gutem Zustand (ca. 6 Mio €);

schließlich die nächste Drohung, dass nach Abriss aller Gebäude und einem Ausstieg aus dem Projekt über Jahre Stillstand herrsche.

Das genügte, um die Angsthasen, die sich Räte nennen, zum Schweigen und zur Unterordnung zu bringen.

Eine Bürgerinitiative, die den Entscheidungsprozess über die Sedelhöfe in städtischen Gremien für undemokratisch und rechtswidrig hielt, wurde mit Nichtbeachtung gestraft oder denunziert.

Nicht so leicht geben sich Ulmer Handelshäuser geschlagen. Reischmann, Werdich, Sport Sohn, Peek & Cloppenburg, Galeria Kaufhof, Abt und Ratter haben mit Unterstützung der IHK zum Angriff auf Gönners Sedelhofgalerie geblasen. Dem Ulmer Sonnenkönig sind Fehler unterlaufen, die Umsätze und Profit etablierter Geschäfte bedrohen. Jetzt ist der Teufel los.

Ein Fehler Ivo Gönners war es zu glauben, er könne ungestraft Märchen erzählen. Gestützt auf veraltete Untersuchungen wollte Gönner allen den Bären aufzubinden, dass eine neues Einkaufscenter beim Hauptbahnhof zusätzliche Kundenströme aus dem Umland in die Donaustadt lenke und beim etablierten Handel keine Umsatzeinbrüche verursache. (Hat ihm diesen Unsinn außer Christoph Holbein von der Firma Sport Sohn wirklich jemand abgenommen?)

Ein weiterer Fehler Gönners: Um den Investor MAB zu ködern und bei der Stange zu halten, sagte der Ulmer OB zu, den Strom der Konsumenten in die Sedelhofgalerie zu lenken. Das war ein entscheidender Fehler. Der empörte Ulmer Handel forderte eine veränderte Planung. Gönner wies mit Unterstützung seiner willfährigen Gefolgsleute im Gemeinderat dieses Verlangen als undurchführbar zurück. Jetzt stellten sich die einflussreichen Geschäftsleute quer. Sie beauftragten Professor Arnd Jenne von der Hochscule Ostfalia mit einem Gutachten. Am 17.6. stellte der Professor die Ergebnisse seiner empirischen Untersuchungen vor: der bestehende Handel in Nähe zum Ulmer Hauptbahnhof (ja sogar bis zum Münster) wird mit beachtlichen Kundenfrequenz-Verlusten (von bis zu 33 %) rechnen müssen, wenn die Sedelhöfe ihre Pforten öffnen.

Und jetzt? Wird Ivo Gönner auf Änderungen bei den Planungen des Investors MAB drängen? Kaum.
Wird MAB, eine Firma deren Abwicklung unmittelbar bevorsteht, in dieser Situation ein solches Projekt fortsetzen? Ungewiss.
Gut für Gönner, dass die Angsthasen vom Gemeinderat eben ihre Wahl hinter sich gebracht haben. Deshalb werden sie stillhalten und nicht aufmucken.
Eines aber ist ziemlich sicher: Gönner hat mit dem Sedelhofprojekt einen ruinösen Wettbewerb in Gang gesetzt. Sein Bestreben, die Gewerbesteuereinnahmen Ulms unter allen Umständen zu erhöhen, wird wohl ohne Erfolg bleiben. So viel Mühe und das Ende? Zurück bleiben viele, die sich hintergangen und getäuscht fühlen. Eine vergiftete Atmosphäre. Armer Ivo! Dabei hast Du doch alles nur gut gemeint.

Advertisements

Lächeln in Novi Sad

Als wir das Foto in unserer Lieblingszeitung am Morgen entdeckten, waren wir entsetzt: Unserem Oberbürgermeister Ivo Gönner wurde offensichtlich die ihm gebührenden Achtung vorenthalten.

Das Foto, das uns so großen Verdruss bereitete, zeigt in der Bildmitte eine Büste von Mileva Maric, der ersten Frau Albert Einsteins.

