Manfreds Geldspeicher

oder – Geld wie Heu

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Sparkasse Ulm

Die Sparkasse Ulm wird einen überdimensionierten Neubau in der Neuen Mitte der Donaustadt errichten: zweckmäßig, uniform, ohne Charakter, ohne Individualität. Menschen werde nicht darin wohnen, ein Glück.

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Die Sparkasse selbst meint: „Dabei legen wir Wert darauf, dass sich das neue Gebäude förderlich und zugleich zurückhaltend in die städtebauliche Umgebung einfügt…Die Neubauten sollen eine gewisse Schlichtheit vermitteln, nichts Erdrückendes.“ Kann man Bürger besser verhöhnen?

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Der Monsterneubau kostet 73 Millionen Euro. Den fetten Planungsauftrag teilen sich das Stuttgarter Architekturbüro Lederer + Ragnasdóttir + Oei und Nething Generalplaner aus Ulm. Die selbstzufriedenen und gehorsamen Schläfer im Ulmer Gemeinderat akzeptierten den Kasernenneubau nicht nur kritiklos, sondern lobten auch noch dessen ästhetische Qualitäten. Was haben die Ulmer verbrochen, dass sie mit solche Volksvertreter gestraft wurden?

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Wichtigster Mann bei der Sparkasse Ulm ist Manfred Oster. Viele Ulmer wissen gar nicht, welche bedeutende Position er in der Finanzwelt bekleidet.

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Aufgrund zahlreicher Zeitungsberichte , die wöchentlich in der SWP erscheinen, glauben die einen, Oster sei Kommunikationsphilosoph, die anderen halten ihn für einen Kunstmäzen und Galeristen, der bereits Föten im Rahmen pränataler Kunsterziehung im Auftrag der Sparkasse Ulm mit expressionistischer Malerei vertraut machen möchte.

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Wie auch immer: Jede Woche erscheint ein Bild von Manfred Oster in der Lokalpresse (in letzter Zeit meist ohne die blaue Krawatte) und jedermann kann bestaunen, was dieser Mann im Auftrag der Sparkasse Ulm für Kultur, Kunst und Wissenschaft leistet. Imagewerbung ist kaum preisgünstiger zu bekommen.

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Nun entdeckte der DF eine ganz andere Seite des Vorstandsvorsitzenden Oster: Wie unser Bild zeigt (es ist ein Schnappschuss unseres Mitarbeiters Ursus), badet Manfred Oster gerne im Sparkassengeldspeicher, ähnlich Dagobert Duck, dem reichsten Mann Entenhausens. Deshalb also der überdimensionierte Neubau in Ulms Neuer Mitte! In Wirklichkeit entsteht hier kein Angestelltensilo, sondern Manfreds neuer Geldspeicher.

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Osters Geldspeicher

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Wie der DF aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, ist der nächste PR-Coup Osters bereits geplant: Er möchte den Neubau der Ulmer Synagoge sponsern, da die Bauherren in finanziellen Schwierigkeiten stecken.

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Sollte das etwa eine späte Entschädigung dafür sein, dass die Sparkasse heute auf einem Grundstück am Weinhof baut, auf dem bis zur Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Ulmer Synagoge stand? (Wie kam das Grundstück in den Besitz der Sparkasse Ulm? – Wäre das nicht ein gutes Thema für die Lokalredaktion der SWP?)

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13.3.2012

Manfred Oster, der Philosoph

Solange es Menschen auf dieser Erde gibt, haben sie darüber nachgedacht, was Frieden ist und wie er zu erreichen sei. Genau so lange, wie sie über den Frieden reflektierten, haben sie sich in Kriegen massakriert, und sie tun es heute noch mit zunehmender Perfektion, z.B mit Waffen aus schwäbischer Produktion von Heckler und Koch GmbH am Neckar.

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Friedenstaube

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Die alten Griechen hielten lange den Krieg für den Normalzustand. Die Römer wussten, dass zwischenstaatlicher Friede nicht ausreicht, sondern um häuslichen und religiösen Frieden ergänzt werden muss (was jedem Menschen sofort einleuchtet, der sein Leben an der Seite eines schwierigen Partners zubringt). Christen meinen, dass Friede mit Gott die Voraussetzung für den Frieden unter den Menschen sei, und Frieden das Wohlergehen an Leib, Seele und Geist bedeute.

