Der Tag im Cafe Liquid

Ulmer Promis und Halbpromis erhalten jetzt ihre eigene Fernsehsendung: „Der Tag im Liquid“ heißt eine neue Serie auf Regio-TV.

Die Videoaufnahmen der Überwachungskameras im Cafe Liquid werden täglich zu einem zehnminütigen Film zusammengeschnitten und abends im Regionalsender ausgestrahlt. Dabei sollen dem Zuschauer die besten Szenen des Tages präsentiert werden. Auf diese Weise hat der Ulmer Bürger die Möglichkeit, wenigstens ein bisschen am Privatleben Ulmer Prominenter teilzunehmen.

Das neue TV-Format wurde in Anlehnung an das RTL-Dschungelcamp entwickelt. Die Ulmer SPD ließ die Bürger bereits in einer Pressemeldung wissen, dass sie sich entschieden für eine gerechte Verteilung der Sendezeit einsetze. Der nächste OB-Kandidat der SPD Martin Rivoir beanspruche entsprechend seinem Stimmanteil bei den letzten Kommunalwahlen mindestens ein Drittel der abendlichen ausgestrahlten Sendung.

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„Ich werde natürlich auf gar keinen Fall irgendwelche Bilder im Internet veröffentlichen, irgendwie privat Werbung damit machen oder die Leute irgendwie daraufhin ansprechen, also: „Sie waren betrunken“ oder irgendwas.“

(Ulrich Fischer, Inhaber des Ulmer Cafe Liquid gegenüber Landesschau Aktuell)

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Ulm – Die gläserne Stadt

Das Cafe Liquid in Ulm filmt seine Gäste. Videokameras zeichnen während der Geschäftszeit alles auf, was sich im Gastraum abspielt. Der Betreiber des Cafes Ulrich Fischer hält diese Maßnahme für nötig und rechtfertigt sie heute ausführlich in der Lokalzeitung. Dank der Überwachung sei es sogar gelungen, einen Dieb im Gastraum zu identifizieren, sagt Herr Fischer.

Die Juristin Sabine Stollhof, die sich im Auftrag des Landesdatenschutzbeauftragten äußert, hält die Videokontrolle in Gasträumen während der normalen Öffnungszeiten zwar für einen „schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte“, sieht aber keine Möglichkeit, das Abmontieren der Kameras zu veranlassen.

Nach der zweiten (geheimen) Personalakte an der Uniklinik Ulm, die 2010 für Schlagzeilen sorgte, und der Bespitzelung von Mitarbeitern bei Lidl nun also die Gastraumüberwachung im Ulmer Cafe Liquid. Bei der Bewertung dieser Überwachung sollten wir nicht voreilig sein. Sie bringt enorme Vorteile.

Wie jeder Ulmer weiß, verkehren im Cafe Liquid neben unserem verehrten Oberbürgermeister Gönner und engen Mitarbeitern auch etliche Schöne, Einflussreiche und Wichtige der Donaustadt. Könnte da die Erhebung von belastbaren Zahlen nicht in vielerlei Hinsicht von Vorteil sein?

Denken Sie an die Chance, Daten über die Anzahl und die Dauer der Cafehausbesuche wichtiger Persönlichkeiten zu erhalten, ihre Konsumgewohnheiten und Tischmanieren zu erfassen.

Oder an die Möglichkeit, Informationen über die Kleidung der Gäste zu sammeln. Wie oft wird der Anzug gewechselt? Welche Qualität hat er? Tragen die Damen echten Schmuck? Aus welchen Geschäften stammt ihre Garderobe?

Welcher Gast greift zu welchen Zeitungen und Zeitschriften? Welche Artikel werden gelesen? Zeigen wichtige Personen auffälliges oder gar absonderliches Verhalten? Können aus diesen Beobachtungen Rückschlüsse auf die politische Entwicklung der Stadt gezogen werden?

Je länger man darüber nachdenkt, umso klarer wird: eine Überwachung von Gasträumen in Wirtshäusern nach dem Vorbild des Cafes Liquid in Ulm ist uneingeschränkt zu befürworten.

Der Donaufisch geht noch einen Schritt weiter: zur Gewährleistung von Sicherheit und freiem Zugang zu allen Informationen für alle Bürger sollten die Möglichkeiten zur Kontrolle noch ausgeweitet werden. Zumindest Tischmikrofone und Toilettenkameras stellen in Cafes und Wirtshäusern eine überzeugende Ergänzung der Gastraumüberwachung per Video dar.

