65 Millionen

… für die kranken Stadtwerke

Ein bisschen untergegangen ist dieser Tage eine äußerst wichtige Nachricht: die Stadtwerke Ulm brauchen erneut eine Finanzhilfe in Höhe von 20 Millionen Euro. Damit erhöht sich die Summe, die Ulm in fünf Jahren an ihre maroden Stadtwerke bezahlt hat, auf insgesamt 65 Millionen; das „städtische Sparbuch zum Schuldenabbau“ sei damit leer, schreibt die Lokalpresse.

Einträchtig erklären Rathaus und SWP den Bürgern stets, wenn sich das Thema nicht vermeiden lässt, dass der Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie und die Energiewende Ursache der Lage der Ulmer Stadtwerke sei.

Die andere Sichtweise, die gravierende Fehler des SWU-Chefs Berz bei Entscheidungen über große Investition sieht, wird in der Lokalzeitung – ganz im Sinne des Oberbürgermeisters – kaum thematisiert, allenfalls angedeutet.

OB Gönner selbst gibt die Parole aus: möglichst wenig über die Misere reden und schreiben.

Für sein Abwiegeln und Vertuschen findet er – wie immer – passende Worte: „Bitte alles tiefer hängen…die SWU (haben) über Jahre unseren Haushalt gestützt…Es geht um 1000 Mitarbeiter.“
Wer könnte da widersprechen? Jeder, der jetzt noch öffentlich über die Probleme der SWU spricht oder gar sagt, die Stadtwerke stünden vor dem Ruin, ist verantwortlich, wenn das städtische Unternehmen wirklich in Konkurs geht. Wer möchte schon 1000 Arbeitsplätze vernichten?

Also bleibt nur schweigen?

Nein! Machen Sie sich keine Sorgen, verehrte Leser! Sie sind nicht verantwortlich für die Fehler des SWU-Chefs Matthias Berz und des Aufsichtsratsvorsitzenden Ivo Gönner. Sie dürfen über die Katastrophe der Stadtwerke Ulm offen sprechen.

Manchmal soll rechtzeitiges Reden über Probleme ja sogar verhindern, dass diese noch größer werden.

Wann ermittelt der Staatsanwalt gegen Herrn Berz?

Die Lokalzeitung berichtet heute, dass die Stadtwerke (SWU) schon wieder Geld von den Städten Ulm und Neu-Ulm benötigen. Grund ist ein katastrophales Defizit, das aus einem permanent defizitären Öffentlichen Nahverkehr, aber auch aus falschen Investitionen, mangelnder Rentabilität laufender Kraftwerke und Aktienspekulationen des SWU-Chefs Matthias Berz resultiert.

Offensichtlich hat der Firmenchef Berz versagt; aber auch das Kontrollgremium, der Aufsichtsrat, an dessen Spitze der Ulmer OB Ivo Gönner steht, hat seine Aufgabe, die Firmenleitung zu kontrollieren, nicht erfüllt.

Im Jahr 2008 kaufte der SWU-Chef Berz 7050 Aktien der Centrotherm Photovolaik AG in Blaubeuren.

In der Zeit, als der Kurswert der Aktie von 52 auf 12 Euro abstürzte, erwarb Herr Berz weitere Aktien: 2009 7000 Aktien, 2010 16.000 und 2011 38.000. Das geschah zu einer Zeit, als absehbar war, dass die Firma Centroterm in eine existentielle Krise schlittert.

Die Firma wurde insolvent. Der Verlust für die Stadtwerke Ulm beträgt 1,5 Millionen Euro.

Müsste da nicht der Ulmer Staatsanwalt ermitteln? Wurde da nicht Geld der SWU veruntreut ( § 266 StGB )?

Wir sind gespannt, ob die Staatsanwaltschaft von alleine tätig werden wird oder weiterhin den Schlaf des Gerechten schläft. Vielleicht kommt aber auch ein Bürger auf die Idee, Strafanzeige gegen Herrn Berz zu erstatten, dann müsste der Staatsanwalt handeln.

Zum aktuellen Geschehen: Augsburger Allgemeine vom 19.7.2013

24.7.2013