Einige Philosophen und Politiker halten das Führen gerechter Kriege für völlig legitim. Große Geister wie Immanuel Kant versuchten uns zu erklären, wie wir Frieden erreichen könnten. Marx und Engels vertrösteten uns und unsere Friedenshoffnungen auf die Zeiten, wenn die Macht des Kapitals gebrochen sein wird und alle Klassenkämpfe endgültig ausgefochten sind.

Keiner der großen und bedeutenden Denker konnte uns aber verbindlich sagen, wie Friede zu erreichen und dauerhaft zu erhalten sei. Das hat nun ein Ende. In einem Pressegespräch mit dem stellvertretenden Leiter der SWP Ulm Willi Böhmer äußert sich erstmals Manfred Oster zum Thema Weltfrieden (vgl. Online-Ausgabe vom 10.12.2011). Oster, der vielen als Chef der Ulmer Sparkasse bekannt sein dürfte, unserer Meinung nach aber zweifellos zum Philosophen taugt, findet eine verblüffende einfache Antwort auf die Frage, wie dauerhaft Frieden zu erreichen sei: Durch die täglich Lektüre der Südwest Presse.

Perplex, lieber Leser?

Die Erläuterungen Manfred Osters bringen Licht ins Dunkel: Wer die SWP liest, lernt zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden und er versteht die komplexen Zusammenhänge in unserer komplexen Welt. Das Lesen der SWP fördert die Bildung; Bildung verhindert die Rückentwicklung der Menschheit und befähigt zum Blick fürs Ganze; Bildung wirkt friedensstiftend.

Alles klar?

Deshalb bezahlt der Sparkassenchef Oster Ulmer Schulen 42 SWP-Abonnements im Rahmen des Projektes „Wir lesen“. Der Philosoph Oster kommentiert dies mit schlichten Worten: „eine informierte Jugend ist der beste Garant für den Frieden in der Welt.“

Ja, wie pflegte schon Quasselstrippes Oma Elfriede immer zu sagen: „Die kompliziertesten Sachen sind ganz einfach, wenn sie ein Käpsele erklärt.“

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Lokalredaktion der Südwest Presse auf Kritik gänzlich verzichtete, als bekannt wurde, dass die Sparkasse in nächster Nähe zum Ulmer Münster einen monumentalen Verwaltungsneubau errichten wird, der an Größe und Schlichtheit unvergleichlich ist. Sollten Kritikaster einem Philosophen unnötig das Leben schwer machen, der nicht nur weiß, wie Frieden zu erlangen ist, sondern durch etwas Geld auch den Weg zum Frieden ebnet?

Die Idee der Lokalredaktion, den Philosophen Oster zu Wort kommen zu lassen, fanden wir vom Stammtisch großartig und nachahmenswert. In mehreren Veranstaltungen werden wir deshalb Ulmer Denkern Gelegenheit geben, ihre Gedankenwelt einem größeren intellektuellen Publikum vorzustellen.

Zum Auftakt führen wir im Januar 2012 ein Gespräch mit dem Leiter des Butterwerkes Söflingen zum Thema: „Butterherstellung als Beitrag zur Aufklärung und Emanzipation des Menschengeschlechtes“. Im Februar referiert ein bekannter Verwaltungsbeamter über das gerade in Ulm heiß diskutierte Sujet: „Beratungen des Bauausschusses und Versittlichung der Menschheit“.Im März schließlich wird eine Naturphilosophin über „Eigenurintherapie als Beginn umfassender Weltrevolution“ reflektieren. Alle Veranstaltungen finden im Nebenzimmer des Gasthauses Donaufisch statt, Interessenten sind herzlich eingeladen.