Rechts davon stehen der Rektor der Universität Novi Sad und seine Stellvertreterin, zwei schlanke, kleine Menschen, die mit freundlichem und lebhaftem Blick in die Kamera lächeln. Ihre Zierlichkeit ließe es jederzeit zu, dass sich nochmals zwei ähnlich gebaute Personen zu ihnen gesellten und auf dem Foto locker Platz fänden.

Ganz anders die Situation links von der Steinplastik der bekannten Dame.

Hier dominiert ein Herr im blauen Jackett, mit blauem Hemd und blauer Krawatte. Seine Leibesfülle lässt keinen Raum für weitere Personen neben ihm. Der obere Knopf seines Jacketts droht augenblicklich unter der Wirkung der ungeheuren Kräfte seines eingezwängten Körpers abgerissen und weg geschleudert zu werden. Sein Lächeln ist nicht besänftigend und gütig wie das der anderen; sein Lächeln macht Angst.

Hinter dem Menschen mit dem mächtigen Leib zeigt sich der kleine Kopf unseres Stadtoberhauptes Gönner, ebenfalls in die Kamera lächelnd. Es ist ein verzweifeltes Lächeln, das seine Gedanken offenbart: Wie soll ich bloß auf das Foto kommen, wenn dieser Koloss mir nicht mal Platz zum Atmen lässt?

Wie kann man nur so respektlos sein und den wichtigsten Mann zu einer Randfigur degradieren? Wer trägt die Verantwortung? In Ulm wäre so etwas nicht passiert. Hier gilt das ungeschriebene Gesetz: In der Bildmitte steht immer Ivo Gönner.

Eine intensivere Betrachtung des Fotos führte sodann zu einer weiteren Erkenntnis: Das blaue Ungetüm ist nicht der gealterte und bärtige Meister Proper, sondern Peter Langer, der Donaubeauftragte, Ulms Mann in Brüssel. Fast hätten wir ihn nicht wiedererkannt.

Trotz Verärgerung über die schlechte Behandlung unseres OBs rätselten wir vom Stammtisch noch lange über eine zentrale politische Gegenwartsfrage: Ist mächtige Leibesfülle für Politiker in der Mediengesellschaft, in der man gerne übersehen wird, genauso wichtig wie früher das vielzitierte Rückgrat?

– – – – –

Wir haben bewusst darauf verzichtet, das Foto hier wiederzugeben. Wenn Sie unbedingt sehen wollen, wie schlecht unser OB Gönner behandelt wurde, schauen Sie in der Online-Ausgabe der SWP nach. Vom Kauf eines Exemplars dieser Zeitung raten wir ab. Sie ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde.

24.11.2012

VKU-Präsident Ivo Gönner

 

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt die Interessen von Betrieben, die sich im Besitz von Gemeinden befinden; 1400 Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung, der Abfallwirtschaft und der Stadtreinigung sind Mitglied.

In Berlin befindet sich die Zentrale, in Brüssel ein Büro, in den Bundesländern sind Geschäftsstellen. Der VKU will für Erfahrungsaustausch kommunaler Unternehmen untereinander sorgen („Benchmarking“) und auf die politische Willensbildung und die Gesetzgebung Einfluss nehmen (Lobbyismus).

Die Werte und weitgesteckten Ziele der Mitgliedsunternehmen beschreibt der VKU mit den Worten:

„Kommunale Unternehmen verfolgen primär keine privatwirtschaftlichen Zwecke, sondern sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie dienen …den Bedürfnissen der örtlichen Gemeinschaft. Sie bilden und sichern ein gemeinschaftlich orientiertes Vermögen.“

Und weiter:

„Bei kommunalen Unternehmen steht Verantwortung für die Region eben nicht nur auf dem Papier, sondern wird täglich mit Leben erfüllt…Kommunalwirtschaftliche Unternehmen…orientieren sich nicht am größtmöglichen Profit, sondern am öffentlichen Wohl.“

Da der Präsident des VKU Stephan Weil (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Hannover, demnächst aus seinem Amt ausscheidet, erlaubte sich der Stammtisch des Gasthauses Donaufisch den bekannten und beliebten Oberbürgermeister Ulms Ivo Gönner für die Nachfolge vorzuschlagen.

