Das Geheimnis des Löwenmenschen

Im Hohlenstein im Lonetal wurden 1939 bei archäologischen Grabungen durch Robert Wetzel zahlreichen Splitter entdeckt, in eine Zigarrenkiste verpackt und nach Tübingen verbracht. Die Kiste lagerte dort fast drei Jahrzehnte unberührt. 1968 setzte Joachim Hahn die 200 Fragmente zusammen. Es entstand eine Statuette: 30 Zentimeter hoch, geschnitzt aus dem Stoßzahn eines Mammuts , sie stellt ein Wesen halb Mensch, halb Tier dar. Die Figur ist 35.000 und 40.000 Jahre alt. Sie erhielt den Namen „Löwenmensch“ und wurde im Ulmer Museum ausgestellt. Nachdem weitere Teile aufgetaucht waren, erfolgte 1982 eine Rekonstruktion durch Elisabeth Schmid, die sich nach getaner Arbeit sicher war: Die Statuette zeigt eine Löwenfrau. Bei jüngsten Grabungen wurden weitere 700 Spitter gefunden. In der Werkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege in Esslingen zerlegten Fachleute den Löwenmenschen erneut in seine 220 Bestandteile und fügten diese mit den 700 neu entdeckten Splittern zusammen. Das Ergebnis ist verblüffend: Die Statuette zeigt kein Mischwesen, sondern einen Menschen.

Hohlensteinhöhle im Lonetal 1

Die Fotos zeigen die Hohlensteinhöhle im Lonetal in der Nähe von Asselfingen

Hohlensteinhöhle im Lonetal

Nun ist die Aufregung in Ulm groß. Am 15. November 2013 soll der „neue Löwenmensch“ von Esslingen wieder nach Ulm kommen. Eine große PR-Aktion ist geplant. 150.000 € Sonderetat hat der stellvertretende Chef des Ulmer Musums Kurt Weinberger zur Verfügung, um etwas ganz Großes auf die Beine zu stellen: Vorträge, Elfenbeinschnitzkurse, Exkursionen zum Hohlenstein. Jill Cook vom British Museum in London wird erwartet. An der Spitze der Bewegung zur Mobilisierung „einer breiten Öffentlichkeit“ steht die Ulmer SPD mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Martin Rivoir. Einen Antrag an Oberbürgermeister Gönner hat er gestellt. Die Rückkehr des Löwenmenschen soll ganz groß inszeniert werden. Wie – das weiss Martin Rivoir noch nicht. Aber eines weiss er: „Nach dieser Veranstaltung muss aller Welt klar sein, dass das älteste Kunstwerk der Welt in Ulm steht.“

Wir vom DF-Stammtisch haben uns auch Gedanken gemacht, wie die Rückkehr unseres Löwenmenschen zu einem von der ganzen Welt beachteten Ereignis gestaltet werden könnte. Im Mittelpunkt der Kampagne – denn nur eine solche kommt in Frage – muss das Geheimnis des Löwenmenschen stehen: Vom Löwenmensch über die Löwenfrau zum Prototyp des Lonetal-Menschen, wie er vor 40.000 Jahren dem Mammut nachstellte. In Esslingen konnten wir heimlich bereits einen Blick auf den „neuen Löwenmenschen“ werfen. Ein befreundeter Künstler fertigte nach unserer Beschreibung ein Kunstwerk, das in der Tradition Andy Warhols steht. Der DF stellt es gerne kostenlos der Stadt Ulm zur Verfügung. Vielleicht wäre dieses Popartwerk das geeignete Medium, um für den 15. November 2013, den großen Tag der Rückkehr des Löwenmenschen zu werben. Irgendwie kommt einem die 40.000 Jahre alte Statuette doch vertraut vor. Finden Sie nicht auch?

Ulmer Löwenmensch

Löwenmenschen – News

1. Das Landesdenkmalamt beschwert sich in einer Presseerklärung, dass auf den Werkstattleiter, der den Löwenmenschen aus 920 Fragmenten rekonstruierte, massiv politischer Druck ausgeübt worden sei. Unter Androhung finanzieller Nachteile für das Denkmalamt habe das Ulmer Rathaus und die SPD-Zentrale in Stuttgart vom Werkstattleiter verlangt, den Kopf des Löwenmenschen so zu gestalten, dass er dem Kopf des Ulmer Oberbürgermeisters Ivo Gönner (SPD) ähnlich sehe.

2. Hans-Uli Thierer, der Lokalchef der SWP, erfuhr von Martin Rivoir (MdL), worum es bei der Rückkehr des Löwenmenschen im November 2013 gehe: „Es geht nicht um ein Spektakel – aber darum, die Rückkehr spektakulär zu präsentieren“. Ob Martin Rivoir wohl zwischen einer seriösen Präsentation und einer niveaulosen Kommerzkampagne unterscheiden kann? / 23.8.13

3. Heute war Martin Rivoir zusammen mit Kultusminister Andreas Storch mit dem Fahrrad im Lonetal unterwegs. Vor dem Hohlenstein (hohl!) gab er eine seiner berühmten Sentenzen von sich: „Authentisch kann man die Kunstobjekte nur dort erleben, wo sie herkommen“. Was heißt das? Kommt der Löwenmensch jetzt wieder dorthin, wo er herkommt – nach Asselfingen? Wird das Ulmer Museum damit einverstanden sein? Vor der Höhle kamen Martin Rivoir noch mehr gute Ideen: ein „nachhaltiges Tourismuskonzept“ mit einer gemeinsamen „Dachmarke“findet er gut. „Dachmarke“ – dieser Terminus technicus war uns bisher gänzlich unbekannt. Der Begriff hat aber nichts mit „Dachschaden“ zu tun – oder? /24.8.13

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