Liebesglück und Liebesleid

oder: Sex als List der Evolution

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Eine Sichtweise (die poetische)

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Verliebt sein – auf keine Gegenliebe stoßen. Geliebt werden – Liebe nicht erwidern. Leid erfahren, Leid verursachen. Wenn es gut geht: Himmelhochjauchzend wechselseitig lieben: immer an den Geliebten denken…von der Stimme der Geliebten betört sein. Glücksempfinden in der gemeinsamen Zeit …der Duft der Angebeteten, die Wonnen sanfter Berührungen – doch das alles oft nur von kurzer Dauer. Was folgt ist Liebespein. Aber wie arm, das nie erlebt zu haben.

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Eine andere Sichtweise (die biologische)

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Sollte die Liebe nüchterner betrachtet werden? Etwa so, wie Franz Moor es tut, der es nicht verwindet, dass der Vater stets seinem Bruder Karl den Vorzug gab, und deshalb den Liebesakt, der zu seiner Zeugung führte, als nichts Heiliges anzusehen vermag: „Wo steckt denn nun das Heilige? Etwa im Actus selber, durch den ich entstund? – Als wenn dieser etwas mehr wäre, als viehischer Prozess zur Stillung viehischer Begierden?“ (Friedrich Schiller, Die Räuber).

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Im traurigen Monat November wars

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Im traurigen Monat November wars,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zu Mute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich Euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
Was fleißige Hände erwarben.

(Heinrich Heine)

1.11.2013

EinWintermärchen

Aufbruch

Sturm fegt übers Land
Regen trommelt an die Wand
Bäume biegen sich zur Erde
Panisch flieht die scheue Herde
Donner grollen, Blitze zucken
Ich will mich nicht länger ducken

Alle Angst ist jetzt fort
Keine Macht mehr dem Wort
Wer uns gängelt, wer uns beugt
Wut in unserm Herzen zeugt
Wer Stein auf unsre Seelen legt
Wird vom Sturm hinweg gefegt

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29.7.2011

Stadtwerke – Ulm – Song

 Ein Song für die Stadtwerke

Die Stadtwerke Ulm wollen ihr etwas ramponiertes Ansehen aufbessern.

Viel Geld wurde die letzten Jahre durch Fehlinvestitionen verschwendet. Die Bundesnetzagentur zwang die SWU 2006, ihre Entgelte für Gasnetznutzung um 21 Prozent zu kürzen. Jahrelang wurde den Ulmer Strom- und Gasverbrauchern von ihrem örtlichen Versorger das Fell über die Ohren gezogen.

Die Möglichkeit des Verbrauchers, sich auf dem Strom- und Gasmarkt einen günstigeren Anbieter zu suchen, zwingt die Stadtwerke, ihr angeschlagenes Image aufzupolieren. Die SWU präsentieren sich jetzt als der originäre Ulmer Strom- und Gasversorger, dem jeder richtige Ulmer die Treue zu halten hat; sie verkaufen sich als heimisches Unternehmen, das gegen die großen Energiekonzerne Deutschlands bestehen muss, ökologische Energie anbietet, keinerlei überzogene Profitinteressen hat und nur eines möchte: die lieben Ulmer in ihrer schönen Stadt mit toller und sauberer Energie zu versorgen.

Bei dem Bemühen um Verbesserung ihres Ansehens spannen die Stadtwerke Ulm nun auch Künstler ein. Die Sängerin Siyou Isabelle Ngnoubamdjum schrieb mit ihrem Lebensgefährten Hellmut Hattler einen Song, den sie auch gemeinsam interpretieren.

Gesellschaftskritik („wir vergessen zu geben“), politischer Appell („schau dich um, was es zu bewahren gilt“), Mahnung („Zeit, dass wir uns der Verantwortung für unsere Welt bewusst werden“) sowie Realitätssinn („Unsre Welt – ein wundervoller Ort wie eine warme Umarmung, ein wundervoller Ort, wo man sein darf“) – Siyous Song „A lovely place“ bietet alles, was der gebildete und wohl situierte Mensch zwischen 35 und 45 von einem anspruchsvollen Songtext erwartet.

Wir vom Stammtisch denken aber auch an jene Kunden der Stadtwerke, die keine oder mangelhafte Englischkenntnisse haben und denen Bilder von der „großen Menschengemeinschaft“ und dem „Wundervollen Ort“ fremd sind. Diesen Kunden hat der Wirt ein kleines Lied gedichtet. Wir haben bereits Kontakt zu Eric Clapton aufgenommen. Vielleicht wird er dem Text vertonen. Da es um die Zukunft der Stadtwerke Ulm geht, wird Erics Zusage wohl nicht ausbleiben.