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14.12.2011

Sparkasse Ulm & Gemeinderat

Jetzt mal ehrlich: Was erwarten Sie von Volksvertretern? Kontakt zum Bürger. Die Fähigkeit, einzelnes und übergeordnetes Interesse zu unterscheiden. Die Bereitschaft, wenn es sein muss, das Wohl des Einzelnen dem Wohl der Allgemeinheit unterzuordnen. Unbestechlichkeit. Rückgrat. Mut. Erwarten Sie das? Dann sind Sie hoffnungslos naiv und leben auf dem Mond.

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Wie sich Volksvertreter tatsächlich verhalten, lässt sich dieser Tage wieder gut in der Donaustadt studieren. Im Bauausschuss des Gemeinderates wurde über den Neubau der Sparkasse gesprochen. Mit hässlichen, architektonisch einfallslosen Gebäuden von außerordentlicher Größe wird die Sparkasse Ulm einen Teil der Innenstadt in eine Betonwüste verwandeln. Eine große Bürokratie ohne jeden Kundenkontakt nimmt den Bürgern Teile ihres Stadtzentrums, verhindert andere Nutzungen, die nötig wären, um einer weiteren Verödung der Stadt am Abend und an Wochenenden Einhalt zu gebieten.

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Was sagen die Volksvertreter im Gemeinderat zu diesem Projekt? Herr Herbert Dörfler (CDU) macht sich über die Bürger lustig. Er spricht von einer „Aufwertung“ der Stadt. Herr Rüdiger Reck (FWV) ist offener und direkter. Er preist am Neubau, dass dieser „sparsam und schlicht“ sei. Vieldeutig äußert sich der SPD-Rat Hartmut Pflüger, indem er die Betonklötze der Sparkasse als „etwas Mutiges“ bezeichnet. Ja, in der Tat, es ist mutig, den Bürgern so etwas vorzusetzen und zu erwarten, dass sie es fressen, ohne zu murren.

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Den Vogel aber schießt Baubürgermeister Wetzig ab, der durch seine illegalen Finanztransaktionen mit seinem Münchener Freund Stephan Braunfels derart unter Druck zu stehen scheint, dass er alle ästhetischen Ansprüche über Bord wirft, um bei den Einflussreichen und Mächtigen in der Stadt nicht den Rückhalt zu verlieren. Beim Neubau gehe es nicht um gute Architektur (in seiner blumenreichen Sprache spricht Wetzig von einem spektakulären architektonischen Feuerwerk). Vielmehr sei die Nutzungsfrage entscheidend. Mit anderen Worten: Wie bekommt die Sparkasse mit möglichst wenig Geld ein möglichst zweckdienliches Gebäude hin, in dem 1100 Mitarbeiter untergebracht werden können?

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Das ist neu in Ulm: Auch für das Stadtzentrum können Maßstäbe gelten, die sonst nur für Industriegebiete akzeptiert werden. Bisher wurde immer so getan, als sei für die Donauperle nur das architektonisch Beste gut genug.

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Der berechtigte Anspruch der Ulmer Bürger, ihren Stadtkern nicht der Beschädigung oder Zerstörung durch private Bauprojekte auszuliefern, interessiert offensichtlich keinen der genannten Herren. Aber eine Dame interessierte sich dafür. Die Stadträtin der Grünen Annette Weinreich hätte es gerne gesehen, wenn die Bürger bei diesem überdimensionalen Projekt beteiligt und auch Wohnungen auf dem riesigen Gelände gebaut worden wären. Für diese Einwände hatte der Baubürgermeister jedoch kein Verständnis: Ums Wohnen gehe es bei diesem Projekt nicht und Demokratie werde durch das Verwaltungsverfahren ausreichend praktiziert.

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Die Stadträte Dörfler und Reck sind beide ordentliche Mitglieder des Verwaltungsrates der Sparkasse Ulm. Von ihnen ein kritisches Wort zum Kasernenneubau der Sparkasse zu erwarten, wäre töricht. Warum der Sozialdemokrat Pflüger unfähig ist, Einzelinteresse vom allgemeinen Interesse zu unterscheiden, bleibt ein Geheimnis. Hat er etwa beim letzten Weltspartag von Herrn Oster ein Sparschweinchen geschenkt bekommen oder will er seinem Kollegen Nething (er plant den Neubau) nicht auf die Füße treten?

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26.5.2011

Was darf Satire?

