Freunde des Kalksteins e.V.


Heute haben wir vom Donaufisch einen Verein gegründet. Er heißt „Freunde des Kalksteins. e.V.“ Unser Vereinsziel besteht darin, die Bedeutung des Kalksteins in unserer Region ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Außerdem möchte wir uns engagiert für einen nachhaltigen Umgang mit dem Kalkstein auf der Schwäbischen Alb einsetzen, dessen Existenz vielerlei Bedrohungen ausgesetzt ist.

Doch kaum ist die gute Idee in die Tat umgesetzt, erscheinen Spötter, denen nichts heilig ist, und ziehen das soeben begonnene Werk in den Schmutz. Nachstehend abgedrucktes Geschreibsel, verfasst von einem Anonymus, wurde heute Abend an die Tür unseres Vereinsheims genagelt.

Wir distanzieren uns von diesem üblen Machwerk und fordern den Verfasser auf, die erhobenen Anschuldigungen und Verleumdungen sofort zurück zu nehmen. Der Wirt und Vereinsvorsitzende Quasselstrippe erklärte, dass er zum Rücktritt vom Vereinsvorsitz entschlossen sei, wenn der Verfasser sich nicht umgehend entschuldige.

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Der Vereinsvorsitzende

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Wenn dich plagt die Lebenspein

Gründe doch einen Verein

Ziel und Zweck sind Nebensachen

Wichtig ist, etwas zu machen

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Erobere den Vorstandsposten

Und – egal mit welchen Kosten –

Mach deinen Verein bekannt

Überall im ganzen Land

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So erhältst du etwas Einfluss

Und vom Rathaus einen Zuschuss

Engagierst zehn Mitarbeiter

Es geht aufwärts – immer weiter

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Versammlung, Sitzung, Konferenzen

Das Ego wächst – ganz ohne Grenzen

Vereinsarbeit nimmt ständig zu

Die Lebenspein gibt endlich Ruh

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Du willst Ansehen, Geld, Bedeutung

Stehst auch täglich in der Zeitung

Hältst dich für ein Schwergewicht

Doch das bist du wirklich nicht

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Kalksteinfreunde e.V.

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Neu-Ulm: lieblos, ungepflegt, abweisend

Blumenkübel vor dem Geschäft aufstellen kostet 80.- im Jahr in Neu-Ulm. Als es publik wird, stoppt der Stadtrat die Gebühr. Kritiker sagen: So etwas ist typisch Neu-Ulm.

Was sagt Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg von der CSU?

„Eine Diskussion, die es eigentlich nicht wert ist, geführt zu werden. Es ist wert, drüber zu diskutieren, was können wir in Neu-Ulm machen, damit wir noch attraktiver werden, damit wir uns vielleicht auch besser verkaufen. Vielleicht ist des auch ´n Problem, dass wir uns nicht gut genug verkaufen.“ (Noerenberg in einem Interview mit dem Bayerischen Fernsehen im Juli 2013)

Herr Noerenberg hält Neu-Ulm tatsächlich für „attraktiv“ und glaubt, die Stadt habe hauptsächlich das Problem, sich zu schlecht zu verkaufen. Das ist eine sehr oberflächlichen Betrachtung, aus der selbstverständlich keine brauchbaren Schlussfolgerungen gezogen werden können. Deshalb kommt Herr Noerenberg bei der Darstellung seines Zukunftskonzeptes für Neu-Ulm über Phrasen nicht hinaus. Einkaufszentren, moderne Architektur und Wohnungen für alle wünscht er sich im Interview mit dem Fernsehen und fährt wörtlich fort:

„Jung und modern. Wir müssen an einem urbanen Zentrum bauen. Des is noch ein Thema, des wir verstärken müssen. Aber gerade mit solchen Bauten, glaub ich, kriegen wir des Image hin. Wir haben eine Schwesterstadt auf der anderen Seite der Donau – reichsstädtisch, ehrwürdig, historisch – des sind wir nicht. Also müssen wir den anderen Punkt besetzen, eben – jung und modern.“ (Quelle s.o.)

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Bitte auf das Foto klicken, um den Filmbeitrag des Bayerischen Rundfunk zu sehen.

Wir vom DF sind gespannt, wie Herr Noerenberg das Image „hinkriegen“ wird. Heute ist eben die alles entscheidende Frage, wie in den Medien über einen berichtet wird, tatsächliche Verhältnisse spielen keine Rolle.

Ein Tipp an Herrn Noerenberg: Ulms Baubürgermeister Wetzig geht bald in den Ruhestand. Engagieren Sie ihn als Berater. Er wird Neu-Ulm in kurzer Zeit zahlreiche moderne Bauwerke errichten, die in den Medien und in aller Welt größte Beachtung finden werden. Wir sind überzeugt, dass es Ihnen, Herr Noerenberg, auf diese Weise gelingen wird „den Punkt jung und modern zu besetzen“.

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Nicht mehr lange und die Augsburger Straße, die Neu-Ulm von West nach Ost kilometerlang durchzieht, wird zu einem Schmuckstück, das in einem Atemzug mit der Avenue des Champs-Élysées , dem Broadway oder Unter den Linden genannt werden wird. Der Plan Gerold Noerenbergs: junge und moderne Bauen nach dem Ulmer Vorbild.

Herr Gottfried Böhm, Herr Stephan Braunfels, Herr Wolfram Wöhr – halten Sie sich bereit! Herr Noerenberg benötigt Ihre Dienste. Angefangen wird mit dem Bau einer Pyramide, die anstelle des unansehnlichen Flachbaus auf unserem Foto errichtet werden soll.

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/ 13.9.2013

Neu-Ulmer Kübelkrieg

St. Johann Baptist 1

Neu-Ulm ist die hässlichste Stadt der Welt.