Die Anregung dazu erhielten wir vom Chef der SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm, Matthias Berz, der im Vorstand und im Präsidium des VKU sitzt (Über die gemeinsame Teilnahme an internationalen Golfturnieren ist er mit dem DF-Wirt Quasselstrippe bekannt).

Den schriftlich beim VKU vorgetragenen Argumenten Quasselstrippes für die Wahl Ivo Gönners zum neuen Präsidenten kann sich am 10.Oktober, dem Tag der Entscheidung, wohl keiner der 55 Herren des Vorstandes entziehen:

Nur wenige Kommunalpolitiker, die noch im Amt sind, verfügen über so reichhaltige Erfahrungen mit Spekulationsgeschäften wie der Ulmer OB Ivo Gönner.

Er sorgte 2003 dafür, dass das Kanalnetz an die amerikanische Bank Pittsburgh National Corporation (PNC) verleast wurde, was der Stadt bis heute einen Verlust in Millionenhöhe und einen Mangel an Verfügungsgewalt über das Kanalnetz eingetragen hat (Cross Border Leasing)

Als Aufsichtsratsvorsitzender ließ unser OB Gönner zu, dass sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft UWS 2005 auf ein Zins-Wettgeschäft mit der Deutschen Bank einließ (Spread-Ladder-Swap) und dabei nur knapp ebenfalls einem Millionenverlust entging.

Der Ulmer OB Gönner weiß neuerdings, wie schädlich langfristig der Versuch ist. in städtischen Betrieben durch Outsourcing Geld einzusparen.

2006 wurde die Firma Schwaben Mobil gegründet. Zur Hälfte gehört sie den Stadtwerken Ulm-Verkehr. Schwaben Mobil ist in Neu-Ulm ansässig, also in Bayern. Seit 2006 werden Busfahrer nur noch von dieser Firma eingestellt, arbeiten aber in Ulm (Baden-Württemberg) für die SWU. Für dieselbe Arbeit erhalten die Fahrer weniger Lohn(nach bayerischem Tarifvertrag) als ihre Kollegen, die schon vor 2006 bei den SWU gearbeitet haben. Wegen der unterschiedlichen Bezahlung für die gleiche Arbeit kommt es jetzt zu Streiks.

Ein Oberbürgermeister wie Ivo Gönner ist durch seine vielfältigen Erfahrungen von unschätzbarem Wert für den Verband kommunaler Unternehmen. Wer könnte kommunale Unternehmen aus ganz Deutschland glaubwürdiger vor den Gefahren eines entfesselten Kapitalismus warnen und ihnen die verhängnisvollen Fehler ersparen, die anderswo gemacht wurden?

Deshalb bitten wir vom Stammtisch des Gasthauses DF den Vorstand des VKU eindringlich:

Wählen Sie Ivo Gönner in Ihrer Sitzung von 9./10.Oktober 2012 zur Ihrem neuen Präsidenten. Wie kein anderer verkörpert unser geläuterter Ivo Gönner Verantwortung für die Region, Sicherung gemeinschaftlich orientierten Vermögens sowie das Prinzip der Non-Profit-Orientierung, Werte also, die sich der VKU aufs Banner geschrieben hat.

Nachtrag:

Unser Stammtischbruder Nimrod, der alte Nörgler, ist selbstverständlich wieder ganz anderer Meinung. Er denkt, dass sich der VKU mit einem Präsidenten Ivo Gönner einen Bärendienst erweist und den Bock zum Gärtner macht.