Das fragte sich am 27. Januar 1919 der knapp dreißigjährige Autor Ignaz Wrobel in einem Artikel im Berliner Tageblatt. Unter anderen stehen in diesem Text folgende Bemerkungen:

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„Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: „Nein!“ Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine.“

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„Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.“

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„Wenn ich die Folgen der Trunksucht aufzeigen will, also dieses Laster bekämpfe, so kann ich das nicht mit frommen Bibelsprüchen, sondern ich werde es am wirksamsten durch die packende Darstellung eines Mannes tun, der hoffnungslos betrunken ist. Ich hebe den Vorhang auf, der schonend über die Fäulnis gebreitet war, und sage: „Seht!“ – In Deutschland nennt man dergleichen ‚Krassheit‘. Aber Trunksucht ist ein böses Ding, sie schädigt das Volk, und nur schonungslose Wahrheit kann da helfen. Und so ist das damals mit dem Weberelend gewesen, und mit der Prostitution ist es noch heute so.“

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„Es ist jedem unbenommen, einen Angriff für ungerechtfertigt und einen anderen für übertrieben zu halten, aber die Berechtigung eines ehrlichen Mannes, die Zeit zu peitschen, darf nicht mit dicken Worten zunichte gemacht werden.“

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„Übertreibt die Satire? Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird…“

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„Wir sollten nicht so kleinlich sein. Wir alle … haben Fehler und komische Seiten und kleine und große Schwächen. Und wir müssen nun nicht immer gleich aufbegehren wenn einer wirklich einmal einen guten Witz über uns reißt. Boshaft kann er sein, aber ehrlich soll er sein.“

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„Die echte Satire ist blutreinigend: und wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint.“

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Da der Vorstand der Sparkasse Ulm samt Pressereferent durch die Planungsarbeiten am Neubau, der die ganze Innenstadt enorm aufwerten wird (Vorsicht Ironie!), zu beschäftigt ist, um sich mit Literatur oder literaturtheoretischen Schriften zu beschäftigen, haben wir ihm hier die wichtigsten Thesen zu Wesen und Aufgabe der Satire zusammengefasst, um zukünftigen Missverständnissen vorzubeugen.

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Der Text wurde übrigens unter einem Pseudonym veröffentlicht. Der Autor heißt in Wirklichkeit Kurt Tucholsky.

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Am Ende seines Beitrages stellte dieser dann die Frage: „Was darf Satire?“ Seine Antwort mag den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Ulm Oster überraschen: „Alles“.

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19.5.2011

Ein Pressesprecher der Sparkasse Ulm ruft an

Heute erhielt der Wirt des Gasthauses einen Anruf.

Am Telefon war ein Pressereferent der Sparkasse Ulm, der etliche Einwände und Bedenken gegen den Beitrag „Sparkassenchef Manfred Oster(Ulm) im Gespräch“ vorzubringen hatte.

Der Vorstandsvorsitzende Manfred Oster habe dem Wirt Quasselstrippe nie ein Interview gegeben. Wie es denn sein könne, dass im Donaufisch ein Gespräch mit Herrn Oster abgedruckt sei.Auch die Kommentare, die unter dem Beitrag stehen, riefen die Missbilligung des Pressesprechers hervor. Weit unter die Gürtellinie zielten diese. Keiner könne es hinnehmen, wenn über die Farbe seiner Krawatte gelästert oder über persönliche ästhetische Maßstäbe Bemerkungen gemacht würden.

Den Einwand, dass es sich bei dem „Gespräch“ um eine Satire handle, ließ der Pressesprecher nicht gelten. Nirgendwo stehe das. Kein Hinweis sei zu finden.

Auch die Aussage des Wirtes, dass jeder Besucher des Virtuellen Gasthauses Donaufisch wisse, dass der DF ein satirischer Blog sei, und auch im Blog selbst etliche Hinweise auf den satirischen Charakter zu finden seien, ließ der freundliche Pressesprecher nicht gelten; vielmehr „bat“ er darum (er legte besonderen Wert auf die Feststellung, dass er „bitte“ und nicht „verlange“), dass der Blogbeitrag vom Netz genommen werde. Umgehend.