Auf diese Weise wird unsere Stadtgesellschaft transparenter und sicherer. Der Bürger kann mehr Informationen über die politische Elite erhalten, ortsansässige Geschäfte vermögen gezielter zu werben. Auch in den Gasthäusern für einfache Menschen zahlt sich bessere Überwachung aus: kein Gast isst mehr die Reste vom Teller seines Tischnachbar, wenn dieser bereits das Lokal verlassen hat; keiner stiehlt mehr Toilettenpapier; allen Wirten wird ihre Einkaufsplanung durch die Fülle der Daten über die Konsumgewohnheiten der Gäste erleichtert.

Wenn das keine Argumente für das gläserne Gasthaus sind! Wir sollten Herrn Fischer von Cafe Liquid für seine Vorreiterrolle dankbar sein. Vielleicht hat ihn unserer OB Gönner ja schon auf der Liste jener Bürger, die ein Bundesverdienstkreuz erhalten sollen.

Ulm braucht den Blockwart

Jahr um Jahr wird die Situation schlimmer : Zigarettenkippen und Flaschen türmen sich auf Straßen und Gehwegen, die Parks sind vor lauter Hundehaufen unpassierbar, Pappe-, Papier- und Plastikberge treiben viele Bürger in den Wahnsinn oder den Suizid – Ulm hält vor der Bronx und Kalkutta einen traurigen Rekord : Ulm ist die verdreckteste Stadt der Welt.

Deshalb beschlossen die Fraktionen im Ulmer Gemeinderat, dass dem Übel Einhalt geboten werden muss. Zukünftig droht allen Müllsäuen Strafe : 10.- € für die achtlos weggeschnippte Zigarettenkippe, 15.- € für den ausgespuckten Kaugummi, 30.- € der illegal abgesetzte Hundehaufen. Und weil allein die Androhung einer Strafe nicht ausreicht, um die Stadtvermüller zu disziplinieren, braucht s Kontrolleure. Zwei will die Stadt vorerst fünf Jahre lang einsetzen, kostet natürlich eine Kleinigkeit.

Dem Vernehmen nach hält das Amt für Öffentliche Ordnung bereits geheime Listen bereit, auf denen Hunderte von Ulmern stehen, die ihrer Kehrpflicht im Sommer oder ihrer Räum- und Streupflicht im Winter nicht regelmäßig nachkommen. Auch sie müssen künftig mit konsequenter Strafverfolgung rechnen. „Ordnung muss sein“ (altes deutsches Sprichwort).

Wie wir aus der städtischen Verwaltung erfahren konnten, sind diese Maßnahmen der erste Schritt in einem dreistufigen Plan.
2009 folge die Einführung einer „regelmäßigen und flächendeckenden Hausmüll – Inspektion“, bei der städtische Müllinspekteure durch gründliche Untersuchung aller Mülleimer überprüften, ob die Bestimmungen zur Mülltrennung eingehalten würden. 2010 schließlich werde die Aktion „Das saubere Zuhause“ realisiert, die alle Haus- und Wohnungseigentümer verpflichte, die Wohnungen und Häuser ihrer Mieter regelmäßig in Augenschein zu nehmen, um die Einhaltung von „Sauberkeits-Mindest-Standards“ zu prüfen und Verstöße gegebenenfalls der Stadtverwaltung zu melden.

Aus Berlin schaltete sich Bundesinnenmister Schräuble in die Ulmer Ordnungsdiskussion mit verschiedenen Vorschlägen ein. Er empfahl, den Einsatz der Bundeswehr bei der Kontrolle aller Müll-, Kehr- und Gehsteigräumbestimmungen zu prüfen (vor allem auch den Einsatz von Nachtsichtgeräten durch das Militär). Der Bundesminister stellte finanzielle Unterstützung des Bundes in Aussicht, falls die Stadt plane, Überwachungskameras anzuschaffen und bei der Kontrolle von Müllsündern einzusetzen.

Weitergehende Maßnahmen, wie sie von einigen Stadträten gefordert wurden, lehnte der Oberbürgermeister mit Hinweis auf das Grundgesetz ab. Dazu zählen unter anderem die Wiedereinführung eines Prangers auf dem Ulmer Marktplatz sowie die Anwendung der Prügelstrafe für zahlungsunfähige Vermüller.
Die Einführung des aus der deutschen Vergangenheit bekannten Blockwartes zur Kontrolle der Mülldisziplin wird von der Stadtverwaltung noch geprüft. Auf Antrag der Grünen im Gemeinderat erhielt der Präsident der Donau-Akademie Peter Langer den Auftrag zur Ausarbeitung eines pädagogischen Konzepts, das die beschlossenen ordnungspolitischen Maßnahmen unterstützen soll.
Das Konzept trägt den Projektnamen „Sauberkeit und Ordnung in Ulm und anderen Donaustädten.“