Allerdings findet er die Vorstellung sehr reizvoll, dass der Ulmer OB viel Zeit außerhalb Ulms verbringen wird. Neuerdings möchte er Ivo Gönner sogar bei anderen Organisationen als Führungspersönlichkeit mit hervorragender Eignung ins Gespräch zu bringen:

Gesellschaft spekulierender Bürgermeister ( GSB )
Verein für Scheinpartizipation der Bürger ( VSP )
Bundesverband für Outsourcing in kommunalen Betrieben ( OKB )
Liga der Schwörmontagsfreunde ( LSF )
Schönredner e.V. /Verein zur positiven Darstellung der Realität

Was Nimrod mit seinen absurden Plänen bloß im Schilde führt?

13.9.2012

König Ivos neue Kleider


Vor vielen Jahren lebte König Ivo, der Gönner, in Ulm. Er hielt so ungeheuer viel auf neue Kleider, dass er all sein Geld dafür ausgab, um recht geputzt zu sein. Ivo kümmerte sich nicht ums Theater, denn Kunst interessierte ihn nicht. Ivo kümmerte sich nicht um städtische Schwimmbäder, denn er hasste sie schon seit seiner Kindheit. König Ivo liebte es auch nicht, in den Wald zu fahren, außer um seine neuen Kleider zu zeigen. Er hatte einen Rock für jeden politischen Anlass. Immer wählte König Ivo die passende Garderobe aus. Ganz egal ob er auf einer Versammlung von Entlassung bedrohter Iveco-Mitarbeiter im Donautal oder einer Veranstaltung gegen Neonazis auf dem Münsterplatz teilnahm.

In der großen Stadt, in der er wohnte, ging es sehr munter her. An jedem Tag kamen viele Fremde an, und eines Tages kamen auch zwei Betrüger, die gaben sich für Weber aus und sagten, dass sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, sollten zwei wunderbare Eigenschaft besitzen: Jeder, der sie trüge, gelte als über alle Maßen klug in wirtschaftlichen Angelegenheiten, und sie seien für jeden Menschen unsichtbar, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.

Das wären ja prächtige Kleider, dachte König Ivo, der Gönner; wenn ich solche hätte, wäre jedermann von meinem wirtschaftlichen Sachverstand überzeugt und ich könnte dahinterkommen, welche Männer und Frauen zu dem Amte, das sie haben, nicht taugen, ich könnte die Klugen von den Dummen unterscheiden! Ja, das Zeug muss sogleich für mich gewebt werden!
Er gab den beiden Betrügern viel Handgeld, damit sie ihre Arbeit beginnen sollten. Sie stellten auch zwei Webstühle auf, taten, als ob sie arbeiteten bis spät in die Nacht hinein.

Nun möchte ich doch wissen, wie weit sie mit dem Zeuge sind! dachte König Ivo, aber es war ihm beklommen zumute, wenn er daran dachte, dass keiner, der dumm sei oder schlecht zu seinem Amte tauge, es sehen könne. Er glaubte zwar, dass er für sich selbst nichts zu fürchten brauche, aber er wollte doch erst einen andern senden, um zu sehen, wie es damit stehe. Alle Menschen in der ganzen Stadt wussten, welche besondere Kraft das Zeug habe, und alle waren begierig zu sehen, wie schlecht oder dumm ihr Nachbar sei.
Ich will meinen ehrlichen Finanzbürgermeister Czisch zu den Webern senden, dachte der König, er kann am besten beurteilen, wie der Stoff sich ausnimmt, denn er hat Verstand, und keiner versieht sein Amt besser als er!

Nun ging der gute Finanzbürgermeister Czisch in den Saal hinein, wo die zwei Betrüger saßen und an den leeren Webstühlen arbeiteten. Gott behüte uns! dachte der Bürgermeister und riss die Augen auf. Ich kann ja nichts erblicken! Aber das sagte er nicht.
Beide Betrüger baten ihn näher zu treten und fragten, ob es nicht ein hübsches Muster und schöne Farben seien. Dann zeigten sie auf den leeren Stuhl, und der Finanzbürgermeister Czisch fuhr fort, die Augen aufzureißen, aber er konnte nichts sehen, denn es war nichts da. Herr Gott, dachte er, sollte ich dumm sein? Das habe ich nie geglaubt, und das darf kein Mensch wissen! Sollte ich nicht zu meinem Amte taugen? Nein, es geht nicht an, dass ich erzähle, ich könne das Zeug nicht sehen!
„Nun, Sie sagen nichts dazu?“ fragte der eine von den Webern.
„Oh, es ist niedlich, ganz allerliebst!“ antwortete der Bürgermeister und sah durch seine Brille. „Dieses Muster und diese Farben! – Ja, ich werde König Ivo sagen, dass es mir sehr gefällt!“