Der Wirt lehnte ab, deshalb schlug der Referent vor, den Beitrag als „satirischen“ Text zu kennzeichnen. Diesem Ansinnen stand nichts entgegen.

Als der Wirt zum Sparkassenreferenten sagte, er werde einen Artikel schreiben, der die Überschrift trage „Der Pressesprecher der Sparkasse Ulm interveniert“, entbrannte ein heftiger Disput über die Bedeutung der Vokabel „intervenieren“.

Der Sprecher meinte, „intervenieren“ sei stets mit negativer Bedeutung konnotiert. Seine Geduld schien am Ende und er sprach die Drohung aus: „Wir können auch anders“.

Quasselstrippe regte an, einen Blick in den Duden zu werfen. Dabei werde man schnell feststellen, dass „intervenieren“ nur „dazwischentreten“, „vermitteln“ und „sich einmischen“ bedeute und die Konnotationen des Referenten keinesfalls allgemeingültig seien.

Wie auch immer: Satirische Texte als satirische Texte zu erkennen ist nicht leicht. Das mussten schon viele Autoren erfahren. Jetzt also auch der Wirt, der sich vielmals beim Sparkassenchef dafür bedankt, dass dieser ihm ausrichten ließ, gerne zu einem Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Ohne die Zusage allerdings, dass in diesem Gespräch auch über die Abkehr vom hässlichen und überdimensionierten Neubau der Sparkasse im Herzen Ulms verhandelt wird, muss der Wirt dieses Angebot ausschlagen.

16.5.2011

Sparkassenchef Oster im Gespräch mit Quasselstrippe

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Wichtiger Hinweis:

Der nachfolgende Text ist eine Satire.Mit dieser Bemerkung zur Textsorte kommen wir der Bitte des Presssprechers der Sparkasse Ulm nach, die dieser am Telefon vortrug. (Kein Scherz. Der Pressesprecher der Sparkasse rief am 16.5.2013 im DF an)

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DF

Herr Oster, Ihr Lebensmotto  lautet: „Anständig bleiben“  und „Alles Gute und Edle ist einfacher Art“. Wir gehen also davon aus, dass  sie im Gespräch immer bei der Wahrheit bleiben.

Ist die Sparkasse Ulm die einzige Bank auf der Welt, die keinen Gewinn machen möchte?

Oster

Wie kommen Sie bloß darauf?

DF

In der Halbjahrespressekonferenz der Sparkasse Ulm im Juli 2010 sagten Sie wörtlich: „Für Sparkassen steht nicht das Streben nach Rendite oder Gewinnmaximierung im Vordergrund, sondern ihr öffentlicher, am Gemeinwohl orientierter Auftrag“

Oster

Na ja. Das heißt ja nicht, dass wir ganz auf Profit verzichten.

DF

Also liegt die Gewinnerwartung der Sparkasse Ulm unter der des Chefs der Deutschen Bank Josef Ackermann?

Oster

Ja, so ist es. Wir wollen keine 20 Prozent.

DF

Können Sie mit Ihrem Prinzip, am Gemeinwohl orientiert zu sein, Ihre gigantischen Neubaupläne vereinbaren?

Oster

Was heißt denn schon gigantisch?

DF

Das neue Hauptgebäude hat 16000 Quadratmeter Fläche. Dazu kommt ein weiterer Neubau mit geschätzten 6300 Quadratmetern. Dann ist da noch Ihr Neubau von 2006 beim Rathaus. So viel Arbeitsfläche braucht kein Bundesministerium in Berlin.

Oster

Sehen Sie, unsere Geschäftsphilosophie ist Nähe, Vertrauen und Verlässlichkeit. Deshalb müssen wir ganz nah beim Kunden sein. Das gilt auch für unsere Mitarbeiter ohne Kundenkontakt.

DF

Die Bürger Ulms wollen sicher keinen hässlichen Kasernenbau, wie Sie ihn planen. Sind  das Wohl der Stadt Ulm und das Wohl der Sparkasse nicht zwei Paar Stiefel?

Oster

Wie gesagt: Wir sind am Prinzip des Gemeinwohls orientiert.