Stadtwerke Ulm – Song

Wir geben Gas für eine bessre Welt
Damit sie Kindern auch morgen gefällt
Wir drehen Strom an für warmes Licht
Dann hat der Mensch eine klare Sicht

Die Stadtwerke Ulm lieben Verbraucher
Ob schwarz oder weiß, Pietist oder Raucher.
Die Stadtwerke Ulm schützen die Welt
Beglücken die Menschen und machen Geld

Wir senden Euch Bus und Straßenbahn
So kommen in Ulm alle pünktlich an
Ob Jude, ob Moslem, ob Hindu, ob Christ
Zu Fuß durch die Stadt ist für jeden Mist

Die Stadtwerke Ulm lieben Verbraucher
Ob schwarz oder weiß, Pietist oder Raucher.
Die Stadtwerke Ulm schützen die Welt
Verzaubern die Kinder und machen Geld

Wir karren Müll aus unserer Stadt
Damit keiner Umstände hat.
Ob dumm oder klug, arm oder reich
Bei der Müllentsorgung sind alle gleich

Die Stadtwerke Ulm lieben Verbraucher
Ob schwarz oder weiß, Pietist oder Raucher.
Die Stadtwerke Ulm schützen die Welt
Erfreuen den Hausmann und machen Geld

14.12.2010

Alexander-Wetzig-Blues

 

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Wetzig-Blues

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Der Steg am Bahnhof bröckelt vor sich hin
Während ich mit Großem so beschäftigt bin
Er wird gesperrt und endlich abgerissen
Ich hätte längst einen neuen bauen müssen.

Am Donauufer wird ein Strandbad stehen
Familien können dort baden gehen
Ich liebe diese giftig-grüne Brühe
Und alle Bürger schätzen meine große Mühe.

Wetzig, unsern Bürgermeister,
Verlassen alle guten Geister
Wetzig macht nur noch Mist
Glück, dass Ulm schnell vergisst

Am Aupark, wo ihr gern flaniert
Da wird bald alles zuplaniert
Ein Hochhaus, wo die Alten wohnen
Soll sich für den Investor lohnen.

Ein paar Millionen — es ist gar nicht schwer
Schieben ich und Stephan hin und her.
Wir waschen Geld und sorgen fürs Geschäft
Wenn uns der Staatsanwalt in Ruhe lässt.

Wetzig, unsern Bürgermeister,
Verlassen alle guten Geister
Wetzig macht nur noch Mist
Glück, dass Ulm schnell vergisst

Der „Wetzig-Blues“ erzählt vom Ulmer Baubürgermeister Alexander Wetzig. Er half seinem Freund Stephan Braunfels, dem berühmten Architekten aus München, eine halbe Million Euro vor dem Finanzamt München zu verstecken. Deswegen erhielt Wetzig im November 2010 einen Strafbefehl über 90 Tagessätze vom Amtsgericht.
Das Verblüffende ist: Trotz seiner Tat wird der  Alexander Wetzig nicht aus seinem Amt gejagt. Ulms Oberbürgermeister und die Mehrzahl der Ulmer Gemeinderäte decken ihren Baubürgermeister. Moral zählt in der Donaustadt im Jahr 2011 unter dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Gönner nichts mehr.

Wie heißt ein altes Sprichwort? Der Fisch fängt vom Kopf her zu stinken an.

20.3.2011

Der Zauberer von Ulm

Das Ivo-Gönner-Lied

Im Zirkus Ulm ist heut Premiere
Zauberer Ivo gibt sich die Ehre.
Manege frei für OB Gönner
Der ist als Magier ein Könner.

Der Zauberer erstrahlt im Licht
Beschwörend er am Ende spricht:
Hokus, Pokus – Heidaney!
Cross border leasing komm herbei!

Schon zieht er aus dem Bankerhut
Gold, Silber und viel teures Gut
Für Ruderclub und Multihallen.
Im Zelt hört man den Beifall schallen.

Der Meister strahlt erneut im Licht
Mit ernster Stimme er dann spricht:
Alles, was die Kinder hassen,
Werd ich nun verschwinden lassen.

Der Magierhut wird Höllenschlund
Und da hinein stürzt bis zum Grund
Das Bad, der Hort, die Bücherei
Jetzt sind die Kinder endlich frei.

Das Publikum schweigt still – verdutzt.
Ob das den Kindern wirklich nutzt?
Der Ivo ist nur Zaubercrack
Bei CBL-Tricks und Zinsswap.

Heute fällt die Gala aus
Das Publikum bleibt zu Haus
Die Nase voll vom faulen Zauber
Und witzeldem OB-Geplauder.

27.11.09

Heinrich Heine, Ein Weib

Eine Spitzbübin, die meist nur lacht, und ein Dieb, der in größter Not Unterstützung erwartet, aber bitter enttäuscht wird – Nur wenig Personal bietet Heinrich Heine auf, ein paar Kulissen nur braucht er, um uns die Geschichte eines Paares zu illustrieren…

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Heinrich Heine, Ein Weib

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er war ein Dieb.
Wenn er Schelmenstreiche machte,
Sie warf sich aufs Bett und lachte.

Der Tag verging in Freud und Lust,
Des Nachts lag sie an seiner Brust.
Als man ins Gefängnis ihn brachte,
Sie stand am Fenster und lachte.

Er ließ ihr sagen: O komm zu mir,
Ich sehne mich so sehr nach dir,
Ich rufe nach dir, ich schmachte –
Sie schüttelt‘ das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt,
Um sieben ward er ins Grab gesenkt;
Sie aber schon um achte
Trank roten Wein und lachte.

Text : Heinrich Heine. Musik & Performance: Donaufisch