Nun verlangten die Betrüger mehr Geld, mehr Seide und mehr Gold zum Weben. König Ivo gewährte es ihnen.
Der König sandte nun den tüchtigen Baubürgermeister Wetzig hin, um zu sehen, wie es mit dem Weben stehe und ob das Zeug bald fertig sei; es ging ihm aber gerade wie dem ersten, er guckte und guckte; weil aber außer dem Webstuhl nichts da war, so konnte er nichts sehen.
„Ist das nicht ein ganz besonders prächtiges und hübsches Stück Zeug?“ fragten die beiden Betrüger und zeigten und erklärten das prächtige Muster, das gar nicht da war.
Dumm bin ich nicht, dachte der Baubürgermeister; es ist also mein gutes Amt, zu dem ich nicht tauge! Das wäre seltsam genug, aber das muss man sich nicht merken lassen! Daher lobte er das Zeug, das er nicht sah, und versicherte ihnen seine Freude über die schönen Farben und das herrliche Muster. „Ja, es ist ganz allerliebst!“ sagte er zu König Ivo.

Alle Menschen in der Stadt sprachen von dem prächtigen Zeuge. Nun wollte der König es selbst sehen, während es noch auf dem Webstuhl sei. Mit einer ganzen Schar auserwählter Ulmer Gemeinderäte, unter denen auch die beiden ehrlichen Bürgermeister waren, die schon früher dagewesen, ging er zu den beiden listigen Betrügern hin, die nun aus allen Kräften webten, aber ohne Faser oder Faden.
„Ja, ist das nicht prächtig?“ sagten die beiden ehrlichen Bürgermeister. „Wollen Eure Majestät sehen, welches Muster, welche Farben?“ und dann zeigten sie auf den leeren Webstuhl, denn sie glaubten, dass die andern das Zeug wohl sehen könnten.
Was! dachte König Ivo; ich sehe gar nichts! Das ist ja erschrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Ulms König zu sein? Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte. „Oh, es ist sehr hübsch“, sagte er; „es hat meinen allerhöchsten Beifall!“ und er nickte zufrieden und betrachtete den leeren Webstuhl; er wollte nicht sagen, dass er nichts sehen könne. Das ganze Gefolge, was er mit sich hatte, sah und sah, aber es bekam nicht mehr heraus als alle die andern, aber sie sagten gleich wie der König: „Oh, das ist hübsch!‘ und sie rieten ihm, diese neuen prächtigen Kleider das erste Mal beim nächsten Ulmer Schwörmontag zu tragen.

„Es ist herrlich, niedlich, ausgezeichnet!“ ging es von Mund zu Mund, und man schien allerseits innig erfreut darüber. König Ivo verlieh jedem der Betrüger ein Bundesverdienstkreuz.