DF

Verstehe. Sie investieren in weniger als zehn Jahren fast 100 Millionen Euro in drei Neubauten. Für eine Übergangszeit von drei Jahren zahlen Sie für den Umbau des alten Jung-Gebäudes, in das Sie vorübergehend ziehen, 1,5  Millionen Euro. Und dann noch Miete. Ist das alles nicht etwas übertrieben?

Oster

Wir müssen unsere internen Betriebsabläufe optimieren, um noch effektiver im Interesse unserer Kunden zu arbeiten. Wir müssen unsere Kräfte bündeln.

DF

Mein Onkel ist seit 1960 Kunde der Sparkasse. Er sagt, durch Kontoführungsgebühren,  den im Vergleich zu anderen Banken überhöhten Kreditzinsen  und zu niedrige Zinsen für Anlagen habe die Sparkasse in 50 Jahren an ihm etwa 89.000 Euro zusätzlich verdient. Was sagen Sie meinem Onkel, der sich über die Sparkasse Ulm ärgert?

Oster

Sein Geld ist in guten Händen. Wir bauen ihm dafür Neubauten, die sich architektonisch gut in die Stadtmitte einfügen und wirtschaftlich sind.

DF

Das wird ihn trösten. Da er selbst viele Jahre beim Militär gedient hat, werden ihm Ihre kasernenartigen Neubauten, die auch der Tradition der Garnisonsstadt Ulm verpflichtet sind, sicher gut gefallen.

Oster

Wir möchten ein zweckmäßiges Gebäude. Wir möchten keinen Prachtbau. Wir möchten einen schlichten Bau.

DF

Herr Oster, hatten Sie keine Angst, dass die achtköpfige Jury  einen Entwurf auswählt, der Ihnen und Ihrer Bank nicht passt?

Oster

Nein. Es ist alles nur eine Frage der Organisation. In der Jury sitzt neben mir der Herr Oberbürgermeister Gönner. Wenn der auf Ihrer Seite ist, klappt das schon.

DF

Wie geht das?

Oster

Wie gesagt: Sie müssen alles gut organisieren. Sie müssen in der Vorbereitung viel kommunizieren.

DF

Heißt das, dass Sie vorher mit Nething und Gönner abgesprochen haben, wie die von Ihnen gewünschte neue Sparkasse aussehen soll?

Oster

Kommunikation ist in unserer modernen Gesellschaft überaus wichtig.

DF

Verstehe ich Sie richtig: Es stand von Anfang an fest, dass der Planungsauftrag an Nething gehen wird.

Oster

Sie wissen doch, dass wir einen Architektenwettbewerb veranstaltet haben.

DF

Ja, wozu denn überhaupt?

Oster

Damit in der Öffentlichkeit nicht der völlig falsche Eindruck entsteht, über die Neubaupläne der Sparkasse Ulm sei nicht ganz demokratisch entschieden worden.

DF

Vor einem solchen „Wettbewerb“ müsste ja auch die Sparkasse in Neu-Ulm keine Angst haben, da am Ende – bei guter „Vorbereitung“- auch der Bauplan ausgewählt würde, den der Vorstand für gut hält.

Oster

In die internen Entscheidungen der Sparkasse Neu-Ulm mische ich mich nicht ein. Wir in Ulm sind für demokratische Entscheidungen…

DF

 …bei denen am Ende das rauskommt, was der will, der bezahlt, und den Auftrag derjenige erhält, der am Ort Gewerbesteuer entrichtet und Einfluss hat. Herr Oster, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Regio-TV:   Architektenbüro „Nething“ plant neues Gebäude der Sparkasse

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/ 14.5.2011

Sparkasse Ulm und Demokratie in der Gemeinde (1)

Die Ulmer Sparkasse verfügt über eine stattliche Zahl an Gebäuden im Zentrum Ulms: Neben dem Hauptgebäude (3) besitzt sie zwei Grundstücke (1 + 2), wenige Meter weiter östlich ist sie Eigentümerin eines Neubaus (4) direkt am Rathaus (Fertigstellung 2006, Kosten 20 Millionen Euro), auf dem Weinhof,B, sitzen Mitarbeiter der Sparkasse in den Gebäuden Weinhof 7-10 sowie 6 und 9. Unweit des Hauptbahnhofes steht in der Hauffstraße ein großes Gebäude, das sich im Besitz der Sparkasse befindet und von dieser genutzt wird. Die Sparkasse Ulm ist wie ein Krebsgeschwür im Herzen Ulms.