Daran besteht unter Einheimischen und Gästen kein Zweifel. Dass die bayrische Landesregierung bisher davon absah, den Komplettabriss Neu-Ulms anzuordnen, verdankt die Stadt einem einzigartigen Baudenkmal in ihrem Zentrum – St. Johann Baptist, einem Bauwerk, das von Dominikus Böhm von einer neoromanischen zur expressionistischen Kirche umgestaltet wurde.

Kein Mensch weiß, was den Stadtverein „Wir in Neu-Ulm“ für ein Teufel geritten hat – war es Denkfaulheit, Aktionismus oder gar Masochismus – jedenfalls lud dieser Verein einen Experten für Standortmarketing ein und beauftragte ihn, die Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Unter uns gesagt, gleicht dieser Hilferuf des Stadtvereins an den Marketingexperten doch sehr dem Verhalten Angehöriger eines Verstorbenen, die in ihrer Verzweiflung den Arzt ans Totenbett rufen und ihn bitten, den Verblichenen wieder zum Leben zu erwecken.

Der Experte Professor Doderer, Inhaber einer Kommunikationsagentur und Lehrbeauftragter an der Hochschule Furtwangen kam. Statt die Karten auf den Tisch zu legen und ehrlich zu bekennen, dass er nicht über göttliche Fähigkeiten verfüge, verbreitete er Zuversicht und versprach den Herren vom Stadtverein Vorschläge, wie Neu-Ulm in eine „Wohlfühlstadt“ umgewandelt werden könne.

Zwei Stunden spazierte der Professor sieben Mal vom einen Ende Neu-Ulms ans andere und wieder zurück. Zwei Minuten hatten ihm gereicht, um zu sehen, was mit dieser Stadt los ist. Die restlichen 118 Minuten trieben ihn zwei Fragen um: Was sag ich bloß den Herren vom Stadtverein und wie sag ich es ihnen? Offensichtlich wirkte die triste Augsburger Straße anregend auf den Professor, der nach seiner Rückkehr von der Stadterkundung zum Vorsitzenden des Stadtvereins „Wir in Neu-Ulm“ sagte:

„Ich habe sehr viele Beobachtungen gemacht und diese kurz protokolliert. Nun werde ich nach Furtwangen zurückkehren und meine Notizen zu einem Gutachten ausarbeiten. Bitten Sie doch alle wichtigen Leute Neu-Ulms am 15.Juni ins Edwin-Scharff-Haus. Ich werde dann coram publico die wichtigsten Ergebnisse meiner Untersuchung referieren.“

So geschah es. Im Beisein aller Vorstandsmitglieder des Stadtvereins, in Anwesenheit von sieben Stadträten, zwei Gastronomen, eines Immobilienmaklers und drei Vereinsvorsitzenden fasste Professor Doderer am Abend des 15. Juni die „Essentiellen Resultate seiner empirischen Beobachtungen und Datenerhebung zum Zustand der Bayrischen Stadt Neu-Ulm im Jahr 2013“ zusammen:

der Asphalt ist sanierungsbedürftig, das Ortsschild zu klein, Verbotsschilder gibt es zu viele, Bänke und Papierkörbe zu wenig, der Schriftzug am Bürgerbüro ist hässlich, gleiches gilt für die Schaufenster, während an Bordsteinen Moos und Gras wachsen, sprießt sonst zu wenig Grün in der Stadt.

Fazit: Fehlendes ästhetisches Bewusstsein sowie fehlende Erlebbarkeit der Wasserfront (Donau) sind zu konstatieren. Ein „Masterplan 2025“ muss aufgestellt werden. Hauptinhalt sollte ein Begrünungskonzept sein, mehr „Aufenthaltsqualität“ ist zu schaffen.

Nach diesem Vortrag waren die Zuhörer froh: So eine messerscharfe Analyse, so klar formulierte Vorschläge hatten sie nicht erwartet. Andererseits waren die Anwesenden auch erleichtert: Mit keinem Wort hatte der Marketingexperte erwähnt, dass Neu-Ulm die hässlichste Stadt der Welt ist. Das machte Hoffnung.

So nahm schon einen Tag nach der Abreise Professor Doderers das Unheil seinen Lauf.

Ein Ladenbesitzer, Mitglied im Vereinsvorstand „Wir in Neu-Ulm“ stellte einen Blumenkübel vor seine Tür, um auf diese Weise einen Beitrag zur Stadtbegrünung zu leisten. Der städtische Bedienstete Stephan Endres nahm dies zum Anlass, um auf die „Satzung für straßenrechtliche Sondernutzung“ hinzuweisen, die es der Stadt Neu-Ulm ermögliche, für das Aufstellen eines Pflanzenkübels eine Jahresgebühr von 80 € zu verlangen. Daraufhin drohte der bekannteste Kulturschaffende Neu-Ulms, der zugleich Vorsitzender des Stadtvereins „Wir in Neu-Ulm“ ist, mit seinem Rücktritt, falls die Stadtverwaltung die Sondernutzungsgebühr in Höhe von 80 € nicht abschaffen sollte. Jetzt war es Zeit, dass sich der CSU-Oberbürgermeister Gerold Noerenberg einschaltete. Er tat es mit der Erklärung, dass diese Sondernutzungsgebühr doch noch nie erhoben worden sei…

Ehe wir uns versahen, war in der Stadt Neu-Ulm ein Krieg ausgebrochen, zu dem es nie gekommen wäre, wenn sich die Beteiligten rechtzeitig daran erinnert hätten, was sie doch alle schon lange wissen:

Neu-Ulm ist die hässlichste Stadt der Welt.

St.Johann Baptist 2

St. Johann Baptist 3

/ 14.7.2013