Am Morgen vor der Schwörrede kam König Ivo mit den Vornehmsten Ulms selbst, und beide Betrüger hoben den einen Arm in die Höhe, gerade, als ob sie etwas hielten, und sagten: „Seht, hier sind die Beinkleider, hier ist die Jacke, hier ist der Mantel!“ „Es ist so leicht wie Spinnwebe; man sollte glauben, man habe nichts auf dem Körper, aber das ist gerade die Schönheit dabei!“
„Ja!“ sagten alle Begleiter des Königs, aber sie konnten nichts sehen, denn es war nichts da.
„Belieben Eure Majestät, König Ivo von Ulm, Ihre Kleider abzulegen“, sagten die Betrüger, „so wollen wir Ihnen die neuen hier vor dem großen Spiegel anziehen!“
Der König legte seine Kleider ab, und die Betrüger stellten sich, als ob sie ihm ein jedes Stück der neuen Kleider anzogen, die fertig genäht sein sollten, und der König wendete und drehte sich vor dem Spiegel.
„Ei, wie gut sie kleiden, wie herrlich sie sitzen!“ sagten alle. „Welches Muster, welche Farben! Das ist ein kostbarer Anzug!“
„Draußen stehen sie mit dem Thronhimmel, der über Eurer Majestät getragen werden soll!“ meldete der Oberzeremonienmeister Laitenberger.
„Seht, ich bin ja fertig!“ sagte der König. „Sitzt es nicht gut?“ und dann wendete er sich nochmals zu dem Spiegel; denn es sollte scheinen, als ob er seine Kleider recht betrachte.

Die Fraktionsvorsitzenden im Ulmer Gemeinderat, die das Recht hatten, die Schleppe zu tragen, griffen mit den Händen gegen den Fußboden, als ob sie die Schleppe aufhöben, sie gingen und taten, als hielten sie etwas in der Luft; sie wagten es nicht, es sich merken zu lassen, dass sie nichts sehen konnten.
So ging König Ivo unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: „Wie sind des Königs neue Kleider unvergleichlich! “ Keiner wollte es sich merken lassen, dass er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider König Ivos hatten solches Glück gemacht wie diese.

„Aber er hat ja gar nichts an!“ sagte endlich ein kleines Kind. „Hört die Stimme der Unschuld!“ sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.
„Aber er hat ja gar nichts an!“ rief zuletzt das ganze Ulmer Volk an jenem Schwörmontagmorgen. Das ergriff König Ivo, den Gönner, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: Nun muss ich aushalten. Und die Fraktionsvorsitzenden gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

Nach einem Märchen von Hans-Christian Andersen

30.8.2012

In Ulm, um Ulm, um Ulm herum

 

Im Rahmen unserer Aktion „20 Jahre Ivo Gönner – Ulmer lieben ihren OB“ unterbreiten wir vom Donaufisch-Aktionskomitee einen Vorschlag: Am 1.12.2011 sollte das Spatzengässle in Ivo-Gönner-Boulevard umbenannt werden. Auf diese Weise könnten die Ulmer ihrem geliebten Oberbürgermeister zeigen, wie sehr sie ihn schätzen.

Ivo-Gönner-Gässle

Außerdem hielten wir es für angebracht, dem OB anzubieten, nach zwanzig Jahren unermüdlicher Tätigkeit zum Wohle der Ulmer Bürger vorzeitig in den Ruhestand zu gehen und auf Kosten der Stadt Leinwand, Ölfarbe und Pinsel zu kaufen, um sich fortan nur noch dem geliebten Hobby der Malerei zu widmen.

Der Wirt wollte zu Ehren des Oberbürgermeisters eine Hymne dichten, voller Lob und Anerkennung, wie wir es von Quasselstrippe, einem der größten Verehrer Ivo Gönners, erwarten. Leider kam es beim Schmieden der Verse zu einer vollständigen Verkehrung der ursprünglichen Absichten. Wahrscheinlich steckt kein böser Wille dahinter. Wir vermuten, dass der Zwang, ein bestimmtes Metrum und Reimschema einzuhalten, ursächlich für die veränderte Grundaussage der Hymne ist.