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An der Neuen Straße (1+2) soll bis 2014 für 25 Millionen ein siebenstöckiger Neubau entstehen, das Hauptgebäude (3) wird abgerissen und mit einfallslosen überdimensionalen Quadern sechsgeschossig bebaut. Kosten mindestens 48 Millionen Euro.

GebäudeSparkUlm

A Neue Straße

B Weinhof

1 Neue Str.58

2 Neue Str.60

3 Neue Str.66

4 Sparkasse Neue Mitte

6 Rathaus

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Vor dem Krieg stand auf dem heutigen Gelände der Sparkasse (3) die Ulmer Synagoge, die von Nationalsozialisten in der Nacht vom 9./10.November 1938 in Brand gesteckt wurde. Jetzt soll auf dem Weinhof eine neue Synagoge gebaut werden.

Erst als dieser Neubau der Synagoge feststand, gab die Sparkasse bekannt, dass sie ihren Hauptsitz (3) nicht sanieren, sondern neu bauen wolle. Begründet wurde die Abkehr von den bisherigen Plänen einer Sanierung des 1957 errichteten Hauptgebäudes mit zu hohen Kosten.

Während das Sparkassengebäude westlich ein Stuttgarter Architekturbüro bauen wird (Ergebnis eines Architekturwettbewerbs 2008), errichtet das Ulmer Büro „Nething Generalplaner“ das neue östliche Hauptgebäude (Ergebnis einer Architekturwettbewerbs 2011).

In der achtköpfigen Jury, die Nethings Entwurf auswählte, saßen neben anderen der Sparkassenchef Manfred Oster, sein Stellvertreter Dr. Steeb sowie der Ulmer OB Ivo Gönner, Landrat Heinz Seifert und Baubürgermeister Wetzig.

Der Verwaltungsrat der Sparkasse hat dem Entwurf bereits zugestimmt. Still und schnell und von der Öffentlichkeit unbemerkt (da durch die Lokalzeitung nicht informiert) lief alles ab.

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Jetzt können sich die Ulmer noch die acht Entwürfe anschauen, die zur Wahl standen. Mitreden konnten und können sie nicht, obwohl dieses monströse Bauvorhaben an exponierter Stelle der Donaustadt entstehen und das Gesicht Ulms stark verändern wird.

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Die Idee, die Zentrale der Sparkasse außerhalb Ulms anzusiedeln, kam niemandem. Dabei wird der weitaus größte Teil der neuen Gebäude nur von einer Verwaltung genutzt werden, die keinen Kontakt zum Kunden hat.

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…und was meint Quasselstrippe zu all dem?

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Alle in Ulm wollen, dass Innenstädte nicht veröden. Deshalb bauen sie auf riesigen Flächen im Zentrum abscheuliche Gebäude, die ab 17 Uhr unter der Woche und jedes Wochenende menschenleer sind.

Sparkasse Ulm

Auf der Fotomontage oben sehen Sie den Entwurf für das neue Gebäude der Sparkasse, das bis Ende 2014 fertig gestellt sein soll.

Die Abbildung unten zeigt die alte Sparkasse, die von 1955 bis 1957 erbaute wurde.

Unschwer zu erkennen: Das neue Gebäude wirkt wesentlich leichter und eleganter. Der alte, klobige Nachkriegsbau mit einfallslos aneinander gereihten Quadern passt dagegen nicht mehr in Ulms Neue Mitte, die sich unter der Federführung Baubürgermeister Wetzigs der Modernität verschrieben hat.

SpK.Gebäude.neu

Lesen Sie demnächst im DF das Interview, das Quasselstrippe mit dem Vorstandsvorsitzenden der Ulmer Sparkasse Manfred Oster führte und das Überraschendes ans Tageslicht brachte.

9.5.2011