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum
Verkauft Ivo Gönner alle für dumm

Nett reden, mit Alten Geburtstag feiern
Politisch ständig herumzueiern
Kriegsdienst verweigern, das Militär loben
So etwas nennen wir schlicht verlogen
Englisch nicht sprechen und damit prahlen
Schulden aufhäufen, keine Ahnung von Zahlen
Ulms Kanäle an Banken verkaufen
Der UWS miese Wetten erlauben

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum
Verkauft Ivo Gönner alle für dumm

Bibliotheken in Stadtteilen schließen
Multihallen Millionen zuschießen
Fürs Schülerbad gibt er kein Geld
Langer verputzt es, Ulms Mann von Welt
Wetzig schiebt illegal Geld hin und her
Alles privat, also juckt es nicht sehr
Stuttgarts Bahnhof soll tief hinunter
Fordert Gönner vorlaut und munter
Die Kosten müssen ja andre tragen
Da kann er die große Lippe wagen

In Ulm, um Ulm und um Ulm herum
Verkauft Ivo Gönner alle für dumm

Die SPD macht der Ulmer Tyrann
Zum Zwerg, der nicht widersprechen kann
Vor Wahlen empfiehlt er die CDU
Sie scheint ihm besser als die eigne Crew
Schultheiß! Wir sind das alles so leid
Mach Schluss mit der Verlogenheit
Bald ist der Spuk gottlob vorbei
2015 ist Ulm wieder frei

In Ulm und um Ulm und um Ulm herum
Verkauft nun niemand mehr Bürger für dumm

8.9.11

Der Heilige Antonius wohnt in Ulm

Alle Stammtischbesucher haben geweint. Grund war eine wunderbare Legende, die der Hofdichter Hans-Uli Thierer vor wenigen Tagen für das städtische Volk gedichtet hat.

Dieser Legende nach irrte König Ivo als Bettler verkleidet durch Ulm, um selbst zu hören, was das Volk begehre und brauche. Da schleppte sich ein Lahmer auf Krücken zum verkleideten König und übergab dem erbärmlich aussehenden Bettler aus Mitleid eine verlorene Geldbörse, damit dieser nach eigenem Gutdünken über die Börse und deren Inhalt (ein beträchtliches Vermögen an Gönnergulden) verfüge.

Doch statt sich des wertvollen Inhalts zu bemächtigen und damit frommes Werk in der Donaustadt zu vollbringen und seinen Ruhm zu mehren, telefonierte der König mit dem Besitzer der Geldbörse, einem Studenten, der anhand einiger Dokumente vom Zeremonienmeister des Königs Walter Laitenberger schnell ermittelt war.

Überglücklich war der Studiosus, der seine Börse durch einen reitenden Boten des Rathauses wenig später wieder in Empfang nehmen konnte.Während der König sittsam über seine großmütige Tat Stillschweigen bewahren wollte, hielt es der Hofpoet für seine Pflicht, das Volk über die Güte und Größe seines Königs zu unterrichten.

Unserem König, von dessen selbstloser Tat in ganz Europa bald jedes Kind wusste (dank jener bezaubernden Legende des Poeten Thierer) wurde von Papst Benedikt zum irdischen Gehilfen des Heiligen Antonius ernannt. Doch damit nicht genug:

Der Heilige Antonius (umgangssprachlich auch der Schlampertoni) ist bekanntlich der Schutzpatron der Bäcker, Schweinehirten und Sozialarbeiter. Er wird bei Unfruchtbarkeit und Viehkrankheiten sowie für das Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen. In Ulmer Stadtteil Unterweiler steht eine Kirche, die dem Heiligen Antonius geweiht ist. Dorthin sollen zukünftig unzählige Wallfahrten führen, die der Student organisieren möchte, um auf diesem Weise dem Stadtkönig zu danken.

König Gönner will in seiner Bescheidenheit von all den Ehren nichts wissen. Selbstlos wie immer kommentierte er: „ Mögen die zu erwartenden vielen Pilger den Wohlstand Ulms und den Ruhm der Stadt in der Welt mehren. Dann können wir mit der daraus dem Herrscherhaus zufließenden Gewerbesteuer den Notleidenden helfen. Als Gehilfe Antonius‘ ist mir nur dies eine Herzensangelegenheit“.

Der Wirt von Gasthaus Donaufisch aber errichtete, kurz nachdem sich die allgemeine Rührung wieder etwas gelegt hatte, vor dem Gasthof einen kleinen Altar, an dem die Gäste dem Gehilfen Antonius‘ still gedenken können. In einem Glaskasten daneben kann der Besucher die auf Pergament geschriebene Legende des Hofdichters Thierer lesen.

Auf diese Weise kam Ulms Stadtkönig zu neuen Ehren und die Spatzenstadt Ulm zu einer neuen Marketingstrategie: „Antonius als Marke“ sozusagen. Wessen Herz könnte da widerstehen?

Uns vom Stammtisch bleibt dagegen eine bange Frage: Wird Ivo Gönner vorzeitig aus der Königsherrschaft in Ulm ausscheiden und eine Karriere als Berufsheiliger im Höchsten Kirchendienst antreten?

2.9.11

Gönners Jubiläum

Ivo Gönner ist seit 1991 Oberbürgermeister der Donaustadt Ulm. Zweimal wurde er bereits wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei der letzten Wahl 2007 nur noch bei 43 Prozent, von gut 83.000 Wahlberechtigten gingen weniger als 36.000 zur Wahl.

Im Verlauf seiner bald zwanzigjährigen Amtszeit verscherbelte der Sozialdemokrat das Ulmer Kanalnetz in einem großen Verlustgeschäft an eine amerikanische Bank (Cross-Border-Leasing), ließ zu, dass sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft an Wettgeschäften mit der Deutschen Bank beteiligte und dabei Millionen verlor (SWAP-Geschäft) und steigerte in Zeiten sprudelnder Einnahmen die Stadtschulden um 48 Prozent von 93 Millionen (1991) auf 137 Millionen (2007).

Privaten Investoren schenkt Herr Gönner Millionen an Sanierungs-, Bau- oder Unterhaltskosten aus der öffentlichen Kasse (Donaubad Wonnemar und Multifunktionshalle) während Lehrschwimmbäder, Teile der Stadtbücherei und Kinderhorte angeblich nicht mehr finanziert werden können.

Herr Gönner ist Sozialdemokrat, unterscheidet sich aber kaum von seinen Vorgängern im Amt des Stadtoberhauptes, die alle aus dem konservativen Lager stammten.

Wenn es dem Oberbürgermeister in den Kram passt, nimmt er auch seinen Baubürgermeister Wetzig in Schutz, der in zwielichtige Finanztransaktionen verstrickt ist und sich deswegen vor Gericht verantworten muss. Oder er steht seinem Freund Peter Langer bei, der jahrelang städtisches Geld mit beiden Händen zum Fenster rauswarf und dabei geltungssüchtig und vermessen etwas von Völkerverständigung im Donauraum schwafelte. Oder der Oberbürgermeister greift entschlossen in die Stadtkasse, um den Stadträten eine Reise nach Stuttgart zu finanzieren, damit dort für die Tieferlegung eines Bahnhofes demonstriert werden kann.

Gönner als Mensch hat selbstverständlich auch positive Seiten: er ist gesellig, unterhaltsam, witzig und ein sehr guter Redner. Deshalb mögen ihn die Leute. Jeder, der Kommunalpolitik mitgestalten oder kritisch kommentieren möchte, sollte sich aber vor zu vertrautem Umgang mit diesem Mann hüten, denn dessen persönliche Aura nimmt mit der Distanz auch die Urteilskraft, ein Vorgang, der sich bei jeder zweiten Entscheidung der politischen Gremien in Ulm studieren lässt.

Vor sich am 1.12.2011 der Tag der Wahl Gönners zum OB Ulms zum zwanzigsten Mal jährt, wollen wir vom DF mit einem kleinen Liedchen an einige Verdienste des großen Politikers erinnern.

Das gerahmte Bild des Stadtoberhauptes, das auf dem Video zu sehen ist, kann für nur wenige Euro in unserem DF-Shop erworben werden. Eigentlich sollte dieses Bild im Wohnzimmer eines jeden braven Ulmers stehen. Die aus dem Verkauf erzielten Einnahmen fließen selbstverständlich der Stadtkasse Ulm zu.

8.6.2011